Das Haus in der Nebelgasse von Susanne Goga

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Das Haus in der Nebelgasse“,, 448 Seiten.ISBN 3-453-35885-6.

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Kurzgefasst:

London 1900: Matilda Gray ist Lehrerin an einer Mädchenschule und führt das Leben einer unabhängigen Frau. Als ihre Lieblingsschülerin Laura nicht mehr zum Unterricht erscheint, ahnt Matilda, dass diese in Gefahr ist. Zu plötzlich ist ihr Verschwinden, zu fadenscheinig sind die Begründungen des Vormunds. Eine verschlüsselte Botschaft, die ihr Laura auf einer Postkarte schickt, bringt Matilda auf die Spur des Mädchens. Ihre Suche führt sie zu dem Historiker Stephen Fleming und mit ihm zu einem jahrhundertealten Geheimnis, tief hinein in die verborgensten Winkel der Stadt.

Das meint Histo-Couch.de: „Ein Hobbydetektivin auf Schnitzeljagd durch London“70

Rezension von Yvonne Schulze

London im Jahr 1900. Hier unterrichtet die junge Lehrerin Matilda Gray an einer renommierten  Mädchenschule. Matilda führt ein für diese Zeit relativ unabhängiges Leben, ihre Eltern sind gestorben und ihr Bruder Harry kämpft als Soldat im Burenkrieg in Südafrika. Matilda, eine fortschrittlich denkende junge Frau, ermutigt auch ihre Schülerinnen zu eigenständigem Denken und Handeln, was aber der Philosophie des Mädcheninstituts zuwiderläuft, denn hier wird in erster Linie Wert darauf gelegt, die Mädchen zu guten Ehefrauen zu erziehen. Doch die Zeiten ändern sich, Bildung ist nicht länger ein Privileg der Männer und Frauen kämpfen für das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. So scheut sich  Matilda auch nicht, in ihrem Unterricht gerne einmal unkonventionelle Wege zu gehen.  

Eine Schülerin liegt ihr besonders am Herzen, die intelligente und strebsame Waise Laura. Als Laura nach den Ferien nicht mehr in der Schule erscheint, ist Matilda zunächst enttäuscht, bis sie von Laura eine Postkarte mit einer versteckten Botschaft bekommt, die sie zu einem geheimnisvollen Kästchen führt, das Laura in der Schule versteckt hat und in dem sich unter anderem auch ein altes, kaum noch lesbares Tagebuch befindet. Matilda, die vermutet, dass Laura in Schwierigkeiten steckt, steht plötzlich vor einem Berg an Fragen, denn sie glaubt, dass Lauras Verschwinden etwas mit diesem Kästchen und seinem Inhalt zu tun hat. Ihre Suche nach Laura wird zugleich eine Schnitzeljagd durch die Stadtgeschichte Londons.

Doch bevor es soweit ist, führt der Prolog den Leser zurück in das Jahr 1665. Während in London die Pest wütet, versteckt die Kaufmannstochter Katie Cleland im Keller ihres Elternhauses eben jenes Kästchen, das Matilda Jahrhunderte später in der Hand hält. Warum Katie das tut und was es mit dem Inhalt des Kästchens auf sich hat, wird sich erst im Laufe der Geschichte nach und nach erklären.

Victoria Holt lässt grüßen

Susanne Gogas Roman Das Haus in der Nebelgasse ist eine Detektivgeschichte, die an die Romantik-Thriller von Victoria Holt erinnert. Die Inspiration zu diesem Roman bekam die Autorin aus Peter Ackroyds Büchern zur Stadtgeschichte Londons und so liegt es natürlich nahe, dass auch viele interessante Details Einzug in die Handlung finden. Die architektonische Geschichte Londons spielt für die Auflösung des Falles zwar eine große Rolle, diese Ausflüge in die Historie der Stadt sind aber wohldosiert und dominieren die  Handlung nicht, die fiktive Detektivgeschichte spielt die Hauptrolle und nimmt den Großteil der Erzählung ein.

