Lilie und Purpur von Robert Merle

Buchvorstellungund Rezension

Lilie und Purpur von Robert Merle

Originalausgabe erschienen 1997unter dem Titel „Le lys et la pourpre“,deutsche Ausgabe erstmals 2000, 463 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Christel Gersch.

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Kurzgefasst:

Pierre-Emmanuel de Siorac, Edelmann am Hof des jungen Königs Ludwig XIII., sprachbegabt, bewandert in allen guten hugenottischen Tugenden, diplomatieerfahren im Umgang mit schönen Frauen wie mit englischen Lords, ist nun im besten Mannesalter von zweiunddreißig Jahren. Berater und Dolmetscher des Königs und zugleich Besitzer eines Landgutes in der Ile-de-France, hat er eine zärtliche Liaison in Paris und eine ebenso zärtliche in Orbieu, ist somit ein unabhängiger junger Mann. Aber so oft wie früher kommt er gar nicht mehr ins Bett, der Dienst beim König fordert den ganzen Siorac, namentlich in diesen drei bewegten Jahren von 1624 bis 1627. Der Adel intrigiert, Ludwigs jüngerer Bruder konspiriert, Kardinal Richelieu, des Königs genialer Minister, erhält Morddrohungen. Und Anna, Ludwigs Gemahlin, hat leider noch immer keinen Dauphin – dafür eine heikle Affäre am Hals, die die französische Diplomatie in große Schwierigkeiten bringt. Am Horizont vor La Rochelle zeigen sich die ersten englischen Schiffe.

Das meint Histo-Couch.de: „Feinste historische Kost auf gewohnt hohem Niveau!“94Treffer

Rezension von Christina Wohlgemuth

In den Jahren 1624 bis 1627 kämpft Frankreich mit inneren und äußeren Konflikten: Monsieur, der Bruder des Königs, rebelliert gegen seinen älteren Bruder und gesalbten König. Die Herzogin de Chevreuse benutzt die Königin, um Rache zu nehmen. Die Hugenotten in La Rochelle bieten sich den Engländern an. Und in Spanien wie in Österreich sitzen die Habsburger, die von Ludwig XIII. und seinem Minister, Kardinal Richelieu, als ständige Bedrohung empfunden werden. Einmal mehr ist es an Pierre-Emmanuel de Siorac, dem königlichen Dolmetscher und Kammerherr, seinem König mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Es ist bereits der zehnte von insgesamt dreizehn Romanen der „Fortune de France“-Reihe, die sich um das große Thema der Glaubenskriege in Frankreich dreht. Anhand der fiktiven – ursprünglich hugenottischen – Adelsfamilie Siorac hat der Autor bereits einschneidende Ereignisse wie die Bartholomäusnacht in Paris und die Ermordung des Königs Henri Quatre geschildert. In der mittlerweile zweiten Generation der Familie beginnt der Roman im Jahre 1624, nur kurze Zeit nach der Ernennung Richelieus zum Mitglied des Staatsrats.

Fiktion und Historie in perfektem Gleichklang vereint

Merles große Stärke ist die Verbindung von Fiktion und realer Geschichte: zwar sind die Sioracs, die Hauptfiguren der Geschichte, rein fiktiv. Sie stehen jedoch exemplarisch für aufstrebende Adelsfamilien zwischen Katholizismus und Hugenottentum. Eingebettet sind diese fiktiven Erzählungen in große und kleine Geschichte. Als ständiger Begleiter von König und Kardinal lässt uns Pierre-Emmanuel de Siorac an den großen Entscheidungen ebenso teilhaben wie an den kleinen Nebensächlichkeiten, die sich am Hofe von Paris im Frankreich des 17. Jahrhunderts abspielen.

Daneben zeigt der Roman jedoch auch das einfache Leben auf dem Lande, da sich der Protagonist als Landadeliger auch um sein Gut Orbieu kümmern muss, so dass der Leser auch von den kleinen und großen Sorgen auf dem Lande erfährt. Der Autor nutzt dies auch, um den Widerspruch und die Gegensätze zum Stadtleben in Paris darzustellen.

