Der König ist tot von Robert Merle

Buchvorstellungund Rezension

Der König ist tot von Robert Merle

Originalausgabe erschienen 2004unter dem Titel „Le Glaive et les amours“,deutsche Ausgabe erstmals 2007, 272 Seiten.ISBN 3-351-03223-4.Übersetzung ins Deutsche von Christel Gersch.

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Kurzgefasst:

König Ludwig führt die letzten Kriege gegen Spanien, lässt die letzten Verschwörer enthaupten – und auch ein Thronerbe wird ihm endlich geboren.

»Fortune de France«, die galant erzählte Saga einer dramatischen französischen Epoche, liegt nun abgeschlossen vor. Wussten Sie, dass Ludwig XIII. der Erfinder der Mehrwertsteuer war? Er führte sie ein, weil er mit leeren Händen seinen Krieg nicht beenden konnte. Denn es war das Erbe seines Vaters Henri Quatre, den Widerstand der katholischen Allianz in Europa zu brechen und Frankreich im Zeichen der religiösen Toleranz zu einen. Und da der König nicht tot sein kann, ohne dass der König lebe, eröffnet sich am Ende das strahlende Zeitalter seines Sohns, den man einmal den Sonnenkönig nennen wird.

Das meint Histo-Couch.de: „Ein würdiger Abschluss einer großen Romanreihe!“97Treffer

Rezension von Christina Wohlgemuth

Frankreich, 1635. Während der Kontinent unter den Wirren des Dreißigjährigen Krieges leidet, versuchen Ludwig XIII. und Kardinal Richelieu, sein erster Minister, mit den unzähligen Problemen im Innern Ihres Landes fertig zu werden. Rund um Gaston, den jüngeren Bruder des Königs, entwickeln sich immer neue Intrigen. Der Adel revoltiert gegen den immer stärkeren Absolutismus, den Richelieu zu etablieren versucht. Und dann ist da noch die Sache mit dem Thronerben, den die Königin ihrem Gemahl noch immer nicht schenken konnte. Inmitten dieser Wirren sind wieder die diplomatischen Geschicke von Pierre-Emmanuel de Siorac gefragt …

Der Beginn einer neuen Epoche und der Abgesang auf eine Alte

Wer weiß, ob Robert Merle, wenn er noch länger gelebt hätte, nicht noch weitere Bände um die Sioracs geschrieben hätte. Denn auch unter Ludwig XIV. hätte es gewiss viel zu erzählen gegeben. Dennoch fühlt sich der Schluss dieses Romans auch wie ein Ende an – der König gedenkt, forthin das Ruder selbst in der Hand zu halten. Es ist der Beginn des Absolutismus französischer Machart, das komplette Gegenteil zum immer mehr erwachenden Parlamentarismus in England. Absolutismus unter Ludwig XIV. steht für einen prächtigen, allmächtigen König. Die Frucht dessen, was in den Jahrzehnten zuvor betrieben wurde.

Und so steht auch in diesem Band wieder der innere Kampf der Krone gegen den Adel im Zentrum des Geschehens. Längst nicht mehr nur von religiösen Motiven getrieben versuchen die Adligen um Monsieur, den Bruder des Königs, Richelieus Macht zu brechen und ihren Einfluss auf den König zu stärken. Ludwigs und Richelieus Tod vermag die Veränderungen jedoch nicht aufzuhalten der neue König ist stark, selbstbewusst, und wird, wie bereits erwähnt, das Ruder in der Hand halten.

Nicht so umfangreich wie die Vorgänger

Die großen Ereignisse dieses Romans sowie die große Zeitspanne, die er abdeckt, eignen sich – eigentlich – erneut für eine große Erzählung. Leider hat der Roman nicht einmal 300 Seiten, so dass sich manches ein wenig gehetzt und zusammengestaucht anfühlt. Gerne würde man als Leser an manchen Augenblicken noch länger verweilen und sich mehr erzählen lassen. Denn es ist nach wie vor ein Genuss, sich von Robert Merle und seinem charmanten Helden Geschichte erzählen zu lassen.

Stilistisch brilliert der Autor wie eh und je und weiß seinen Leser ein letztes Mal mitzunehmen auf eine Reise ins Jahrhundert der Glaubenskriege. Sein Ich-Erzähler plaudert aus dem Nähkästchen, erlaubt intime Blicke in eine uns völlig fremde Welt und vermittelt quasi im Vorbeigehen ein enormes Wissen.

Ein Abschied, der Lust auf eine Rückkehr macht

Wenn nach dreizehn Bänden eine Reihe abgeschlossen wird, stellt sich zum Ende hin automatisch eine gewisse Rührseligkeit ein. Die Erkenntnis, dass es das war, dass diese Reihe zu Ende erzählt ist, lässt einen kurz innehalten und zurückblicken: auf die Anfänge auf der Burg Mespech und in Montpellier, an die Bartholomäusnacht und die Ermordung Heinrichs III., an Henri Quatre, der den Krieg und die Frauen liebte und an die Medici-Frauen, die der französischen Geschichte ihren Stempel aufgedrückt haben.

Und nicht zuletzt denkt der Leser auch zurück an die spannenden Geschichten der fiktiven Helden, an spannende diplomatische Aufträge, an lebensgefährliche Kämpfe, an leidenschaftliche Liebschaften, an den feinen Humor, der die Romane auszeichnet. Und trotz des wehmütigen Gefühls, dass das Ende einer solch guten Reihe immer begleitet, freut man sich als Leser darauf, die Reihe irgendwann neu zu beginnen – und nach Burg Mespech zurück zu kehren.

Ihre Meinung zu »Robert Merle: Der König ist tot«

anath zu »Robert Merle: Der König ist tot«20.10.2008
Das vorletzte Buch ( "Die Rache der Königin") hatte ich bis zum Erscheinen dieses Bandes für den Abschluß des Zyklus gehalten. Da ich mit jenem Buch einige Schwierigkeiten hatte war ich zunächst skeptisch im Bezug auf dieses neue und nun wirklich abschließende Buch. Zum Glück habe ich mich getäuscht.
Merle erreicht zwar auch in diesem Band nicht die Hochspannung die mich durch einige der ersten Bände regelrecht "durch scheuchte", seine Sprache, seine Analyse der politischen Probleme und auch sein psychologisches Fingerspitzengefühl sind jedoch in gewohnter Qualität in dieses Buch eingegangen.
Es ist aber auch schwierig, einen braven Familienvater wie Pierre-Emanuel durch bravouröse Abenteuer zu führen - Merle versucht es gelegentlich, aber mehr als die obligatorische Tändelei kommt nicht dabei raus. Mir fehlt das ein wenig , aber ich kann den liebenden Gatten schon verstehen : Irgendwann werden wir alle Spießer ! ;-)
Immerhin hat mir dieses Buch geholfen , eine wichtige Etappe der französischen Geschichte zu verstehen. Überhaupt habe ich durch diesen Romanzyklus einen völlig neuen Blick auf den 13.Ludwig bekommen, der für mich früher immer nur der eifersüchtelnde Depp aus Dumas' "Musketieren" war.
Schade, daß Merle nicht mehr die Zeit vergönnt war, auch noch die Geschichte Ludwigs XIV. neu zu erzählen - von IHM hätte ich sie mir gern erzählen lassen.
Merci, maître, et aurevoir !
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