Matilda ist als Protagonistin eindeutig die Sympathieträgerin. Sie ist eine kluge und mutige Frau, an deren Fersen man sich gerne heftet, um sie bei ihren Nachforschungen zu begleiten. Dass Lauras vermeintlicher Sinneswandel und die zwielichtige Rolle, die Lauras Vormund dabei spielt, letztendlich etwas mit diesem Kästchen zu tun haben und die Gründe weit in der Vergangenheit zu suchen sind, wird schnell klar und so sieht sich Matilda auch vor der Herausforderung, die Herkunft dieses Kästchens zu erkunden und das Tagebuch zu entschlüsseln. Nach und nach kristallisieren sich die Zusammenhänge zwischen Gegenwart und Vergangenheit heraus. Unterstützung erhält Matilda hierbei vom ebenso sympathischen Professor Stephen Fleming und die Liebesgeschichte zwischen den beiden ist damit vorprogrammiert. Diese spielt sich aber dezent im Hintergrund ab, hält sich mit übertriebenen Emotionen zurück und bleibt erfreulich kitschfrei, auch wenn die Autorin hin und wieder in die Klischeefalle tappt, denn sowohl Matilda als auch Stephen haben augenscheinlich kaum negative Seiten. Die Nebencharaktere sind relativ konturlos und werden zumeist in die Schubladen Gut und Böse einsortiert. Damit schleicht sich natürlich eine gewisse Vorhersehbarkeit in die Geschichte. Lediglich die unkonventionelle Mrs. Westlake, Matildas Vermieterin und mütterliche Freundin, die als Groschenromanautorin ihren Lebensunterhalt verdient und mit ihrer unverblümten, direkten Art für Humor sorgt, ist ein wirkliches Unikum. 

Nur bedingt ein historischer Roman

Das Haus in der Nebelgasse ist weniger ein historischer Roman, sondern ein charmanter Schmöker mit einer sympathischen Heldin vor der Kulisse Londons im ausklingenden viktorianischen Zeitalter, was dem Roman eine besondere Atmosphäre verleiht. Eine Lektüre, die Spaß macht und gut unterhält, wenn man historisierende Unterhaltungsromane mag. Die Handlung braucht anfangs etwas, um in die Gänge zu kommen, gerade zu Beginn tritt sie oft auf der Stelle oder dreht sich im Kreis, doch je weiter die Geschichte fortschreitet, umso mehr zieht das Tempo an und die Spannung steigt, doch bevor sich die Geschehnisse zum Ende hin zu überschlagen drohen, mündet die Handlung in ein abruptes Ende. Die Auflösung der Geschichte, bei der Mr. Zufall mehr als einmal helfend mit eingreift, ist dürftig und wenig glaubhaft. Hier hätte man sich etwas mehr Einfallsreichtum gewünscht.  

Und was ist eigentlich mit der jungen Katie Cleland aus dem Prolog geschehen? Ihre Geschichte erschließt sich natürlich durch Matildas Nachforschungen, aber am Ende des Buches kommt Katie selbst noch einmal zu Wort und damit schließt sich der Kreis. 

Ihre Meinung zu »Susanne Goga: Das Haus in der Nebelgasse«

dorli zu »Susanne Goga: Das Haus in der Nebelgasse«01.03.2017
London 1900. Matilda Gray ist Lehrerin an einer Mädchenschule. Als ihre ehrgeizige, wissbegierige Schülerin Laura Ancroft nach den Ferien nicht an die Schule zurückkehrt, sondern durch ihren Vormund mit einer fadenscheinigen Begründung für längere Zeit entschuldigt wird, wird Matilda stutzig. Ein versteckter Hinweis auf einer Postkarte verstärkt Matildas Unbehagen. Sie wähnt Laura in Gefahr, beginnt nachzuforschen und stößt mit Hilfe des Historikers Stephen Fleming auf ein mehrere Jahrhunderte altes Familiengeheimnis, das bis in Lauras Generation nachwirkt und Neid, Missgunst und Rache im Gepäck hat…

In ihrem historischen Roman „Das Haus in der Nebelgasse“ entführt Susanne Goga den Leser in das ausgehende 19. Jahrhundert nach London. Die Autorin erzählt sehr anschaulich von einer spannenden Schatzsuche quer durch die geschichtsträchtigen Gassen der Stadt und lässt den Roman damit zu einer spannenden, kurzweiligen Zeitreise werden.

