Das Lied der Störche von Ulrike Renk

Buchvorstellungund Rezension

Das Lied der Störche von Ulrike Renk

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Das Lied der Störche“,, 512 Seiten.ISBN 3-7466-3246-3.

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Kurzgefasst:

Ostpreußen 1920: Frederike verbringt eine glückliche und unbeschwerte Kindheit auf dem Gut ihres Stiefvaters in der Nähe von Graudenz. Bis sie eines Tages erfährt, dass ihre Zukunft mehr als ungewiss ist: Ihr Erbe ist nach dem großen Krieg verloren gegangen, sie hat weder Auskommen noch Mitgift. Während ihre Freundinnen sich in Berlin vergnügen und ihre Jugend genießen, fühlt sich Frederike ausgeschlossen. Umso mehr freut sie sich über die Aufmerksamkeit des Gutsbesitzers Ax von Stieglitz. Wäre da nur nicht das beunruhigende Gefühl, dass den deutlich älteren Mann ein dunkles Geheimnis umgibt ... 

Das meint Histo-Couch.de: „In einem Land, das keiner mehr kennt“87Treffer

Rezension von Annette Gloser

Frederike von Weidenfels hat keinen Vater mehr. Ihr leiblicher Vater fiel vom Pferd und brach sich das Genick. Auch ihr Stiefvater ist mittlerweile verstorben. Nun, 1920, kurz nach dem großen Krieg, hat Frederikes Mutter wieder geheiratet, den Bruder ihres zweiten Ehemannes. Der herrschaftliche Wohnsitz in Potsdam wird aufgegeben und die Mutter zieht mit ihren drei Kindern auf das ostpreußische Gut ihres neuen Gatten. Für Frederike, ihren Halbbruder Fritz und die kleine Gerta beginnt ein völlig neues Leben in einem Land, in dem nachts die Wölfe heulen und im Sommer die Störche klappern, in dem die Mädchen mit „Marjellchen“ angesprochen werden und das man vom Deutschen Reich aus nur erreichen kann, wenn man im verplombten Zug mit zugezogenen Gardinen durch den „Korridor“ fährt. Ganz anders ist hier alles als in Potsdam und Berlin, aber schnell fühlen sich die Kinder wohl auf Gut Fennhusen. Aber für Frederike stellt sich bald die Frage, welche Zukunft ihr eigentlich offen steht. Sie hat kein Erbe zu erwarten, die Familie von Fennhusen ist ihr nicht verpflichtet. Aber dann beginnt Ax von Stieglitz ihr den Hof zu machen, ein Freund des Stiefvaters. Und vielleicht hat Frederike ja doch eine gesicherte Zukunft vor sich.

Fernab des Deutschen Reiches

Das Lied der Störche führt seine Leser zurück nach Ostpreußen, keineswegs in eine romantisch verklärte Idylle, sondern ein sehr reales Land in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Und doch irgendwie ein Land, in dem die Welt in Ordnung ist, in dem man nach festen Regeln lebt und in dem jeder seinen ihm vom Leben zugewiesenen Platz hat. Ulrike Renk fokussiert dabei Frederike, die zu Beginn des Romans elf Jahre alt ist. So erscheint es ganz natürlich, dass die politischen Ereignisse der Zeit meist nur nebenbei erwähnt werden. Natürlich ist die Fahrt durch den polnischen Korridor für alle ein bedrückendes Erlebnis, auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Trennung vom Reich kommen immer wieder mal zur Sprache, aber das berührt die Welt der Kinder nur wenig. Viel wichtiger erscheinen da die Auseinandersetzungen der Mutter mit der Mamsell oder die Frage, wer zur Sommerfrische auf das Gut kommt.

Das fiktive Gut Fennhusen ist irgendwo in Ostpreußen angesiedelt, nicht so ganz weit im Osten wie Tilsit oder Königsberg, eher im Ermland, nahe der Grenze zum Polnischen Korridor. Ganz genau erfährt man das im Roman nicht. Und so scheint dieses ostpreußische Gut irgendwo zu schweben, fern der Politik und ohne festen Ort. Und dennoch ist es Ulrike Renk gelungen, ihr Fennhusen sehr real zu gestalten und es einzubinden in die Historie eines Landes, das es so heute nicht mehr gibt

Alltag auf dem Adelsgut

Im Verlauf des Romans erfährt der Leser viel über den Alltag auf einem Adelsgut. Wohl mag manches erstaunen oder befremdlich erscheinen, interessant ist es allemal. Ob es um den Hauslehrer geht, um eine Gesellschaft für Freunde und Nachbarn, Benimm-Regeln oder die Planung einer Shoppingtour nach Potsdam und Berlin: Als Leser hat man das Gefühl, alles genau mit zu erleben. Und obwohl Fennhusen weit weg ist von großstädtischem Glamour, so dringt ein Abglanz der Goldenen Zwanziger mit seinen Pfauenschwanzkleidern, den Topfhüten und dem Shimmy doch bis ins abgelegene Ostpreußen. So entsteht eine stimmige und dichte  Atmosphäre.

