Die Herrin der Burg von Ulrike Schweikert

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2003unter dem Titel „Die Herrin der Burg“,, 464 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Burg Wehrstein im 13. Jahrhundert: Tilia bekommt von ihrem Vater einen prekären Auftrag. Sie soll auf die Burg der Zollern reisen, um der Tochter des dort ansässigen Grafen zu dienen. Begleitet wird sie von der unfreien Magd Gret, die für sie wie eine Schwester ist. Tilia wird bald klar, dass sie auf der Burg mehr als unerwünscht ist – und dass die Gräfin ein düsteres Geheimnis umgibt. Inmitten von Intrigen und Missgunst, Eifersucht und roher Gewalt muss die junge Frau lernen, sich zu behaupten. 

Das meint Histo-Couch.de: „Vom Versuch, es allen recht machen zu wollen“74

Rezension von Volker Faßnacht

Ulrike Schweikerts dritter historischer Roman Die Herrin der Burg beschreibt in gewaltigen Bildern das Leben der Menschen auf den Burgen im Mittelalter. Gleichzeitig geht es um die Vormachtstellung der Kurfürsten untereinander, da das Reich nach dem Ende der Staufer’schen Herrschaft 1254 in ein fast 20-jähriges Interregnum verfiel. Jahre, in denen jeder Fürst, Graf und Ritter versuchte, seinen Machtbereich zu Lasten seiner Nachbarn zu vergrößern. Ein schier undurchdringliches Wirrwarr von Allianzen, Scheinallianzen und Intrigen, welches erst ab etwa 1278 bis 1287 durch Rudolf von Habsburg und dessen erfolgreiche Revindikationspolitik zur Erlangung eines Reichslandfriedens zerschlagen werden konnte.

Einblicke in die Bündnispolitik des Adels

Tilia von Wehrstein, die Tochter eines unbedeutenden Ritters muss als Geisel – als Unterpfand für die Bündnistreue gegenüber des Grafens von Zollern – auf eben diese Burg. Sie soll der elegischen Tochter des Grafens dienen und Freundin sein. Auf der Burg Zollern ist sie jedoch nicht willkommen. Erschwert wird die Eingewöhnung für Tilia und deren Halbschwester Gret durch den wahren Sündenpfuhl und das Intrigantentum der Bewohner auf der Burg. Ein ganz anderes Leben als daheim auf Burg Wehrstein.

Wie schon in den vorherigen Romanen von Ulrike Schweikert besticht auch Die Herrin der Burg durch die detaillierte Beschreibung des Lebens der Menschen zu der damaligen Zeit. Wenn man sich die Frage stellt, wie es im Besonderen den Frauen zu dieser Zeit ergangen sein mag, hier kann man es wohl nachlesen, gerade so, als sei die Autorin selbst dabei gewesen. Ausgezeichnet gelungen ist die Spanne, die Andersartigkeit der verschiedenen Blickwinkel: Einerseits Tilia, die Ritterstochter, die als höherrangiger Gast einen gewissen Schutz genießen konnte, andererseits aber auch die Sicht der Dinge aus der Warte von Gret, zwar auch Tochter des Ritters zu Wehrstein, jedoch nur ein Bastard und somit – zumindest dort in der Fremde – eine unfreie Magd.

Schnell wird beiden klar – und auch der Leserschaft – dass es nicht weit her ist mit dem in unserer Zeit oftmals vorherrschenden, verklärten romantischen Bild vom Mittelalter. Rau und dreckig geht es zu, gerade auch für Frauen eine eher unschöne Zeit.

Es allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann

Leider tut sich der Leser manchmal schwer, in die Geschichte hinein zu finden. Fast alle Männer der Zollerngrafen hießen Friedrich und so wundert es nicht, wenn man manchmal gehörig ins Straucheln kommt, wenn es um die Frage geht, von welchem Grafen gerade gesprochen wird.

Der Hauptkritikpunkt bei Die Herrin der Burg dürfte jedoch sein, dass sich die Autorin scheinbar nicht so ganz entscheiden konnte, welchen Teil der Leserschaft sie eigentlich für ihr Buch begeistern wollte. So wirkt das ganze Werk immer wieder zusammenhanglos und überfrachtet und manch Handlungsstrang ist leider nur einmal angerissen und wird dann ohne weitere Erwähnung einfach aufs tote Gleis gestellt. Ebenfalls fällt der extreme Hang zur Brutalität innerhalb des Burglebens negativ ins Auge. Auch wenn es wahrscheinlich oftmals so zuging, in dieser Männerwelt, als sich die Herren alles nehmen konnten, was ihnen gerade in den Sinn kam, so wäre hier sicherlich weniger mehr gewesen.

Die homoerotische Szene von Tilia und Gret am See ist schlicht (zu?) modern, einer der Erzählstränge, die ins Nirvana entschwinden und bezogen auf die Kontinuität des Romans völlig überflüssig und unpassend.

Und trotzdem ist der vorliegende Roman lesenswert. Erstens ist er leicht zu lesen. Er hat Gehalt, was die Beschreibung der Lebensumstände der Menschen betrifft und zweitens hat er einiges zu bieten, wenn es um den Lokalkolorit, die geschichtliche Bedeutung der Region und der Zeit geht. Die Zeit nach dem Ende der Stauferherrschaft. Wer sich für die deutsche Geschichte interessiert, wird hier Anregung zum Studium von Sekundärliteratur finden.