Susanne Goga zeichnet ein sehr authentisches Bild des damaligen Londons und präsentiert ganz unterschiedliche Facetten der Stadt. Man lernt einige Besonderheiten kennen und kann sowohl einen Blick auf die gutbürgerlichen Ecken wie auch auf die düsteren Viertel und die verborgenen Winkel Londons werfen.

Die ausführlichen Beschreibungen der Schauplätze und die detaillierten Schilderungen der Ereignisse haben mich durchweg begeistert. Es gelingt Susanne Goga ausgezeichnet, den Sog, den die Spurensuche auf Matilda ausübt, auf den Leser zu übertragen – man wird regelrecht von Matildas Neugierde und ihrem Forscherdrang mitgerissen.

Neben den faszinierenden Geheimnissen Londons ist auch die Stellung der Frau in der Gesellschaft ein Thema. Anders als ihre Kolleginnen ist Matilda eine unkonventionelle Lehrerin, die in der Erziehung der Mädchen nicht die Vorbereitung auf eine Rolle als Ehefrau und Mutter sieht, sondern ihre Schülerin zu selbstständigem Denken anhält und zu akademischen Tätigkeiten ermuntert.

Zudem lässt Susanne Goga eine angenehme Prise Humor und auch eine gute Portion Romantik in die Handlung einfließen – die Liebesgeschichte zwischen Matilda und Stephen entwickelt sich langsam und kommt dabei nicht ohne Hindernisse aus.

„Das Haus in der Nebelgasse“ hat mir sehr gut gefallen. Der Roman lässt sich angenehm flott lesen und hat mir nicht nur spannende, unterhaltsame Lesestunden beschert, sondern mir auch interessante Einblicke in die Historie Londons ermöglicht.
Kerstin Klaar zu »Susanne Goga: Das Haus in der Nebelgasse«22.02.2017
"Das Haus in der Nebelgasse" von Susanne Goga ist ein spannender historischer Roman um die Zeit des 19. Jahrhunderts, in dem eine junge Frau sich auf Spurensuche begibt.
Mathilda, die Hauptprotagonistin, ist eine junge Lehrerin die ihr Leben frei leben kann. Gerne möchte sie ihre Schützlingen ( Mädchen einer Privatschule ) aufs Leben vorbereiten, in dem sie ihnen Werte vermittelt die nicht selbstverständlich zur damaligen Zeit gewesen sind. Mathildas Leben entspricht nicht unbedingt dem der üblichen Damen zur damaligen Zeit. Sie lieb ihre Arbeit als Lehrerin und so läuten bei ihr die Alarmglocken als ihre Lieblingsschülerin Laura nicht zum Unterricht erscheint, es ist nicht nur ein Tag, nein sie bleibt dem Unterricht komplett fern.
Sorgen macht sie sich, da der Vormund von Laura, bei einer zufälligen Begegnung , keinen guten Eindruck auf sie gemacht hat. Fakt ist, dass der Vormund mit Laura ohne erklärlichen Grund verschwunden ist.
Hilferuf von Laura per Postkarte, dass kann und will Mathilda nicht auf sich beruhen lassen.
Nun wirft sie ihre Zurückhaltung über Bord und begibt sich auf die Spurensuche, wobei ihr der Historiker Stephen Fleming behilflich ist. Die Vermieterin hatte ihr zwar empfohlen sich an einem Sammler zu wenden, doch Mathilda hat sich doch anders entschieden.
Mit Stephen begibt sie sich auf auf die Suche, wobei sie auf ein Geheimnis stoßen das Jahrhunderte zurück liegt.
Mehr möchte ich von dieser spannenden Geschichte nicht verraten.