Eine Fülle von Protagonisten tritt auf, bleibt ein Weilchen oder verschwindet relativ schnell wieder. Viele bleiben dabei allerdings eher blass, und dazu gehören leider auch Frederikes Mutter, die im Roman doch eine so entscheidende Rolle spielt, und Stiefvater Erik. Die wichtigen Rollen sind durch Frederike und ihre beiden Halbgeschwister Fritz und Gerta besetzt. Und diese drei bekommen viel Zuwendung von der Autorin. Insbesondere Frederike und Ax erscheinen als komplexe Charaktere, wecken die Sympathien des Lesers und Interesse für ihre Geschichte.

Ein Roman mit Höhen und Tiefen

Das Lied der Störche hat seine Höhen und Tiefen. Nicht schafft es die Autorin, den Spannungsbogen zu halten, es dauert auch eine Weile, bis er überhaupt aufgebaut ist. Dennoch bietet der Roman viel Interessantes und zeugt von intensiver Recherchearbeit der Autorin. Empfehlenswert ist das Nachwort der Autorin, in welchem sie auf die realen Hintergründe des Romans eingeht. Ein Roman, der viel über das vergangene Ostpreußen vermittelt, nicht nur Fakten sondern auch ein Lebensgefühl, und der eine Menge zu bieten hat. Es könnte sein, dass man sich beim Lesen plötzlich in einer ganz anderen Welt wiederfindet. Unbedingt eine lohnenswerte Lektüre.

Ihre Meinung zu »Ulrike Renk: Das Lied der Störche«

M.Kunkel zu »Ulrike Renk: Das Lied der Störche«23.04.2017
Ich habe das Buch innerhalb von vier Tage gelesen und habe mich so in die kleine/große Welt von Freddy und Familie zu Hause gefühlt....herrlich die Beschreibung des Lebens auf dem Gut, der Landschaft, einfach alles. Eine längst vergangene und teils vergessene Welt lebte kurz für mich auf, und hinterläst Sehnsucht. Ein tolles Buch, das seinen Platz zwischen Schulze Lachner, Dönhoff, Dohna-Schlobitten, Vollmer, Bellavitis, von Schwerin, Reski, Giordano usw. verdient hat. Sehnsuchtsvoll erwarte ich Band 2
Kerstin Müller zu »Ulrike Renk: Das Lied der Störche«17.04.2017
Ein wunderschöner historischer Roman, der einem Ostpreußen so richtig nahe bringt.
Ich liebe diese Romane aus der Zeit und dem vergangenen Landstrich.
Genau wie die Bücher der Gräfin Dönhoff. Sie beschreiben eine Landschaft, sympathische Menschen, die es heute nicht mehr gibt.
Denen wir uns aber wohl erinnern sollten.
Ich hoffe es gibt bald eine Fortsetzung von der Familien Saga.
Mindestens noch 2 Bände.
Das wäre wunderbar.
Vielen Dank
Leserin Kerstin Müller
tweedy39 zu »Ulrike Renk: Das Lied der Störche«08.02.2017
Inhaltsangabe gem. amazon.de:

Alte Heimat

Ostpreußen 1920: Frederike verbringt eine glückliche und unbeschwerte Kindheit auf dem Gut ihres Stiefvaters in der Nähe von Graudenz. Bis sie eines Tages erfährt, dass ihre Zukunft mehr als ungewiss ist: Ihr Erbe ist nach dem großen Krieg verloren gegangen, sie hat weder Auskommen noch Mitgift. Während ihre Freundinnen sich in Berlin vergnügen und ihre Jugend genießen, fühlt sich Frederike ausgeschlossen. Umso mehr freut sie sich über die Aufmerksamkeit des Gutsbesitzers Ax von Stieglitz. Wäre da nur nicht das beunruhigende Gefühl, dass den deutlich älteren Mann ein dunkles Geheimnis umgibt ...

