Schierlingstod von Simone Dorra

Buchvorstellungund Rezension

Schierlingstod von Simone Dorra

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Schierlingstod“,, 440 Seiten.ISBN 3842520239.

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Kurzgefasst:

1550 – Gräfin Johanna von Eberstein hat sich von Gernsbach nach Cannstatt aufgemacht, um dort ihren Lieblingssohn Bruno zu treffen. Sie will ihn möglichst lukrativ verheiraten und hat bereits eine adlige junge Frau für ihn gefunden. Bruno aber verweigert sich und plant, heimlich abzureisen. Doch dazu kommt es nicht mehr: Am nächsten Morgen wird Bruno bewusstlos aufgefunden und stirbt kurz darauf. Als die kräuterkundige Schwester Fidelitas aus dem Kloster Frauenalb, die als Pflegerin der Gräfin mit nach Cannstatt gekommen ist, die Leiche sieht, keimt in ihr ein schrecklicher Verdacht: Bruno ist ermordet worden, mit dem hochgiftigen Wasserschierling, den sie für die Umschläge der Gräfin benutzt. Um einen öffentlichen Skandal zu vermeiden, bittet Brunos Bruder Otto seinen Tübinger Professor Valentin Schmieder um diskrete Hilfe bei der Aufklärung des Mordes. Valentin stößt mit seinen Fragen auf heftigen Widerstand der Familie, zudem muss er sich als protestantischer Theologe mit der streitbaren Nonne Fidelitas in Glaubensfragen auseinandersetzen. Eine heikle Situation mitten in den Reformationswirren. Hat der Tod Brunos darin seinen Ursprung? Denn keiner kann sich vorstellen, dass jemand dem sympathischen jungen Adligen Böses wollte ...

Das meint Histo-Couch.de: „Eine Nonne, ein Theologe und Schierling sorgen für Spannung“90Treffer

Rezension von Karin Speck

Die junge Nonne Fidelitas befindet sich mit der adligen Johanna von Eberstein in Cannstatt. Die Nonne sorgt mit ihrem Heilwissen für das leibliche Wohl der Dame. Johanna will sich in Cannstatt mit ihrem Sohn Bruno treffen, um dessen Zukunft zu besprechen. Aber dann kommt alles ganz anders als erwartet. Bruno stirbt schon kurz nach seiner Ankunft. Schnell ist klar, es war Gift in seinem Essen. Wer trachtete dem jungen Adligen nach dem Leben? Was verbirgt sich dahinter? Fragen, die sich vor allem die Nonne stellt. Auch der Bruder des Toten will Antworten. Er beauftragt den protestantischen Theologen Valentin Schmieder mit der Aufgabe, den Mörder zu stellen. Schnell geraten die katholische Nonne und der Theologe aneinander.

Glaubensfragen gemischt mit einer Mordaufklärung

Knapp vier Jahre sind seit dem Tod Martin Luthers vergangen, doch noch immer beeinflussen seine Werke und sein Leben die Menschen. Die Gespräche der Nonne und des Theologen zeugen davon, wie schwierig die Verhältnisse waren. Gerade Fidelitas beginnt ihre Rolle im Leben zu hinterfragen.  Ihr Leben nimmt eine Form an, die sie so nicht erwartet hat und der Leser darf dran teilhaben. Auch für Valentin Schmieder gibt es so einige Überraschungen.

Auch wenn hier immer wieder von Glaubensfragen die Rede ist, so ist es doch nicht unbedingt Hauptthema der Geschichte. Im Mittelpunkt steht eindeutig die Suche nach dem Mörder Brunos. Das Ermittlerduo ist nun auch nicht unbedingt neu zu nennen (Nonnen, die sich nicht an ihre Regeln halten und selbstständig Morde aufklären, gibt es in der Literatur ja öfter und sind auch immer wieder unterhaltsam zu lesen) aber gerade ihre Dialoge und auch die Wandlungen, die sie durchmachen, sind angenehm zu lesen.

Die Spannung baut sich nach und nach auf. Die Autorin hat geschickt ihre Spuren gelegt, Hinweise so versteckt, dass sie nicht sofort auffallen. Der Leser wird dazu angehalten, selbst mitzuraten. Es fällt direkt schwer Lesepausen einzulegen, einfach weil die Neugier auf das Ende zu groß ist.

Zwei Handlungsstränge beleuchten die Ereignisse von allen Seiten

Simone Dorra erzählt hier aus unterschiedlichen Sichten. Mal ist man bei Fidelitas und dann wieder bei Valentin Schmieder, oder bei beiden gemeinsam, wo sich die Handlungsstränge kreuzen. Dem Leser entgeht so kein noch so kleines Detail. Gespräche der beiden Protagonisten sorgen zudem dafür, dass man sie immer besser kennenlernt. Auch kommen kleine Details aus der Vergangenheit der Charaktere zum Vorschein. Diese Rückblenden ermöglichen es dem Leser, die Nonne und den Theologen besser kennenzulernen und einzuschätzen.

