Das Blut der Pikten von Zach/ Bauer

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Das Blut der Pikten“,, 560 Seiten.ISBN 3-453-41939-1.

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Kurzgefasst:

Grönland, 937 A. D.: Das Volk der Pikten ist nahezu ausgelöscht worden. Die wenigen Überlebenden hat es nach Grönland verschlagen, wo sie unter härtesten Naturbedingungen ihr Dasein fristen. Als die Gemeinschaft eines Tages von Nordmännern angegriffen wird, begibt sich eine Schar kampferprobter Pikten unter dem Krieger Kineth auf die große Queste ins Reich ihrer Vorfahren, um eine alte Prophezeiung zu erfüllen. Auf ihrer gefahrvollen Reise geraten die Unerschrockenen zwischen britannische Heeresführer und marodierende Wikinger …

Das meint Histo-Couch.de: „Der Beginn einer großen Reise“76

Rezension von Annette Gloser

Man schreibt das Jahr 937 A.D.: Eine kleine Gruppe Überlebender aus dem Volk der Pikten hat auf Grönland eine neue Heimat gefunden. Aber das Leben ist hart und man ist völlig abgeschnitten von jedem Kontakt zur restlichen Welt. Als eine Gruppe Nordmänner an die Insel getrieben wird, fackeln die einheimischen Krieger nicht lange und vernichten die Eindringlinge. Zurück bleiben das Drachenboot und eine heimtückische Krankheit, die mit den Nordmännern in das ferne Land gekommen ist. Vor allem die jungen Menschen drängen darauf, Grönland zu verlassen und in die alte Heimat der Pikten weit im Norden der britischen Insel zurück zu kehren. Noch zögert Brude, der Anführer des Dorfes, aber bald wird ihm klar, dass ihm keine andere Wahl bleibt: Er muss eine Gruppe los schicken, einen anderen Siedlungsplatz zu suchen, denn sonst ist sein Volk dem Untergang geweiht. Zwar ist ihm bewusst, dass der junge Kineth der beste Anführer für diese Gruppe wäre, trotzdem ernennt Brude seinen Sohn Caitt zum Führer und hofft darauf, dass dieser in seine Rolle hinein wachsen wird.

Fünfzig Menschen machen sich auf den Weg über das Meer, ohne Erfahrung in der Seefahrt und mit nicht mehr in der Hand als einer alten Prophezeiung: Sucht das Grab des letzten Königs, wenn ihr eine neue Heimat finden wollt!

Blutige Zeiten                                                                                                             

Die Helden dieser Geschichte sind ausnahmsweise mal nicht die derzeit so in Mode gekommenen Wikinger, sondern Pikten, Angehörige von Völkern, welche zu dieser Zeit schon vernichtend geschlagen waren und aufgehört hatten, als eigenständige Völker zu existieren. Ganz ohne Nordmänner geht es natürlich nicht in diesem Roman, aber nur einer von ihnen schafft es ins Stammpersonal. Umso spannender wäre es, möglichst viel über die Pikten zu erfahren. Wobei natürlich die Frage aufkommt, was sich denn heutzutage über diese Völker in Erfahrung bringen lässt und was man der Phantasie überlassen muss. Interessant ist, dass bei ihnen Männer und Frauen offenbar gleichberechtigt kämpften, jagten und Entscheidungen trafen, so zumindest vermittelt es dieser Roman. Und natürlich wird viel gekämpft in diesem Buch, es fließt reichlich Blut, nicht nur das der Pikten. Die unerfahrenen Seereisenden werden an fremde Gestade gespült, in Kämpfe hinein gezwungen, erfahren Tücke und hinterhältige List. Daraus ergibt sich eine spannende Geschichte, der man gerne folgt. Nicht immer scheint diese Geschichte an den realen Fakten orientiert, z.B. wenn die Reisenden auf das Dorf der Frauen treffen, dennoch hat man nie das Gefühl, einen Roman zu lesen, der am historischen Geschehen vorbei geht.

