Der Hort der Gepiden von Ulla Puntschart

Buchvorstellungund Rezension

Der Hort der Gepiden von Ulla Puntschart

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Der Hort der Gepiden“,, 240 Seiten.ISBN 3902901934.

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Kurzgefasst:

Es ist das Jahr 592 n. Chr. Sirmien, einst eine blühende Region im Zusammenfluss der großen Ströme Save, Donau und Drau, liegt verwüstet und ausgeplündert darnieder. Was zieht die Protagonisten der Geschichte ausgerechnet dorthin? Unna, Notker, Wicho, Camilla und die junge Edwina sind der Enge des langobardischen Königshofs zu Verona entflohen. Sie folgen einer Spur, die sie zurückführt in das untergegangene Reich der Gepiden. Ein Vierteljahrhundert liegt dessen Ende mittlerweile zurück, und eng damit verflochten ist die düstere Geschichte von Alboin, dem König der Langobarden und der letzten gepidischen Königstochter, Rosamunde. Zur selben Zeit wagt der oströmische General Comentiolos auf eigene Faust einen Vorstoß in die Gebirgsregionen nördlich der Donau, wo einst sich die römische Provinz Dacia superior erstreckte. Sehr zum Ärger von Kaiser Maurikios in Konstantinopel, der gerade selbst einen Feldzug gegen die aufsässigen Völker auf dem Balkan beabsichtigt. Eine Kette von Ereignissen setzt sich in Gang. 

Das meint Histo-Couch.de: „Ein geschlagenes Volk“68

Rezension von Annette Gloser

Im Jahr 592 n.Chr. sind die Gepiden ein verstreutes Volk. Besiegt vom Langobardenkönig Alboin, zog ein großer Teil des Volkes mit dem neuen Herrscher nach Italien. Wenige blieben zurück in der Heimat, dort, wo Donau, Save und Drau zusammenfließen. Ständig von den umherstreifenden wilden Horden der Awaren bedroht, leben sie in kleinen Dörfern und kaum jemand denkt noch an die einstige Größe der Gepiden. Aus dem Schädel ihres Königs Kunimund hat der siegreiche Alboin eine Trinkschale fertigen lassen und Rosamund, die Tochter des Königs, wurde Alboins Gemahlin. Nun, viele Jahre nach jener denkwürdigen Schlacht, machen sich einige Gepiden wieder auf den Weg in die Heimat. Während in Italien die Langobardenherzöge das Reich des ermordeten Alboin unter sich verteilt haben, während in Konstantinopel Kaiser Maurikios versucht, sein kollabierendes Reich zu kontrollieren und zu regieren, ziehen Unna, Notker, Edwina und ein paar andere nordwärts. Vor allem Unnas Geschichte ist eng mit dem Schicksal Rosamunds verwoben. Edwina folgt ihr nur zu gerne, droht ihr doch eine unerwünschte Heirat. Niemand von ihnen ahnt, welch stürmische Zeiten ihnen bevorstehen. Doch die Soldaten des Kaisers ziehen durch das ehemalige Gebiet der Gepiden und im Namen des Gepidenprinzen Reptila rufen eifrige Werber zum Kampf gegen die Awaren und gegen den Kaiser in Konstantinopel.

Wer kennt schon die Gepiden?

Liest man den Titel des Romans, so denkt man zunächst vielleicht an Fantasy. Wer hat denn schließlich schon mal etwas von Gepiden in Europa gehört? Und doch gab es dieses Volk, aufgerieben in den Wirren der Spätantike, letztendlich weit verstreut über den Südosten Europas, verschwunden im Nebel der Geschichte. Ulla Puntschart ist es zu danken, dass sich der Nebel nun etwas lichtet. Die Autorin geht in ihrem Roman umfassend auf die Ereignisse ein, die auf die Niederlage gegen Alboin folgten. Es sind Rückblenden während der aktuellen Handlung, meist Erzählungen Unnas für die neugierigen Zuhörerinnen in der Spinnstube. Allerdings führt der Roman an diverse Schauplätze: ein kleines Dorf im ehemaligen Gepidenreich, Konstantinopel, das Lager des Awaren-Khagans und noch einige andere mehr. Und auch viele, viele Protagonisten bevölkern den Roman, historisch verbürgte und fiktive.

Da kann man als Leser schon mal ein wenig die Übersicht verlieren, zumal es vorkommen kann, dass ein Kapitel mit der Geschichte Rosamunds begonnen wird, dann aber völlig unvermittelt an einen der aktuellen Handlungsorte springt, zu Protagonisten, die überhaupt nichts mit Rosamund zu tun haben. Generell machen die vielen Sprünge von Handlungsort zu Handlungsort es schwierig, den roten Faden des Romans zu finden und zu halten. Immer wieder zerfasert die Handlung, wird irgendwo neu angesetzt, geht im nächsten Kapitel wieder zurück und im übernächsten an einen völlig neuen Ort mit ganz anderen Protagonisten. Tatsächlich macht genau dies einen Roman aus, allerdings gelingt es der Autorin in diesem Fall oft nicht, die vielen Mosaiksteine zu einem aussagekräftigen Bild zusammen zu fügen. So ist auch der Spannungsaufbau mühsam und bricht immer aufs Neue wieder zusammen. Es gelingt einfach nicht, die Spannung ins nächste Kapitel, an den nächsten Handlungsort und zu den nächsten Protagonisten mitzunehmen.