Ein umfangreiches Glossar ersetzt das Nachwort und klärt einiges an historischem Hintergrundwissen und ein Personenregister gibt Auskunft darüber, welche handelnden Protagonisten real waren und welche fiktiv.

Geschichtlicher Hintergrund vortrefflich mit einem Krimi verbunden

Schlierlingstod ist ein historischer Krimi aus dem 16. Jahrhundert. Deutlich sind zwar die Einflüsse Martin Luthers in dieser Zeit zu spüren, aber eben auch nicht so vordergründig, dass sie die Geschichte erdrücken würden. Die Stimmung dieser Epoche ist hier gut mit der Handlung verwoben und wiedergegeben. Der Autorin ist es vortrefflich gelungen, die Geschehnisse der Zeit mit einem spannenden Krimi zu verbinden und daraus eine glaubhafte Geschichte zu machen.  

Ihre Meinung zu »Simone Dorra: Schierlingstod«

mabuerele zu »Simone Dorra: Schierlingstod«11.05.2017
„...Ihr seid mutig wie eine Löwin und klüger als ein Dutzend Gelehrter hinter ihren verstaubten Büchern. Ihr seid voller Liebe und gleichzeitig so hart und so biegsam wie eine Klinge aus Damaszenerstahl...“

Johanna von Eberstein ist nach Cannstatt gereist, um sich dort mit ihrem jüngsten Sohn Bruno zu treffen. Sie hat angewiesen, dass sie die junge Nonne Fidelitas aus dem Kloster Frauenalp begleitet. Fidelitas ist es gelungen, mit Kräutern und Massagen die Schmerzen in den geschwollenen Gelenken der Gräfin zu lindern. Darauf möchte diese nicht verzichten.
Nach dem Gespräch mit seiner Mutter will Bruno am frühen Morgen heimlich das Haus verlassen. Ihre Heiratspläne sagen ihm nicht zu. Am nächsten Tag aber ist Bruno tot. Fidelitas sieht die Zeichen seines Sterbens und erkennt, dass er mit Wasserschierling vergiftet wurde.
Zur gleichen Zeit befindet sich Valentin Schmieder, Theologe und Protestant aus Tübingen, in Cannstatt. Otto von Eberstein ist sein Schüler. Er bittet ihn, den Todesfall zu untersuchen, bevor die Behörden Wind davon bekommen.
Die Autorin hat einen fesselnden und ausgezeichnet recherchierten historischen Roman geschrieben. Es fiel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen.
Die Personen werden gut charakterisiert. Fidelitas ist Nonne aus Überzeugung. Der Reformation steht sie kritisch gegenüber. Allerdings ist sie sehr selbstbewusst. Es fehlt ihr an Demut, wie nicht nur Valentin feststellt. Noch besser als mir gelingt es einem spanischen Adligen, Fidelitas zu charakterisieren, wie das obige Zitat zeigt.
Valentin kann sehr gut logisch denken. Er hat schon in Tübingen einen Fall auf ungewöhnliche Art gelöst. Dabei ist er bescheiden und vorsichtig in seinem Urteil. Zwar ist die Gräfin nicht begeistert, aber letztendlich muss sie sich seinen Argumenten beugen.
Johanna von Eberstein hält gern das Heft des Handelns in der Hand. Ihr Gesinde führt sie mit Strenge. Ihre Kinder sind Mittel zum Zweck, um das verschuldete Adelsgeschlecht zu retten.
Doch nicht nur der Inhalt des Buches, auch der vielschichtige Sprachstil haben mich begeistert.
Wir schreiben das Jahr 1550. Protestanten und Katholiken stehen sich zumeist unversöhnlich gegenüber. Mit Fidelitas und Valentin treffen nun zwei Vertreter im Buch aufeinander. Dadurch wird eine hohe innere Spannung aufgebaut. Ihre ausgefeilten Dialoge gehören zu den stilistischen und inhaltlichen Höhepunkten des Buches. Beide schenken sich nichts. Sie kennen sich in der Weltgeschichte aus. Das macht die Sache brisant, denn zu jedem Argument, was für die eine Seite spricht, findet sich ein Gegenargument. Beide sind schlagkräftig in ihrem Worten. Die Gespräche gehen in die Tiefe und berühren nicht nur die Oberfläche religiöser Unterschiede. Nach und nach wächst die Achtung voreinander. Es geht nicht mehr gegeneinander, sondern sie arbeiten zusammen.
Geschickt wird in die Handlung die Lebensgeschichte von beiden eingeflochten. Der Blick auf die Vergangenheit ermöglicht das Verständnis für ihr Tun und Handeln.
Detailliert wird das Leben der damaligen Zeit beschrieben. Kleidung, Essen, Wohnung gehören dazu. Die Autorin beherrscht das Spiel mit passenden Metaphern. Auch dafür ist das obige Zitat ein Beispiel. Häufig finden sich auch mit schönen und treffende Vergleichen. Die Verwendung historischer Begriffe wird geschickt in den heutigen Sprachstil eingefügt.
Durch den Kriminalfall werden nach und nach die Geheimnisse in der gräflichen Familie aufgedeckt. Jahrelange Spannungen kommen nun zur Explosion. Das trifft auch Unschuldige.
Ein Personenverzeichnis und ein Glossar ergänzen das Buch.
Das Cover passt zur Handlung.
Die Geschichte hat mir ausgezeichnet gefallen. Sie hat mir einen tiefen ungewöhnlichen Blick in die Zeit der Reformation gestattet. Mit Valentins letzten Gedanken im Buch möchte ich meine Ausführungen abschließen:
„...Die Welt war wahrhaftig ein Ort voller ungeahnter Abenteuer … und ungeahnter Freundschaften...“
Die Art der Ida Gratias zu »Simone Dorra: Schierlingstod«07.05.2017
Simone Dorra ist mit „Schierlingstod – Ein Reformationskrimi“ das Kunststück gelungen einen wirklich unterhaltsamen, bis zur letzten Seite spannenden, gut recherchierten historischen Roman zu schreiben, aus dem von jeder Seite das pralle Leben der umbrüchigen Reformationszeit quillt.

