Der Mönch und die Jüdin von Thomas Görden

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel „Der Mönch und die Jüdin“, , 592 Seiten. ISBN 3-426-62905-4.

Kurzgefasst:

Das Rheinland im Jahre 1146. Als es den jungen, unerfahrenen Mönch Konrad nach Köln verschlägt, gerät sein Leben aus den Fugen: Er lernt die bezaubernde Jüdin Hannah kennen und plötzlich zweifelt er an seiner Berufung. Ehe Konrad sich über seine Gefühle klar werden kann, geraten Hannah und ihre Familie in tödliche Gefahr. Fanatische Wanderprediger schüren ein Pogrom gegen die Kölner Judengemeinde. Konrad weiß nur einen Zufluchtsort: die Wolkenburg im nahe gelegenen Siebengebirge. Während er sich verzweifelt bemüht, Hannah vor den hasserfüllten Verfolgern zu schützen, muss er sich zugleich den Dämonen seiner Kindheit stellen …

Das meint Histo-Couch.de: „Ein prickelnd-spannender Roman über eine unmögliche Liebe“

von Volker Faßnacht

Schwere Geschütze fährt er auf, der Autor Thomas Görden in seinem historischen Erstlingswerk: Er verbindet die Geschichte einer Jüdin mit dem Leben eines jungen Mönchnovizen zu einer Liebesgeschichte. Das allein dürfte im 12. Jahrhundert schon ein Ding der Unmöglichkeit gewesen sein, zumal es oft durch von Hasspredigern angeheizte Unruhen kam, die schließlich in Jugendpogromen gipfelten.

Außerdem ist Konrad, der mönchische Hauptprotagonist des Romans, kein wankelmütiger, unentschlossener Angehöriger des Benediktinerordens zu Neuwerth, sondern steht fest im Glauben, den er seit frühester Kindheit von den ihn umgebenden Mönchen vermittelt bekam.

Ein fesselnder, filigraner Schreibstil mit
Gänsehaut-Faktor

Über 300 Seiten benötigt der Autor, um seine Geschichte, die zunächst in zwei völlig unterschiedlichen Handlungssträngen verläuft, zu entwickeln.

Einerseits Hannahs Geschichte einer wohlbehüteten Kindheit ohne Sorgen in einer reichen jüdischen Kaufmannsfamilie mit einem Vater, der ihr eine freie und liebevolle Erziehung angedeihen lässt, in der Bildung, Philosophie, Literatur und der freie Wille eines jeden einzelnen Menschen die höchsten Güter darstellen. Dabei gelingt es dem Autor, Einblicke ins Leben der jüdischen Gemeinde von Köln zu gewähren, ohne ausschweifend zu werden oder Brüche in seiner Erzählung zulassen zu müssen.

Andererseits Konrads Entwicklung, geprägt durch die strenge Erziehung durch Bernhard von Clairvaux’s theologische Ansichten (die Lehre des Zisterzienserordens gehen weitestgehend auf ihn zurück). Hier spielen der Glaube an die böse Welt da draußen, insbesondere das Weib als Inbegriff des Bösen, Unreinen und die logische Abkehr durch Rückzug ins Kloster und Gebet bis hin zu einer von Nächstenliebe geprägten und offenen Weltanschauung des „;Häretikers“; Peter Abaelar eine große Rolle.

Ich glaube [...] es gibt nur eine Liebe. Und diese eine Liebe kommt von Gott, ja, sie ist Gott. Wenn wir lieben, sind wir Gott nahe. Dann lebt Gott in uns. Darum hat unser Herr Jesus Christus gesagt, dass die Liebe zu unseren Nächsten, zu uns selbst und zu Gott das wichtigste Gebot ist. [...] Liebe will immer das Wohl desjenigen, den wir lieben. Darin finden wir Gott. Wenn Mann und Frau einander körperlich zugetan sind und es Ihnen [...] um nichts anderes geht als das gegenseitige Wohl, dann sind sie vom Licht der göttlichen Liebe erleuchtet und [...] heilig und frei von jeder Sünde.

