Der Tag X von Titus Müller

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Der Tag X“,, 400 Seiten.ISBN 3896675044.

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Kurzgefasst:

Ein Roman über den Aufstand am 17. Juni 1953, als 24 Stunden alles möglich schien. Seit ihr Vater als Wissenschaftler zu einem Leben im fernen Russland gezwungen wurde, passt Nelly sich ihrer Ostberliner Umgebung immer weniger an. Sie engagiert sich in einer kirchlichen Jugendorganisation und wird im Frühjahr 1953 kurz vor dem Abitur von der Schule geworfen. Trost könnte sie bei dem jungen Uhrmacher Wolf Uhlitz finden, der sich in sie verliebt hat. Er will ihr helfen, legt sich dafür sogar mit seinem Vater an, entwendet staatliche Dokumente und landet im Gefängnis. Was Wolf nur vage ahnt: Die junge Nelly steht in einer geheimnisvollen Verbindung mit einem russischen Spion namens Ilja, der sie mit Nachrichten über ihren verschleppten Vater versorgt und den Austausch von Briefen mit ihm vermittelt. Wie Wolf träumt auch Ilja von einem Leben mit Nelly – aber als sich in Berlin und Halle die Unzufriedenheit mit dem Regime in Massendemonstrationen entlädt, hängt ihrer aller Leben an seidenen Fäden.

Das meint Histo-Couch.de: „24 Stunden, die alles hätten verändern können“96Treffer

Rezension von Birgit Borloni

17. Juni 1953 – der Tag, an dem 24 Stunden lang alles möglich schien, und der in die Geschichte eingegangen ist. In der DDR gärt die Unzufriedenheit, die Lebensbedingungen verschlechtern sich, und schließlich entladen sich Unzufriedenheit und Frustration in Unruhen und Aufständen in fast allen größeren Städten Ostdeutschlands. Mittendrin finden sich die angehende Abiturientin Nelly, der junge Uhrmacher Wolf und die Reinemachfrau Lotte sowie deren Cousin Marc mit seiner Frau Katharina. Sie alle leben in der DDR und haben so ihre Probleme mit dem täglichen Leben, die sie bewältigen müssen, und sie alle erleben die Wirren des 17. Juni auf unterschiedliche Art und Weise mit. Zudem spielen der Spion Ilja sowie die großen Politiker der damaligen Zeit wie Adenauer, Churchill, Beria und Chruschtschow eine Rolle.

Schilderung des Lebens in der DDR

Mit Der Tag X nimmt sich Titus Müller einem Thema der jüngeren deutschen Vergangenheit an, über das es überraschend wenig Romane gibt, obwohl es ein einschneidendes Ereignis war. Am 17. Juni 1953 schien für eine kurze Zeit plötzlich alles möglich: Die Verbesserung der Lebensbedingungen, das Abschütteln der kommunistischen Diktatur, ja sogar eine deutsche Wiedervereinigung.

Diese Unruhen und die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse, die dazu geführt haben, stellt Müller in gewohnt gekonnter Weise in den Mittelpunkt seiner Geschichte. Durch die vielen unterschiedlichen Perspektiven bekommt man als Leser einen umfassenden Einblick in das damalige Geschehen. Dabei kommt eine Vielzahl an Themen zur Sprache: Der oft mühevolle und entbehrungsreiche Alltag der einfachen Leute, die Schwierigkeiten, die man als Mitglied einer kirchlichen Jugendorganisation hatte und die staatlichen Einmischungen sowie die Methoden, mit denen die Bevölkerung zur Kooperation „überredet“ wurde. Doch auch die große Politik kommt nicht zu kurz. Die Nachwehen von Stalins Tod in der UdSSR, ihr Einfluss auf die ostdeutsche Regierung und was parallel dazu in der BRD passiert ist, das alles wird interessant dargestellt, ohne belehrend zu wirken. Für Spannung sorgt zudem die Spionagetätigkeit von Ilja, und es ist sehr faszinierend zu lesen, wie die Geheimdienste damals vorgegangen sind, was für technische Möglichkeiten sie schon hatten und welche Objekte bei den Einsätzen verwendet wurden.

Weder Superhelden noch Bösewichte

Dass der Autor selbst in der DDR geboren und aufgewachsen ist, kommt ihm vor allem bei der Schilderung des Alltags- und Schullebens zugute, auch wenn er deutlich zu jung ist, um den Aufstand selbst miterlebt zu haben.