Ein berührende Familien-Saga die auf wahren Begebenheiten beruht.

Meine Meinung:

Was soll ich sagen. Nachdem ich Startschwierigkeiten hatte, mir ging alles zu langsam und Frederike schien mir zu reif für ihr Alter, begann ich mich auf den Roman einzulassen und las ihn langsamer. Und sie da, jetzt war ich im Roman angekommen. Ich wurde entschleunigt Freude .

Durch die bildhafte Sprache der Autorin stand ich plötzlich neben Frederike und sah den Nebel über den Weiden und roch die frische Luft. Durch den Dialekt wurden die Figuren sehr autentisch und greifbar.

Es passiert nicht viel in diesem Roman, aber wer ein Buch zum Wohlfühlen sucht und den Alltag und Stress hinter sich lassen möchte, kann beruhigt zugreifen. Es liest sich leicht und flüssig und man könnte ewig weiterlesen.

Eine kleine Warnung, dass Buch hat einen fiesen Cliffhänger.

Ich werde sicherlich Band 2 und 3 der Geschichte lesen, aber erst nachdem alle Teile erschienen sind Grinsen

Wegen der leichten Längen zu Anfang vergebe ich 90 Punkte

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Gruß tweedy
leseratte1310 zu »Ulrike Renk: Das Lied der Störche«06.02.2017
Nachdem Frederikes Mutter bereits zweimal verwitwet ist, heiratet sie Erik von Fennhusen und zieht mit ihren Kindern auf Eriks Gut. Vorher hatte Stefanie mit ihren Kindern in Potsdam gelebt und nun müssen sie sich an das eintönige Landleben gewöhnen. Frederike ahnt schon sehr früh, dass sie auf Gut Fennhusen keine Zukunft haben wird. Ihr Stiefvater wird immer wieder von Ax von Stieglitz besucht und Freddy fühlt sich gleich zu ihm hingezogen.
Von Anfang an hat mich diese Geschichte gefangen genommen. Der wundervolle Schreibstil trägt genauso dazu bei wie liebevolle Darstellung von Land und Leuten. Hin und wieder gibt es ein wenig ostpreußischen Dialekt, was alles noch authentischer macht.
Die politischen Verhältnisse in jener Zeit sind nicht einfach. Wollte man aus Ostpreußen nach Berlin, musste man durch den polnischen Korridor. Die Züge wurden dafür verplombt und oft auch verdunkelt. Zunehmend wird auch die wirtschaftliche Lage schwieriger.
Freddy ist 11 Jahre alt als sie mit ihrer Mutter und den Halbgeschwistern auf das Gut kommt. Für alle ist es nicht einfach, sich dort zurecht zu finden. Stefanie ist nun Gutsfrau und muss erst lernen, wie man so ein Gut führt. Dabei eckt sie bei „den Leuten“, wie man die Bediensteten nennt, auch an. Die Kinder haben ein unbeschwertes Leben, auch wenn sie Regeln beachten und Pflichten übernehmen müssen. Stefanie ist eine gute Mutter, die für ihre Kinder das Beste will, aber sie plant manchmal so generalstabsmäßig, dass sie gefühllos wirkt. Erik ist ein sehr liebevoller Vater auch für seine Stiefkinder. Die verantwortungsvolle Frederike kümmert sich um ihre Geschwister und ist sehr wissbegierig. Mit den Angestellten kommt sie gut zurecht. Aber sie weiß auch, dass sie nicht die Ansprüche geltend machen kann wie ihre Geschwister. Daher ist sie schon früh besorgt, was die Zukunft ihr bringen wird. Sie freut sich immer, wenn Ax auf dem Gut auftaucht. Wie Freddy ist auch er fasziniert von Wölfen. Doch den jungen Mann umgibt auch ein Geheimnis.
Aber auch die Nebencharaktere sind interessant und sehr individuell dargestellt. Ganz besonders hat es mir die warmherzige Köchin angetan, aber auch Hans, der nicht nur ein Herz für die Tiere hat.
Ich habe mich sehr wohlgefühlt auf Gut Fennhusen und bin schon gespannt, wie es mit Frederike weitergeht.
Mohnblume zu »Ulrike Renk: Das Lied der Störche«04.02.2017
Eine ergreifende und überwältigende Familiengeschichte
von ARIETTA
Inhaltsangabe:



Meine Meinung zum Inhalt :

Es war wunderschön in die Geschichte der Familie Fennhusen auf ihrem Gut in 0stpreußen abzutauchen und deren Freud, Sorgen und Leid zu teilen. Mit den Kindern ausgelassen über die Felder und Wiesen zu toben und im Sommer mit ihnen im See schwimmen zu gehen. Sehr gut fand ich das die Kinder auch ihre Pflichten hatten, wie auch den liebevollen Umgang mit dem Personal.