(Textauslegung „;Das Hohelied der Liebe“; von Salomon, Gilbert von Nogent, Magister Theologicae und Schüler des Peter Abaelard)

Dies allerdings kennt Konrad zunächst gar nicht. Er kennt praktisch nichts vom Leben außerhalb der Klostermauern. Die Frauen, gefährliche Wesen, mit denen man am besten nichts zu tun hat, zudem sie im Geiste beschränkt und zu keinen höheren Aufgaben fähig sind – ein gesellschaftliches Spiegelbild, das zu dieser Zeit wohl in den meisten Köpfen Gültigkeit hatte.

Jederzeit spannend, wie Thomas Görden den Bogen spannt und im Verlauf der Geschichte einfach glaubhaft macht, dass Konrad trotz alledem zur Liebe fähig ist. Aufregend auch, wie es gelingt, dass die beiden Hauptprotagonisten zusammenfinden, was mit zunehmender Lesedauer immer unwahrscheinlicher wird. Hier muss sich die Leserschaft zwangsläufig fragen: „Wie soll denn das weitergehen?“; Eine Qualität also, die viele Leser dazu veranlassen wird, dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen zu wollen.

Theologie und unbekannte Abstammung
 – mehr als nur ein Liebesroman

Der vorliegende Roman ist mehr als eine Liebesgeschichte, die zwar im Vordergrund abläuft, aber nicht das Hauptthema ist.

Hauptsächlich geht es um die Beschreibung der Denk- und Lebensweise der Menschen im 12. Jahrhundert – dargestellt an der Gedanken- und Lebenswelt von Konrad – vom theologischen Richtungsstreit, der stark an Umberto Ecos Roman „;Der Name der Rose“; erinnert, der Entstehung des Franziskanerordens (eine gesellschaftliche Entwicklung, die am Rande erwähnt wird) und der zunehmenden Bedeutung des Zisterzienserordens, verbunden mit der Frage der Juden und deren Rolle in der mittelalterlichen Gesellschaft Europas, vom Hass, begründet durch die Angst der einfachen Bevölkerung vor Veränderungen, Machtzunahme der Patrizier und Kaufleute und deren perfides Spiel, die Juden als unangenehme Konkurrenz auszuschalten und die Tatenlosigkeit der Obrigkeit aus Angst und vor allem getrieben von wirtschaftlichen Überlegungen.

Und zuletzt auch die Auflösung des Geheimnisses um Konrads Vergangenheit, die ihn immer wieder durch schwere Alpträume belastet und die erst sehr spät aufgeklärt wird

Vielschichtig, tiefgreifend

Thomas Görden ist ein sehr vielschichtiger Roman gelungen, der eine bemerkenswerte Tiefe hat. Durch einen filigranen Schreibstil und mit atemberaubender Klarheit schafft es der Autor ein ums andere Mal, Gänsehaut bei der Leserschaft zu erzeugen.

Selbst, wenn Thomas Görden sich die Freiheit herausnimmt, historische Dinge unerwähnt zu lassen (so ist beispielsweise Bernhard von Clairvaux in Wirklichkeit nicht gar so schlecht und böse gestrickt gewesen), einzelne historisch belegte Ereignisse um wenige Jahre aus dem Zeitraster herauszunehmen oder sogar den Lebenslauf historisch bekannter Personen abzuändern und Figuren zu erfinden – es handelt sich schließlich um einen Roman und kein Geschichtsbuch – so ist dies nur einer Abrundung des vorliegenden Werkes geschuldet und um den Spannungsbogen zu erhalten.

Beides ist ihm äußerst gut gelungen!

