Im ersten Licht des Morgens von Virginia Baily

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Early One Morning“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 432 Seiten.ISBN 3-453-35913-5.Übersetzung ins Deutsche von Christiane Burkhardt.

»Im ersten Licht des Morgens« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

Kurzgefasst:

Bevor an einem Morgen im Jahr 1943 die Sonne aufgeht, tritt Chiara im besetzten Rom auf die Straße. Noch ahnt sie nicht, dass sie an diesem Tag einem kleinen Jungen das Leben retten wird. Doch als sie Daniele begegnet, verbinden sich ihre Schicksale unwiderruflich miteinander. Chiara nimmt ihn allen Widrigkeiten zum Trotz an wie einen Sohn. Aus Liebe tut sie fortan alles, um ihn zu schützen und aus Liebe begeht sie nach Kriegsende einen folgenschweren Verrat ...

Das meint Histo-Couch.de: „Auf der Suche nach der Wahrheit“87Treffer

Rezension von Rita Dell'Agnese

An einem frühen Morgen im Jahr 1943 erreicht Chiara Ravello der verschlüsselte Hilferuf eines Freundes. Die junge Frau aus Rom weiß, was das bedeutet: Die Deutschen sind den Freunden, die im Untergrund agieren, auf den Fersen. Ohne zu zögern macht sie sich auf den Weg ins jüdische Ghetto, um mitzuhelfen, Spuren zu beseitigen. Fassungslos erlebt Chiara, wie im Ghetto vorwiegend jüdische Frauen und Kinder zusammengetrieben und für die Deportation auf Lastwagen geladen werden. Eine junge Mutter bemerkt Chiara und schiebt ihr mit flehendem Blick ihren Sohn Daniele zu. Chiara versteht. Sie gibt Daniele als ihren Neffen aus und schafft es, ihn vor der Deportation zu bewahren. Sie nimmt ihn bei sich auf. Doch das verstörte Kind dankt es seiner Retterin nicht. Der Junge, der miterlebte, wie seine Familie verschwand, lehnt sich immer mehr gegen Chiara und sein Leben bei ihr auf. Nach und nach gerät Daniele auf die schiefe Bahn. 30 Jahre später, Chiara hat ihr Leben im Griff, lebt noch immer in Rom und arbeitet als Übersetzerin. Von Daniele hat sie seit Jahren nichts mehr gehört. Da meldet sich bei ihr eine unbekannte Engländerin. Sie bittet Chiara, der 15-jährigen Maria Obhut zu gewähren, die auf der Suche nach ihrem Vater ist: dem verschollenen Daniele. Unvermittelt steigt die Vergangenheit auf und Chiara muss sich den einstigen und längst verdrängten Lügen stellen.

Interessante Konstellation

Autorin Virginia Baily wählt eine interessante Konstellation für ihren Roman: Zum einen spielt die Geschichte während der deutschen Besetzung in Rom und in den Nachkriegsjahren, zum anderen in den frühen 70er Jahren. Beides für die heutige Leserschaft eindeutig in der Vergangenheit angesiedelt. Das muss man sich immer wieder vor Augen führen, wenn man sich gerade in den Kapiteln befindet, die im Jahr 1973 angesiedelt sind. Die Konstellation der Geschichte lässt die Leser gerne vergessen, dass sich der „neuere“ Teil nicht in der aktuellen Gegenwart abspielt, was hin und wieder zu leichten Irritationen führen kann. Doch die Autorin geht sehr umsichtig mit ihrer Zeitsetzung um: Die 70er Jahre werden authentisch geschildert, es tauchen keine zu modernen Gerätschaften oder Lebensweisen darin auf. Die Kombination der beiden vergangenen Zeitebenen gibt Raum für eine intensive Geschichte. Zwar gibt es in beiden Erzählsträngen mehrere Szenen, die beim Leser Fragezeichen aufwerfen, doch mag man diese Stolpersteine vergessen angesichts der Geschichte, die durchaus gefangen nimmt.

Zwei verletzte Seelen

Sehr schön aufgefangen hat Virginia Baily die Situation des kleinen Daniele. Er reagiert so, wie es von einem Kind in seinem Alter zu erwarten ist: Dankbarkeit über seine Rettung kann er nicht empfinden, da er noch zu klein ist, um die Tragweite der Situation zu erkennen. Die unvermittelte Trennung von seiner Mutter löst in Daniele ein Trauma aus, das er alleine nicht bewältigen kann. Sein Abweichen vom rechten Weg, seine Auflehnung gegen Chiara, von der er sehr genau weiß, dass sie nicht seine Mutter ist, ist nachvollziehbar und sehr glaubwürdig dargestellt. Das gilt auch für Maria. Sie wächst zwar in einem behüteten Elternhaus auf, erfährt aber just in der Pubertät, dass der vermeintliche Vater nicht ihr leiblicher Vater ist. Nach einer anfänglichen Auflehnungsphase will Maria ihre Wurzeln kennen lernen und überredet die Eltern, sie zu Chiara nach Rom fahren zu lassen. Allerdings stellt genau das einen der Stolpersteine dar: Wie glaubwürdig ist es, dass 1973 eine Familie die 15-jährige alleine nach Rom zu einer unbekannten Frau reisen lässt, um den seit über 10 Jahren spurlos verschwundenen Vater der zudem bekanntermaßen in undurchsichtigen Kreisen verkehrt – zu suchen. Hier strapaziert Virginia Baily die Geschichte etwas gar fest.

