Das Tribunal von Randy Singer

Buchvorstellungund Rezension

Das Tribunal von Randy Singer

Originalausgabe erschienen 2014unter dem Titel „The Advocate“,deutsche Ausgabe erstmals 2015, 512 Seiten.ISBN 3775156429.Übersetzung ins Deutsche von Nicola Peck, Lea Schirra.

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Kurzgefasst:

Das antike Rom im 18. Jahr der Herrschaft von Kaisers Tiberius. Rom ist auf dem Höhepunkt seiner Macht. Grade hat Theophilus den blutigen Prozess gegen Jesus von Nazareth hautnah miterleben müssen. Zurück in Rom beginnt er als Anwalt Kariere zu machen, doch die furchtbaren Bilder der Kreuzigung verfolgen ihn. Als er Bekanntschaft mit den ersten Christen macht, spitzt sich die Lage zu. Plötzlich steht er vor dem berüchtigten Kaiser Nero und gerät selbst in höchste Gefahr.

Das meint Histo-Couch.de: „Ein Anwalt mit Gewissen“80

Rezension von Annette Gloser

Rom, zur Zeit des Kaisers Tiberius. Theophilus ist ein hervorragend ausgebildeter Anwalt. Er war ein Schüler Senecas bis ein Streit mit dem jugendlichen Caligula dazu führte, dass Theophilus von seinen Eltern an eine berühmte griechische Rhetorikschule geschickt wurde. Seneca jedoch blieb seinem wissbegierigen Schüler stets gewogen. Bei dessen Rückkehr nach Rom hat der Philosoph bereits dafür gesorgt, dass der junge Mann eine Anstellung findet. Theophilus wird Rechtsberater des römischen Statthalters in Judäa, Pontius Pilatus. In Jerusalem erlebt der junge Anwalt den Prozess gegen Jesus von Nazareth mit, ein Ereignis, das ihn später immer wieder belastet. Später lässt er sich in Rom als Anwalt nieder. Immer wieder bemüht er sich um Gerechtigkeit für unschuldig Angeklagte, eine schwierige Aufgabe in einer Zeit, in der die Willkür der verschiedenen Kaiser über allem steht und in der Freunde sehr schnell zu Denunzianten werden können. Trotzdem gelingt es Theophilus, auch sein persönliches Glück zu finden und er ist ein angesehener Mann. Aber stets aufs Neue wird er mit den Ansichten des Nazareners Jesus konfrontiert und mit den Menschen, die an Jesus und seine Lehren glauben. Und dann kommt der Tag, an dem Theophilus die Verteidigung eines ganz besonderen Menschen übernimmt: Paulus von Tarsus, der des Majestätsverbrechens angeklagt ist. Und Kaiser Nero selbst wird über ihn zu Gericht sitzen. Einst konnte Theophilus Jesus nicht retten. Wird er Paulus vor dem unberechenbaren Kaiser bewahren können?

Rom in finsteren Zeiten

Randy Singer ist in seiner Heimatstadt ein bekannter Prediger in der Kirchengemeinde. So verwundert es kaum, dass er sich nun nach diversen Krimis – in einem Roman der Entstehung des Christentums zuwendet und eine spannende Geschichte darum spinnt. Lebensvolle Protagonisten bevölkern diesen Roman, allen voran der Anwalt Theophilus und die schöne Vestalin Flavia. Dazu kommen historische Persönlichkeiten wie der Philosoph Seneca oder der erfolglose Pontius Pilatus, Kaiser wie Tiberius, Caligula oder Nero. Singer sind interessante Protagonisten mit sehr unterschiedlichen Facetten gelungen, die den Roman farbig und spannend machen. Und zumindest am Anfang der Geschichte drängt sich auch das Christentum noch nicht allzu sehr in den Vordergrund. Zwar gibt es immer wieder auch unerwartete Wendungen, aber die Handlung entwickelt sich logisch und nachvollziehbar. Die Spannung wird relativ schnell aufgebaut, kann jedoch nicht über den gesamten Roman gehalten werden. Immer mal wieder schleichen sich Längen ein und man braucht ein wenig Durchhaltevermögen um zur nächsten spannenden Stelle zu kommen. So ähnelt der Spannungsbogen eher einer Sinuskurve.

Im Großen und Ganzen historisch korrekt

Wer Das Tribunal liest darf nicht erwarten, dass die historischen Abläufe bis ins Detail stimmen. Ganz sicher hat Randy Singer viel recherchiert, das wird allein schon an den Zitaten verschiedener Philosophen deutlich und auch an den Charakterisierungen der einzelnen Kaiser. Ob jedoch der schnöde Alltag tatsächlich so war, wie ihn der Autor schildert, ob das Leben im Haus der Vestalinnen genau so ablief, das sei dahin gestellt. Auch die Sprache in diesem Roman kommt eher modern daher und immer wieder finden sich verbale Anachronismen. Und selbstverständlich steht auch nicht für jeden Leser fest, dass der Prozess gegen Jesus von Nazareth überhaupt stattgefunden hat. Dennoch ist die vergiftete Atmosphäre in Rom unter Tiberius sehr gut eingefangen, die Hoffnung, die viele Römer auf den jungen Kaiser Caligula setzten, und auch die Enttäuschung und das Entsetzen über einen Kaiser, dessen grausamen Gelüsten niemand Einhalt gebieten konnte. So wird begreiflich, warum sich viele Menschen dem Christentum zuwandten, trotz der damit verbundenen Gefahr. Und auch die Entstehung des Lukas-Evangeliums wird auf eine nachvollziehbare Art und Weise geschildert.

Die Suche nach Gerechtigkeit

Das Tribunal ist eher ein Roman über die Suche nach Wahrhaftigkeit denn eine Geschichte mit Anspruch auf historische Detailtreue. Dennoch ist die Suche des Theophilus nach seiner inneren Kraft, nach Gerechtigkeit und Standhaftigkeit gegenüber der Tyrannei ein interessantes und spannendes Sujet. Der Roman hat ein Personenverzeichnis, in dem historisch belegte und fiktive Personen gut gekennzeichnet sind. Am Ende findet man ein Nachwort des Autors in dem er noch einmal die Entstehungsgeschichte des Romans schildert. Wer kein gläubiger Christ  ist könnte beim Lesen durchaus gelegentlich stutzen oder auch die Handlung in Frage stellen. Wer jedoch bereit ist, sich auch auf die christliche Botschaft des Romans einzulassen, der findet ganz sicher ein sehr interessantes Buch, das sich zu lesen lohnt.

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