Der Ruf des Sturmvogels von Rebecca Maly

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Der Ruf des Sturmvogels“,, 480 Seiten.ISBN 3-453-40968-X.

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Kurzgefasst:

1859. Nach dem Tod ihres Vaters stehen die Schwestern Stella und Claire völlig mittellos da. Ihr Onkel Longacre arrangiert für Claire eine Ehe mit dem wohlhabenden Schafzüchter Shawn Fergusson im weit entfernten Chile. Doch die fromme Claire wehrt sich innerlich gegen die Ehe, während Stella sich nichts sehnlicher wünscht, als zu heiraten. Als die Schwestern auf der entlegenen Farm ankommen, fühlt Stella sich wie magisch von Shawn angezogen. Doch das Leben in dem fremden Land ist hart, und Stella hat ihrer Schwester versprochen, ihr zur Seite zu stehen. Sie muss sich entscheiden zwischen ihrer Pflicht und der Liebe ...

Das meint Histo-Couch.de: „Verbotene Leidenschaften im Chile des 19. Jahrhunderts“76

Rezension von Eva Schuster

1859 in Südamerika: Nach dem Tod ihres Vaters, einem Fernhändler aus Buenos Aires, stehen die jungen Schwestern Stella und Claire mittellos da. Ihre Rettung ist ihr Onkel Longacre aus Chile, der ihre Vormundschaft übernimmt und für die ältere Claire eine Ehe mit dem wohlhabenden Schafszüchter Shawn Fergusson auf Feuerland arrangiert. Dankbar, aber auch unsicher treten die temperamentvolle Stella und die fromme und schüchterne Claire die weite Reise in das kalte und raue Land an.

Als Stella Shawn Fergusson zum ersten Mal sieht, ist sie gleich fasziniert von dem attraktiven Mann. Nur mit Mühe kann sie ihre aufkeimenden Gefühle für ihn verbergen. Claire wiederum fügt sich in die Ehe, kann aber weder Liebe noch Leidenschaft für ihren Ehemann empfinden. Stattdessen scheint sie ausgerechnet der Indio Navarino, der für ihren Onkel arbeitet, ihr Herz höherschlagen zu lassen.

Sowohl Stella als auch Claire müssen ihre jeweiligen Emotionen unbedingt verbergen, um keinen Skandal auszulösen. Stella versucht, Shawn zu meiden, doch sie ahnt bald, dass er ihre Gefühle erwidert …

Liebe, Leidenschaft und zwei ungleiche Schwestern

Große Gefühl zweier ungleicher Schwestern stehen im Mittelpunkt von Rebecca Malys Chileroman Der Ruf des Sturmvogels. Die Hauptfiguren sind keine außergewöhnlich charismatischen, aber anschauliche und realistisch wirkende Charaktere. Die lebendige Stella gewinnt mit ihrer direkten Art und ihrer Aufgeschlossenheit schnell die Herzen der Leser für sich. Ihr Gefühlswirrwarr ist gut nachvollziehbar. Einerseits will sie ihre Schwester nicht verletzen, denn die beiden stehen sich trotz ihrer unterschiedlichen Temperamente sehr nah. Andererseits fällt es Stella auf Dauer auch sehr schwer, auf ihr Glück zu verzichten, zumal sie ja nur zu gut weiß, dass die Ehe mit Shawn für Claire nur eine Vernunftheirat ist und von beiden Seiten nur freundschaftliche Gefühle in diese Zweckgemeinschaft investiert werden.

Die sanfte und zurückhaltende Claire ist wiederum auf ihre Art ebenfalls eine liebenswerte Person. Ihre Frömmigkeit ist nicht nur Fassade, sondern Claire lebt vor allem ihre Nächstenliebe konsequent aus, indem sie sich für die Eingeborenen einsetzt. Als Navarino von Hunden angefallen wird, kümmert sie sich hingebungsvoll um ihn, ohne darauf zu achten, dass sie damit das Missfallen anderer Weißer auf sich zieht.

Shawn Fergusson erscheint zunächst attraktiv und freundlich, allerdings ist zunächst ungewiss, wie tief seine Gefühle für Stella tatsächlich sind. Verständlich sind Stellas Befürchtungen, dass sie nur eine willkommene Abwechslung zur prüden Claire darstellt. Und schließlich kommt im späteren Handlungsverlauf noch der junge britische Forscher Constantin ins Spiel. Mit seiner unbeholfenen Art ist er ganz anders als der selbstbewusste Shawn, aber dennoch scheint nicht ausgeschlossen, dass auch er Stellas Interesse weckt.

Spannung entsteht insbesondere in der ersten Hälfte durch die Fragen, ob und wie lange Stella und Shawn ihre Gefühle vor den anderen verbergen können, wie sich wiederum die Gefühle von Claire und Navarino entwickeln und ob es durch diese emotionalen Verwicklungen zu dramatischen Zwischenfällen kommt.

Das harte Los der Eingeborenen

Der Ruf des Sturmvogels ist aber mehr als ein Liebesroman vor exotischer Kulisse. Das Werk verschafft dem Leser intensive Einblicke in das damalige Leben auf Feuerland und widmet sich vor allem in der zweiten Hälfte dem Leid der Ureinwohner, illustriert an den Figuren Navarino und Naviol. Navarinos Familie wurde seinerzeit von Weißen getötet, er selbst in ihre Dienste genommen. Er hat mit den Jahren ihre Sprache gelernt und sich notgedrungen weitgehend an ihre Sitten angepasst, um zu überleben. Aber Stella und Claire sind die ersten Weißen, die ihm freundlich begegnen, für Claire empfindet er gar mehr als bloße Zuneigung. Naviol hingegen lebt noch mit seinem Stamm in der Wildnis und gerät in Gefangenschaft. Navarino übersetzt und vermittelt zwischen ihm und den Weißen und versucht Naviol die fremden Gebräuche nahezubringen. Das Leben der Ureinwohner ist den meisten Weißen nichts wert; sie sind vogelfrei, werden gar von Trophäensammlern getötet, die die Körperteile an Museen verkaufen. Navarinos und Naviols Schicksale berühren den Leser und man hofft, dass ihnen das Schicksal gewogen sein wird.

Eine große Stärke des Romans ist die anschauliche Darstellung von Setting und Lebensumständen. Feuerland präsentiert sich den Schwestern zunächst als unwirtlich und rau, mit überwiegend karger Natur und kaltem Wind. Während Claire sich nach ihrer Hochzeit vorwiegend auf der Farm aufhält und sich dem Haushalt widmet, unternimmt Stella vermehrt Ausflüge und lernt das anfangs so abweisende Land lieben.

Etwas schade ist allerdings, dass sich gegen Ende die Ereignisse so sehr überstürzen. Wichtige Geschehnisse werden relativ kurz abgehandelt, die Dinge entwickeln sich sehr hektisch. Ein wenig mehr Muße hätte dem letzten Viertel gewiss gutgetan.

Unterm Strich bietet Der Ruf des Sturmvogels sehr solide Unterhaltung und kombiniert eine reizvolle und turbulente Liebesgeschichte mit eindringlichen Schilderungen der Lebensumstände der Ureinwohner. 

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