Der Thron der roten Königin von Philippa Gregory

Buchvorstellungund Rezension

Der Thron der roten Königin von Philippa Gregory

Originalausgabe erschienen 2010unter dem Titel „The Red Queen“,deutsche Ausgabe erstmals 2011, 480 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Elvira Willems, Astrid Becker.

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Kurzgefasst:

Mit kaum zwölf Jahren wird Margaret Beaufort aus dem Hause Lancaster 1455 mit Edmund Tudor verheiratet. Die Familie wartet ungeduldig auf einen Thronfolger. Tatsächlich bekommt Margaret, selbst noch ein Kind, einen Sohn: Henry. Als mit dem Rosenkrieg ein tödlicher Kampf um die Krone entbrennt, gilt Margarets ganzes Streben einem einzigen Ziel: Ihr Sohn soll König von England werden. Denn in einem ist Margaret sich sicher: Gott steht auf ihrer Seite.

Das meint Histo-Couch.de: „Innovative Perspektive auf historisch bedeutende Ereignisse“82

Rezension von Daniela Loisl

Die Königin der weißen Rose ist der erste Band der Reihe über die Rosenkriege, dem nun Der Thron der roten Königin folgt. Erzählt wird hier aus der Perspektive Margaret Beauforts aus der Familie der Lancaster, die mit Edmund Tudor verheiratet wird und deren Sohn Henry nun einer der Thronanwärter ist. Der Kampf um die Krone ist voller Intrigen und Machtkämpfe und Margarets oberstes und einziges Ziel ist es, ihren Sohn auf dem Thron zu sehen, denn von Kindesbeinen an ist es ihr sehnsüchtiges Wunsch, eines Tages mit „Margret R.“, Margret Regina, Königinmutter zu unterschreiben.

Eine ziemlich unsympathische Protagonistin

Philippa Gregory ist dafür bekannt, die Geschichte der Tudors nicht nur historisch korrekt, sondern auch auf äußerst spannende Weise wiederzugeben. Diesmal ist sie ein ziemliches Wagnis eingegangen, denn die Protagonistin, der in der Regel der Leser mit Sympathie begegnet, ist hier alles andere als eine einnehmende Person. Man lernt sie schon im zarten Kindesalter kennen und stellt fest, dass sie nicht nur sehr fromm, sondern regelrecht besessen ist. Sie selbst hält sich schon für eine Heilige und betet so viel und inbrünstig, dass ihre Knie schon mit einer Hornhaut und Schwielen überzogen sind. Daran muss Gott doch sehen, wie sehr sie ihm zugetan ist. Ihre Mutter, die Margaret weder liebt noch mit Verständnis entgegenkommt, verheiratet sie bereits im Alter von 12 Jahren mit Edmund Tudor.

Man kann als Leser bis zu einem gewissen Grad Verständnis für das Mädchen aufbringen, dass so ganz gegen ihren Willen einfach verschachert wird. Gregory betont immer wieder ihren intensiven Glauben und ihre Verehrung von Jeanne d`Arc, aber es ist alles zu viel des Guten. Nur ständig davon zu lesen, wie heilig sich das Mädchen doch fühlt, wie gottberufen sie ist und ihr einziges Weg der einer Nonne sein kann, geht einem mit der Zeit etwas auf die Nerven. Dies bessert sich etwas, als Margaret das Erwachsenenalter erreicht und man nun auch immer mehr die Hintergründe der politischen Machtkämpfe mitbekommt. Margaret war die einzige Person, die es in der Hand hatte, den Weg für ihren Sohn zum Thron zu ebnen, da er selbst sich auf dem Festland im Exil befand. Dies alles zu regeln und mit raffiniertem Intrigenspiel hinzubekommen, bedarf es zweifelsfrei großer Intelligenz und Vorausdenken. Leider erscheint Margaret hier aber oft als etwas dümmlich fromm, und das kann sie keinesfalls gewesen sein. Gregory lässt Margaret einerseits äußerst überlegt und intelligent agieren, setzt aber gleichzeitig oft einen krassen Gegensatz in Form ihres blinden Glaubens dar. Sie weiß, welche Fäden sie im Hintergrund ziehen muss (und dass sie dies beherrschte, ist historisch belegt), gibt sich aber auf der anderen Seite unglaublich naiv, wenn sie felsenfest davon überzeugt ist, das Gott nur auf ihrer Seite stehen kann, da sie doch die Knie einer Heiligen hat.

