Falkenjagd von Susanne Betz

Buchvorstellung und Rezension

kaufen bei amazon.de

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel „Falkenjagd“, , 352 Seiten. ISBN 3-442-36800-6.

Kurzgefasst:

Preußen, im Jahr 1729: Die vierzehnjährige Friederike, die Schwester Friedrichs des Großen, wird mit dem Markgrafen Charles von Ansbach verheiratet. Das intrigante und frivole Hofleben gerät der jungen, blitzgescheiten Markgräfin jedoch bald zum Gefängnis. Zudem hat der aufbrausende Charles eine Mätresse aus dem Volk und interessiert sich nur für die Falkenjagd. Dennoch gelingt es Friederike, dem höfischen Daueramüsement zu entgehen, indem sie Anatomie studiert und mit dem Anbau von Kartoffeln ihre Untertanen vor dem Hungertod rettet. Indem sie sich Stück für Stück von den überkommenen Konventionen befreit, öffnet sich die faszinierende Markgräfin schließlich auch für die Liebe …

Das meint Histo-Couch.de: „Weibliche Wissbegier und männliche Marotten“

von Annalena Brix

Heute ist es längst normal, dass Frauen studieren, arbeiten und völlig selbstständig sind, aber im 18. Jahrhundert war Wissenschaft und Arbeitswelt noch eine reine Männerdomäne. Susanne Betz widmet sich einer historischen Person, die, wie viele andere, eine Alternative zum bedrückenden, strukturierten Leben bei Hofe suchte. Über Friederike Luise von Ansbach ist wenig Konkretes bekannt, daher war es der Autorin eine Freude anhand ihrer Person exemplarisch die durchaus vorhandene Wissbegier und die damit verbundenen Schwierigkeiten von Frauen dieser Zeit nachzuzeichnen. Ein Hauch Rokoko schwingt dabei ständig mit.

Wacher Geist und Falkenauge

Anders als ihre Geschwister interessiert sich Friederike nicht sonderlich für die schönen Künste und gibt wenig auf ihre königliche Herkunft. Viel lieber beobachtet sie mit wachem Verstand Menschen, Tiere und Natur in ihrer Umgebung. Mit vierzehn Jahren wird sie an den ebenfalls jungen Markgrafen von Ansbach verheiratet, der sich allerdings am Meisten für seine Falknerei interessiert. Da Friederike sich kaum für die Jagd begeistert, sucht sie mit Raubvogelaugen nach anderen Herausforderungen und fällt bald auf. Die Ehe zwischen ihr und dem Markgrafen ist beschwerlich. Nach der Geburt eines Sohnes zieht Friederike sich auf das Landgut Schwaningen zurück und schafft sich dort ein Eiland für Ruhe und Forschungen. Ihre Bauern finden sie anfangs befremdlich, weil sie sich in die Landwirtschaft und Viehzucht einmischt, schließen sie aber ins Herz, als sie durch den damals unkonventionellen Kartoffelanbau viele Menschen vorm Hungertod bewahrt. So ergeben sich Friederike mehr und mehr Möglichkeiten für verschiedene Studien

Fakt und Fiktion

Der Autorin gelingt es, allerhand Fakten überzeugend mit der Fiktion um ihre Hauptfiguren zu verknüpfen. Der Leser erfährt nebenbei so Manches über die politischen Verwicklungen um Friedrich den Großen, Friederikes Bruder. Außerdem wird die Leidenschaft des Markgrafen für die Falknerei, die sein Vermögen verschlingt, und seine Mätresse, die aus dem einfachen Volk stammt, deutlich. Beeindruckend ist das Detailwissen über die Falkenabrichtung, welches Susanne Betz liebevoll und plakativ in den Roman einbettet. Ebenso spannend ist die Fiktion über die verschiedenen zwischenmenschlichen Beziehungen der Markgräfin. So entwirft Betz beispielsweise eine ungewöhnliche Frauenfreundschaft zwischen der Gräfin und der Mätresse ihres Mannes. Die Figuren wirken mit ihren Fragen und Wünschen an das Leben und die Welt authentisch und zeigen viele unterschiedliche Aspekte ihrer Zeit auf. Auch die Liebe in brennender Verehrung und nüchterner, fast pragmatischer Betrachtung wird thematisiert.

Einschränkung und geheimes Fädenziehen

Immer wieder wird Friederike durch das Gerede im Adel von ihrem Mann oder Bruder beim Stillen ihres Wissensdurstes gebremst. Selbst eine erschreckende Begegnung mit der königlichen Geheimpolizei bleibt ihr nicht erspart. Trotzdem korrespondiert sie über Umwege mit Wissenschaftlern aus anderen Ländern und eignet sich ein paar neuartige Geräte, zum Beispiel ein Mikroskop, an. Sie scheut weder Selbstversuche noch anatomische Untersuchungen an tierischen Organen, um dem Geheimnis des Lebens auf die Spur zu kommen. Einzig ihre Freundin Caroline weiß wirklich davon, bis sie doch noch zwei Männern begegnet, die ihren Enthusiasmus erfassen und akzeptieren. So wird schließlich Rastlosigkeit und Sehnsucht mit tiefen Gefühlen belohnt.

