Sigrid Undset

Die norwegische Schriftstellerin Sigrid Undset wurde am 20. Mai 1882 in Kalundborg in Dänemark geboren und war die älteste von drei Töchtern von Ingvald Undset, einem anerkannten norwegischen Archäologen, und dessen Frau Charlotte Gyth. Ihre ersten zwei Lebensjahre verbrachte sie mit der Familie bei den Großeltern in Dänemark, dann zogen sie in ein Landhaus an der Stadtgrenze von Oslo, das damals noch Kristiania hieß.  

Wohl auch der Beruf des Vaters weckte schon früh Sigrids Interesse an Literatur, vor allem der norwegischen und europäischen Geschichte und Kultur. Sigrids Mutter war Aquarellmalerin, und so wollte Sigrid auch Malerin werden, versah ihre Bilder aber immer mit eigenen Gedichten. Vom Vater hatte sie früh altnordisch gelernt und begleitete ihn in sein Universitätsinstitut in Oslo und erhielt so schon früh Kenntnisse über mittelalterliche Lebensformen, die sich später in ihren Romanen wiederfinden lassen sollten.

Sigrid ging in eine angesehen Privatschule in Oslo, die als eine der ersten die Koedukation einführte und auch weibliche Lehrerinnen beschäftigte. Sie fühlte sich dort jedoch nicht wohl und wurde weder von der Fortschrittsgläubigkeit der Schule noch vom vorherrschenden Protestantismus beeindruckt.

Durch eine Nervenkrankheit des Vaters, die seine Bewegungen mehr und mehr einschränkte, war die Familie gezwungen, weiter in die Nähe der Universität zu ziehen und lebte ab 1890 in einer grauen Mietskaserne in der Osloer Innenstadt. 1893 starb der Vater, an dem Sigrid sehr gehangen hatte, und der Verlust bedeutete vor allem auch einen wirtschaftlichen Abstieg. Sigrid verließ die Schule nach der Mittelschulprüfung und wollte zum Lebensunterhalt der Familie beitragen. So nahm sie mit 17 Jahren eine Stelle als Sekretärin bei der norwegischen Niederlassung der deutschen Firma AEG in Oslo an und arbeitete tagsüber im Büro und schrieb und als abends bis spät in die Nacht.

Nachdem ein erster Roman von vielen Verlagen abgelehnt wurde erschien mit Fru Marta Oulie (dt. Frau Marta Oulie) 1907 ein erster Achtungserfolg, wenn auch nur mit 80 Seiten. Der Durchbruch gelang ihr bereits vier Jahre später mit dem tragischen Roman Jenny (dt. Jenny), nachdem sie ihren Beruf als Sekretärin aufgegeben hatte und für ein Jahr ein Auslandsstipendium in Rom erhalten hatte. Im Rom lernte sie auch den norwegischen Maler Anders Castus Syarstad kennen, den sie 1912 heiratete und mit dem sie ein halbes Jahr nach London ging. Zwischen 1913 und 1919 brachte sie drei Kinder zur Welt, zwei Söhne und eine geistig behinderte Tochter. Nach der Trennung der Eltern Anfang der 1920er Jahre ging sie mit den Kindern nach Lillehammer, wo sie das Anwesen Bjerkebæk bauen ließ und so den Kindern eine sichere Heimat bot.

In den 1920en hatte sie ihre stärkste Schaffensphase. Für den dreibändigen Mittelalterroman Kristina Lavransdotter (dt. Kristin Lavranstochter) erhielt sie 1928 den Literaturnobelpreis. Der Roman gilt bis heute als eines der Hauptwerke der norwegischen Romanliteratur. Genauso erfolgreich war der mehrteilige Roman Olav Audunsson (dt. Olav Audunssohn), der anschließend entstand. Der Stil ihrer historischen Romane setzte sich auch in den Gegenwartsromanen fort, die sie im Folgenden verfasste. Einen Skandal rief die Autorin hervor, als sie 1924 im peinahe durchweg protestantischen Norwegen zum katholischen Glauben übertrat, dieses Ereignis wurde von ihr auch in mehreren Schriften verarbeitet.

Schon in den 1930ern engagierte sie sich in der Widerstandsbewegung gegen Hitler und den Nationalsozialismus, musste aber nach der deutschen Besetzung Norwegens 1940 in die USA fliehen. Diese Ereignisse beendeten ihre große Schaffensphase. Begleitet wurde sie von ihrem jüngsten Sohn, nachdem kurz zuvor ihre Tochter gestorben und ihr ältester Sohn im Krieg gefallen war. Sie verlor jedoch nie ihre positive Lebenseinstellung, was sich in mehreren in den USA erschienenen Schriften zeigt.

1945 kehrte sie nach Norwegen zurück und starb vier Jahre später am 10. Juni 1949 in Lillehammer. Ihr Grab befindet sich in Mesnali, einem Dorf 15 km entfernt von Lillehammer, wo es heute immer noch zu besichtigen ist. In Norwegen zählt sie zu den prägendsten Autorinnen des Landes und wird neben Knut Hamsun und Bjørnstjerne Bjørnson zu den großen Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts gezählt. Ihr Haus in Lillehammer wurde 2007 als Museum eröffnet.

Historische Romane von Sigrid Undset:

  • (1948) Madame Dorothe
    Madame Dorthea

Weitere Romane von Sigrid Undset:

  • (1907) Frau Marta Oulie
    Fru Marta Oulie
  • (1911) Jenny
    Jenny
  • (1914) Der Frühling
    Vaaren
  • (1930) Gymnadenia
    Gymnadenia
  • (1931) Der brennende Busch (Forts. von Gymnadenia)
    Den brændende busk
  • (1931) Harriet Waage
    Fru Waage
  • (1934) Ida Elisabeth
    Ida Elisabeth
  • (1936) Das getreue Eheweib, auch unter Die Liebenden erschienen
    Den trofaste hustru

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