Der größte Pluspunkt dieses Romans ist das wertfreie Erzählen, das Müller ausgezeichnet beherrscht. Keine seiner Figuren ist Schwarz-Weiß gezeichnet, sie alle haben Schwächen und Fehler und handeln im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Was er aufzeigt, ist, dass es einfach Menschen waren, die damals dabei waren – auf beiden Seiten. Natürlich ist es schockierend, in aller Deutlichkeit vor Augen geführt zu bekommen, wie die Stasi teilweise vorgegangen ist, um neue Informanten zu gewinnen oder Leute wieder auf die Parteilinie einzuschwören. Doch ebenso wird deutlich, dass es auch in dem Parteikader solche und solche Menschen gab, dass es welche gab, die von dem Kommunismus und dem Weg dorthin völlig überzeugt waren, die aber auch fähig waren, diese Überzeugungen infrage zu stellen. Diese Menschlichkeit macht das Buch so großartig, es regt den Leser zum selbst Denken an und zeigt ihm nicht einfach auf, was er für gut und was für böse halten soll.

Der Tag X ist ein hervorragender, mitreißender Roman, der den Leser förmlich in die Geschichte saugt und ihm das Gefühl gibt, mittendrin gewesen zu sein. Das liegt zum einen an dem Thema, das noch „unverbraucht“ und per se spannend ist, zum anderen an der Erzählkunst des Autors, der es fertig bringt, seine Leser abzuholen und durch die Geschehnisse zu führen, wie es nicht viele können.

Ihre Meinung zu »Titus Müller: Der Tag X«

Reinhardt Koblischke zu »Titus Müller: Der Tag X«02.05.2017
Ich spiele mit dem Gedanken, mir das Buch käuflich zu erwerben. Der Hauptgrund dafür ist der 17. Juni 1953. Allerdings habe ich den Verdacht, dass Müller die "Deutung" der alten BRD über die Ereignisse übernimmt. Aber diese ist falsch. Es war kein Volksaufstand, es war aber auch kein faschistischer Putsch, wie es die damalige Führung der DDR behauptete.
Beide Einschätzungen treffen nicht zu. Da ich Jahrgang 1950 bin kann ich aus persönlichem
Leben dazu nichts beitragen. Ich war DDR- Bürger und bin sehr stark an einer objektiven Bewertung des 17. Juni 53 interessiert.
Orange zu »Titus Müller: Der Tag X«10.04.2017
„Der Tag X“ ist der erste Roman von Titus Müller, den ich gelesen habe.
Wie viele andere Wissenschaftler und Ingenieure aus der DDR wird auch der Vater von Nelly als Wissenschaftler 1946 in die Sowjetunion verschleppt, Mutter und Tochter bleiben zurück.
1953 steht Nelly kurz vor dem Abitur, doch sie geht zur Jungen Gemeinde, einer christlichen Organisation, die Staat und Partei ein Dorn im Auge ist. Nelly wird von der Schule und vom Abitur ausgeschlossen. Sie lernt den jungen Uhrmacher Wolf kennen, der sich in Nelly verliebt. Als er bei einen Einbruch in das Parteiarchiv erwischt wird, zwingt ihn die Stasi, Nelly und andere Mitglieder der Jungen Gemeinde zu bespitzeln.
Zeitgleich lebt Lotte als alleinerziehende Mutter mit ihren drei kleinen Kindern in Halle/S. Trotzdem sie frühmorgens zur Arbeit geht, gehen die Kinder oft hungrig zu Bett, denn die Versorgungslage in der DDR ist schlecht und in den Läden bleiben die Regale leer. Das und die Normerhöhung durch den Staat schüren den Unmut unter den Arbeitern, die ihrer Wut am 17. Juni 1953 freien Lauf lassen. Doch der Volksaufstand wird von den Russen blutig niedergeschlagen.
Und dann ist da noch der Russe Ilja. Er arbeitet als Spion für den russischen Geheimdienst und versorgt Nelly mit Briefen und Informationen über ihren Vater.
Titus Müller versteht es gekonnt, die verschiedenen Handlungsstränge aufzubauen und den Leser einen Blick in das Leben der Menschen der ehemaligen DDR und in die Machtzentrale der Russen werfen zu lassen und so ein Stück deutscher Geschichte lebendig werden zu lassen. Mit seiner klaren und präzisen Sprache nimmt der Autor den Leser mit in das Jahr 1953, als die Menschen der DDR ein Stück Freiheit gewittert haben. Meine Frage beim Lesen war immer wieder: Wie hätte alles sein können, wenn andere Menschen an der Macht gewesen wären und andere Entscheidungen getroffen worden wären?
Ein umfangreiches und sehr interessantes Nachwort inkl. eines kurzen Dankes runden den Roman ab.
Mohnblume zu »Titus Müller: Der Tag X«09.03.2017
Meine Meinung zum Autor:
Titus Müller hat mit seinem Roman „ Der Tag X“ , ein Bravouröses Werk der Erzählkunst geschaffen, ein Stück deutscher Geschichte, sehr gut veranschaulicht. Bis ins kleinste Detail hat er vom Aufstand des 17. Juni 1953 erzählt. Da war ich gerade mal 10 Monate alt, ich habe das ganze beim Lesen aufgesogen wie ein Schwamm. Schade das in meinem Geschichtsunterricht nicht darüber gesprochen wurde. Die Beschreibung und die internationale Politischen Hintergründe hat er sehr präzise und Authentisch beschrieben. Er erzählt sehr spannend was hinter den Mauern des Kremls passierte, da bekam man schon manches mal Gänsehaut. Die Machenschaften der Politiker dort, der Druck der UdSSR auf die Politiker in Ostdeutschland, das wurde einem beim Lesen erst so richtig bewusst. Die Politiker in der DDR, die ein sehr hartes Regiment führten, die Menschen unterdrückten und bespitzelten, auch hier schauderte man, wie Machtbesessen diese Bonzen waren.
Das Aufbegehren dort den Menschen im Osten, mehr Arbeit, weniger Lohn, Enteignung , diese Unterdrückung und Entmündigung, ein Volk das unter der Knute steht. Kein Wunder das, das Fass überlief und man auf die Straße ging, ein Aufstand der aus dem Ruder lief, und in Blut und Tränen endete. Das alles hat er sehr gut herüber gebracht. Seine Protagonisten, sind teilweise Echt, man konnte sich gut in sie hineinversetzen, er hat sie sehr gut und lebendig beschrieben. Sein Schreibstil empfand ich als Klar, Kraftvoll, fließend, informativ und mitreißend.

