Rebecca West

Die britische Schriftstellerin Rebecca West hiess eigentlich Cicily Isabel Fairfield und wurde am 21. Dezember 1892 in London geboren. Ihr Vater war ein irischer Journalist, ihre Mutter Schottin, und der Vater verliess die Familie, als Cicily acht Jahre alt war, woraufhin die Familie nach Edinburgh zog. Dort besuchte sie das George Watsons Ladies College und musste 1907 die Schule wegen Tuberkulose verlassen. Bis zum sechzehnten Lebensjahr besuchte sie nie wieder eine Schule.

Cicilys beide älteren Schwestern machten derweil Karriere. Die älteste, Letitia, wurde eine der ersten vollstudierten weiblichen Ärztinnen in Britannien. Winifred, die mittlere Schwester, heriatete mit Norman Macleod den ersten Sekretär der Admiralität, später Direktor des Greenwich Hospitals. Ihr beiden Kinder Alison und Norman sollten in Cicilys späterem Leben noch wichtige Rollen spielen. Cicily machte eine Ausbildung zur Schauspielerin in London und übernahm als Pseudonym den Namen „Rebecca West“ von einer jungen Rebellin aus dem Drama Rosmersholm von Henrik Ibsen. Gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Lettie beteiligte sie sich auch kurz an der Bewegung der Suffragetten. Derweil arbeitete sie als Journalistin für die wöchentlich erscheinende feministische Freewoman und den Clairon.

Im September 1912 lernte sie den Schriftsteller H. G. Wells kennen und wurde dessen Geliebte. Aus dieser Beziehung stammt der gemeinsame Sohn Anthony West (1914-1987). 1923 trennte sich das Paar, blieb sich aber bis zu Wells’s Tod im Jahr 1946 freundschaftlich verbunden. Weitere Beziehungen werden ihr mit Charlie Chaplin und dem Zeitungsmagnaten Lord Beaverbrook nachgesagt.

Rebecca West wurde vor allem als Vorreiterin des Feminismus bekannt und war eine radikale Kritikerin für Zeitung wie The New Republic, New York Herald Tribune, New York American, New Statesman, The Daily Telegraph und viele weitere mehr. George Benard Shaw bewunderte ihren Schreibstil. Ab den 1920ern reiste sie regelmäßig in die USA, wo sie Vorträge und Seminare hielt, Künstler traf und sich in der politischen Szene aufhielt. 1948 wurde sie gar von Präsident Truman als „the world’s best reporter“ betitelt.

Im Jahr 1930, im Alter von 37 Jahren, heiratete sie den Bankier Henry Maxwell Andrews, und sie blieben bis zu ihrem Lebensende zusammen. Ihre Schriftstellerei machte sie reich und berühmt, und so konnte sich sie bis 1940 einen Rolls Royce und ein großes Anwesen, Ibstone House, in den Chiltern Hills im Süden Englands leisten. Während des Zweiten Weltkriegs nahm sie dort jugoslawische Flüchtlinge auf und baute noch lange nach dem Krieg auf den Ländereien Gemüse an.

Während des Krieges reiste sie viel umher und sammelte Material für ihre Bücher. In den Jahren 1936 bis 1938 reiste sie allein dreimal nach Jugoslawien, was sie in ihrem bis dato bekanntesten Buch Black Lamb and Grey Falcon (dt. Schwarzes Lamm und grauer Falke) festhielt. Das Buch erschien 1941 und wurde von der Kritik hochgelobt. Nach dem Krieg wurde sie vom Ross Magazine als Berichterstatterin zu den Nürnberger Prozessen entsandt, was sie in dem Buch A Train of Powder beschrieb. 1950 wurde sie Mitglied der American Academy of Arts and Sciences. 1960 ging sie nach Südafrika, um über die Apartheid zu berichten.

Noch im hohen Alter war sie in der Welt unterwegs und verarbeitete ihre Eindrücke in Reportagen und Romanen. Nach dem Tod ihres Mannes 1968 blieb sie weiterhin aktiv und nahm am sozialen Leben ihrer Umwelt teil. Sie befreundete sich mit Größen wie Doris Lessing und Warren Beatty, der sie in seinem Film Reds (dt. Reds, 1981) auftreten liess.

In ihren letzten Jahren litt sie unter einer Sehbehinderung und ab den späten 1970er Jahren unter Bluthochdruck. In den letzten Monaten war sie ans Bett gefesselt und manchmal in Delirien und beklagte sich darüber, dass sie zu langsam sterbe. Dies geschah schließlich am 15. März 1983 in ihrem Geburtsort London. Sie ist auf dem Brookwood Cemetery in Woking begraben.

Zu ihren Auszeichnungen gehört die Erhebung in den Adelsstand DBE als Dame Commander of the Order of the British Empire im Jahr 1959. Ihr Roman The Return of the Soldier (dt. Die Rückkehr) erschien 2016 erstmals auf Deutsch und ist der einzige während des Ersten Weltkriegs von einer Frau verfasste und veröffentlichte Roman über den Krieg. Er wurde 1982 verfilmt.

Historische Romane von Rebecca West:

Weitere Romane von Rebecca West:

  • (1922) The Judge
  • (1929) Harriet Hume
  • (1936) The Thinking Reed
  • (1941) Schwarzes Lamm und grauer Falke
    Black Lamb and Grey Falcon
  • (1956) Der Brunnen fließt über
    The Fountain Overflows
  • (1966) The Birds Fall Down
  • (1984) The Real Night
  • (1985) Cousin Rosamund
  • (1986) Sunflower
  • (2002) The Sentinel (unvollendet)