Fidelita von Frauenalb, eine junge, heilkundige Nonne, begleitet als Pflegerin die gichtkranke Gräfin Johanna von Eberstein nach Cannstadt. Diese besucht den Handelsort am Neckar, fern der heimischen Burg und ihrem Ehemann, lediglich in Begleitung einiger weniger Bediensteter, um neben einer Bäderkur auch ein paar eigene, ehrgeizigen Pläne zu machen.

In ihr angemietetes Haus bestellt sie ihren Lieblingssohn Bruno ein, um ihn vor vollendete Heiratspläne zu stellen. Eine gewinnbringende eheliche Verbindung soll die leeren Schatullen füllen und damit der Familie zu altem Glanz verhelfen.

Doch es kommt anders. Nach einem gemeinsamen Abendessen wird Bruno am nächsten Morgen sterbend in seinem Bett gefunden. Wenig später stellt Fidelita eine Schierlingswurzelvergiftung fest. Jene Pflanze, die sie regelmäßig außerhalb der Stadtmauern sammelt, um der Gräfin daraus Umschläge zur Schmerzlinderung zu bereiten.

Nachdem Tod ihres Lieblingssohnes ist die Gräfin gezwungen etwa zwei Wochen auf die Abholung durch ihren Mann Graf Wilhelm in Cannstatt auszuharren, ohne den Leichnam nach Hause bringen zu können. Es besteht die Gefahr, dass durch eventuelle offizielle Ermittlungen der Ruf der Familie leidet, deshalb stimmt sie auch zu, als ihr jüngster Sohn Otto den protestantischen Theologieprofessor der Universität Tübingen, Valentin Schmieder, ins Haus holt, um den Fall diskret zu untersuchen.

Magister Schmieder macht sich daran das Personal, die Köchin Bärbel, ihren Sohn Andres, Brunos Freund aus Kindertagen, die ambitionierte Zofe Clarissa, das Küchenmädchen Magdalena, den Kutscher Jörg, natürlich auch die von Standesdünkel beherrschte Gräfin selbst, und sogar die Verfechterin des alten Glaubens Fidelita zu befragen.

Die Gespräche bleiben lange ergebnislos, bis er sich mit der jungen Nonne zu einem effizienten und in ihrem theologischen Schlagabtausch höchst amusanten Ermittlerduo zusammen schließt.

Nach einer ungeplanten Entführung, einem verbotenen Flirt, nächtlichen Überfällen, einer heimlichen Romanze und einem weiteren Mord können die Zwei das Netz aus Geheimnissen und Intrigen endlich entwirren.

Ein höchst unterhaltsamer historischer Kriminalroman, mit einem gut konstruierten Plot, stimmig gezeichnete Figuren, einem dicht gewebten, aber trotzdem nicht aufdringlichen belehrenden, historischen Hintergrund und einem überaus sympathischen Ermittlerduo, das sich mit diesem Fall für eine ganze Romanreihe qualifiziert hat.
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