Irgendwie konnte ich Frederike, kurz Freddy genannt gut verstehen, wie sie von Potsdam in der Provinz in Ostpreußen landeten. Es ist die dritte Ehe die ihre Mutter Stefanie eingeht, Freddys Vater von Weidenfels ist gestorben, auch der 2. Mann ein von Fennhusen starb von dem Fritz und Gerte abstammen, sie sind noch klein und fühlen sich dort gleich wohl. Erik Fennhusen ist ein Cousin von ihrem 2. Mann. Frederike ist für ihre 11 Jahre schon sehr erwachsen, sie hat noch den großen Krieg erlebt, ich glaube das alles prägte sie, Freddy hat ein großes Herz, sie strahlt soviel lebe aus, auch ist sie immer besorgt um ihre jüngeren Geschwister. Aber man spürt das etwas auf ihrer Kindlichen Seele lastet, das Erbe ihres Vaters ist verloren gegangen, sie fühlt sich zurückgesetzt und mittellos, keine gute Partie mehr und macht sich große Sorgen um ihre Zukunft. Auch die Mutter macht sich Sorgen um die Zukunft um ihre Tochter und wie sie Freddy an den Mann bringen kann. Unbewusst lässt sie das durch ihren Ehrgeiz auf der Suche nach dem geeigneten Kandidaten ihre Tochter spüren. Ich fand Stefanie manches mal etwas kalt ihren Kindern gegenüber und nur auf ihren Vorteil bedacht. Erik dagegen, obwohl er der Stiefvater ist, liebt diese Kinder wie seine eigene und geht sehr liebevoll mit ihnen um, er hat immer ein offenes Ohr. Die Jahre ziehen ins Land, Steffi geht nach Bad Godesberg auf eine Schule für höhere Töchter um auf die Leitung eines Gutsbetriebes vorbereitet zu werden. Ax von Steglitz der auf dem Gut aus und eingeht, ein guter Freund Eriks, ist ein sehr gutaussehender und Charmanter Mann. Ax kommt mir sehr warmherzig vor, kein Wunder das Freddy sich von klein auf zu ihn hingezogen fühlt. Jetzt, als sie zurückkehrt von Bad Godesberg, als junge Frau, scheint auch Ax sich für Freddy zu Interessieren. Aber irgendetwas umgibt Ax, das spürt Frederike, als ob er ein dunkles Geheimnis hüten würde. Warum weicht er ihr manches mal aus.....


Meine Meinung zur Autorin:

Ulrike Renk entführt einem mit ihrer Familiensaga gekonnt in die Welt am Anfang der Zwanziger Jahre, nach Ostpreußen auf das Landgut der Familie Fennhusen. Sie beschreibt das Landleben dort sehr schön, mit all seinen tiefen und Höhen. Die Reise dorthin durch den Polnischen Korridor, war schon beklemmend. Es ist eine neue Welt nach dem großen Krieg, eine Zeit des Umbruchs, die Welt verändert sich rasant, das alles machte es ja so interessant. Sie bedient sich wie immer einer sehr Bildhaften und klaren Sprache, der Schreibstil fand ich sehr fesselnd und spannend. Ihre Protagonisten wirkten sehr real und lebendig.

Schön fand ich das man hinter die einzelnen Fassaden und Masken der Personen blicken konnte, an ihren Gefühlen teilhaben durfte. Sehr schön sind die einzelnen Charaktere beschrieben. Der ganze Roman beruht ja auf einer wahren Familiengeschichte und realen Personen. Die Namen und Orte hat sie abgeändert und hat das wahre mit einigen Fiktionen gemischt. Es ist ihr eine wirklich schöne Familiensaga gelungen. Ich fiebere schon der Fortsetzung entgegen, ich möchte zu gerne Erfahren wie es mit der Familie Fennhusen und Frederike weitergeht. Wir sehen ja dann bestimmt einer neuen Zeit entgegen....