Fachlich fundiert, spannend erzählt

Obwohl man Margaret alles andere als sympathisch empfindet, bewundert man sie dennoch für ihre wohl überlegten und gut durchdachten Handlungen. Da vieles um den Tod der „Prinzen im Tower“ bis heute nicht geklärt ist, hat sich Gregory die Freiheit genommen, etwas andere Überlegungen anzustellen, die aber absolut schlüssig sind.
Obwohl eine Vielzahl von Personen vorkommt und jede mehr oder weniger gewichtig für die historischen Begebenheiten mitwirkt, ist es der Autorin stets gelungen, einen klaren Überblick zu schaffen, so dass sich der Leser nicht in den vielen Ereignissen verstrickt und den Überblick verliert. Vielleicht trägt gerade die wenige Sympathie der Protagonistin dazu bei, dass der Leser dazu animiert wird, seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Margaret Beaufort war nachgewiesen eine sehr gebildete und intelligente Frau, was Philippa Gregory nicht wirklich gelingt darzustellen. Allzu sehr erscheint sie einem eher fanatisch und stur auf ihr Ziel konzentriert, als dass sie klug und überlegt die Fäden im Hintergrund zieht.

Das Buch lässt einen etwas zwiegespalten zurück. Einerseits ist es erfrischend anders, eine unsympathische Protagonistin zu haben, die die Geschichte aus ihrer Warte erzählt, aber der Wermutstropfen ist, dass die Autorin bei dieser Figur die Intelligenz zu Gunsten fanatischer Frömmelei und Narzismus zu sehr beschnitten hat, was einfach nicht den Tatsachen entsprechen kann. Eine gebildete Frau wie Margaret es war, hätte es mit einem Verhalten wie Gregorys Figur niemals so weit gebracht, dass ihr Sohn in dieser intriganten und machtbesessenen Welt doch noch gekrönt wurde. Dass das Buch dennoch spannend ist, liegt letztendlich am erzählerischen Können der Autorin und auch daran, historisch politische Ereignisse interessant wiederzugeben.

