Die Ballonfahrerin des Königs von Tania Douglas
Buchvorstellung und Rezension
Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel „Die Ballonfahrerin des Königs“, , 592 Seiten. ISBN 3-499-25252-X.
Kurzgefasst:
Frankreich, 1795. Um dem Schafott zu entgehen, versteckt sich die Adlige Marie-Provence de Serdaine in einem verlassenen Schloss. Niemand weiß von ihrem Schwur, den eingekerkerten Königssohn zu befreien. Unter falscher Identität erlangt die Royalistin eine Stelle beim Arzt des Kindes. Hier kommt sie André Levallois näher, einem Pionier der Montgolfierenfahrt. In Marie reift der tollkühne Plan, mithilfe seines Ballons den Gefangenen zu retten. Doch wird sich der bürgerliche André wirklich für ihre Pläne einspannen lassen?
Das meint Histo-Couch.de: „Ungeschminkter Blick auf die Französische Revolution“
von Rita Del'Agnese
Zugegeben, der Titel wie auch der Klappentext könnten vermuten lassen, hier ein typisches Produkt der breiten Masse von Historien-Romanen in Händen zu halten. Doch wem der Roman ein zweiter Blick wert ist, der wird schnell erkennen, dass er hier ein spezielles Juwel in Händen hält. Denn Tania Douglas serviert hier gehaltvolle Kost. Es ist weder seichte Liebesgeschichte noch Heldinnen-Epos ohne Ende, das die Leserschaft erwartet, sondern ein ungeschminkter Blick auf die Französische Revolution und die Schrecken, die damit verbunden sind. Denn das Revolutionsjahr 1795 ist nicht nur für die Menschen des Adels eine blutige Schreckenszeit. Durch die grausame Herrschaft Robespierres erstirbt in Paris jede Form von Lebensfreude.
Feinfühlig beobachtet
Obwohl es im Roman vornehmlich darum geht, dass die aus adligem Haus stammende Marie-Provence de Serdaine alles darum gäbe, den jungen König aus seinem Gefängnis zu befreien, profitiert die Leserschaft von einer feinfühligen Beobachtung der gesellschaftlichen Entwicklung. Verrat und Anschwärzungen nehmen zu, Bürgerinnen und Bürger werden unschuldig verhaftet, ins Gefängnis geworfen und nach einem Prozess, der jedem Rechtsempfinden spottet, öffentlich hingerichtet. Mehr als einmal schwebt deshalb die unerschrockene wie oftmals starrköpfige Marie-Provence in Lebensgefahr. Nur durch die aufopfernde Liebe des Bürgerlichen André Levallois kann die junge Frau ihren Kopf aus der Schlinge ziehen. Doch für die Liebe hat Marie-Provence keine Zeit. Sie trachtet nicht nur danach, ihre Pläne in Tat umzusetzen, sie muss sich auch gegen einen mächtigen Widersacher wehren, der es auf ihren Kopf abgesehen hat.
In luftige Höhen
Für ihren Befreiungsversuch greift Marie-Provence auf eine neuartige Technik zurück: Sie will mit einem Gasballon aufsteigen. Nur so lässt sich der junge König aus seinem schwer bewachten Gefängnis in einem Turm befreien. Wochenlang arbeitet die junge Frau auf ihr Ziel hin, immer beobachtet von ihrem Widersacher, der dank einem dichten Spionagenetz auch in der Lage ist, den sich im Bau befindenden Ballon zu sabotieren.
Sehr gute Begleitung
Durch das Buch mit der schweren Kost wird die Leserschaft perfekt begleitet. Schon zu Beginn des Romans findet sich ein Personenverzeichnis, das da und dort doch sehr hilfreich ist. Ebenfalls ist da eine Karte zu finden, die Aufschluss über die Örtlichkeiten gibt und zum besseren Verständnis der Ereignisse beitragen kann. Sehr schön geschildert sind die Schreckensmomente jener, die sich unvermittelt im Gefängnis wiederfinden. Die Verzweiflung wird ebenso greifbar wie die Hoffnungslosigkeit, die die Menschen nach und nach ergreift. So sind es auch diese Feinheiten, die die tatsächliche Spannung des Buches ausmachen, wenn gleich die dramatischen Momente nicht fehlen. Klug und in geniessbaren Dosen eingestreut ist das Wissen über die Ballonfahrerei, nirgends wird es zu einem langatmigen Exkurs ins Fachwissen.