Meine Zusammenfassung zum Inhalt:
Sehr gut hat er die vier betroffenen Familien beschrieben. All diese Menschen verbindet das gleiche Schicksal, sie sehnen sich nach Freiheit, nach einem Staat der ihnen Luft zum Atmen lässt und wo man nicht ständig überwacht und bespitzelt wird. Wo man wieder sagen kann was man denkt und nicht Angst hat, das sie einem gleich holen und ins Gefängnis stecken. Was keiner Ahnt sie werden mit in den Aufstand des 17. Juni 1953 mit herein gezogen, der in Blut, Leid und Tränen endet, was erst so Euphorisch begonnen hatte. Es war schon dramatisch das ganze Ausmaß mit zu erleben, man sah das ganze vor seinem inneren Auge wie ein Film ablaufen. Es ging einem ganz schön unter die Haut.
Es fängt mit Nelly und ihrer Familie an, die des Nachts in ihrer Ostberliner Wohnung, von den Russischen Armee aus dem Schlaf gerissen wird, der Vater ein Wissenschaftler wird nach Russland entführt, er ist wertvoll für die Russen, die deutschen besaßen das Wissen das sie dringend brauchten. Die Ängste die und ihre Mutter Ausstand waren so greifbar, mir tat die Familie so Leid.
Wolf der Uhrmacher , tickt auch ganz anders, er zweifelt an dem Regime, obendrein hat er sich in Nelly verliebt. Sein Vater ist ein hohes Tier in der Partei. Aber Wolf in seiner Verliebtheit möchte Nelly helfen, ihre Vater zu finden und riskiert dabei Kopf und Kragen
Lotti, deren Mann Erwin sich in den Wesen abgesetzt hat, sie muss arbeitet Tag und Nacht um sich und ihre 3 Jungen durchzubringen. Diese stille Lotte, riskiert bei der Demo einiges und landet im Gefängnis, was sie dort mitmachte war unmenschlich und trieb einem beim Lesen, die Tränen in die Augen. Auch Katharina und ihr Mann Marc geraten unschuldig ins Fadenkreuz der Politik und müssen viel Leid und Schmerz erdulden. Nicht vergessen möchte ich den Russischen Spion Iljas der auch ein Auge auf Nelly geworfen hat, was er von ihr will und was sie verbindet erscheint Geheimnisvoll, da ist noch sein Chef und Auftraggeber Lawenri Beria, ein hohes Tier im Kreml, auch sie geraten nach und nach ins Visier der Mächtigen und müssen um ihr Leben bangen. Eine sehr aufregende und bewegende, sowie Lehrreiche Geschichte mit einem sehr überraschenden Ausgang.
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