Handwerklich entspricht der Roman allen Erwartungen, die man an einen historischen Roman stellen kann: Eine Landkarte von Schwaben, ein Geschichtsüberblick, ein kurzer Kommentar über Dichtung und Wahrheit, ein Personenverzeichnis, ein Glossar, eine Übersicht der verwendeten Fachliteratur sowie eine Danksagung sind mehr, als man bei den meisten Werken erwarten kann.

 

Ihre Meinung zu »Ulrike Schweikert: Die Herrin der Burg«

Isabel zu »Ulrike Schweikert: Die Herrin der Burg«04.10.2011
Die Geschichte von Tilia zeigt sehr schön die Stellung und Situation der Frauen im 13. Jahrhundert auf.
Dies verbunden mit der realen Geschichte um die Entstehung der Zollernburg ergibt einen wunderschönen Einblick in die damalige Zeit.

Am Ende wünscht man sich zwar die Geschichte von Tilia und Gret weiter zu erfahren, doch läd das offene Ende sehr schön zum weiterphantasieren ein.

Ich denke der Roman wird eher Frauen als Männer faszinieren, doch durch den schönen zeitlichen Rückblick ist er für Mittelalterfans allen Geschlechts eine Bereicherung.
maupe zu »Ulrike Schweikert: Die Herrin der Burg«05.02.2011
Dem Buch war anzumerken, dass die Autorin weiß, wovon sie schreibt. Leider fehlte dem ganzen eine richtige Geschichte. Tillia steht zwar im Mittelpunkt, sie ist real nachvollziehbar, und mit ihr und um sie herum geschieht einiges, doch so recht zufrieden kann ich mit dem Ende einfach nicht sein.

Interessanter ist es sicher für Leser, welche in der Gegend der Burg Zollern leben. Die Geschehnisse werden gut aufbereitet. Doch für Nichtansässige einfach nur eine Aneinanderreihung der Auseinandersetzungen der Mächtigen zu der Zeit in den dortigen Landen.

Es scheint, diese Entwicklung lag der Autorin am Herzen. Und am Beispiel des Lichtensteiners merkt man, es hätte dann der Geschichte gut getan es aus der Sicht eines Ritters zu beschreiben. Tillia ist immer wieder, trotz Streiflichtern, vom aktiven Geschehen zu weit entfernt und so müssen halt andere Handlungen für die Tochter des Ritters herhalten. Und das sind nicht wenige. Und nachdem sie dann einige Verluste erlitt und sich anfing zu entwickeln – da ist das Buch zu Ende.

Wenn jedoch das Schicksal einer Adligen aufgezeigt werden sollte, welche doch wenig Entscheidungsfreiheit hatte zu der Zeit, dann blieb man Tillia einfach zu fern. Zu wenig Einblick in die Hauptperson und zu große Sprünge zwischen dem was geschieht und dann plötzlich zur nächsten Szene.

Wie gesagt, schlecht ist der Roman nicht, aber spannend reales mit fiktivem verbinden, ist etwas anderes.
Elena Gaupt zu »Ulrike Schweikert: Die Herrin der Burg«28.08.2009
wundervolles Buch, sehr interresant, ich hatte das Gefühl, dass ich dort bin und das alles miterlebe, ich danke Ihnen für dieses wundevolles Buch. Ich hab mich informiert und werde auf jeden Fall den Burg Zollern ansehen.Es ist ganz anderes Gefühl, wenn man einen Schloss ankuckt und dazu noch was über die Geschichte weiss.Ich werde auf jeden Fall mir die weiteren Bücher von Ulrike Schweikert kaufen.
Valerie zu »Ulrike Schweikert: Die Herrin der Burg«02.04.2008
Huch - war das langweilig und schwergängig! Da hat ja wirklich alles gefehlt: Witz, Tempo und eine wirklich gut durchdachte Geschichte, um mich als Leserin auf Dauer bei der Stange zu halten.
Sorry, aber auf solchen mittelalterlichen Einheitsbrei, der sich nur an altbekannten Klischees weiterhangelt, kann ich liebend gern verzichten!
Für mich leider nur 30 Punkte- Flop!!!
Arven zu »Ulrike Schweikert: Die Herrin der Burg«31.03.2008
Mir hat es nicht besonders zugesagt. Langatmig mit wenig Spannung schleicht die Geschichte dahin. Besonders vom Ende war ich enttäuscht,mich hätte interessiert was Tillia auf Burg Wehrstein vorfindet.
Das gute an dem Buch ist das man einige (kurze) Einblicke in verschiedene Lebensformen des 13 Jahunderts bekommt.
Nicht das schlechteste Buch,aber begeistern konnte es mich auch nicht.
Aeris1966 zu »Ulrike Schweikert: Die Herrin der Burg«09.05.2007
Welch ein Thema und so detailiert - das Leben der ungleichen Schwester (standesgemäß) - so detailgetreu alle beschreibungen - kann nur sagen
das muß man gelesen haben - man leidet u freut sich mit den Personen Gerti und Tillia

So toll geschrieben - einfach nur klasse
Biggi zu »Ulrike Schweikert: Die Herrin der Burg«19.11.2006
In diesem Buch wird schon sehr detailgetreu über das Leben auf der Burg und den Umgang miteinander berichtet. Das ist einerseits sehr interessant, andererseits musste ich auch manchmal tief durchatmen. Trotzdem freute ich mich immer, wenn ich wieder Zeit zum weiterlesen hatte.
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