Die kleinen Dinge des Lebens

Dennoch muss der Leser viel Phantasie aufbringen, um sich mit den Protagonisten des Romans bekannt zu machen und anzufreunden. Hier wird das große Ganze erzählt, auf der Strecke bleiben die Details. Jene Details, die das Alltagsleben für den Leser greifbar machen, die ihm eine Vorstellung davon vermitteln, welche Kleidung die Leute trugen, wie sie aussahen. Viel mehr als Haarfarbe und ungefähre Größe (sehr groß, eher schmächtig etc.) erfährt man als Leser eigentlich nicht. Ausgenommen natürlich Tätowierungen. Hier leistet die Gestaltung des Buches einen wichtigen Beitrag, denn das sogenannte piktische Tier, trotz guter Beschreibung schwer vorstellbar wenn man es noch nie gesehen hat, taucht als Kapiteltrenner immer wieder auf – ebenso wie andere Tiergestalten.

Große Veränderungen in der Romanhandlung werden durch kleine Geschichten angekündigt, in denen jeweils ein Tier im Mittelpunkt steht. Das gibt dem Roman eine interessante Besonderheit und stimmt den Leser auf Kommendes ein. Allerdings scheinen sich gerade am Ende des Romans die Ereignisse zu drängen und das Erzähltempo steigert sich sehr. Beim Lesen entsteht das Gefühl, regelrecht zum Ende gejagt zu werden. Ein wenig mehr Gelassenheit, mehr Zeit für das Seelenleben der Protagonisten, würden diesem Roman gut tun.

Unterhaltsam und spannend

Bastian Zach und Matthias Bauer beginnen mit Das Blut der Pikten offenbar eine Romanreihe, zumindest lassen das relativ offene Ende des Romans und der Satz „Der Sturm der Schwerter beginnt!“ auf der Coverrückseite darauf schließen, dass da Weiteres in Planung ist. Das könnte eine spannende und hochinteressante Reihe werden. Ein Nachwort des Autorenduos gibt es leider nicht, dafür jedoch ein Glossar für schwer auszusprechende Wörter und eine Karte. Diese allerdings ist auch nicht so ganz einfach zu lesen. Unterhaltsam ist der Roman auf jeden Fall und all jene, die Europas Norden und seine Geschichte gerne literarisch erkunden, sollten sich diesen Roman nicht entgehen lassen.

Ihre Meinung zu »Zach/ Bauer: Das Blut der Pikten«

tassieteufel zu »Zach/ Bauer: Das Blut der Pikten«09.01.2017
Nach verheerenden Kämpfen wurde das Volk der Pikten fast ausgelöscht, die letzten Überlebenden haben sich nach Grönland gerettet und fristen dort seit einigen Generationen ein eher mühsames Dasein. Als ein Wikingerschiff auf der Insel landet, gelingt es einigen Kriegern, das Schiff in ihre Gewalt zu bringen, nun kann eine ausgewählte Kriegerschar in die verlorene Heimat aufbrechen um eine alte Prophezeiung zu erfüllen.

