Fallers Held von Sobo Swobodnik

Buchvorstellungund Rezension

Fallers Held von Sobo Swobodnik

Originalausgabe erschienen 2005unter dem Titel „Fallers Held“,, 288 Seiten.ISBN 3-608-93735-8.

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Kurzgefasst:

Bürgerbräukeller München, 8. November 1939. Wenige Monate nach Kriegsbeginn explodiert eine Bombe. Der, den sie treffen soll, hat den Saal wenige Minuten zuvor verlassen. Der, der den Anschlag monatelang vorbereitet hat, wird kurz vor der Explosion verhaftet. Georg Elser wollte durch sein Attentat auf Adolf Hitler Blutvergießen verhindern – und scheiterte. Genauso wie über sechzig Jahre später der Wissenschaftler Johannes Faller, der auf den Spuren von Elser wandelt und sich unheilsam in die ausgelegten, kriminalistischen Fallen der deutschen Geschichte verstrickt.

Das meint Histo-Couch.de: „Eine historische Spurensuche mit zwei Gesichtern“67

Rezension von Christina Wohlgemuth

Schwaben, in den 1930er Jahren. Der Kunstschreiner Georg Elser fremdelt mit dem neuen Regime – und fasst den Entschluss, dessen Führung zu beseitigen. In Eigenregie entwickelt er eine Bombe, deponiert sie im Bürgerbräukeller. Das Attentat scheitert – Elser wird verhaftet und kurz vor Kriegsende in Dachau ermordet. Die Erinnerung an den Einzelgänger im Nachkriegsdeutschland verblasst. Schwaben, Gegenwart. Der Student Johannes Faller beschäftigt sich in seiner Doktorarbeit mit dem Einzelgänger Elser. Auf den Spuren des Attentäters begibt er sich auch auf eine Reise in die eigene Vergangenheit – und stößt überall auf Widerstände gegen sein Vorhaben.

Wer sich mit der Geschichte des Widerstands gegen den Nationalsozialismus beschäftigt, stößt zunächst auf die großen Namen: Stauffenberg als Kern des militärischen Widerstands, die Geschwister Scholl als Symbol des studentischen Widerstands, Bonhoeffer als Figur des zivilen Widerstands. Lange in der Rezeption dieser Thematik vergessen ist Georg Elser, der Einzeltäter, der noch lange, bevor ein Stauffenberg Hitler in Frage stellte, erkannte, dass Hitler und seine Schergen Deutschland ins Dunkel führen würden. Sobo Swobodnik, unweit von Elsers Geburtsort aufgewachsen, geht den Spuren des Einzelgängers nach, eingebettet in die Arbeit des Studenten Faller.

Zwei Geschichten über zwei Sonderlinge

Elser fällt aus dem Schema des klassischen Widerstandskämpfers: er ist kein ideologisch geprägter Held, sondern ein durchschnittlicher Einzelgänger, der dennoch erkannte, dass Hitlers Regime ein verbrecherisches war – lange vor Auschwitz. Als personifiziertes schlechtes Gewissen des durchschnittlichen Deutschen wurde Elser lange vernachlässigt. Im Roman begibt sich der Student Johannes Faller auf die Spurensuche – und er ähnelt Elser in Vielem. Ein Einzelgänger, dem die schwäbische Heimat schnell zu klein wird, der aneckt und sich nicht in die Gemeinschaft einfügt. Parallel erzählt der Autor die Geschichte von Elser und die Spurensuche von Faller.

Elsers Geschichte liest sich gut und spannend, macht den Leser mit einem Charakter bekannt, der vom typischen Helden weit entfernt ist. Doch gerade die Normalität und Durchschnittlichkeit Elsers macht dessen Tat umso beeindruckender: der Einzelgänger, der ohne Unterstützung so nah am Tyrannenmord war wie wenige vor und nach ihm. Der Autor zeichnet die Entwicklung dieses ursprünglich so unpolitischen Menschen nach und hat sie glaubwürdig und spannend erzählt.

Zwei Mankos mindern den guten Gesamteindruck

So überzeugend die Geschichte um Elser erzählt wurde, so unzufrieden lässt den Leser jedoch die Geschichte um Johannes Faller zurück. Faller ist eine verschrobene Figur, gehetzt, ohne dass dem Leser jedoch abschließend ersichtlich wird, wonach er jagt. Faller ist nicht nur ein Sonderling – er ist so eigen, dass dem Leser die Identifikationsmöglichkeit fehlt. Dadurch fehlt in diesem Teil der Geschichte leider für den Leser die Möglichkeit, in die Geschichte einzutauchen. Aus diesem Grund gelingt auch die emotionale Verbindung der beiden Geschichten leider nur bedingt.

Das große Manko des Romans ist jedoch die irreführende Titulierung. Als historischer Roman hätte Fallers Held gut abgeschnitten – als „vielleicht“ historischer Kriminalroman jedoch vermag das Buch nicht zu überzeugen. Kriminalistische Elemente muss der Leser mit der Lupe suchen, Spannungselemente sind ebenso rar gesät. Durch die unglücklich geweckte Erwartungshaltung auf Seiten des Lesers hat es dieser Roman mit seinen Schwächen leider noch schwerer.

Zusammenfassend bleibt ein Roman, der leider viel Potenzial verschenkt, weil er nur in einer Hälfte der Geschichte überzeugt – und alles andere als ein Kriminalroman ist. 

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