Das Lied der Seherin von Sandra Lessmann

Buchvorstellungund Rezension

Das Lied der Seherin von Sandra Lessmann

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Das Lied der Seherin“,, 448 Seiten.ISBN 3-426-51957-7.

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Kurzgefasst:

1670 ist Irland tief gespalten: Protestantische Adlige herrschen über die katholische Landbevölkerung, deren Alltag vom Glauben an Feen und Kobolde bestimmt wird. Und längst sind die Wunden nicht verheilt, die Oliver Cromwell geschlagen hat. So wundert es den Jesuitenpater Jeremy Blackshaw nur wenig, dass ihm und seinen Freunden Amoret St. Clair und Breandán, der gerade geadelt wurde, bei ihrer Ankunft auf dessen Besitz offenes Misstrauen entgegenschlägt.  Als ein Nachbar nach einem Streit mit Breandán tot aufgefunden wird, wird Jeremys kriminalistischer Spürsinn dringender gebraucht denn je.

Das meint Histo-Couch.de: „Die Spur der Verschwörer“86Treffer

Rezension von Annette Gloser

Im Jahr 1670 hat König Charles II. seine ehemalige Geliebte Amoret St.Clair wohlwollend entlassen. Zum Abschied schenkte er ihr und ihrem Ehemann Breandán Mac Mathúna das Landgut Shanrahan in Irland. Vermutlich war dem König dabei gerade entfallen, dass Schloss Shanrahan von Cromwells Ironsides stark zerstört wurde und die Familie des neuen Schlossherren bei ihrer Ankunft zunächst einmal vor einer Ruine stehen würde. Der frisch gebackene Lord Shanrahan und seine Gemahlin werden von den Dorfbewohnern mit Misstrauen und Widerwillen begrüßt. Zu tief sitzen die Erinnerungen an Cromwells Untaten. Aber langsam gewinnen Brandon und Amoret die Sympathie der Dorfbewohner. Dass sie katholisch sind und Pater Jeremy Blackshaw praktisch zu ihrer Familie gehört, sehen die meisten von ihnen gerne. Im Gegensatz zu Breanán und Amoret sind die benachbarten Gutsbesitzer Engländer und Anhänger der reformierten Kirche. Im Umgang mit ihren Untertanen sind sie wenig zimperlich. Und nicht jeder von ihnen hat eine weiße Weste.

Zur gleichen Zeit untersucht Richter Orlando Trelawney in London den Mordanschlag auf einen hohen Beamten des Königs. Die Spur der Verschwörer führt nach Irland. Sir Orlando macht sich auf die Reise und recht bald landet auch er in Shanrahan.

Neuer Schauplatz, alte Bekannte

Das Lied der Seherin ist der nunmehr sechste Band aus der Histo-Krimi-Reihe um die schöne Amoret St.Clair, jetzt verehelichte Mac Mathúna, ihren Ehemann Breandán sowie das recht gegensätzliche Duo aus dem katholischen Priester Jeremy Blackshaw und dem reformierten Richter Sir Orlando Trelawney. Und sie sind auch alle wieder mit an Bord, denn schwere Krankheit und Jagd nach Bösewichten bringen fast die gesamte in London zurück gebliebene Freundesschar an den Schauplatz dieses Romans, auch den heilkundigen Schwerenöter Alan Ridgeway und seine Gemahlin Armande. Das liest man gerne, sind sie einem mit der Zeit doch alle ans Herz gewachsen. Der Schauplatz des Romans allerdings ist völlig neu, denn hier geht es nicht mehr um London sondern um die irische Provinz. Entsprechend tauchen viele neue Protagonisten auf. Sandra Lessmann gelingt es, sie prägnant zu charakterisieren, so dass man eine sehr genaue Vorstellung von ihnen bekommt. Die bereits aus früheren Romanen bekannten Protagonisten dürfen auch mal ein paar neue Seiten von sich zeigen und damit bekommt der Leser es letztendlich mit einer interessanten Mischung aus alt und neu zu tun.           

Allerdings erwartet die Autorin von ihren Lesern einige Vorkenntnisse über die politische Lage in Irland Ende des 17. Jahrhunderts. Auch findet, wer sich damit überhaupt nicht auskennt, einige Erklärungen im Nachwort. Sandra Lessmann hat hier offenbar viele Recherchen durchgeführt, denn sie kann ihre Romanfiguren nahtlos in genau diese Zeit und an genau diesem Ort agieren lassen und führt ihren Lesern die schwierige gesellschaftliche Situation plastisch vor Augen.

Spannend und unterhaltsam

Der Kriminalfall allerdings, bzw. die Kriminalfälle, denn in diesem Roman geht es nicht nur um einen, können nur an diesem Ort und in dieser Zeit stattgefunden haben. Dies ist also kein Allerweltskrimi mit historischem Mäntelchen sondern ein wirklich handfester Histo-Krimi par excellence. Die Einführung in den Schauplatz geschieht recht flott und die Spannung baut sich langsam aber stetig auf ohne zwischendurch nachzulassen. Wer hier mit rätseln will, der muss aufmerksam lesen, denn die Hinweise auf den bzw. die Täter sind nicht immer leicht zu erkennen und zusammenzuführen. Vielleicht hat der eine oder andere Leser bald eine Ahnung, aber letztendlich bleibt es spannend bis zum Schluss, denn erst dann wird der Knoten gelöst. Dabei vermittelt der Roman viele Fakten, ist aber gleichzeitig unterhaltsam und fesselnd, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen mag. Zugleich ist es der Autorin gelungen, sehr viel irisches „Flair“ einzufangen und so nicht nur Zeit und Ort sondern auch die Atmosphäre einzufangen, in der ihre Protagonisten leben und ihre Probleme lösen.

Ein Histo-Krimi vom Feinsten

Das Lied der Seherin ist zwar Teil einer Krimi-Serie, aber man muss die vorhergehenden Bände nicht zwingend gelesen haben, um mit diesem Buch jede Menge Lesespaß zu haben. Allerdings könnte mancher Leser nach der Lektüre dieses Krimis dazu neigen, sich auch die anderen Bände zuzulegen, was auf jeden Fall ein Gewinn im Bücherregal wäre. Unbedingt zu empfehlen ist das Nachwort der Autorin, in dem noch einmal auf die politische Situation und die diversen religiösen Querelen eingegangen wird, die den Hintergrund für diesen Krimi bilden. Ein Glossar sorgt dafür, dass man nicht jedes unbekannte Wort im Internet suchen muss, eine sehr angenehme Sache. Alles in Allem also ein Buch für ein paar spannende Stunden auf dem Sofa, gute Unterhaltung und ein sehr interessantes Sujet. Das ist allemal eine Leseempfehlung wert. Es bleibt die Hoffnung, dass dies nicht der letzte Roman der Reihe war.

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