Dornenschwestern von Philippa Gregory

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „The Kingmaker's Daughter“,deutsche Ausgabe erstmals 2013, 560 Seiten.ISBN 3-499-26712-8.Übersetzung ins Deutsche von Elvira Willems.

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Kurzgefasst:

Geliebte Schwester. Erbitterte Rivalin. Der mächtige Herzog Richard Neville, Vater der jungen Schwestern Anne und Isabel, schäumt vor Wut. Denn all seinen Einflüsterungen zum Trotz hat der liebesblinde König Edward IV. weit unter seinem Stand geheiratet – die schöne Elizabeth Woodville, eine skandalöse Verbindung. Dabei verdankt Edward den Thron ihm allein, ihm, dem «Königsmacher». Heimlich vermählt Neville seine Töchter mit den nächsten Thronanwärtern, intrigiert, bläst zum Angriff auf das Königshaus – und scheitert. Wie Spielbälle katapultiert sein Machthunger die Schwestern als Thronanwärterinnen in die Höhe oder als Landesverräterinnen in den Abgrund. Mit aller Kraft versuchen Anne und Isabel, ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen und den größten Wunsch ihres Vaters zu erfüllen: die englische Krone für einen König aus dem Hause Neville.

Das meint Histo-Couch.de: „Spannende Fortsetzung der Reihe um die Tudors“90Treffer

Rezension von Daniela Loisl

England, zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts. Richard Neville, „der Königsmacher“, benutzt seine Töchter Anne und Isabel, um im Königshaus weiterhin die Fäden hinter den Kulissen zu ziehen. Die beiden Frauen werden zum Spielball der Politik, denn der Königsmacher ist erzürnt. Hat nicht er dafür gesorgt, dass Edward IV. jetzt auf dem Thron sitzt, dankt er es ihm, in dem er eine Bürgerliche heiratet und sich so auch seinem Einfluss entzieht.

Neville, immer darauf bedacht, auf der Seite des Siegers zu stehen, spinnt seine eigenen perfiden Pläne, um wieder an die Macht zu kommen. Er intrigiert, benutzt seine eigenen Töchter, handelt skrupellos und ohne Rücksicht. Allerdings merkt er dabei nicht, auf welch gefährliche Gratwanderung er sich begibt und die Rechnung zahlen letztendlich seine Töchter…

Historisch fundiert

Philippa Gregory hat schon eine ganze Reihe an Büchern aus der Zeit der Tudors verfasst und ist auf diesem Gebiet wohl unbestritten eine Expertin. In diesem Roman hat sie sich keinem geringeren als Richard Neville, dem „Königsmacher“, angenommen. Wie gewohnt nimmt sie sich die wichtigsten Persönlichkeiten rund um das Königshaus vor. Akribisch recherchiert, gesteht sie aber selbst ein, dass, wenn die historischen Quellen allzu spärlich sind, sie auch Fiktives in die Erzählung mit einwebt. Diese Freiheit, die einem Autor wohl zugestanden werden muss, sind aber in Gregorys Fall stets in harmonischem Einklang mit der fundierten Geschichte.

Gregory lässt die jüngere der beiden Schwestern, Anne, die Geschichte erzählen. Dies ist sicher nicht ungewöhnlich, sehr wohl aber die gewählte Zeitform, denn Gregory wählt den Präsens. Dies ist für viele Leser sicher gewöhnungsbedürftig, aber für eine erfahrene Autorin ist dies kein Problem und so braucht man lediglich ein paar Seiten, um in die Erzählung hineinzufinden.

Geliebte und gehasste Schwester

Der „Königsmacher“ ist wohl eine bekannte Figur und dass er sozusagen über Leichen ging, um seine Ziele zu erreichen, wird in diesem Roman nur allzu deutlich. Anne und Isabel buhlen schon von klein auf um die Gunst ihres Vaters. Anne, die jüngere der beiden Schwestern, ist auch die klügere und alles aus ihrer Perspektive zu erfahren, ist ein geschickt gesetzter Schachzug, da es einem wesentlich leichter fällt, sich mit den Figuren zu identifizieren.

Zwar sind die Schwestern einerseits so etwas wie Rivalinnen, denn jede ist bemüht, es ihrem Vater recht zu machen, so sind sie andererseits doch aufeinander angewiesen. Gerade Isabel, die manchmal richtig gehässig Anne gegenüber ist, braucht auch stets ihre Hilfe. Dieser Zwiespalt, in dem die beiden sich befinden, bringt Gregory dem Leser sehr anschaulich näher.

Geschichte zum Anfassen

Richard Neville selbst hat relativ wenige Auftritte in diesem Roman und doch ist die ganze Geschichte mit seiner Gegenwart durchtränkt. Anne und Isabel können keinen Schritt setzten, ohne dass ihr Vater vorher den Weg geebnet hätte und dass er sie nach seinen Wünschen heimlich mit den Thronfolgern Englands verheiratet und sie so zu Verrätern werden, spielt keine Rolle. Der machthungrige Königsmacher spielt selbst seine eigene Familie gegeneinander aus, wenn es ihm persönlich einen Vorteil bringt.

Wie schon in den Vorgängerromanen der „Rosenkrieg“-Reihe, so besticht die Autorin nicht nur mit ihrem breitgefächerten Wissen um die Zeit, sondern auch mit der empathischen Darstellung ihrer Figuren. Die Höhen und Tiefen, die die beiden Schwestern in ihrem Leben durchmachen, sind sehr plastisch dargestellt, und dass es letztendlich auch Anne ist, die durch die Heirat mit dem Königsbruder Richard, dem späteren Richard III., doch den Thron besteigt, ist nicht nur historisch korrekt, sondern man gönnt es ihr regelrecht.

Mit dem vierten Buch aus der „Rosenkrieg“-Reihe schließt Philippa Gregory in derselben Qualität an die Vorgänger an. Ein Einblick in die Zeit der Mächtigen Englands, die zeigt, wie spannend und vielschichtig Geschichte sein kann.

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