Ein Kardinal vor La Rochelle von Robert Merle

Buchvorstellungund Rezension

Ein Kardinal vor La Rochelle von Robert Merle

Originalausgabe erschienen 1999unter dem Titel „La Gloire et les périls“,deutsche Ausgabe erstmals 2001, 358 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

»Ein Kardinal vor La Rochelle« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

Kurzgefasst:

Erzählt wird die Geschichte dreier Generationen der Adelsfamilie Siorac während des dramatischen Jahrhunderts von 1550 bis 1643, das erschüttert wurde von blutigen Glaubenskriegen zwischen Katholiken und Protestanten und den Kämpfen für ein starkes französisches Königtum. Wie gern wäre Pierre-Emmanuel de Siorac, nach den entbehrungsreichen Monaten im Feldlager auf der Insel Re, mal wieder auf sein Gut Orbieu geritten, um ein heißes Bad und die zärtlichen Arme seiner Louison zu genießen – aber Urlaub gewährt Ludwig nicht. Denn die Hugenotten von La Rochelle haben dem König den Krieg erklärt und warten auf die englische Flotte, den großen protestantischen Verbündeten. Ihre trotzige Sicherheit gewinnen sie aus der Überzeugung, dass die hochbefestigte Zitadelle durch ihre weite Öffnung zum Meer für die nur von der Landseite her belagernden königlichen Truppen uneinnehmbar ist. Richelieu aber, des Königs Minister, betreibt fieberhaft den Aufbau einer französischen Flotte und fasst den verwegenen Plan, mit einer gewaltigen Palisade mitten durchs Meer die weite Bucht vor La Rochelle zu verschließen …

Das meint Histo-Couch.de: „Hervorragend recherchiert und amüsant erzählt – die letzte Schlacht der Hugenotten!“97Treffer

Rezension von Christina Wohlgemuth

Frankreich, im Jahre des Herrn 1627: nach der überstandenen Belagerung der Insel Ré gibt es nunmehr nur noch ein Hindernis, das dem Frieden in Frankreich im Wege steht. Die Stadt La Rochelle, letzte Hochburg der Hugenotten, rebelliert gegen ihren König und hofft auf Unterstützung aus dem protestantischen England in Gestalt des Lord Buckingham, der mit Ludwig XIII. noch eine Rechnung offen hat. Vor der Stadt lagert das französische Heer, und Kardinal Richelieu betreibt fieberhaft den Aufbau eines Deichs und einer schlagkräftigen Flotte. Inmitten der Geschehnisse lebt und liebt Pierre-Emmanuel de Siorac, Graf von Orbieu, der wieder einige gefährliche Aufträge für König und Kardinal erledigen muss.

Band 11 der Fortune-de-France-Reihe schildert wieder einen Höhepunkt der Glaubenskriege: die Belagerung von La Rochelle. Sie stellt das vorläufige Ende der französischen Hugenotten als Machtfaktor in Frankreich dar. Über die Bartholomäusnacht und das Edikt von Nantes haben die religiösen Auseinandersetzungen schließlich zu diesem finalen Aufeinandertreffen geführt. Und Pierre-Emmanuel de Siorac, der in zweiter Generation von den Geschehnissen erzählt, knüpft dieses Mal ernsthafte romantische Bände.

Historie und Spannung – das schließt sich nicht aus!

Nachdem der letzte Band Lilie und Purpur bis zur Belagerung der Insel Ré etwas gemächlicher daher kam, bietet die Schlacht um La Rochelle den perfekten Boden für eine von Anfang bis Ende spannende Geschichte. Der historisch informierte Leser, der das Ende der Belagerung kennt, wird dennoch seine Freude an der spannenden Erzählweise Merles haben. Ein Auf und Ab, dessen entkräftende Wirkung man den Figuren ansieht. Eine Herausforderung für die Ungeduldigen unter den Belagerern.

Trotz der erzeugten Spannung bleibt der Autor den historischen Fakten treu: die bekannten Daten stimmen, die historischen Figuren sind zwar, bedingt durch die Position der erzählenden Hauptfigur, in ihren Sympathiewerten ein wenig eindeutig sortiert; dennoch sind die Charaktere, gleich ob historisch oder fiktiv, in sich glaubwürdig und logisch nachvollziehbar. Gerade in die Nebencharaktere steckt Robert Merle viel Liebe und Energie, so dass ein rundum stimmiges Gesamtkonstrukt entsteht.

Merle ist ein Meister der niveauvollen und amüsanten Sprache

Der Thematik angemessen erzählt Robert Merle auf hohem Niveau und anspruchsvoll. Doch wer deswegen glaubt, ein unzugängliches und schwer verdauliches Werk vor sich zu haben, der irrt: Merle schreibt immer mit einem Augenzwinkern, amüsant, romantisch wo es sich anbietet.

Der Erzähler, Pierre-Emmanuel, ist ebenso charmant wie geistreich, ohne dabei zum unglaubwürdigen Helden zu werden. Der Leser steht nicht abseits der Ereignisse sondern wird hineingezogen, hat das Gefühl, im unfreundlichen Klima von La Rochelle am Deich zu stehen.

Erwartungen erfüllt

Nach hervorragender Arbeit in den ersten zehn Bänden sind die Erwartungen an den Autor entsprechend hoch, und werden doch alle erfüllt. Für die Liebhaber der Reihe ist es wie ein nach Hause Kommen, wo man alte Freunde wiedersieht und sich am Kaminfeuer eine spannende Geschichte über Frankreich, seinen König, sein Volk erzählen lässt. Wie seine Vorgänger verdient Ein Kardinal vor La Rochelle daher das Prädikat: uneingeschränkt empfehlenswert!

Ihre Meinung zu »Robert Merle: Ein Kardinal vor La Rochelle«

Hannes zu »Robert Merle: Ein Kardinal vor La Rochelle«08.09.2015
Wieder spürt der Leser die unbändige Freude, die Robert Merle an dieser Reihe hat.
Die ständigen Regenfälle bei La Rochelle sind so plastisch geschildert, dass man sich über jeden Sonnenstrahl freut. Und genial, wie Pierre-Emanuel sein zukünftige Frau kennen lernt. Mehr wird nicht verraten.
Auf jeden Fall weckt das Buch den ungestillten Appetit auf mehr.
Marina zu »Robert Merle: Ein Kardinal vor La Rochelle«08.05.2008
Da ich mich gerne mit der Zeit Ludwigs XIII. befasse und vor allem mit seinem Minister Richelieu finde ich die Bücher grandios, vor allem diesen Band. Die Geschichte ist interessant und trotzdem charmant und witzig! Es iwrd keine Minute langweilig.
Auch Fans von Dumas! Musketieren möchte ich die Romanreihe ans Herz legen, da man viel über die Zeit und die Politik in dieser Zeit erfährt!
Ihr Kommentar zu Ein Kardinal vor La Rochelle

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.