Ihre Meinung zu »Thomas Görden: Der Mönch und die Jüdin«

Silky zu »Thomas Görden: Der Mönch und die Jüdin« 20.02.2011
Obwohl sich Hannah und Konrad erst auf Seite 316 kennenlernen fand ich auch die vorherigen Seiten sehr spannend und aufschlußreich. Ich musste so manches Mal über Konrads Gedankengänge schmunzeln(z.B. im Badehaus). Auch bei Konrads Familiengeschichte kam man ins Nachdenken.

Bei Radulfs "Predigten" bekam ich ein beklemmendes Gefühl und bei den Schilderungen des Progroms wurde mir übel. Wie schnell jemand doch eine Menge anheizen kann und das nicht nur in Mittelalter.

Ein sprachlich sehr schön geschriebener Roman, der den Spannungsbogen von Anfang bis Ende hält. Ich wurde in einen Bann gezogen und hoffe das der Autor noch mehr historische Bücher auf diesem Niveau schreibt.
Bernhard Hausner zu »Thomas Görden: Der Mönch und die Jüdin« 23.05.2010
Bernhard von Clairvaux, oder Bernard von Clairvaux - der Mann war ja aus heutiger Sicht: Franzose - ein brillanter Geist und sicher ein Geistlicher, der das Beste wollte.

Aber aus heutiger und objektiverer Sicht hat dieser katholische Heilige vor allem Unglück und Leid über die Menschen gebracht. Vor allem als Motor und Antreiber bei den Kreuzzügen. Zitat (sinngemäß, nur sinngemäß!): wenn ein Mensch nun gar nicht an den Gott der Christen glauben mag, also darauf besteht Heide zu bleiben, so ist es noch das Gnädigste was ein Christ, es ging um die Kreuzritter, tun kann, diesen Ungläubigen tot zu schlagen.

Dies als Aufruf an die Kreuzritter zum Mord an allen und jedem, der ihnen auf dem Weg ins "Heilige Land" begegnet und das heißt spätestens ab der heutigen Türkei bis Palästina ...
So ein "Gottesmann" ist ein hochverehrter Heiliger!
Mag jeder selber urteilen.

Ob Thomas Görden in seinem Roman oder Umberto Ecco (In "Der Name der Rose" ist Bernard von Clairvaux der oberste Inquisitor), sie liegen mit ihren kritischen Gedanken zu diesem Kirchenmann richtig. Bernard von Clairvaux hat im Namen Christi Schreckliches angerichtet!
Wollte man Bernard von Clairvaux einordnen, steht er durch Aufrufe wie den Mord an jedem Ungläubigen wohl eher nicht neben dem "Vogelflüsterer" Franz von Assisi sondern neben Josef Goebbels.
Mein Namenstag ist der 20. August.
Als ich über meinen Namenspatron zu recherchieren angefangen hatte wurde ich über diese Wahl immer weniger froh. Bei Wikipedia oder auf den katholischen Seiten zu den Kirchenheiligen bleiben diese Aufrufe zum Völkermord aus den Predigten für die Kreuzzüge des Bernard von Clervaux unerwähnt. Aber sie sind belegt und auf mehreren Webseiten nachzulesen.
MyLady zu »Thomas Görden: Der Mönch und die Jüdin« 17.03.2009
Ich fand das Buch eigentlich ganz ansprechend und lesenswert, was mich etwas störte war die lange Vorgeschichte; Konrads Weg aus dem Kloster, einige Erlebnisse mit denen man noch nicht viel anfangen kann und ich fand das der Spannungsbogen erst einsetzte als sich die beiden Lebenswege von Hannah und Konrad zu einem verbanden. Erst als die beiden aufeinander treffen wird das Buch richtig interessant. Und auf den letzten 100 Seiten werdem einen die Augen geöffnet, wird einem manche Handlung, manche Bewandnis vom Anfang des Romans wieder bewusst und der Kreislauf schließt sich. Was mir sehr gut gefallen hat waren die Schilderungen der verschiedenen Charaktäre und die Zustände der damaligen Zeit im Hinblick auf die Religion. Mein Fazit: Ein guter, lesenswerter Roman
Mike zu »Thomas Görden: Der Mönch und die Jüdin« 19.06.2008
Ganz toller und sehr leicht zu lesender Roman von Thomas Görden. Die Geschichte von Hannah und Konrad hat mich regelrecht in einen Bann gezogen, so dass ich das Buch innerhalb von wenigen Tagen gelesen habe... Ich wünsche mir mehr aus der Feder diesen Autorss
olympia zu »Thomas Görden: Der Mönch und die Jüdin« 13.05.2008
Görden hat sich sehr viel Mühe gegeben, die Gefühlswelt von Hannah und Konrad zu zeichnen. Die Erzählstränge über die Protagonisten verlaufen beinah das halbe Buch parallel, bis die beiden Hauptfiguren in Köln aufeinander treffen. Der Autor hat es wunderbar verstanden sämtliche Figuren mit allen menschlichen Stärken und Schwächen darzustellen und niemals in ein reines „gut und böse Bild“ zu verfallen. Nachvollziehbar, einfühlsam und mit viel Empathie versteht es Görden den Leser die Gedankengänge jedes einzelnen zu vermitteln und die ganze Geschichte auch noch gut und glaubwürdig mit historischen Details zu verweben. Konrad, der eine sehr konservative und streng gläubige Erziehung genossen hat, ist von manchen Dingen wie sie in der Welt „draußen“ gehandhabt werden entsetzt und überrascht. Dies entlockt dem Leser auch des öfteren ein Schmunzeln.
Da Konrad sich an seine Kindheit und damit auch an seine Herkunft nicht erinnern kann, wird der Spannungsbogen von Anfang bis zum Schluss durchgehalten.