Vielversprechendes Debüt

Susanne Betz liefert mit „Falkenjagd“ ein Debüt ab, das Lust auf mehr macht. Zu der attraktiv gestalteten Geschichte mit glaubhaften Figuren und solidem historischen Hintergrund liefert sie dem interessierten Leser als Bonbon noch eine Literaturauswahl zu einzelnen Figuren, Ereignissen und der Zeit allgemein. Mit Freude darf man das nächste Buch der promovierten Historikerin erwarten. In Arbeit ist es bereits.

Ihre Meinung zu »Susanne Betz: Falkenjagd«

Henriette zu »Susanne Betz: Falkenjagd« 16.07.2008
Das Buch hat mir leider gar nicht so gut gefallen. Der Roman war keine flüssig zu lesende Geschichte, sondern eher abgehackt innerhalb der Absätze. Teilweise gab es große Zeitsprünge ohne erkennbare Zusammenhänge. Dort musste man sich viel Zusammenreimen. Viele Namen wurden teilweise ohne vorherige Erwähnung eingebracht. Man musste erahnen, warum, wieso, weshalb.
Das Thema ansich wäre bestimmt interessant, hätte aber besser verpackt werden müssen.
Susanne Betz muss sich sehr anstrengen, um mich nochmal zu überzeugen.
anath zu »Susanne Betz: Falkenjagd« 24.06.2008
Ich kann den Enthusiasmus der HC-Macher für dieses Buch leider nicht teilen. Ein Historicus ist das für mich nicht, dazu sehe ich einfach zu viele Mankos.
Gekauft habe ich das Buch weil mich prinzipiell alles interessiert was mit dem Thema Preußen/Hohenzollern zusammen hängt. Und gerade über die Schwestern Friedrichs II. gibt es kaum etwas Belletristisches. Allerdings schießt mir hier zuviel Phantasie ins (Kartoffel-)Kraut.
Friederike hat ihr Schloß in Unterschwaningen ausbauen lassen -sie war dort regelrecht in Verbannung. Das wird im Buch als eher nebensächlich abgetan. Friederikes Ehe war eine Katastrophe, sie litt so sehr daß sie ihr Leid der Nachwelt hinterließ, eingeritzt in eine Fensterscheibe, nicht abzuwischen : "Ich leide und ich wage es nicht zu sagen ." Dieses historisch belegbare Leid kam im Buch kaum zum Tragen, wurde nicht wirklich greifbar.
Für mich ist verständlich, daß die Autorin hier viel dazu erfinden mußte - Friederikes Leben ist bei weitem nicht so gut dokumentiert wie z.B. das ihrer Brüder. Und ich war auch sehr froh, daß in einem Nachwort noch eine Richtigstellung hierzu erfolgte. Aber wenn es denn schon harte Fakten gibt
dann gehören sie in dieses Buch ! Z.B. die Tatsache, daß der charmante Charles von Ansbach sich von seinem Schwiegervater betrogen fühlte weil die hübsche junge Braut sich als krank erwies - eine Tatsache, die dazu beitrug, dieser Ehe den Todesstoß zu versetzen.
Schwierig auch die Schilderung Friedrich Wilhelms . Er war gewiß kein zartfühlender Mensch und es sind genug haarsträubende Geschichten über ihn bekannt. Aber weder die "Tafelfreuden" am preußischen Hof stimmen so wie von der Autorin geschildert ( wer MIR nicht glauben mag der halte sich an andere Autoritäten wie z.B. Tom Wolf ), noch war Friederikes Vater eine solche Witzfigur wie gleich auf den ersten Seiten beim Verkünden der Verlobung geschildert.
Es gibt also so manches was mich an dem Buch gestört hat. Ich sehe also im Gegensatz zur HC eine Geschichte mit unsolidem historischen Hintergrund. Gefallen hat mir, daß die Geschichte in sich stimmig und flüssig erzählt war. Wenn ich mir sagte, daß es hier um eine der Historie nachempfundene Person mit einer der Historie nachempfundenen story geht, dann konnte ich auch gut lesen ohne mich zu ärgern.
stjärnfall zu »Susanne Betz: Falkenjagd« 01.05.2008
Also ich fand das Buch schrecklich, alle Figuren blieben bis zur letzten Seite farblos und die ganze Schreibweise war so distanziert. Ich werde kein weiteres Buch der Autorin lesen!
Hans im Glück zu »Susanne Betz: Falkenjagd« 28.04.2008
Mir hat der Roman auch nicht gefallen - zu schwach die Konstruktion, zu wenig Tiefgang bei den Figuren, zu abgehackte Szenenfolge, zu unbefriedigendes Ende .... und vieles andere mehr ...
Historisch mag es ja o.k. sein, aber das heißt noch lange nicht, dass Geschichte auch wirklich stimmig rübergebracht wird. Da gibt sehr viel bessere und gekonntere Beispiele anderer ...
Mein Geschmack war bei dieser für mich zu dünnen Story leider nicht angesprochen.
Für ein Debüt mag es angehen, aber meine "Lust auf Mehr" hält sich bei dieser Autorin deutlich in Grenzen!
KatharinaHisto zu »Susanne Betz: Falkenjagd« 28.04.2008
@Kerstin C.