Besonders gefällt Robert Merle, der im Jahre 2004 verstarb, wenn er die großen Figuren der Epoche zeichnet: egal ob es um den Duke of Buckingham, den Minister des englischen Königs, oder um den französischen König Ludwig XIII. geht. Ganz besonders gelungen ist Darstellung des Kardinals Richelieu: Leser, die ihn nur oder in erster Linie aus den Musketierromanen und -verfilmungen von Alexandre Dumas kennen, dürften von der größtenteils positiven Darstellung überrascht sein. Dennoch verliert sich der Ich-Erzähler nicht in Verklärung, auch wenn er als königstreuer Gefolgsmann natürlich mit Kritik zurückhaltend ist. Es gelingt dem Autor, viele Facetten dieses kirchlichen Staatsmannes zum schillern zu bringen, so dass aus dem Bösewicht der „Musketiere“ ein Staatsdiener und Kirchenfürst mit Licht und Schatten wird.

Ganz wie der Stil ist auch der Held der Geschichte, Pierre-Emmanuel: charmant, witzig, ein wenig spitzbübisch sogar, doch mit dem Herz am rechten Fleck und einem klaren Blick in die Welt. Er ist sympathisch, weil er trotz seiner positiven Eigenschaften nicht als Überheld erscheint: Robert Merles Held darf auch mal Angst und flatternde Nerven haben. Gleiches gilt für viele andere Haupt- und Nebencharaktere: sie sind in sich glaubwürdig, mit ihren Stärken und Schwächen, sind für den Leser greifbar.

Charmant und anspruchsvoll – die ideale Kombination

Merles Romane zeichnen sich seit Beginn der Reihe durch einen einzigartigen Stil aus: anspruchsvoll geschrieben, lassen sich seine Geschichten dennoch leicht und entspannt lesen, was vor allem dem feinsinnigen Humor und der verständlichen Erzählweise geschuldet ist: der Ich-Erzähler wendet sich im Roman hin und wieder an den „werten Leser“ und die „schöne Leserin“, und erklärt dabei historische Zusammenhänge „außerhalb der Geschichte“ so einfach und einleuchtend, dass der Leser neben dem Vergnügen auch noch lernen kann.

Trotz nachlassender Spannung uneingeschränkt empfehlenswert

Der einzige Schwachpunkt des Romans zeigt sich erst, wenn man ihn mit seinen Vorgängern vergleicht: Romane wie Die gute Stadt Paris oder Paris ist eine Messe wert halten einen stärkeren Spannungsbogen, bringen den Protagonisten häufiger in Gefahr. Pierre-Emmanuel de Siorac darf in Lilie und Purpur eher beschaulich leben. Höhepunkte im Spannungsbogen finden sich nur in der Mitte und am Ende, als es um die Belagerung der Insel Ré geht.

Dennoch hat Robert Merle auch mit diesem Roman wieder ein Meisterstück der historischen Erzählung abgeliefert und bewiesen, dass sich Unterhaltung und Historie auf höchstem Niveau wunderbar ergänzen. Kenner und Liebhaber der „Fortune de France“-Reihe werden hier sowieso zugreifen – allen anderen sei dieser Roman und die Reihe insgesamt ans Herz gelegt, wenn sie gerne anspruchsvolle Historienromane lesen. Lilie und Purpur ist wie seine Vorgänger uneingeschränkt empfehlenswert und ein wahres Fest für den Leser!

Ihre Meinung zu »Robert Merle: Lilie und Purpur«

Hannes zu »Robert Merle: Lilie und Purpur«08.09.2015
Glücklich ist das Volk, dessen Geschichte langweilig ist, sagte Montesquieu.
Das ist wohl auch der Grund, weshalb der Spannungsbogen in dem vorliegendem Band nicht durchgehend hoch gehalten wird. Ich meine, dass damit der Leser auf die grauenvolle Belagerung der Insel Rè vorbereitet wird. Auch dies ist von Robert Merle wieder hervorragend geschrieben.
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