Der Untergang der Kurpfalz von Wolfgang Vater

Buchvorstellungund Rezension

Der Untergang der Kurpfalz von Wolfgang Vater

Originalausgabe erschienen 2011unter dem Titel „Der Untergang der Kurpfalz“,, 320 Seiten.ISBN 3939540757.

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Kurzgefasst:

1799: Die Kurpfalz steuert auf dramatische Ereignisse zu. Die linksrheinische Pfalz ist besetzt. Die französischen Revolutionsheere stehen vor den Toren Mannheims und Heidelbergs. Der Kampf tobt. Die Österreicher versuchen, dem Ansturm standzuhalten. Niemand weiß, wie sich das Blatt wenden wird und wem man in diesen Zeiten noch vertrauen kann. August Hosé und der taube Künstler Peter de Walpergen haben mit Gleichgesinnten versucht, durch die Macht der Aufklärung, den über sie hereinbrechenden Kriegswirren zu begegnen. Aber auch sie scheint der unerbittliche Strudel der Zeit mitzureißen, zumal sie von ihrer nicht unbelasteten Vergangenheit eingeholt werden.

Das meint Histo-Couch.de: „Die Inhaltsangabe ist eine dreiste Mogelpackung“70

Rezension von Jörg Kijanski

Was mag den Wellhöfer Verlag da geritten haben? Auf dem Buchrücken des vorliegenden Romans ist zu lesen: „1799 – Die Kurpfalz steuert auf dramatische Ereignisse zu.“ So beginnt die kurze Inhaltsangabe. Zunächst wundert man sich, denn die „dramatischen“ Ereignisse jener Zeit begannen ja schon zehn Jahre zuvor mit dem Sturm auf die Bastille. Doch wie groß wird die Verwunderung, wenn man anfängt Der Untergang der Kurpfalz zu lesen; erwartet man immerhin einen Roman, in dem es um die Kampfeshandlungen zwischen österreichischen, preußischen und französischen Truppen geht. Stattdessen stellt man erstaunt fest, dass die Romanhandlung im Jahr 1738 (!) beginnt und das Jahr 1799, um welches es ja laut Klappentext angeblich geht, erst auf Seite 295 (!!) erreicht wird. Bliebe abschließend noch zu erwähnen, dass die Geschichte auf Seite 313 endet.

Zu dieser Zeit hatten sich die Franzosen mit den Preußen, den Bayern und den Pfälzern gegen die Österreicher verbündet und so machte ich mich mit vielen anderen geradewegs auf in den Krieg. Bis jetzt habe ich alle Schlachten überlebt und so Gott will, komme ich wieder mit zwei gesunden Beinen und Armen zurück. Allerdings weiß ich nicht genau, um was wir eigentlich kämpfen, nur, dass halt die Österreicher unsere Gegner sind.

Dabei hätte der Roman von Wolfgang Vater durchaus interessant und vor allem wahrheitsgemäß beworben werden können, denn dieser zeigt vornehmlich den Lebensweg der Freunde August Hosé und dem tauben Peter de Walpergen auf. Letzterer brachte es als Künstler zu einem gewissen Ruhm und so können seine Werke zum Teil noch heute in Heidelberg bewundert werden. August und Peter wachsen gemeinsam auf, und so werden zunächst deren Kinder- und Jugendjahre beschrieben, in denen Peters Familie näher vorgestellt wird. Dabei machen die Beiden auch Bekanntschaft mit Eleonore und Charles, zwei Kindern aus einer adeligen Familie. Während Eleonore sich zu ihnen hingezogen fühlt, entwickelt sich Charles zum strengen Katholiken, der Andersgläubige als Ketzer am liebsten im Kerker sehen würde.

Eine etwas andere Vorgeschichte der Französischen Revolution

So entsteht – über die Jahrzehnte – ein durchaus lesenswertes und kurzweiliges Werk, in dem die beiden Protagonisten die Ereignisse ihrer Zeit für die Leser erlebbarer machen. Den Menschen geht es überwiegend schlecht, denn Kirche und Adel halten an ihrer Macht fest. Zudem gibt es einen tiefen religiösen Spalt in der Gesellschaft zwischen den „regierenden“ Katholiken auf der einen sowie Lutheranern und Reformierten auf der anderen Seite, wobei sich die protestantischen Lager nicht gerade wohlwollend gegenüberstehen. Der Traum von Freiheit und Gleichheit erfüllt zunehmend den Zeitgeist, zumindest bilden sich erste freidenkerische Zirkel, deren Mitglieder freilich nur im Geheimen agieren können. Auch in Heidelberg (hier spielt die Handlung) gründet sich ein Lesezirkel, dem bald auch Peter und August angehören werden.

Zu einer Welt, wie sie Gott gewollt hat, müssen wir zurückkehren! Beim Schöpfungsakt gab es keine Reichen und Armen, keine Besitzenden und Leibeigenen. Alle waren gleich. Und was wurde daraus?

Frei, offen und mitunter verbissen wird debattiert, währenddessen Charles durch zahlreiche Tricks und Betrügereien Karriere macht und schließlich bei der Geheimpolizei landet. Das Privatleben von Peter, August und Eleonore steht im Vordergrund der Erzählung, wobei die historischen Ereignisse in der Kurpfalz rund um den Kurfürsten Carl Theodor eher zaghaft eingestreut werden. Erst in der zweiten Hälfte, nachdem die Hauptfiguren schon den ein oder anderen herben Schicksalsschlag verarbeiten mussten, zieht der Autor das Erzähltempo spürbar an und rückt zunehmend die politischen und militärischen Ereignisse in den Vordergrund und liefert somit, was man eigentlich von Anfang an erwarten durfte.

In das 18. Jahrhundert wird man leider nur bedingt versetzt

Die religiösen Konflikte, dem Entgegenfiebern nach Freiheit sowie einem grundlegenden gesellschaftlichen Umbruch, die politischen Ereignisse in Frankreich und damit letztlich auch der Untergang der Kurpfalz werden durchaus anschaulich beschrieben. So ist dieser Roman von Wolfgang Vater nicht nur für Pfälzer interessant, denn ein typischer „Regional-Roman“ ist das Werk beileibe nicht. Wer sich für die Geschichte rund um die Französische Revolution interessiert, sollte zugreifen. Leider gelingt es dem Autor aber nur sehr begrenzt, seine Leser in die damalige Zeit zu entführen. Zu oberflächlich bleibt der Autor, wenn es um die konkreten Lebensverhältnisse geht. Da hätte er schon etwas mehr „in die Tiefe“ gehen müssen, was auch auf die Beschreibung der Charaktere zutrifft. Vor allem der Fiesling Charles ist eine leblos gezeichnete „Schwarz-Weiß-Figur“.

 

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