Die Ballade vom Fetzer von Tilman Röhrig

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel „Die Ballade vom Fetzer“, , 253 Seiten. ISBN 3-404-15326-X.

Kurzgefasst:

Seine Zeitgenossen nannten ihn den „;Fetzer“;. Mit bürgerlichem Namen Mathias Weber, wurde er 1778 in Grefrath geboren und 1803 auf dem Alter Markt in Köln mit einer Guillotine hingerichtet. Es war die letzte öffentliche Hinrichtung in Köln. Er war nicht nur Zeitgenosse des Schinderhannes, sondern gewissermaßen auch Kollege. Mehr als 150 Überfälle gehen auf sein Konto, teils verwegen, teils dilettantisch ausgeführt. Mitunter entkam er den Behörden nur durch Zufall. Doch während der eitle Räuber aus dem Hunsrück zum Volkshelden wurde, hat man den Fetzer bald vergessen. Tilman Röhrig zeichnet in seinem faktenreichen Roman nicht nur ein facettenreiches Bild der Franzosenzeit am Rhein, sondern auch das Porträt eines Menschen, der nicht zum Rebellen taugte und darum zum Räuber wurde. 

Das meint Histo-Couch.de: „;Gute Recherche trifft dürftige Erzählung“;

von Annalena Brix

Chaotische Kriegszeiten ließen Räuber und Plünderer von jeher Gelegenheiten zur eigenen Bereicherung wittern. Da lässt das organisierte Verbrechen nicht lange auf sich warten.

Aber wie gehen die Banden vor und warum fällt der Gerichtsbarkeit die Verfolgung, Festnahme und Bestrafung so schwer? Antworten gibt Tilman Röhrig mit seinem historischen Erstling, welcher bereits 1975 erschien.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte Frankreich auch die linksrheinischen Gebiete erobert. Die unzähligen deutschen Kleinstaaten waren nahezu machtlos, so dass die Franzosen auch den Sprung über den Rhein wagten. Wie viele Andere, wurde auch Mathias Weber aus dem Kriegsdienst entlassen, weil die Kassen leer waren. Seinen ersten richtigen Coup, den Überfall auf eine Postkutsche, startete er bereits kurz vor seiner Entlassung.

Brutales Vorgehen und ausgeprägtes Geschick

Der früh verwaiste Mathias gelangt in die Obhut eines Scherenschleifers, der ihn früh in die Kunst des Taschendiebstahls einführt. Nach Streitigkeiten verschlägt es ihn schließlich zur Armee. Nach dem Kriegsdienst besinnt er sich auf alte, zwielichtige Kontakte. Schon bald gehört er einer kleinen Truppe von Diebesgesindel an, der er sich nach anfänglichem Spott beweisen kann. Er überrascht mit dem annähernd lautlosen Öffnen von Schlössern mit Hilfe eines Nagels. Den Beinamen „;Fetzer“ erhält er, weil er bei einem Überfall einen Mann übel zurichtet. Seine gnadenlose Brutalität bringt ihm in den Reihen der Räuber Respekt ein.

Fette Beute und karge Kerker

Die Räuberbanden begehen zahlreiche Überfälle und wandern immer wieder von Ort zu Ort, um nicht gefasst zu werden. Sie machen sich dabei die schlechte Zusammenarbeit der französischen Gebiete und deutschen Staaten zu Nutze. Oft können sie absahnen und trauen sich sogar große Händler und städtische Einrichtungen auszurauben. Von Zeit zu Zeit erwischen die Stadtwachen einzelne Banditen. Entweder bleiben die Strafen aber aus Mangel an Beweisen gering oder aber die Inhaftierten entkommen mit Tricks und Schlichen den Kerkermauern. Die Obrigkeit hat es durch die chaotische Situation im Lande schwierig.

Verwirrung und fehlende Tiefe

Im Grunde hat Tilman Röhrig keinen schlechten Roman geschrieben, er sprüht vor historischen Fakten, die gut recherchiert erscheinen. Allerdings ist auch kein besonders guter Roman entstanden, da neben den ganzen Tatsachen die Figuren leider auf der Strecke bleiben. Nur der Fetzer selbst bekommt einen einigermaßen glaubwürdigen Charakter. Die anderen Figuren lassen – mal mehr, mal weniger – die Tiefe leider vermissen. Außerdem beginnt für den Leser schnell ein Verwirrspiel von Ortsnamen, dem die Bezeichnungen für die verschiedenen Unterschlüpfe nicht in viel nachstehen.

Versöhnlicher Endspurt

Das letzte Drittel des Buches versöhnt ein wenig mit den charakterleeren Figuren und den wiederholten Beschreibungen der Überfälle. Als der öffentliche Ankläger von Köln mehr Macht erlangt und es den Räubern mit einem neuen Passgesetz schwerer macht, gewinnt das Buch an Spannung. Irgendwie will man schließlich doch wissen, wie der Fetzer geschnappt wird. Wem aber nicht an einem etwas geschmückten Tatsachenbericht, sondern an gut gestalteten Figuren und Ereignissen gelegen ist, der lasse dieses Buch besser im Regal. Tilman Röhrig hat mittlerweile schon deutlich Besseres geschrieben!

Ihre Meinung zu »Tilman Röhrig: Die Ballade vom Fetzer«

Ulli Holter zu »Tilman Röhrig: Die Ballade vom Fetzer« 24.06.2008
Aber nicht nur in Langenfeld und Umgebung wurde zu damaliger Zeit des Fetzers geplündert, die Bande und große Teile davon hielten sich zu dieser Zeit auch in Köln auf. Köln war damals von den Franzosen besetzt!
Es gab eine Fähre über den Rhein, eine sogenannte Ziebrücke, so kamen die Räüber auch nach Deutz, wo sie in einer Spelunke oder einer Kaschemme unterkommen konnten. Damals versteckte eine Spelunkenwirtin aus Köln, Namens Düwels-Trück (Teufels-Gertrud) öfters die Räubersleut vor den französischen Gendarmen! Sie soffen und Hurten, bis die Gelder ausgegeben waren, danach wurden wieder neue Schandtaten geplant!
Ulli Holter zu »Tilman Röhrig: Die Ballade vom Fetzer« 08.05.2008
Ein Overtüsch und ein Schiemann Engländer waren in der Geschichte der Räuber genannt, gemein hin eben Freunde des Fetzers, der in Langenfeld-Berghausen am heutigen "Weissen Stein" sein größtes Werk vollbracht hatte, eben die Postkutschen Station zu überfallen. Danach flüchteten die Räuber in Richtung Hitdorf mit der größten Beute, welche diese Bande jemals ergattern konnten! In Spee gedacht, kann sowas bald auch wieder geschehen, denn heutzutage werden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer! Im Roman vom Fetzer kommt deutlich heraus, daß synonym eine Gleichartigkeit mit der damaligen Geschichte des Robin Hood zu sehen ist. Die Armmut und der Hunger treibt die Leute zum Räubertum.
Ulli Holter zu »Tilman Röhrig: Die Ballade vom Fetzer« 16.02.2008
Also ich fand das Buch schon 1975 sehr spannend und wir haben damals schon daraus gelernt, dass ein solches Räuberspektakulum in der damaligen Zeit sehr zeitnahe beschrieben wurde.
Auch die Orte und Begebenheiten waren klar dargestellt worden. Insgesamt ein spannender Roman der bestimmt und garantiert bewusst darlegt, was damals wirklich gechah!

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