Wenig starke Charaktere

Eine Vielzahl von Personen wandelt durch diesen Roman, da fällt es sicher schwer, sie alle umfassend zu charakterisieren. Dennoch ist es der Autorin gelungen, einige der wichtigsten Protagonisten etwas schärfer zu umreißen und sie so für den Leser greifbarer zu machen. Interessanterweise gehört zu diesem Personenkreis auch die zum Zeitpunkt der Romanhandlung längst verstorbene Rosamund. Albsuinda hingegen, die im Hintergrund an den Fäden zieht, bleibt wohl absichtlich eine etwas undurchschaubare Dame. Leider sind gerade die Hauptfiguren Edwina, Unna und Notker eher blass geraten und vermögen so kaum, beim Leser wirkliche Anteilnahme an ihrem Schicksal zu wecken.

Wirklich spannend ist jedoch die Geschichte der Gepiden, die von der Autorin hier mit viel Engagement und sicher auch so gut recherchiert, wie es antike Chroniken und archäologische Artefakte nur möglich machen, erzählt wird. Die Handlung des Romans selbst jedoch ist frei erfunden. Der Sprachduktus ist dabei eher einfach gehalten, so dass man diesen Roman auch gut Jugendlichen in die Hand geben kann.

Ein anerkennenswerter Roman-Erstling

Der Hort der Gepiden: Kein Elefant vor Sirmium ist der erste Roman einer Autorin, die ansonsten eher für ihre Sachbücher bekannt ist. Vielleicht nicht der ganz große Wurf, auf jeden Fall aber ein Roman, der ein interessantes Thema hat und in einer Zeit spielt, um die viele andere Autoren einen großen Bogen machen. Das Buch hat ein umfangreiches Personenverzeichnis, deutlich unterteilt in fiktive und historische Personen. Eine Landkarte unterstützt den Leser bei der geographischen Orientierung, allerdings erfordert es doch einige Erdkunde-Kenntnisse, um zu erkennen, wie das Gebiet heute aussieht und um welche Städte es geht. Das Nachwort der Autorin sei an dieser Stelle unbedingt empfohlen, da sie noch einmal darlegt, was in diesem Roman von ihr erfunden wurde und was Realität ist.

Ihre Meinung zu »Ulla Puntschart: Der Hort der Gepiden«

Kornelia Karienna zu »Ulla Puntschart: Der Hort der Gepiden«06.11.2016
Einen bunten Bilderteppich breitet die Autorin in ihrem Debutroman aus. Da ist einmal die zwölfjährige Edwina, die zusammen mit ihrer Ziehmutter und einigen Gefährten aus Verona flieht, um einer Verheiratung zu entgehen. Die fünf wandern durch Oberitalien, gelangen nach Emona und setzten ihre Reise auf der Save fort. Wie sich herausstellt, hat die Ziehmutter Unna noch Verwandte in der Sirmensis, das ist der östlichste Zipfel der Pannonia. Dort kommen sie über den Winter unter, aber das Leben auf dem Dorf ist kein Honigschlecken! Eines Tages tauchen drei merkwürdige Gestalten auf. Sie geben sich aus als Klosterleute, aber irgendetwas scheint an ihnen nicht zu stimmen. Dann trifft noch dazu die Nachricht ein, dass ein Einsiedler aus der Gegend verschwunden ist.

In Konstantinopel lebt eine vornehme Dame, die eigentlich die Tochter des einstigen Langobardenkönigs Alboin ist. Der wurde vor einem halben Menschenalter heimtückisch ermordet. An dieser Stelle kreuzen sich die Handlungsstränge: auch Unna kannte Alboin und sie erlebte die ganze schreckliche Geschichte! Es war ein Ehedrama zwischen Alboin und seiner Frau Rosamunde, der letzten Königin der Gepiden.

Die Geschichte ist wunderbar leicht erzählt. Vielleicht sind es ein wenig zu viele Namen und Figuren. Aber gleichzeitig ist es spannend, wie das Panorama ständig wechselt: von den herbstlichen Flussauen am Balkan zum großstädtischen Szenario in Konstantinopel, vom Winter im Gebirge zum verschafenenen Hafen von Pola in Istrien. Die Geschichte spielt an mehreren Orten, sie "fliegt" gleichsam über Land. Man fängt schon bald an, es zu mögen.
Martina Effenberger zu »Ulla Puntschart: Der Hort der Gepiden«18.08.2016
Es ist der erste Roman dieser Newcomerin und er ist spannend und blendend erzählt! Das ganze Ambiente ist neu und ungewöhnlich: die Geschichte spielt in den Regionen am Balkan, mit herrlichen Landschaftsbeschreibungen und witzigen kauzigen Figuren. Ein anderer Teil der Handlung entwickelt sich in Konstantinopel. Die Schriftstellerin entwickelt ihre ganz eigene Sicht auf die Zeit, wobei sie ohne Stereotypen und Klischees auskommt. Am Anfang hat man vielleicht etwas viele Figuren und Schauplätze, aber man kommt immer weiter hinein und dann ist es eigentlich sehr klar und verständlich!
Nur (ohne dass ich zuviel verraten möchte) - dann stellt sich heraus, dass die Fortsetzung folgt... das kann ich kaum erwarten!
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