Königsblut von Toby Clements

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Kingmaker: Broken Faith“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 624 Seiten.ISBN 3-404-17438-0.Übersetzung ins Deutsche von Holger Hanowell.

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Kurzgefasst:

England, 1462. Über ein Jahr liegt die Schlacht von Towton zurück, bei der 20.000 Yorkisten und Lancastrianer starben. So auch Thomas, Bogenschütze und Weggefährte von Katherine, die ihn schmerzlich vermisst. Doch als Katherine zu Unrecht des Mordes angeklagt wird und flüchtet, passiert das Unglaubliche: Sie trifft auf den Totgeglaubten! Thomas leidet unter Gedächtnisverlust, erkennt Katherine aber wieder. Gemeinsam machen sie sich auf den gefährlichen Weg nach Cornford Castle, wo sie sich Hilfe erhoffen. Was beide noch nicht wissen: In ihrem Besitz befindet sich ein Gegenstand, der die Rosenkriege ein für alle Mal beenden könnte ...

Das meint Histo-Couch.de: „Rosenkriege von unten, Teil 2“93Treffer

Rezension von Annette Gloser

Im Jahr 1462 liegt die grausame Schlacht bei Towton bereits ein Jahr zurück. Im ganzen Land spürt man die Auswirkungen der Schlacht. Ganze Dörfer verfallen ohne Männer, Felder liegen brach. Und Thomas Everingham ist verschwunden. Lange hat Katherine darauf gehofft, dass er wieder auftaucht. Aber auch er scheint bei Towton gefallen zu sein. So hat sich die ehemalige Nonne in ihr Schicksal gefügt, hat weiter die Rolle der Lady Cornford gespielt und Richard Fakenham geheiratet. Es ist keine glückliche Ehe geworden und die so heftig ersehnte Burg Cornford erweist sich als herbe Enttäuschung. Als Katherine zu Unrecht eines Verbrechens beschuldigt wird sperrt man sie in genau dem Kloster ein, aus dem sie und Thomas Jahre zuvor flohen. Und es dauert nicht lange, bis man sie erkannt hat. Für Katherine beginnt eine harte Zeit, denn die Nonnen tun alles, um ihr das Leben schwer zu machen. Bis sie eines Tages doch wieder Thomas gegenüber steht, einem Thomas, der sich nicht mehr an sie erinnern kann und der über sein Leben als Bogenschütze praktisch nichts mehr weiß. Wieder fliehen sie aus dem Kloster, mitten hinein in ein weiteres dramatisches Kapitel der Rosenkriege.

Ganz tief im Dreck

Königsblut ist der zweite Band der Romanreihe des Autors Toby Clements über die Rosenkriege. Und auch in diesem Roman lässt der Autor seine Helden ganz unten agieren, schenkt dem Leser damit die Perspektive von unten und die Möglichkeit, das Geschehen der Rosenkriege aus der Sicht der einfachen Leute zu betrachten. Nachdem Sir Fakenham von König Edward enttäuscht wurde, versucht er, sein Recht bei König Heinrich einzufordern. Heinrichs Getreue halten nur noch einige wenige Burgen weit im Norden Englands, aber Fakenham hofft, dem Kampf gegen Edward neuen Zündstoff liefern zu können. Thomas und Katherine reisen durch ein kriegsversehrtes Land und nehmen den Leser mit auf trostlose, aber lancastertreue Burgen. Auch ein alter Feind spielt wieder mit, so dass das Abenteuer zusätzlich an Spannung gewinnt.

Clements’ Beschreibungen der Situation im Land und auf den Burgen entbehren oft nicht einer gewissen Komik, sind aber sehr intensiv und bildhaft, so dass man sich als Leser schnell einliest und sich in die einzelnen Szenen hinein versetzt fühlt. So hat man die dramatischen Ereignisse praktisch wie einen Film vor Augen. Hier ist nichts heroisch und glanzvoll. Im Gegenteil: Clements’ Helden wühlen ganz tief im Dreck und es gibt keine edlen Gönner, die sie huldvoll aus diesem Dreck ziehen. Hohe Herren lassen sich eher selten blicken. Dabei gelingt es dem Autor, Gefühle wie Hilflosigkeit, Wut, Enttäuschung, aber auch Liebe und Freude, an den Leser zu transportieren, so dass das Lesen zu einem sehr intensiven Erlebnis werden kann.

Sympathische Helden

Katherine und Thomas sind sympathische Helden, verstrickt in ihre eigenen Probleme. Überhaupt kann man beim Lesen dieses Romans recht schnell Sympathien oder auch heftige Abneigung gegen fast alle Protagonisten entwickeln. Clements gelingt es, seine Protagonisten vor allem über die Dialoge zu charakterisieren. Hier entstehen keine Kunstfiguren sondern sehr lebendige Menschen, oft sehr einfach im Denken, die ihr Schicksal annehmen und das Beste daraus machen müssen. Der Sprachduktus ist eher einfach, die Erzählung geradlinig und ohne große Sprünge, Rückblenden oder Themenwechsel in der Handlung. So kann man sich getrost in den Roman vertiefen und sich mitnehmen lassen in diese Geschichte, die da erzählt wird. Auch die Schilderungen aus dem Alltagsleben, ob im Kloster, im Landhaus des Sir Fakenham oder in den belagerten Burgen schaffen eine höchst interessante Perspektive beim Blick auf diese Zeit. Natürlich hat auch dieser Roman diverse blutige Szenen und der Autor schildert Gefechte weiterhin mit umfassender Detailtreue und Präzision. Das liegt sicher nicht jedem Leser, spricht aber für die enorme Recherchearbeit, die Toby Clements für seine Romanreihe geleistet hat.

Gelungene Fortsetzung

Krieg der Rosen verspricht, eine großartige Romanreihe zu werden. Königsblut ist der gelungene zweite Teil dieser Reihe. Zwar kann man den Roman auch lesen, ohne den ersten Teil Winterpilger zu kennen, aber die Handlung baut auf Winterpilger auf und so wäre es gut, die Romane in chronologischer Reihenfolge zu lesen.  Der Verlag Bastei Lübbe hat das Buch anspruchsvoll ausgestattet, von der Coverillustration über eine Karte Englands mit den wichtigsten Schlachten der Rosenkriege bis zu den Stammbäumen der Nevilles, Lancasters und Yorks. Es gibt ein Personenverzeichnis und begleitende Worte des Autors ebenso wie ein Nachwort. Toby Clements schreibt so, dass es unter die Haut geht. Mit diesen Romanen hat man ein sehr intensives Leseerlebnis. Und das sollte sich keiner entgehen lassen, der sich für die Rosenkriege und die Geschichte Englands interessiert. 

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