Die Flucht nach Heidelberg von Wolfgang Vater

Buchvorstellungund Rezension

Die Flucht nach Heidelberg von Wolfgang Vater

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Die Flucht nach Heidelberg“,, 312 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Heidelberg 1683 – Nur der Magd und der kleinen Tochter der Hugenottenfamilie Lamadé ist die Flucht aus dem besetzten Sedan nach Heidelberg gelungen. Auf dem Heidelberger Schloss finden sie Unterschlupf. Die Intrigen am Hof, den Tod des letzten reformierten Kurfürsten, die Rekatholisierung der neuen Heimat und die Verwüstung der Kurpfalz durch den berüchtigten Mélac erleben sie hautnah. Als ihre Verfolger in Heidelberg auftauchen, überstürzen sich die Ereignisse.

Das meint Histo-Couch.de: „Der Herr ist mein Hirte …(Psalm 23)“75

Rezension von Karin Speck

Claude lebt als Magd bei der Familie Lamadé im französischen Sedan. Ihr Leben verläuft in ruhigen Bahnen, als sie gezwungen wird, mit der Tochter des Hauses, Helene, das Land zu verlassen. Es ist das Jahr 1683 und die Hugenotten werden gnadenlos gejagt und dazu gezwungen, ihren Glauben aufzugeben und sich dem katholischen Glauben zuzuwenden. In Heidelberg, bei Verwandten der Lamadés, hofft Claude auf Unterstützung und Frieden. Doch schon bald muss Claude erkennen, dass auch hier keine Sicherheit geboten ist. Die Verfolgung der Hugenotten weitet sich bis in das sicher geglaubte Heidelberg aus.

Von Sedan nach Heidelberg, ein Weg voller Gefahren

Der Erzählstil von Wolfgang Vater ist etwas schwierig zu lesen, er mutet ziemlich altertümlich an, ist dabei aber der Zeit, in der dieser Roman spielt, durchaus angepasst. Der geschichtliche Hintergrund ist gut dargestellt, aber leider fehlt die Verbindung zu den Protagonisten. Claude wird eher nur oberflächlich beschrieben und wirkt ziemlich blass und unscheinbar.

Zunächst beginnt die Geschichte spannend in Frankreich. Das Leben von Claude als Magd wird geschildert, genauso wie das Leben von Helene und ihrer Familie. Nach der Flucht und dem Eintreffen in Heidelberg verliert sich die eigentliche Geschichte aber in Einzelheiten des historischen Hintergrundes. Es scheint fast so, als wären die Protagonisten hier nur das schmückende Beiwerk und nicht die Geschichte. Es werden zwar noch neue Protagonisten eingeführt, wie zum Beispiel Gottfried, der in Heidelberg lebt und der Leibgarde des Kurfürsten angehört. Er wird schnell zum Freund und Sympathieträger, vor allem Claude ist ihm sehr zugetan. Dann gibt es noch Eusebius Anton Hasenbein, der der katholischen Seite angehört. Durch ihn wird erzählt, wie gegen die Glaubensgegner vorgegangen wurde. Er steht für die Intrigen und Machtspiele am Hof. Dann gibt es die Familie Marotte, die Verwandtschaft der Lamadés, die selbst vor Jahren nach Heidelberg eingewandert war und nun im Dienst des Hofes steht. Bis jetzt durften sie ihren Glauben in Heidelberg leben. Aber auch hier fehlt insgesamt irgendwie die Verbindung zum Leser. Die Charaktere wirken eher oberflächlich und ihnen fehlt die nötige Tiefe.

Wolgang Vater erzählt viel von den politischen Verhältnissen, zunächst in Frankreich und dann später in und um Heidelberg. Von der Politik der Herrscher und von der Führung der Kurpfalz ist die Rede, es wird erzählt, wie die Glaubensbewegungen der Hugenotten und Calvinisten zusammenhängen und wie die Regierung dazu stand. Aber irgendwie entsteht das Gefühl, man liest eine Geschichte in der Geschichte. Von Claude ist im Mittelteil der Handlung beispielsweise nicht viel zu lesen. Dafür gibt es aber einige kleine Geschichten um die Kurpfalz und ihren historischen Hintergrund.

Das ist das Tor des Herrn; die Gerechten werden da hineingehen (Psalm 118, 20)

So einige Gebete sorgen dafür, dass der Leser den christlichen Hintergrund nicht vergisst und zwischendurch ist es auch schon mal nervig. Es handelt sich hier um die Vertreibung und Verfolgung der Hugenotten, dies ist ein christlicher Hintergrund und sollte eigentlich ausreichen. Der Autor hat aber noch jede Menge Gebete eingefügt und weist darauf hin, wie sich die Hugenotten und Calvinisten zu verhalten haben, wobei die Verfolgung und Sanktionen gegen die Hugenotten sehr gut und auch lebhaft geschildert werden.

Leider fehlt ein Nachwort des Autors, so dass der Leser nicht genau nachvollziehen kann, was Fiktion und was Wahrheit ist. Auch wäre es sicher interessant gewesen, zu lesen, wie die Hugenotten und Calvinisten zusammen gehören. Das Cover, das in Flammen zu stehen scheint, passt gut zu der Geschichte, auch hier scheint die Welt in Flammen zu stehen.

Die Flucht aus Heidelberg weist mit vielen geschichtlichen Begebenheiten des 17 Jahrhundert auf, aber leider ist sie zwischendurch etwas langatmig und nur wenig spannend. Erst das letzte Drittel ist richtig packend und lässt den Leser die altertümliche Sprache vor Spannung vergessen.

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