Roter Zorn von Sam Eastland

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2014unter dem Titel „The Beast in the Red Forest“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 352 Seiten.ISBN 3-426-51876-7.Übersetzung ins Deutsche von Karl-Heinz Ebnet.

»Roter Zorn« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

Kurzgefasst:

Ukraine, Anfang 1944: Der Krieg tobt immer brutaler. Nach einem Massaker findet man eine verkohlte Leiche. Alle Indizien deuten darauf hin, dass es sich bei dem Toten um Inspektor Pekkala handelt. Doch Stalin weigert sich, das zu glauben. Auf Befehl des Diktators muss Major Kirow, Pekkalas Assistent, an die Front, um Nachforschungen anzustellen. Tief in den Wäldern der Ukraine gerät er in den gnadenlosen Partisanenkrieg gegen die Deutschen – und bemerkt viel zu spät, dass er in eine Falle zu laufen droht ... 

Das meint Histo-Couch.de: „Spannender Krimi um den vermissten Pekkala“88Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Zwei Jahre ist es her, dass es in der Ukraine eine Explosion gegeben hat, bei der vermeintlich nicht nur das berühmte Bernsteinzimmer verbrannte, sondern auch Inspektor Pekkala verschwand. Ob das Bernsteinzimmer wirklich vernichtet wurde, lässt sich nicht mehr feststellen, dass Pekkala tot ist, scheint für seinen Chef, den Genossen Stalin, ebenso unklar zu sein, aber von größerem Interesse. Natürlich begreift Stalin das Fortbleiben Pekkalas als Beleidung an ihm selbst und schickt Pekkalas Assistenten Major Kirow los, um Pekkala zu suchen.

Von Stalins Sekretär Poskrjobyschew erhält Kirow einen winzigen Hinweis, und somit nimmt Kirows Abenteuer seinen Lauf. Mit dem Flieger macht er sich auf in die Ukraine, wo sich Pekkalas letzte Spuren verlaufen. Kirow gerät allerdings ungewollt zwischen die Fronten von Partisanengruppen und Deutschen, die sich hinter jedem Baum beschiessen. Dabei tun sich ihm allmählich Dinge auf, die aufzeigen, dass das wahre Ziel der Partisanen nicht die Deutschen sind, sondern dass es im Moskauer Kreml sitzt&

Auf der Suche nach Pekkala

Roter Zorn ist bereits Pekkalas fünfter Fall, und obwohl er zu Beginn des Romans verschollen ist, wird sich der erfahrene Leser denken, dass er früher oder später im Roman auftauchen wird, zumal die Reihe noch weitere Bände hat und man dieses Erfolgsmodell nicht so leichtfertig opfert. Auch dieser Fall besticht durch seine Randfiguren wie Stalin und seinem Sekretär mit dem wundervollen Namen Poskrjobyschew. Überhaupt hat Sam Eastland tiefrussische Namen ausgesucht, die so manchem Leser Schwierigkeiten beim Aussprechen machen dürften. Das ist dann aber auch schon fast der einzige Makel an dem Roman.

Zu Beginn des Romans wird in Briefen und Notizen die Lebensgeschichte einer weiteren Person erzählt, immer im Wechsel mit Kirows Geschichte. Bis sich die beiden Geschichten treffen und wie sie zusammenhängen, braucht eine Weile und fordert dem Leser etwas Geduld ab. Doch wenn sich alles in Logik auflöst, befindet man sich in den Tiefen und Untiefen der ukrainischen Wälder, wo hinter jedem Baum jemand mit einer Waffe lauert, und man nicht sicher sein kann, ob es Freund oder Feind oder sonstwer ist. Kirow, kurzzeitiger stolzer Träger des Smaragdauges, lernt hier mehr als er in Jahren in seinem Büro im Kreml lernen würde.

Wer ist das Biest, und was will es?

Die Gespräche im Wald mit den anderen Soldaten sorgen dann auch dafür, dass man mehr über Pekkala als Privatperson erfährt, was den Roman zu einem sehr persönlichen macht. Doch zugleich sind diese Gespräche auch sehr politisch und teilweise verwirrend, so dass die Spannung des Romans leicht nachlässt und im Mittelteil zeitweise vor sich hinplätschert. Doch auf einmal (wie, soll nicht verraten werden) geht es wieder los und die Spannung wächst und es ist wieder der Eastland und der Pekkala der vorigen Bände. Mit einem Mal wird die Handlung klar und verständlich und zu guter Letzt tickt die Uhr gegen die Zeit, und die Seiten fliegen nur so dahin.