Fazit: Ein historischer Roman in einfacher aber klarer Sprache mit interessantem und gut recherchiertem Hintergrundthema. Kein historisch oder literarisch überragendes Werk, aber dennoch ein kurzweiliges, spannendes und leicht zu lesendes Buch.
bini zu »Thomas Görden: Der Mönch und die Jüdin« 16.04.2008
Das Buch hat mich voll überzeugt, es ist eine interessante und flott erzählte Geschichte über eine Kölner Jüdin welche in ein Pogrom gerät und einen jungen Novizen welcher sich seiner Berufung plötzlich nicht mehr sicher ist. Der Spannungsbogen wird gehalten und ich empfand das Lesen als sehr kurzweilig.
Kurz gesagt, es hat mir sehr viel Spaß gemacht das Buch zu lesen, ich wollte es nicht mehr aus der Hand legen und kann es daher wirklich empfehlen.
lesemoni zu »Thomas Görden: Der Mönch und die Jüdin« 15.04.2008
Ich hab dieses Buch sehr genossen,da es mal ein ganz anderer historischer Roman war.Man liest viel über den furchtbaren Judenhass und wie schnell die Menschen sich mit dem Hass anstecken liesen,was sehr erschreckend war.Auch das Geheimnis über die Herkunft des Novizen Konrad ( er ist KEIN Mönch daher verstehe ich auch den Buchtitel nicht so ganz) ist sehr spannend erzählt.Zwischenzeitlich überlegt man fieberhaft wer denn nun seine Eltern waren.Hannah und Konrad lernen sich erst später in dem Buch kennen ,da zuerst sehr viel über die beiden geschrieben wird um sie richtig kennenzulernen und zu wissen wie sie denken und fühlen. Ob Konrad zum Schluß doch Mönch wird oder nicht ,ob Hannah das Kölner Progrom heil übersteht ??? Lest es selbst und laßt euch überraschen.Ich hoffe jedenfalls damit von Thomas Görden noch mehr historische Bücher erscheinen werden. Fazit : sehr empfehlenswert wenn man für ein paar Stunden in eine andere Welt abtauchen möchte

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