Schwieriger Charakter
Obwohl Marie-Provence als Heldin des Romans unerschrocken und forsch ans Werk geht, ist sie keine alles bewältigende Heldenfigur. Tania Douglas hat ihr einen schwierigen Charakter verpasst und so gerät die junge Frau immer stärker in einen Sumpf des persönlichen Verrats an dem Menschen, der sie aufrichtig liebt. Dank der geschickten Dramaturgie sind die Handlungen der Protagonistin weitgehend nachvollziehbar, lassen aber dennoch genügend Raum für Überraschungen.
Letztlich ist die Ballonfahrerin des Königs ein Buch, das sich nicht primär an ein weibliches Publikum richtet, sondern ebenso viele Männer begeistern dürfte. Es ist zudem ein Buch, das sich nicht zum so eben schnell mal weglesen eignet sondern eine große Bereitschaft der Leserschaft voraussetzt, sich auf das Thema Revolution und ihre Folgen einzulassen. Ganz bestimmt aber ist es kein Roman, den man nach dem Lesen zur Seite legt und einfach abhakt.
Ihre Meinung zu »Tania Douglas: Die Ballonfahrerin des Königs«
- Uwe-Geerd zu »Tania Douglas: Die Ballonfahrerin des Königs« 27.11.2009
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Tania Douglas
„Die Ballonfahrerin des Königs“
Historischer Roman
Mit diesem Roman aus der aufregenden Zeit der französischen Revolution ist es T. Douglas gelungen historische, revolutionierende Ereignisse mit einer fantasievollen Handlung einfühlsam zu verbinden.
Das beherrschende Thema ist: Wie gelingt es den Royalisten durch Rettung des Königskindes die Monarchie wieder herzustellen?
Am Beispiel einer mutigen Adligen wird diese wechselvolle Zeit mit all ihren Intrigen dem Leser eindrucksvoll vor Augen geführt.
Die gute geschichtliche Recherche, sowie die Technik des Ballonfahrens, die ortskundige Führung durch das damalige Paris und die Bretagne verbunden mit geschickt verwendeten französischen Ausdrücken (die erklärt werden) und einer rasanten spannenden Handlung lassen den Leser nicht mehr los.
Sehr empfehlenswert!
Erschienen im November 2009 bei Verlag rororo, ISBN 978-3-499-25252-5
- olympia zu »Tania Douglas: Die Ballonfahrerin des Königs« 03.11.2009
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Marie-Provence de Serdaine hat nichts anderes im Kopf als den armen 9jährigen König der in einem Turmverlies eingesperrt ist, zu befreien.
Sie selbst wird gesucht und muss darauf achten nicht entdeckt zu werden. So nimmt sie unter anderem Namen die Stelle als Gehilfin bei einem Arzt an und hofft so, in die Nähe des Jungen zu kommen und ihn schließlich auch befreien zu können.
Als sie den Ballonfahrer André Levallois kennen lernt, setzt sie alles daran ihn für sich zu gewinnen, um mit seiner Hilfe die Befreiungsaktion durchführen zu können.
Der Klappentext hört sich sehr trivial und „schon einmal gelesen“ an. Noch dazu hat dieses Buch wieder einmal so einen verpönten „Die…in..“ Titel, dass sich viele Liebhaber und Kenner historischer Roman abschrecken wird zu diesem Buch zu greifen.
Fairer Weise sei aber gesagt, dass einem dieses Buch wirklich positiv überraschen wird. Die Figuren sind vielschichtig und dadurch sehr glaubwürdig gezeichnet. Die Protagonistin ist alles andere als perfekt und oft hat man den Wunsch, sie „wachzurütteln“, ob ihrer abstrusen Ideen und Fehlhandlungen. Aber gerade diese einerseits zähe und durchsetzungsstarke und anderseits sehr naive Art der jungen Frau machen es aus, dass die Figur realistisch und glaubhaft wirkt. Ebenso vielschichtig sind auch alle anderen Figuren gehalten und da liegt auch die Stärke der Autorin. Keine stereotypen und flachen, blassen Figuren, sondern Menschen mit Ecken und Kanten, die sich auch einmal auf dem falschen Weg verirren. Die Schauplätze und die Begebenheiten der Zeit sind ebenso prall und bildhaft dargestellt, wie die historischen Figuren und Ereignisse perfekt mit eingebaut sind.
Man erfährt viel über das damalige Fliegen mit Ballonen und Tania Douglas vermittelt dieses Wissen auf interessante, aber nicht belehrende Weise. Die Gastauftritte Napoleons sind sozusagen ein kleines „Zuckerl“, was den ganzen Umbruch den die französische Revolution verursacht hat, noch verdeutlicht.
Fazit:
Ein gelungener historischer Roman mit interessantem historischem Hintergrund. Flott erzählt, sind die Figuren die absolute Stärke der Autorin.
Einzig nicht ganz nachvollziehbar ist das verbissene Kämpfen der Protagonistin um den jungen König.
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