Das Antlitz der Ehre von Ulrike Schweikert

Buchvorstellungund Rezension

Das Antlitz der Ehre von Ulrike Schweikert

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „Das Antlitz der Ehre“,, 480 Seiten.ISBN 3-7645-0317-3.

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Kurzgefasst:

Würzburg um 1430: Mit der Absetzung des Fürstbischofs Johann II. von Brunn hat sich die Stadt aus der eisernen Faust des verschwenderischen Herrschers befreit, aber nicht zur Ruhe gefunden. Der Kampf um die Macht ist entbrannt, und wider Willen findet sich Elisabeth, die Tochter des entmachteten Bischofs, inmitten der politischen Wirren. Ohne es zu wissen, wird sie zum Spielball der Interessen ihres Vaters und ihrer großen Liebe, Albrecht von Wertheim, dem sie versprochen ist. Doch dann stimmt Albrecht zu, Nachfolger ihres Vaters zu werden – und wäre damit für ein weltliches Leben und Elisabeth verloren. Elisabeth muss sich entscheiden, wem sie ihr Vertrauen und ihr Herz schenkt, und erst im letzten Moment erkennt sie, dass Albrecht seinen Schwur gebrochen hat, um ihre Ehre zu retten …

Das meint Histo-Couch.de: „Zerfressen von der Gier nach Macht“74

Rezension von Rita Dell'Agnese

Elisabeth, Tochter des abgesetzten Bischofs Johann II. von Brunn, wähnt sich am Ziel ihrer Träume. Albrecht von Wertheim hat ihr sein Eheversprechen gegeben und so malt sie sich eine angenehme Zukunft an der Seite des geliebten Ritters aus. Doch das Glück ist trügerisch. Ihr Vater will zurück an die Macht und scheut nicht davor zurück, seine eigene Tochter als Pfand dafür einzusetzen. Die Träume der jungen Frau zerbrechen jäh, als Albrecht sich dafür entscheidet, ein Mann der Kirche zu werden. Da ist jedoch der Apotheker Thomas, zu dem Elisabeth ein vertrauensvolles Verhältnis aufbaut. Noch bevor sich Elisabeth für einen Weg entschieden hat, gerät sie in die Fronten der um die Macht buhlenden Parteien.

Naives Mädchen mit viel Glück

Die Autorin zeichnet Elisabeth als verwöhntes, naives Mädchen. Vor dem Hintergrund, dass es sich um den Liebling ihres Vaters handelt und die junge Frau im Luxus aufgewachsen ist, mag dieses Bild zwar stimmen. Doch angesichts der Geschichte im ersten Band um die Bischofstochter wirkt diese Darstellung leicht verzerrt. Denn nach einem Jahr als Dirne im Freudenhaus müsste die vom Schicksal geprüfte Elisabeth ihre Naivität längst abgelegt haben. Würden ihr nicht ihre beiden Freundinnen Jeanne und Gret zur Seite stehen, wäre es um die junge Frau geschehen. Hier zeigt sich auch, dass Ulrike Schweikert sehr wohl in der Lage ist, stimmige und erfrischende Charaktere zu zeichnen. Sowohl Jeanne und Gret als auch Elisabeths Bruder oder der ihn begleitende Apotheker Thomas wirken überzeugend. Die eigentlichen Highlights in der Figurenzeichnung sind jedoch Johann II. von Brunn und vor allem sein Hofnarr Friedlein. Beide Charaktere sind ausgesprochen gut gelungen, wenn auch nicht unbedingt Sympathieträger.

Politisches Intrigenspiel

Schlüssig erzählt die Autorin, wie der abgesetzte Bischof zurück an die Macht drängt und dabei in Kauf nimmt, dass unzählige Menschen ihr Leben verlieren. Sie beschreibt die politischen Verhältnisse, macht Intrigen und Korruption sichtbar und zeigt auf, welch unbedeutende Rolle das Volk in den politischen Überlegungen der Machthaber spielt. Dies ist eindeutig eine der Stärken des Romans. Die Wirren in Würzburg um 1430 werden sehr gut dargestellt, ohne aber Lehrbuchhaft zu wirken. In diesen Kontext bettet Ulrike Schweikert das Schicksal von Elisabeth und ihren beiden Freundinnen. Sie baut einen funktionierenden Spannungsbogen auf, den sie über die ganze Geschichte hinweg mehr oder weniger zu halten versteht. Und obwohl man zunächst geneigt ist, davon auszugehen, den gesamten Sachverhalt schon einschätzen zu können und das Ende bereits zu kennen, wartet manche Überraschung auf die Leser.

Sehr schöne Aufmachung

Der zweite Band um Elisabeth von Brunn wurde sorgfältig zusammengestellt. Begleitet wird der unterhaltsame Roman von einem umfangreichen Glossar und einem übersichtlichen Personenregister, das vor allem jenen den Einstieg erleichtert, die den ersten Band nicht kennen, denen deshalb die Figuren noch nicht vertraut sind. Auch das Cover – anstelle der angeschnittenen Frauentorsi hat sich der Verlag auf zwei angeschnittene Arme konzentriert – kommt dem positiven Gesamteindruck entgegen.

Das Antlitz der Ehre ist zwar keine herausragende Geschichte, aber ein solider historischer Roman, der durchaus spannende Lesestunden verspricht. Wer über die Weichzeichnung der Heldin und ihres angebeteten Ritters hinweg sehen mag, wird gut unterhalten und findet einige hochkarätige Passagen rund um den Bischof und seinen Hofnarren. Trotz allem empfiehlt es sich allerdings, zunächst den Roman Die Dirne und der Bischof zu lesen, um den ganzen Genuss des Buches erleben zu können.

Zwar scheint das Buch in sich abgeschlossen, doch ein mehr oder weniger geschickter Cliffhanger zum Schluss lässt vermuten, dass die Geschichte von Elisabeth und ihren Freundinnen noch nicht zu Ende erzählt ist.

 

 

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