Eine überwältigende Familengeschichte und einem dunklen Geheimnis, Intensiv und Brillant.
mabuerele zu »Ulrike Renk: Das Lied der Störche«31.01.2017
„...Manchmal ist es besser, wenn man ehrlich sagt, dass man etwas nicht kann und um Hilfe bittet...“

Seit dem ersten Weltkrieg sind drei Jahre vergangen. Stefanie von Fennhusen hat zum dritten Mal geheiratet. Erik, ihr Gatte, ist ein Vetter ihres zweiten Mannes. Nun zieht sie mit ihren Kindern Frederike, Fritz und Gerta aus Potsdam auf sein Gut nach Ostpreußen. Die elfjährige Frederike trägt einen anderen Familiennamen, denn sie ist die Tochter von Stefanies ersten Mann.
Die Autorin hat einen interessanten und abwechslungsreichen Familienroman geschrieben. Das Buch lässt sich angenehm lesen und hat mich schnell in seinen Bann gezogen.
Die Protagonisten werden gut charakterisiert. Erik legt zwar Wert darauf, dass gewisse Regeln eingehalten werden, doch er lässt seiner Frau viel Freiheit. Für sie ist der Anfang nicht einfach, denn die Führung eines städtischen Haushaltes und die Leitung eines Gutes sind nicht zu vergleichen. Bei letzteren bestimmen Wetter und Jahreszeit viele Entscheidungen.
Frederike ist für ihr Alter sehr reif. Sie weiß, dass sie kein Anspruch auf das Gut hat. Andererseits bringt sie sich bei vielfältigen Arbeiten ein und hat einen Blick für die Leistung der Arbeiter. Obiges Zitat fällt, als ihr Bruder sich vor der Arbeit auf dem Gut drücken will, weil er vieles nicht kann.
Der Schriftstil des Buches fällt durch seine bildhafte Sprache und seine Genauigkeit auf. Die Autorin beherrscht den Umgang mit Metaphern. Das Leben auf dem Hof wird in all seinen Facetten ausführlich beschrieben. Die Gespräche der Männer erlauben einen Einblick in die Weltpolitik. Hinzu kommt, dass Ostpreußen als Folge des Krieges vom Reich abgeschnitten ist und jede Reise durch den polnischen Korridor führt.
Als besonderes Element ist zu werten, dass zu Beginn die Eingewöhnungsphase und die Vorstellung der Personen erfolgt und dann die Handlung acht Jahre später fortsetzt. Über die Zwischenzeit gibt es nur wenige wesentliche Informationen. Wieder werden die Sorgen der Gutsbesitzer wegen der politischen Lage thematisiert. Insbesondere spielen aber Feste und Jagden eine zunehmende Rolle, denn es gilt, für Frederike einen standesgemäßen Ehemann zu finden. Stefanies Vorgehensweise dabei muss man nicht mögen. Frederike hat sich zu einer verantwortungsbewussten jungen Frau entwickelt. Sie sieht das Verhalten der Mutter kritisch.
Natürlich kommt auch der Humor nicht zu kurz. Wo mehrere Kinder zusammenleben, bleiben Streiche und kleine Ungehorsamkeiten nicht aus. Es wird auch aufgezeigt, wie hart die Folgen sind, wenn Grenzen dabei überschritten werden.
Sehr gut gibt die Autorin die Emotionen ihrer Protagonisten wieder. Das zeigt sich insbesondere in den Gesprächen zwischen Frederike und ihrer Mutter. Hier prallen Selbstbestimmungsrecht und ehrgeizige Pläne schonungslos aufeinander. Neben Frederike mochte ich besonders Erik. Er zeigt im Gegensatz zu seiner Frau viel Empathie und behandelt alle Kinder gleich.
Eingebettet in die Geschichte sind einige Lieder aus der Gegend. Sie sorgen für Authentizität.
Das Nachwort der Autorin trennt Fiktion von Realität.
Das Cover mit der nachdenklichen jungen Frau vor dem Gutshaus passt zur Geschichte.
Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Es gibt das Leben so wieder, wie es zur damaligen Zeit war mit all seinen Höhen und Tiefen. Es zeigt aber auch, das sich ein Umbruch andeutet. Die jungen Leute wollen ihr Leben selbst in die Hand nehmen. Die Spannung nimmt das Buch aus den komplexen Beziehungen der Protagonisten und ihren Wünschen und Vorstellungen.
Ihr Kommentar zu Das Lied der Störche

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