Es ist wahrscheinlich unmöglich einen Roman zu empfehlen, der ausnahmslos JEDEM Leser gefällt. Sollten Sie das mal schaffen, kontaktieren Sie mich bitte, diesen Roman würde ich dann auch gerne mal lesen.

Warum dieses Buch Historikus geworden ist, kann man übrigens in der Rezension nachlesen - diese sollten Sie vielleicht lesen, bevor Sie kritisieren.

MfG,
Katharina Lewald
Chefredakteurin
Kerstin C. zu »Susanne Betz: Falkenjagd« 26.04.2008
Ich konnte und mochte den Roman NICHT ferig lesen - so schlecht konstruiert, so voller Längen, so ohne jeglichen Höhepunkt - wo blieb denn da bitteschön ein kenntnisreiches Lektorat????
Finde es schon an den Grenze zur Zumutung, dass so etwas auf die Leserschaft loss gelassen wird.
Und dann auch noch der "historicus" - wofür nur, frage ich mich?

Wo blieb denn das gute Auge der histo-couch-Redaktion???
adhara zu »Susanne Betz: Falkenjagd« 26.04.2008
Selten hat mich ein Buch so ratlos zurückgelassen wie die Falkenjagd von Susanne Betz. Die Autorin hat eine unglaublich faszinierende Frau zu ihrer Protagonistin erwählt und versucht, ihr eine Stimme zu geben. Das verdient in meinen Augen höchste Anerkennung. Allerdings scheint mir das ganze Buch eine Suche zu sein - die Suche nach einer schlüssigen Geschichte und nach Charakteren, die aus einer farblosen Masse heraus heben. Die ersten 150 Seiten der Falkenjagd sind ein zusammenhangloses Aneinanderreihen von Kurzsequenzen. Beispiel: Markgraf Charles von Ansbach grämt sich in einer Szene, dass seine Frau Frederike noch nicht schwanger ist. Lediglich ein paar wenige Seiten später eine Szene von Friederike. Sie lässt sich den zweijährigen Erbprinzen ins Zimmer bringen. Zwischen diesen beiden Szenen plätschert die Geschichte ereignislos vor sich hin - nichts lässt darauf schliessen, dass es hier einen Zeitsprung von ??? Jahren gibt. Auf solche Situationen trifft man im ersten Drittel des Buches immer wieder. Zudem wird in diesem Teil der Falkenjagd anstatt die Protagonistin Friederike die Mätresse ihres Mannes, Elisabeth, skizziert und dem Leser näher gebracht. Friederike bleibt eine farblose Randfigur. Das ändert sich im zweiten Drittel des Buches etwas, ohne jedoch der Figur von Friederike wirklich Leben einzuhauchen. Immer wieder hatte ich das Gefühl, ein Geschichtsbuch zu konsultieren, um mich mit dem Leben dieser unglaublichen Frau vertraut zu machen. Doch näher gekommen ist sie mir bis ganz zum Schluss nicht. Die plötzliche Liebesgeschichte zum Ende des Romans finde ich weder nachvollziehbar noch tut sie dem Roman gut. Erst recht nicht, wenn die Autorin selber schreibt, dass Friederike als einsame Frau ohne Liebe gestorben sein dürfte. Sollte sich also beim Leser das Gefühl einstellen, dass diese unglückliche Person doch noch ein bisschen Freude erfahren hat, so wird das mit den Erklärungen zum Schluss gleich wieder zunichte gemacht.
Die 65 Punkte habe ich hauptsächlich für den Versuch gegeben, das Leben der ungewöhnlichen Friederike nachzuzeichnen. Für die Ausführung selber würde ich wohl eine wesentlich tiefere Wertung wählen. Währe es nicht das Leserundenbuch gewesen, so hätte ich diesen Roman wohl abgebrochen.

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Roman mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern dabei nicht die Spannung. Danke!

Ihr Kommentar zu Falkenjagd


Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen:

über die Histo-Couch:

Histo-Couch.de ist ein Projekt der Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.
Copyright © 2006–2013 Literatur-Couch Medien GmbH & Co. KG.