Order of Darkness. Sturmbringer von Philippa Gregory

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „Order of Darkness. Stormbringers“,deutsche Ausgabe erstmals 2015, 368 Seiten.ISBN 3733501756.Übersetzung ins Deutsche von Maren Illinger.

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Kurzgefasst:

Luca reist in heikler Mission für den geheimen Ordens der Finsternis quer durchs Land: Er soll die Vorzeichen für das drohende Ende der Welt erforschen. An seiner Seite sind sein treuer Diener Freize, der Schreiber Peter, die schöne Fürstin Isobel und ihre mutige Freundin Ishraq. Als die fünf in die Hafenstadt Piccolo kommen, sind dort alle in Aufruhr: Hunderte Kinder wollen von hier aus einen Kreuzzug ins Heilige Land starten. Angeführt werden sie von Johann, der mit seinen Predigten jeden in seinen Bann zieht. Selbst Luca ist überzeugt: Der Junge weiß Dinge, die nur Gott ihm offenbart haben kann. Als Johann jedoch behauptet, dass sich sogar das Meer teilen wird, bleibt Luca zunächst skeptisch. Ist ein solches Wunder möglich? Aber dann weicht das Meer tatsächlich zurück und niemand ahnt, in welcher Gefahr sie alle schweben.

Das meint Histo-Couch.de: „Was machten die Menschen, als es noch kein Google gab?“80

Rezension von Sabine Bongenberg

Auch in ihrem zweiten Band der Order of Darkness-Reihe widmet sich die britische Autorin Philippa Gregory dem jungen Mönch Luca, der mit seiner bunt zusammen gemischten Truppe von Gefährten Europa bereist, um dort Mysterien zu erforschen. Luca wurde im Auftrag einer speziellen Bruderschaft – dem „Orden der Finsternis“ als besonderer Ermittler in päpstlicher Mission auf die Reise geschickt. Seine Mission ist die Erstellung einer „Karte der Angst“ – wovor fürchten sich die Menschen, welche Phänomene sind tatsächlich auf das Wirken des Antichristen zurückzuführen und welche unterliegen dann doch eher der weltlichen Gerichtsbarkeit? In diesem Buch wird die kleine Gruppe nach Piccolo am Mittelmeer geführt. Hier werden sie Zeuge eines Kinderkreuzzuges, geführt von dem charismatischen Jungen Johann, der nicht nur behauptet im Auftrag Gottes zu handeln, sondern auch prophezeit, dass Gott ihm die Macht verleiht, wie weiland Moses das Meer zu teilen und so trockenen Fußes das Meer zu durchwandern. Tatsächlich gibt es ein Naturphänomen, das anfänglich tatsächlich zuerst das Wasser zurückweichen lässt – dennoch hat dieses Ereignis und seine dramatischen Folgen sicherlich wenig mit einer göttlichen Intervention zu tun.

Wissen als Errungenschaft

Als die Autorin dieser Zeilen noch ein Kind war, konnte sie Fragen zu ungewöhnlichen Phänomenen über ein Lexikon klären, das seinerzeit in kaum einem Haushalt fehlte. Heute reicht ein einfacher Blick in das allwissende Wikipedia oder man erkundigt sich bei Google. Im Jahr 1453, in dem die Handlung dieses Buches spielte, waren die Menschen dagegen Naturphänomenen, die erstmalig auftraten, hilflos ausgeliefert und mussten sie als Gottesurteil oder Hexenwerk empfinden. Diese Frage ist ein zentraler Punkt in Philippa Gregorys zweitem Band des „Order of Darkness“. Wie wurden in früheren Zeiten unerklärliche Phänomene – von denen wir heute wissen, dass es sich um Naturereignisse handelt – bewertet und untersucht? Wie versuchten die Menschen, diese Vorkommnisse zu erklären und mit welchen Mitteln versuchten sie sich dabei in Schutz zu bringen? Diese Frage löst die Autorin mit der Person des Luca. Er untersucht die neuartigen für die damalige Zeit – unerklärlichen Phänomene, kann generell eine teuflische oder auch göttliche Verstrickung in die Hand legen und schafft somit die Fundamente für die Grundlagenforschung. Wer heutzutage mit dem bereits erwähnten Einsatz von Google verwöhnt ist, aber auch andererseits über den Aberglauben der „alten Zeiten“ schmunzelt, sieht sich hier dazu gebracht, seinen Standpunkt einmal neu zu überdenken. Denn – der Zugriff auf alle Bibliotheken ist durchaus keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Errungenschaft der Neuzeit. Diesen Gedanken vermittelt Gregory spannend und glaubwürdig und kann damit beim Leser und seiner Einschätzung gegenüber dem belächelten Irrglauben auch ein gewisses Gefühl der Demut erwecken.

Neben den Verstrickungen um diese Phänomene spinnt Gregory aber auch ihre Entwicklungen um die Beziehungen zwischen den jungen Mitgliedern der kleinen Reisegruppe weiter. So ist der attraktive Luca – wenn auch als Mönch eigentlich jenseits von Gut und Böse – ein wachsendes Objekt der Begierte für die beiden mitreisenden Mädchen. Die blonde Isobel, die auch einem Nonnenorden entlaufen ist und ihre begleitende Dienerin, die aparte und gebildete Ishraq fühlen sich wechselseitig von dem jungen Mann angezogen und so ist es nicht verwunderlich, dass gelegentlich ein mehr oder minder heftiger „Zickenkrieg“ die einstmals harmonische Gesellschaft spaltet. Gregory gelingt es mit diesem Element das Augenmerk auf den menschlichen Faktor der Reisegruppe zu lenken und das trägt in einem großen Maß zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei. So interessant auch Fakten über Naturereignisse und religiöse Gruppierungen sein mögen, so unwahrscheinlich wäre es auch anzunehmen, dass sich eine Gruppe junger Leute allein um diese Fragen kümmert und nicht einmal bemerkt, dass das Gegenüber eigentlich ganz süß ist.

Die dunkle Seite

Ein weiterer wichtiger Spannungsträger in diesem Buch sind die weiteren Entwicklungen – über die dunkle Seite des„ Order of Darkness“. Diese sind allerdings genauso dazu geeignet den Glauben in die besondere Aufrichtigkeit des Ordens zu lenken, wie es weiland ein Aufruf der Inquisition zur Achtung der Menschenrechte gewesen wäre. Der Orden zeigt vielmehr seine finstere Seite, die offensichtlich von Intrigen und besonderen Pakten mit wechselnden Machtverhältnissen geprägt ist. Hier wird bereits angedeutet, dass sich die Mitglieder der Gruppe früher oder später für eine Seite entscheiden müssen und möglicherweise im Laufe der Geschichte Freunde zu Feinden werden.

Gregory bereitet in ihrem Buch mit spannenden Andeutungen auf Geheimnisse das Fundament für die weiteren Entwicklungen und auch die im Laufe der Geschichte aufgebauten Einzelschicksale harren ihrer Auflösung. Fraglich ist, wie die Autorin allen diesen Fragen in lediglich einem weiteren Band dieser Trilogie gerecht werden will. Aber vielleicht sollten hier auch ungläubige Kritikerinnen auf das Können der Autorin vertrauen – oder alternativ wie die Menschen im 15. Jahrhundert auf eine göttliche Intervention hoffen.

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