Arnulf. Die Axt der Hessen von Robert Focken

Buchvorstellungund Rezension

Arnulf. Die Axt der Hessen von Robert Focken

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Arnulf. Die Axt der Hessen“,, 380 Seiten.ISBN 3862823407.

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Kurzgefasst:

Es ist die Zeit Karls des Großen. Als heidnische Sachsenstämme unter Führung des legendären Widukind in Hessen einfallen, versammelt Karl ein riesiges Heer am Main. Wider Willen wird der mittellose Arnulf zum Dienst im Heerbann gezwungen. In blutigen Gefechten erwirbt er sich mit seiner Streitaxt Waffenruhm und gewinnt das Wohlwollen des Königsberaters Einhard. Als Arnulf schließlich die Irminsul, das größte sächsische Heiligtum, zerstört, scheint ihm eine glänzende Zukunft zu winken. Doch eine Geisel am Königshof bringt die Welt des Kriegers ins Wanken: Es ist Widukinds Schwester. Und gegen ihre Reize hilft dem Hessen kein Schild und keine Axt ...

Das meint Histo-Couch.de: „Ein lebendiges Männerbuch aus der Zeit der Sachsenkriege“70

Rezension von Amandara M. Schulzke

Seit Arnulfs Vater, der Jäger, auf einer Wolfshatz von Sachsen getötet wird, die ins Frankenland eingefallen waren, hasst der Junge die Heiden abgrundtief. Mutter und Stiefvater geben den 14jährigen zu einem verarmten Händler, der ihn hungern lässt und schikaniert. Baumeister Notker rettet Arnulf und bildet ihn zum Holzfäller aus. Arnulf verliebt sich Jahre später in dessen Tochter Hilde. Thegan, Paladin des hessischen Gaugrafen, rekrutiert Arnulf mit anderen Freiwilligen für eine Erkundungstour. Doch das ist eine Falle.  Thegan will ihn aus dem Weg haben. Als er Arnulf danach wegen Hilde beleidigt, schlägt der ihn nieder und muss fliehen. Auf seiner Flucht rettet er zufälligerweise den Schreiber des Beraters von Karl dem Großen vor den Sachsen und steht dadurch unter dessen Schutz. In Zukunft wird Arnulf scheinbar zufällig  an Orten sein, um wichtige Männer zu beschützen, sogar Karl den Großen während der Schlacht mit Herzog Widukind, dem Anführer der Sachsen. So beginnt seine Karriere als Axt der Hessen.

Eindeutig ein Männerbuch – das zeigt sich schon im ersten Satz, dem ersten Absatz. Focken lässt Arnulf heldenhaft in der Schlacht gegen die Sachsen 772 kämpfen. Wie es dazu kam, dass Arnulf einer der gefürchtetsten Krieger in Karls Heer – dem späteren Kaiser – wird, davon erzählt dieser Roman. Fockens Erstlingswerk hat seine Vorzüge. Er hält sich, so weit er kann, an historische Begebenheiten und haucht ihnen lebendigen Atem ein. Mit Arnulf hat er einen Protagonisten geschaffen, der vom Anti-Helden zum Helden wird. Europas Geschichte erzählt er aus der Sicht des kleinen Mannes, und das macht er gut. An seiner Seite streitet sein Gönner, der Gelehrte Einhard, der als Figur das aktuelle Geschehen am nördlichen Rand des Frankenreiches in europäische Bezüge setzt. Dazu gehört zu dieser Zeit schon die Auseinandersetzung mit Tassilo, dem bayrischen König.

In Wahrheit kam Einhard erst 794 an Karls Hof, doch auch das erklärt Focken im Nachwort.

Plastisches 8. Jahrhundert

Der Autor verwendet die alten Namen der Städte und Gegenden sowie einige althochdeutsche Begriffe. Dabei hält er das rechte Maß. Trotzdem fällt es auf den ersten Seiten etwas schwer, sich an die Diktion zu gewöhnen. Die verschiedenen Interessengruppen, die es damals gegeben hat, und zwar innerhalb der Verbündeten Karls genauso wie innerhalb der sächsischen Stämme, beschreibt er anschaulich. Er hat sich große Mühe gegeben, die Menschen von damals, ihre Lebensumstände und -gewohnheiten plastisch werden zu lassen. Dazu zählen auch die Schilderungen von Kämpfen und Schlachten.  Aus dieser Zeit gibt es jede Menge Romane aus dem Angelsächsischen und Französischen. Focken zeigt deutsche und hessische Geschichte. Dafür ein großes Lob.