Meine Meinung:
Susanne Goga, ein Name den ich mir gemerkt habe. Die Autorin hat es geschafft mich von der ersten Seite an mit zu nehmen. Mathilda ist mir sehr sympathisch, aber auch die Charaktere der anderen Protagonisten sind gut geschildert. Der Schreibstil ist flüssig und spannend zu gleich. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, mein Spekulationsmodus war angeschaltet, und die Geschichte Londons fand ich sehr interessant.
Ich kann diesen Roman nur weiterempfehlen.
leseratte1310 zu »Susanne Goga: Das Haus in der Nebelgasse«30.01.2017
Matilda Gray bedauert es, dass eine ihrer Schülerinnen nicht mehr zum Unterricht erscheint. Da Laura ein ehrgeiziges und wissbegieriges Mädchen ist, kann Matilda die Begründung für Lauras Abwesenheit nicht glauben. Angeblich ist Laura in den Ferien erkrankt und nun mit ihrem Vormund, dem Anwalt Mr. Easterbrook, auf einer Genesungsreise durch Europa. Als sie dann eine Postkarte mit einem versteckten Hinweis erhält, macht sie sich auf die Suche nach Hintergründen, um Laura helfen zu können.
Ich liebe historische Romane und dieses Buch hat mich von Anfang an gefangen genommen.
Die sympathische Matilda hat früh ihre Eltern verloren und musste sich mit ihrem Bruder durchschlagen. Nun ist ihr Bruder als Soldat in Afrika und sie unterrichtet an einer Mädchenschule, in der die Schülerinnen auf ein Leben als Ehefrau vorbereitet werden. Matilda ist eine unabhängige junge Frau, der es lieber wäre, dass die Schülerinnen auf einen Beruf vorbereitet würden. Um ihre Stelle nicht zu gefährden, muss sie vorsichtig sein, aber es fällt ihr oft sehr schwer, sich zurückzuhalten. Matildas Vermieterin Mrs. Westlake ist Matilda in allem eine große Stütze. Auch sie ist ein unabhängige Frau, die als Autorin von abenteuerlichen Geschichten ihren Unterhalt verdient. Ihre herzerfrischenden Kommentare bauen Matilda immer wieder auf, wenn Zweifel aufkommen. Sie ist es auch, welche die Kontakte vermittelt, die Matilda auf die richtige Spur bringen. Der seltsame Antiquitätenhändler und Sammler Mr. Arkwright gibt Hinweise wie auch Historiker Professor Stephen Fleming. Aber warum ist Arkwright so konsequent gegen Fleming?
Matildas Ermittlungen führen sie in die verschiedensten Winkel von London, auch das unterirdische London wird nicht ausgespart. London und sein Nebel sind bekannt und berüchtigt; man kann sich vorstellen, wie bedrückend die Atmosphäre im nebeligen London sein kann. Ich hätte Matilda gerne begleitet, denn ich mag es, mich auf den Spuren der Vergangenheit zu bewegen.
Es ist eine spannende Ermittlung, bei der wir Matilda begleiten dürfen und die einige hundert Jahre in die Vergangenheit führt. Doch was haben die Geheimnisse der Vergangenheit mit Laura zu tun? Es ist nicht ganz ungefährlich für Matilda, aber sie ist mutig und gibt nicht auf. Sie will ihrer Schülerin helfen, aber es packt sie auch ein gehörige Portion Abenteuerlust. Dass Stephen Fleming sie dabei unterstützt, gefällt ihr sehr.
Mir hat dieses Buch mit der ganz besonderen Atmosphäre in London und den tollen Charakteren gut gefallen. Die Geschichte ist spannend und unterhaltsam.
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