Lockere Schreibweise

Sehr angenehm ist der Schreibstil der Autorin. Zwar bedient sie sich immer wieder heftig in der Klischee-Kiste, doch sie lädt ihr Publikum in die Geschichte ein und hält sie bis zuletzt quasi gefangen. Man mag sich kaum entziehen, will wissen, wie Chiara und Maria klar kommen. Sie sind die klaren Protagonistinnen des Romans.  Dass Daniele eher ein Schatten denn eine handelnde Figur ist, ist bedauerlich – es hätte der Geschichte gut angestanden, auch ihn als aktive Person einzubinden.  Alles in allem vermag Virginia Baily jedoch ein spannendes Zeitdokument vorzulegen, das noch lange in den Leserinnen und Lesern nachhallt. Sowohl der gewählte Schauplatz, als auch die Kombination der Charaktere entfalten sich zu einem wunderbaren, unterhaltsamen Roman.

Ihre Meinung zu »Virginia Baily: Im ersten Licht des Morgens«

Mohnblume zu »Virginia Baily: Im ersten Licht des Morgens«30.12.2016
Eine wundervolle und bewegende Geschichte

Inhaltsangabe:

Meine Meinung zur Autorin:
Der Roman hat mich restlos begeistert und beim Lesen sehr tief berührt. Man litt mit den Protagonisten mit. Die Autorin schreibt sehr Bildhaft und mit klaren kraftvollen Worten über ein Drama während des 2. Weltkriegs das sich 1943 in Rom und den Bergen abspielte und erstreckt sich bis 3 Jahrzehnte Später 1973 bis nach Wals. Sie lässt alte Wunden und Narben aufreißen, eine Wahrheit ans Licht kommen, die man beharrlich totgeschwiegen hat. Sehr schön hat sie die zwei Zeitebenen miteinander verbunden. Das Leben während des 2. Weltkriegs, mit den Faschisten und der deutschen Armee in Italien mit all den Gräueltaten, der Verfolgung der Juden hat sie sehr lebendig und ausgiebig dargestellt. Ihre Personen wirken real und lebendig, zum Greifen nah, man konnte sich sehr gut in deren Charaktere, Gefühle und Emotionen hineinversetzen. Ein Buch das unter die Haut geht , in dem es um Mütterliche Gefühle und Instinkte geht. Man sollte unbedingt diese Geschichte lesen ! Sehr schön war es beim Lesen mit der Autorin und ihren Protagonistinnen durch Rom zu schlendern, man merkte dabei wie sehr sie diese Stadt liebt.

Meine Meinung zu Buch:
Mit sehr viel Einfühlungsvermögen schildert sie was Chiara an einem frühen Morgen in Rom 1943 widerfährt, als sie den kleinen Jungen Daniele vor dem sichern Tod das Leben rettet. Ich spürte ihre Angst und Sorge und bewunderte sie für den Mut ihn als ihren Sohn auszugeben. Sie ahnt nicht was noch auf sie alles zukommt, was für Sorgen und Kummer ihr der kleine Junge bereiten wird. Sie flieht mit ihm und ihrer Schwester aus Rom zu Nonna in die Berge. Das Leben mit Daniele ist nicht leicht, er verschließt sich wie eine Auster, man kommt nicht an ihn ran und erfährt ebenso wie Chiara nicht was in ihm vorgeht. Das Kind scheint ein eigenes Leben zu führen, es gibt einfach nicht seine Gedanken und Gefühle Preis. Chiara gibt sich wirklich viel Mühe ihm die Mutter zu ersetzen, sie liebt ihn wie ein eigenes Kind. Aber Daniele verschwindet nach dem Krieg eines Tages spurlos.
Dreißig Jahre später erfährt Maria in Wals durch Zufall das Daniele ihr leiblicher Vater ist, man spürt wie wütend und enttäuscht sie ist, das ihr Leben auf eine Lüge aufgebaut ist. Ich konnte gut nachvollziehen das sie sich auf den Weg nach Rom macht um Signoria Chiara zu besuchen und sich dort auf die Spurensuche ihres Vaters zumachen. Die Begegnung von Maria und Chiara , löste ganz schön Gefühle und Emotionen aus. Besonders für Chiara reißen alte Erinnerungen und Wunden auf,
sie muss sich endlich der Wahrheit stellen, sie hat nach Kriegsende einen Verrat begangen. Sie muss ihr altes Leben endlich entrümpeln. Beide machen sich auf die Suche nach Daniele, aber er scheint wie vom Erdboden verschluckt.
Ihr Kommentar zu Im ersten Licht des Morgens

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.