Mein Herz ist ein wilder Tiger von Tanja Weber

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Mein Herz ist ein wilder Tiger“,, 288 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Als Elly Simon 1916 geboren wird, ist ihr zukünftiger Berufsweg vorgezeichnet: Sie ist die Tochter eines Zauberers und einer Hochseilakrobatin. Als sogenannte Schlangenfrau lässt sie die Zuschauer begeistert staunen. Als sie den waghalsigen Tigerdompteur Hans kennenlernt, scheint ihr Glück vollkommen, doch das Jahr 1936 bricht an, und ihr Mann ist Jude: Die beiden müssen fliehen. Ihre Flucht führt sie um die halbe Welt, ein Schicksal, das sie mit John Mbete teilt, der Elly viele Jahrzehnte später in einem Berliner Heim pflegt und der vor Krieg und Verfolgung aus Somalia geflohen ist. John und Elly, zwei Menschen, die auf ganz unterschiedliche Art ihre Heimat und ihre Familie verloren haben, nähern sich vorsichtig an – und werden für einen kurzen Moment einander Familie. Bis das Schicksal sie wieder auseinanderreißt.

Das meint Histo-Couch.de: „Flüchtlingsschicksale“

John Mbete hat es geschafft: Der aus Somalia stammende Flüchtling darf in einem Altenheim eine Ausbildung zum Pfleger machen. Er geht in seiner Aufgabe auf. Sie ist nicht nur einfach eine Chance auf ein neues Leben in Deutschland, sie gibt ihm auch die Möglichkeit, die hinter ihm liegenden Schrecken zu vergessen, den Tod seines Sohnes und seiner Frau für ein paar Stunden weniger heftig zu spüren. Den alten Menschen fühlt sich John verbunden, er pflegt sie hingebungsvoll. Besonders die über 100 Jahre alte Elly, die erst kürzlich ins Altenheim gekommen war. Elly erzählt dem Pfleger aus ihrem Leben als Zirkuskind und Artistin, von ihrer Flucht aus Nazi-Deutschland und ihrem geliebten Mann Hans, einem jüdischen Dompteur. Früh zur Waise geworden, erlebt die junge Elly, wie der Zirkus zunehmend mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hat und welche Steine den Unternehmen von den zur Macht aufgestiegenen Nazis in den Weg gelegt wurden. Mit Elly bekommt Johns Leben eine neue Wendung. Da stößt die demente Franziska Schlemmer zu ihnen. Deren Tochter Kirsten, eine erfolgreiche Anästhesistin, ist mit dem Zustand ihrer Mutter überfordert. Der Eintritt ins Pflegeheim ist der letzte Ausweg. Da fallen Kirsten bei der alten Elly, die mit ihrer Mutter das Zimmer teilt, seltsame Verletzungen auf. Die Ärztin schlägt Alarm.

Viele Parallelen

Die Autorin Tanja Weber spielt in ihrem Roman mit den sich unter anderen Vorzeichen wiederholenden Geschichten. Da ist Elly, die die Machtübernahme der Nazis miterlebt und darum fürchtet, ihren Liebsten, einen jüdischen Dompteur aufgeben zu müssen. Rechtzeitig gelingt dem Paar die Flucht nach Südamerika. Dort erreichen sie schreckliche Nachrichten aus der alten Heimat. Das junge Paar muss mit dem Status, als Flüchtlinge in einer neuen Heimat zu leben, klar kommen. Da ist aber auch John. Der junge Mann ist ebenfalls vor einem brutalen Regime geflohen. Er kam nach Deutschland, wo es ihm anfänglich nicht ganz so einfach fiel, sich in die Gegebenheiten einzuordnen. Die neue Kultur verlangt viel von dem gebildeten Somalier ab. Er schafft es, sich dank seiner positiven Einstellung zu entwickeln. Doch lebt John mit zwei weiteren Flüchtlingen zusammen in einer WG. Er erlebt, wie auch diese beiden immer wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt werden und oftmals fast daran zerbrechen, nicht zu wissen, wie es den Zurückgebliebenen in Eritrea und Afghanistan geht. Tanja Weber schildert diese Situation sehr eindrücklich und eingängig. Alleine durch ihre Geschichte zeigt sie die Parallelen auf, zwischen den Menschen, die einst aus Nazideutschland flüchten mussten und froh um eine Aufnahme in einem anderen Land waren und den Menschen, die nun aus den Kriegsgebieten nach Europa flüchten, in der Hoffnung, hier ein besseres Leben beginnen zu können. Sehr schön und eindrücklich geraten dabei die Schilderungen des Zirkusalltags in den Jahren zwischen dem ersten und dem Zweiten Weltkrieg.

Mehrere Problemkreise

Die Autorin spricht aber nicht nur die Flüchtlingsproblematik an. Sie kommt auch auf andere Problemkreise zu sprechen: Rassismus, Demenz, Altenpflege, bröckelnde Ehe. Sehr schön verwebt die Autorin all diese Themenkreise zu einer stimmigen Geschichte. Dabei nimmt keines der Themen übermäßig Platz ein, alle Bereiche können sich entwickeln und zu einem bunten Fächer entfalten. Obwohl Tanja Weber in ihrem Roman immer wieder in den Zeiten springt und die drei Protagonisten langsam zueinander führt und ihre Geschichte erzählen lässt, ist es nicht schwer, der Handlung zu folgen. Das mag zum einen daran liegen, dass die Autorin als Drehbuchschreiberin in der Lage ist, in den Köpfen der Leserinnen und Leser eine Art Film zu starten. Zum anderen auch an einer verhältnismäßig einfachen Sprache. Zeitweise wirkt diese Sprache etwas zu einfach, man würde sich noch einen verstärkten Sprachrhythmus wünschen, der etwas mehr Wärme in die Geschichte bringen könnte. Dass Tanja Weber durchaus in der Lage ist, mit der Sprache sehr starke Bilder entstehen zu lassen, zeigt sich etwa bei eingestreuten Sätzen wie Das Spiel mit dem Tod war die beste Ablenkung vom Leben. Hätte Tanja Weber dem Roman mehr sprachliche Nähe gegeben, so wäre Mein Herz ist ein wilder Tiger nicht nur ein unterhaltsamer Roman mit Tiefgang geworden, sondern einer, der sich deutlich über die breite Masse guter Romane zu erheben vermag.

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