Nachdem mir die Morbus Dei Trilogie der beiden Autoren so gut gefallen hatte, war die Erwartungshaltung und die Freude auf das neue Buch natürlich groß. Leider muß ich sagen, dass ich vom "Blut der Pikten" ziemlich enttäuscht war und das eigentlich um so mehr, da ich ja wußte, dass es die beiden Autoren wesentlich besser können.
Zunächst beginnt die Geschichte in Grönland, die Pikten erobern ein Wikingerschiff, dass sich zufällig in ihr unfreiwilliges Exil verirrt hat, der Start war hier eigentlich ganz spannend, zumal ein Teil der Nordmänner ja von einer merkwürdigen Krankheit heim gesucht wurde. Dann jedoch wird der Leser mit einer Unmenge an Namen konfrontiert, Brude Sohn des Wredech, Danaidh, Sohn des Earwine, Kineth, Sohn des Uist..... (das könnte man noch ewig weiterführen) aber außer den Namen erfährt man kaum etwas über die Charaktere, sind die groß oder klein, dick oder dünn, blond oder dunkelhaarig? Hier bekommt man als Leser nur wenig Informationen, auch was sie für Kleidung und Waffen tragen, bleibt weitgehend unklar. Fast am Ende des Buches wird z.B. erwähnt, dass Unen, der hühnehafte Krieger seinen Bart abrasiert, den er schon sein ganzes Leben lang hat wachsen lassen. Da sind aber Informationen, die man eigentlich am Angang bekommen müßte, um sich so ein besseres Bild von den einzelnen Figuren machen zu können, so bleiben alle Charaktere blass und konturlos. Über Bjorn, Egills Kampfgefährten, der nur ganz kurz in der Geschichte vorkommt, erfährt man insgesamt mehr als über die wichtigen Hauptfiguren, hier fehlte mir irgendwie die richtig Ausgewogenheit und so konnte mich das ganze Buch über keine Figur so richtig bewegen und an seinem Schicksal mitfiebern lassen, lediglich Kinteh und Egill bekommen im Laufe der Geschichte ein wenig Profil und wirklich sympathisch wurde mir nur Tynan der Wolf.
Außerdem hätte dem Buch auf jeden Fall ein Karte gut getan, zumindest im eBook ist keine vorhanden. Da ist z.B. vom Land Innis Ban die Rede oder vom Land Alba usw., man kann sich natürlich ein wenig zusammen reimen, dass es hier eben um Grönland, England und Irland geht, aber man bekommt keine richtige Vorstellung davon, wo sich das Ganze nun abspielt und da wäre eine Karte schon sehr hilfreich gewesen. Auch das eher karge Glossar gibt nicht viel Aufschluß und so tappt man auch hier im Dunkeln.
Die Geschichte an sich ist nicht unspannend, aber auch hier wird wieder viel Potenzial verschenkt, weil Szenen die für den Fortgang der Geschichte ganz unwesentlich sind, wesentlich detaillierter behandelt werden, als wichtige Szenen, die manchmal ganz abrupt enden. Nachdem die Gruppe um Kineth in See gestochen ist, kommen die Ereignisse Schlag auf Schlag, alles wird viel zu schnell abgehandelt, ständig werden neue Figuren eingeführt, ohne dass man zu den vorherigen eine Beziehung hätte aufbauen können. Zudem hat sich mir nicht wirklich erschlossen, was die Pikten in ihrer alten Heimat zu finden hoffen. Dort leben längst viele andere Menschen, die sicher nicht einfach so das Feld räumen werden. Zwar wurde geschrieben, dass sie einer alten Prophezeiung folgen, aber genauso planlos wie sie von Grönland losgezogen sind, so unbedacht und chaotisch stolpern sie weiter durch ihre diversen Abenteuer und auch in Handlungsstrang auf Grönland, der die Entwicklung im Heimatdorf schildert, bleibt vieles unklar.
Das Ende ist dann ziemlich abrupt und offen und wird wohl erst im nächsten Teil Aufschluß über die weiteren Entwicklungen geben, ob ich einen 2. Teil lesen werde, steht aber noch in den Sternen.


FaziT: die Geschichte an sich ist nicht uninteressant und wird von den Autoren flott und rasant erzählt, allerdings wird viel Potenzial verschenkt, weil wichtige Szenen abrupt enden, andere, die für den Fortgang der Geschichte aber uninteressant sind, recht weitschweifig ausgeführt werden. Auch die Figurenzeichnung war sehr enttäuschend, die Charaktere bleiben aber allesamt blass und konturlos und es gelingt den Autoren nicht, große Empathien zu wecken. Schade, für mich war das Buch sehr enttäuschend und das doppelt, weil ich mich so drauf gefreut hatte.
Werner Vorhofer zu »Zach/ Bauer: Das Blut der Pikten«14.09.2016
Wie schon bei den Vorgänger-Büchern "Morbus Dei", so glänzt auch dieses Werk durch bildhafte Beschreibungen! Dank der profunden Recherche im Hintergrund wird neben einer spannenden Geschichte auch ein historisch interessanter Einblick vermittelt. Die Charaktere sind kurzweilig und keine Stereotypen, bemerkenswert ist auch, dass Frauen durchaus eine starke Rolle (aus)spielen. Kurz: Eine spannende Reise in die Welt der Pikten und deren Widersacher. Mehr davon!
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