Freunde der Pekkala-Reihe werden Roter Zorn genauso lieben die die vorherigen Bände. Der Roman heisst im Original The Beast in the Red Forest, also Das Biest im Roten Wald, was sehr viel passender den Kern des Romans trifft. Roter Wald wieder dieser Abschnitt der Ukraine genannt, die Frage ist nur, wer ist das Biest, und was genau will das Biest? Ist es der Mann, der in der zweiten Erzählebene vorkommt? Ist es Pekkala selbst? Ist es ein Partisane? Ein Deutscher? Oder jemand ganz anderes? Die Antwort scheint auf jeder Seite eine andere zu sein, wodurch der Roman einen Großteil seiner Spannung bezieht.

Der Roman reiht sich mühelos in die Reihe ein und ist bedenkenlos zu empfehlen. Allerdings empfiehlt es sich, die Vorgängerbände gelesen zu haben, zum einen, weil man es sowieso machen sollte, zum anderen, weil einige Details dann besser zu verstehen sind. Greifen Sie zu, zur ganzen Reihe, sie werden spannende Leseerlebnisse haben.

Ihre Meinung zu »Sam Eastland: Roter Zorn«

tassieteufel zu »Sam Eastland: Roter Zorn«14.12.2016
Zwei Jahre sind vergangen, seit Pekkala den Auftrag hatte, das Bernsteinzimmer entweder in Sicherheit zu bringen oder zu zerstören. Seither ist der Sonderermittler spurlos verschollen und gilt als tot. Doch Major Kirow, Pekkals Freund und Assistent mag nicht daran glauben, dass das Smaragdauge wirklich tot ist und auch Stalin hat so seine Zweifel. Als Anfang 1944 die Situation in der Ukraine zu eskalieren droht, schickt Stalin Major Kirow an die Front, um dort Nachforschungen anzustellen und Pekkala bei Erfolg nach Moskau zurück zu holen. Doch in den tiefen Wäldern der Ukraine, mitten im bittersten Winter, gerät der Major zwischen alle Fronten. Die rote Armee, die Deutschen und die Partisanen bekämpfen sich untereinander und Kirow ahnt nicht, dass er in eine gut inszenierte Falle läuft.

Auch im 5. Band um den ungewöhnlichen Sonderermittler Stalins, ist Autor Sam Eastland wieder eine sehr dichte und wendungsreiche Story gelungen, die zudem wieder ein recht unbekanntes Stück Vergangenheit beleuchtet. Über den Partisanen Krieg in der Ukraine im Winter 1944 wußte ich bisher nur wenig und dem Autor ist es nicht nur gelungen, hier einen dichten historischen Hintergrund zu zeichnen, sondern auch mein Interesse für die geschichtlichen Zusammenhänge zu wecken.
Schon die eisigen Temperaturen im Winter 1944 erzeugen eine Gänsehaut beim Lesen und vermitteln gut, wie schwierig die Lebendbedingungen damals waren. Das entbehrungsreiche Leben der Menschen im tiefsten Winter, die zermürbenden Kampfhandlungen, das Doppelspiel einzelner Parteien und die Verschwörung, die nur langsam zu Tage tritt, werden gelungen miteinander verwoben und ergeben eine dichte Story, die von Anfang an spannend und undurchschaubar ist. Selbst wenn man glaubt, den Plot zu durchschauen, kommt es am Ende doch ganz anders! Hier ist es dem Autor gekonnt gelungen, den Leser auf eine falsche Fährt zu locken und den Spannungsbogen durchweg hoch zu halten.
Auch die Charaktere werden in dieser Folge weiter entwickelt, diesmal erfährt man etwas mehr über Major Kirow und gerade am Anfang des Buches gibt es einige Szenen, die durchaus amüsant sind und zum schmunzeln anregen. Auch Stalins Sekretär, der eher verhuschte und ängstliche Poskrjobyschew, bekommt ein wenig mehr Raum. Das er am Ende dann regelrecht tollkühn wird, fand ich ein wenig unglaubwürdig, aber das ist nur ein winziger Kritikpunkt bei einem ansonsten sehr spannenden Buch.
Sehr gelungen ist auch das Buchcover, das zum Rest der Reihe paßt und auch den Inhalt wunderbar thematisiert. Schade allerdings dass es keine Anmerkungen des Autors zu den Fakten, Fiktion und historischen Hintergründen gibt, so etwas rundet gerade einen auf historischen Fakten beruhenden Krimi immer gut ab.

FaziT: ein spannender und wendungsreicher historischer Krimi vor einem dicht geschilderten historischen Hintergrund bietet hier unterhaltsame Lesestunden und die Freude auf den nächsten Band.
Ihr Kommentar zu Roter Zorn

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.