„Den heiligen Benedikt hat einmal ein junger Mönch gefragt, wer Gott am nächsten sei. Die Gänse hat er geantwortet …Sie fliegen über den Himmel. Und manchmal klingt ihr Geschnatter wie ein zu lautes Gebet.“

Welches ist der wahre Gott? Das war schon vor vielen Jahrhunderten eine große Streitfrage. Focken geht ihr insofern nach, da er überlegt, wie die Sachsen christianisiert wurden, welche Beweggründe es möglicherweise gab, dass Sachsen – Falen und Engern in dem Fall – auch freiwillig das Kreuz genommen haben. Er beschreibt anschaulich eine Zwangstaufe. Was wäre ein Buch für Männer ohne Kameradschaft, Freundschaft, Loyalität, ohne Intrigen, Machtgier, Eifersucht und Verrat? Ohne Kräfte messen. Von all dem gibt es reichlich. Einige Handlungen der Protagonisten sind vorhersehbar, was daran liegen mag, dass man vielleicht schon hunderte historische Romane gelesen hat.

Schade ist, dass der Autor Arnulfs Frauengeschichten so nebenbei und oberflächlich abhandelt. Hilde, die erste Liebe, vergisst er mit einem Satz. Ragla, ehemalige Gefährtin und emotionale Retterin in der Fremde könnte von ihm oder dem König schwanger sein, mit der Geisel Erika macht er ein paar Ausflüge und findet sie interessant, aber verliebt ist er nicht in sie. In der Hinsicht ist auch der Klappentext irreführend und spoilert einen Fakt, den es nicht wirklich gibt. Um Frauengeschichten geht es in dem Buch auch gar nicht, es hätte gewonnen, wenn er sie ersatzlos gestrichen hätte. Arnulf – Die Axt der Hessen ist ein Roman für alle, die lebendige Geschichte lieben. Im Dezember 2017 erscheint Band 2.

Ihre Meinung zu »Robert Focken: Arnulf. Die Axt der Hessen«

Mgippi zu »Robert Focken: Arnulf. Die Axt der Hessen«07.06.2015
Auch ich bin der Meinung, dass es zu Bernard Cornwell noch ein Stückchen hin ist, insbesondere erinnert mich "Arnulf" und dessen Lebenslauf doch irgendwie stark an "Thomas von Hookton" aus der bekannten Trilogie. A b e r das Buch ist absolut lesenswert. Gerade als Bewohner der "Logana" freut es mich, dass die vielfältige Geschichte vor der Haustür beschrieben wird und man nicht nach England oder Frankreich reisen muss. Daher ein großes Lob an den Autor.
Eike Baumann zu »Robert Focken: Arnulf. Die Axt der Hessen«26.05.2015
Tja, man braucht nicht unbedingt einen Cornwell oder gar einen Low um endlich mal wieder einen richtig guten historischen Roman zu lesen. Robert Fockens "Arni" hat alles was nötig ist: Kompetenz, eloquenten Sprachfluss , subtilen Humor, Realitätsnähe...voila! Wer genug hat von lauwarmen unrealistischen Wanderdirnen und Konsorten (so isses halt), sollte sich "Die Axt der Hessen" auf seinen Nachttisch legen. Lesen!!!
Dr. Cord Schmidthals zu »Robert Focken: Arnulf. Die Axt der Hessen«10.05.2015
Ich habe schon so einige historische Romane gelesen und freue mich darüber, wie nah die im Buch beschriebene Handlung an den bekannten historischen Fakten liegt. Darüber hinaus versteht es der Autor exzellent uns das Leben und und die erschütternden Details der vielen Kriege im Mittelalter nahe zu bringen. Auch wenn man durch die Detailtreue in den Darstellung der Schlachten bisweilen ein wenig angeekelt sein mag, so ist dies aus meiner Sicht notwendig um einen echten Eindruck des damaligen Lebens zu bekommen. Oftmals widmen sich die Autoren eher dem Großen und Ganzen und vergessen darüber die Details.
Was ich ganz toll finde, ist, dass der Autor am Ende des Buches eine Einordnung der historischen Fakten und der Handlungen im Buch gibt. So etwas habe ich so auch noch nicht gesehen und hilft ungemein zu erkennen, was denn im Buch Fiktion ist und was eine reale Vorlage hatte.

Insgesamt ein rundum gelungener Lesespaß, den ich uneingeschränkt weiterempfehlen möchte.
Slevowitsch zu »Robert Focken: Arnulf. Die Axt der Hessen«02.04.2015
Vor einiger Zeit entdeckte ich einen historischen Roman, beworben mit dem Satz „Für Fans von Bernard Cornwell“, der meine Aufmerksamkeit erregte. Mein Fazit nach der Lektüre von „Arnulf – Die Axt der Hessen“: Der Vergleich hinkt, allerdings ist dies nicht schlimm.

Mit Bernard Cornwell lässt sich „Arnulf“ nicht vergleichen, dazu fehlt dem Werk von Robert Focken noch einiges an Substanz und vielleicht Erfahrung. Es ist aber schön zu sehen, dass es noch in Deutschland spielende historische Romane gibt, abseits der fast allgegenwärtigen Frauenschnulzen ala Iny Lorenz, Andrea Schacht o.ä. Ein historischer Roman, der den Fokus auf Schlachten und Strategie und nicht auf Bettgeflüster legt.
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