Der Spion des Dogen von Stefan Maiwald

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Der Spion des Dogen“,, 416 Seiten.ISBN 3423261242.

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Kurzgefasst:

Venedig, 1570. Eine Intrige bringt Davide Venier, einen angesehenen Geschäftsmann, über Nacht um sein Vermögen und für zehn Jahre in die berüchtigten Bleikammern, das Staatsgefängnis der Serenissima. Dort lernt er den Osmanen Hasan kennen, der nicht nur sein Schachpartner wird, sondern ihm auch die Kunst der Selbstverteidigung und wertvolle Tricks für den rauen Alltag im Kerker beibringt. Davide erweist sich als gelehriger Schüler, woraufhin er ein unerwartetes Angebot erhält: Straferlass gegen Spionagedienste für den Dogen. Davide willigt ein, doch seine Mission könnte brisanter kaum sein: Das Osmanische Reich rüstet sich für einen Krieg gegen Venedig. Und: Ein gefährlicher Killer ist in der Stadt eingetroffen...

Das meint Histo-Couch.de: „Ein spannungsreicher Auftakt, der Lust auf mehr macht!“85Treffer

Rezension von Christina Wohlgemuth

Venedig, im späten 16. Jahrhundert. Die Serenissima schwelgt in ihrem Luxus, gestützt auf die militärische Macht im Mittelmeer. Unter den größten Genießern ist Davide Vernier, Spross einer altehrwürdigen venezianischen Familie, Geschäftsmann durch und durch. Bis er durch einen Verrat eines Tages alles verliert und im berüchtigten Gefängnis der Stadt landet. Doch nachdem er sich in Haft zu einem sehr guten Kämpfer entwickelt hat, macht ihm die Republik ein Angebot, dass er niemals ausschlagen kann: Freiheit! Die Gegenleistung: Spionagearbeit für den Dogen …

Ein Spionageroman im alten Venedig? Was auf den ersten Blick etwas anachronistisch klingt, erweist sich als unterhaltsame Abenteuergeschichte, die sich auch in unserer Zeit so zutragen könnte, dann allerdings nicht mit Davide Vernier, sondern mit einem gewissen Geheimagenten im Dienste Ihrer Majestät. Die Assoziation ist eindeutig gewollt – und der Plan geht auf!

Niedergang und Aufstieg eines Venezianers

Zu Beginn der Geschichte begegnet der Leser einem Mann, der schon alles erreicht hat. Vermögend, beliebt, eine wunderschöne Geliebte – Davide Vernier steht zum Beginn des Romans da, wo andere Protagonisten meist erst hin wollen. Umso tiefer ist der Fall – Verrat führt Davide in die berüchtigten Bleikammern. Zu seinem Glück trifft er dort auf Hasan, einen Orientalen, der ihn in den Kampfkünsten unterweist. Eben diese ebnen Davide den Weg in die Freiheit – und in so manche gefährliche Mission.

Der Spion des Dogen glänzt als Abenteuerroman – handlungsintensive und dialoggeprägte Szenen prägen die Erzählung. Sich über zig Seiten ziehende Studien wird man vergeblich suchen – und in dem Fall ist das auch gut so. Der Roman funktioniert so, wie er soll: als packende Abenteuergeschichte mit einem sympathischen Protagonisten.

Spannender Einblick in die Funktionsweise Venedigs

Wer nach dem vorgesagten allerdings glaubt, die Historie sei nur schmückendes Beiwerk und nicht relevant für die Geschichte, der irrt. Der Leser erhält einen umfangreichen und spannenden Einblick in die Republik Venedig, die auf der Grundlage kluger Geschäftsleute und einer durch das Arsenale gesicherten Streitmacht auf dem Meer eine der dominantesten Kräfte im Mittelmeer wurde.

Besonderes Augenmerk legt der Autor dabei auf die Darstellung der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse. Die teilweise demokratisch anmutenden politischen Vorgänge, die Unvererbbarkeit des Dogenamtes zeichnen Venedig aus. Als Hafenstadt ist Venedig zudem von enormer kultureller Vielfalt geprägt – trotz des stets schwelenden Konflikts mit dem Osmanischen Reich trifft man in Venedigs Kanälen Menschen aus aller Welt.

Lebhafte Figuren und eine fesselnde Geschichte

Mit Davide Vernier ist dem Autor ein Sympathieträger gelungen, der die männliche wie die weibliche Leserschaft begeistern wird. Charmant, geistreich, witzig und nebenbei noch ein Abenteurer par exellence. Das geht dankenswerter Weise nicht zu Lasten der Glaubwürdigkeit der Figur. Auch die Nebenfiguren – Freunde wie Gegenspieler – stehen dem Leser dreidimensional vor Augen. Dass dabei ein paar Stereotypen bedient werden, fällt zwar auf, wirkt sich aber nicht wirklich störend aus.

Sobald nach der Einführung die eigentliche Geschichte in Gang kommt, wird es dem Leser schwer fallen, das Buch zur Seite zu legen. Ein flüssiger Stil und spannende Szenen ermöglichen einen hohen Lesefluss – die perfekte Lektüre für ein verregnetes Wochenende auf der Couch. Einen großen literarischen Wurf darf man hier natürlich nicht erwarten – aber das ist gar nicht nötig und hier auch nicht gewollt. Stilistisch und bei der Figurenzeichnung ist noch ein wenig Luft nach oben – insoweit darf man auf ein mögliches nächstes Intermezzo mit Davide Vernier gespannt sein!

Der Spion des Dogen ist ein spannender und unterhaltsamer historischer Abenteuerroman, der beide Elemente dieses Genres sehr gut bedient. Ein Roman, er von Anfang bis Ende funktioniert und vor allem eines schafft: Er macht Lust auf mehr!

Ihre Meinung zu »Stefan Maiwald: Der Spion des Dogen«

Athene81 zu »Stefan Maiwald: Der Spion des Dogen«23.11.2016
Unterhaltung vom Feinsten! Wir erfahren von einer gewaltigen Verschwörung (sowohl gegen die Hauptperson als auch gegen Venedig selbst), wir tauchen ab in die dunkelsten Ecken der Stadt, aber wir erleben auch aufregende Regatten und prächtige Feste im Dogenpalast. Wir reisen mit dem Spion Davide Venier in die Alpen, nach Barcelona und, für ihn nicht ganz freiwillig, nach Istanbul. Vor allem aber lebt das Buch von den vielen bunten Nebenpersonen und -handlungen. »Der Spion des Dogen« hat mir sehr gut gefallen, und es gibt auf der letzten Seite einen Hinweis darauf, dass daraus eine Reihe entstehen soll. Das würde mich freuen. Ich bekam jedenfalls sofort Lust, nach Venedig zu fahren!
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