Tom Reiss

Der us-amerikanische Autor Tom Reiss wurde 1964 in New York City geboren. Er ist jüdischen Glaubens, und seine Großeltern wurden in Auschwitz ermordet, während seine Mutter in Frankreich versteckt worden war. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Washington Heights in Manhattan und zog dann mit seinen Eltern nach San Antonio und Dallas, wo sein Vater als Neurochirurg bei der Luftwaffe tätig war.

Anschließend zog die Familie über einen Zwischenstopp in West Massachusetts nach Neuengland, wo er die Hotchkiss-Privatschule und später das Harvard College besuchte. Dort war er auch als Journalist und Redakteur für die Campuszeitschriften The Harvard Crimson und The Harvard Advocate tätig. 1987 machte er seinen Abschluß und übte zahlreiche kleine Jobs wie Barkeeper, Lehrer, und bei einem Trip nach Japan Mitglied einer Rockband und Schauspieler in Fernsehwerbung und Gangsterfilmen aus. Diese Erfahrungen wurden ihm in seiner Zukunft noch sehr nützlich.

1989 ging er zurück nach Texas, um Kreatives Schreiben an der Universität von Houston zu studieren. Doch sein Professor Donald Bathelme starb im selben Sommer, und so verließ er Texas und reist nach Deutschland, wo er die Geschichte seiner Familie erforschen wollte. So geriet er in die Zeit des Mauerfalls und der Wende und war fasziniert von dieser Zeit, vor allem den Ereignissen in Ostdeutschland. So brachte er sich auch selbst die deutsche Sprache bei. Inspiriert durch die Geschichte seiner Großeltern interviewte er junge Neonazis, um deren Ideologie besser nachvollziehen zu können.

Nach seiner Rückkehr in die USA veröffentlichte er 1996 mit dem ehemaligen Neonazi Ingo Hasselbach das Buch Führer-Ex: Memoirs of a Former Neo-Nazi, nachdem Hasselbach drei Jahre zuvor ein Buch über seinen Ausstieg verfasst hatte. Hasselbuch musste die Arbeit in einem Versteck machen, da er Angst vor Repressionen gegen sich hatte. 2005 erschien The Orientalist: Solving the Mystery of a Strange and Dangerous Life (dt. Der Orientalist: Auf den Spuren des Essad Bey), eine Mischung aus Roman und Biographie über Lev Nussimbaum, der als Jude seine Kindheit in Baku verbrachte, vor der Russischen Revolution fliehen musste und später zum anerkannten Orient-Experten wurde. Der Roman wurde international ein Bestseller und erschien in mehr als 18 Sprachen. Er wurde 2006 in die Shortlist des Samuel-Johnson-Literaturpreises aufgenommen.

Seinen bislang größten Erfolg feierte Reiss mit The Black Count: Glory, Revolution and the Real Count of Monte Cristo (dt. Der schwarze General: Das Leben des wahren Grafen von Monte Christo), der ebenfalls wie sein Vorgänger eine Mischung aus Roman und Biographie ist. Das Buch handelt von General Thomas Alexandre Dumas, der aus der damaligen französischen Kolonie Saint-Dominique (heute Haiti) stammt und Sohn einer französischen Aristokraten und einer Sklavin afrikanischer Herkunft war. Berühmt wurden auch sein Sohn, der Schriftsteller Alexandre Dumas der Ältere und wiederum dessen Sohn, Alexandre Dumas der Jüngere. Gerade sein Sohn, Alexandre Dumas der Ältere, verarbeitete zahlreiche Episoden aus dem Leben seines Vaters in Romanen wie Der Graf von Monte Christo und Die drei Musketiere. Das Buch wurde 2013 mit dem Pulitzer-Preis in der Kategorie Biographie oder Autobiographien ausgezeichnet und erschien auf zahlreichen Best-of-Listen.

Tom Reiss ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Neben seinen schriftstellerischen Arbeiten hat er auch als Journalist für den New Yorker, das Wall Street Journal und die New York Times gearbeitet.

Historische Romane von Tom Reiss:

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