Ihre Meinung zu »Philippa Gregory: Der Thron der roten Königin«

Domaris zu »Philippa Gregory: Der Thron der roten Königin«27.09.2012
das ist mit Abstand eines der schwächsten Bücher von Gregory. Habe ich "die Schwester der Königin" und "Das Erbe der Königin" noch verschlungen, war "die ewige Prinzessin" gegen Ende hin schon sehr zäh und diese Buch, als 2. Teil einer Trilogie (wobei der 1. Band "die Königin der weißen Rose" sehr spannend war) eine ziemliche Enttäuschung. Vor allem deshalb wahrscheinlich, weil ich vorher "das Spiel der Könige" gelesen habe, wo Margaret Beaufort zwar auch sehr heiligenmässig, aber auch durchaus einnehmend beschrieben ist. in " der Thron der roten Könnigin" ist mir der Ton zu quengelig, kindisch und egoistisch. Hat mich ein bißerl an die Beschreibung von Catherine Howard in " das Erbe der Königin" erinnert, nur war das einfach nachvollziehbarer, weil Catherine so jung und naiv war. also, wie gesagt, für mich keine Glanzleistung!
anath zu »Philippa Gregory: Der Thron der roten Königin«12.12.2011
Dieses Buch hat es in sich. Es ist das Porträt einer Frau, die mir persönlich praktisch überhaupt keine Sympathien entlocken kann. Ist da am Anfang noch Mitleid mit einem Kind, das aus rein politischen Interessen verheiratet und geschwängert wird, das erleben muß, als völlig wertlos und entbehrlich betrachtet zu werden, so schwindet dieses Mitgefühl sehr schnell. Margaret Beaufort verbreitet mit ihrer Piefigkeit, ihrer zur Schau getragenen Frömmigkeit, ihrer gnadenlosen Selbstgefälligkeit einfach nur Abneigung. Und ich bewundere die Leistung der Autorin, die es wieder einmal geschafft hat, sich so in ihre Protagonistin hinein zu versetzen, daß diese ihre Geschichte selbst erzählt.
Es ist interessant, vor allem wenn man vorher "Die Königin der weißen Rose" gelesen hat und nun die gleiche Geschichte aus einer völlig anderen Sicht erzählt bekommt. Aber ganz offensichtlich ist es selbst Philippa Gregory nicht gelungen, Margaret Beauforts sympathische Seiten zu entdecken.
Der sachliche Ton, in dem die Autorin ihre Protagonistin erzählen läßt, löste bei mir gelegentlich Gänsehaut aus. Eine Frau, die die Knie einer Heiligen hat und dabei für das, was sie für richtig erachtet über Leichen geht, die für das vermeintliche Recht ihres Sohnes jede Verstellung und Verrenkung auf sich nimmt, die ihr gerade nötig erscheint.
Ein unbedingt lesenswertes Buch, am besten in Kombination mit dem schon genannten Buch über Elizabeth Woodville, aber ein Buch, bei dem man am Ende nicht mit der Heldin gemeinsam triumphieren mag.Für mich eines der besten von Philippa Gregory.
€nigma zu »Philippa Gregory: Der Thron der roten Königin«14.11.2011
Margaret Beaufort (1443 - 1509) war die Großmutter väterlicherseits von Henry VIII . Ihr Sohn Henry Tudor (Henry VII) besiegte den berühmt-berüchtigten Richard III auf dem Schlachtfeld und heiratete Elizabeth of York, die älteste Tochter von Edward IV und Elizabeth Woodville. Durch diese Ehe wurden die lang andauernden Rosenkriege beigelegt, die Ehe zwischen Henry aus dem Hause Lancaster (rote Rose) und Elizabeth aus dem Hause York (weiße Rose) begründete die Dynastie der Tudors.
Margaret Beaufort lernt schon früh, dass Mädchen nur als Gebärerinnen von Söhnen Wert haben. Da sie als weibliche Erbin des Hauses Lancaster keine eigenen Thronansprüche stellen kann, wird sie bereits mit 12 Jahren mit Edmund Tudor, dem Halbbruder des geistig umnachteten Lancasterkönigs Henry VI, verheiratet, um einen männlichen Erben zu "produzieren". Mit 13 Jahren wird sie Witwe und Mutter von Henry VII, der ihr einziges Kind bleibt, auf das sich in den folgenden Jahren ihre ganzen Ambitionen richten. Sie ist fest davon überzeugt, dass nur die Lancasters die gottgewollten Könige stellen können, weil sie von einem älteren Sohn Edwards III abstammen als die Yorks.
Ihre Mutter verheiratet Margaret sofort wieder, ihr zweiter Mann Henry Stafford ist jedoch ein sehr vorsichtiger, bedächtiger Mann, der in den blutigen Schlachten um den Thron nur sinnloses Blutvergießen sieht und nicht bereit ist, für die Lancasters in den Krieg zu ziehen. So sind die Jahre ihrer zweiten Ehe für Margaret sehr frustrierend: ihr Sohn Henry wächst unter der Obhut ihres Schwagers Jasper Tudor in Wales und später im Exil auf dem europäischen Festland auf, während sie selbst sich vor Eifersucht auf ihre ihrer Meinung nach unwürdige Rivalin Elizabeth Woodville verzehrt. Diese ist schön, führt eine glückliche Ehe und bringt ein Kind nach dem anderen zur Welt. Margaret hat dagegen ihr Leben ganz dem Ehrgeiz für ihren Sohn und ihrer Religion geweiht. Sie führt in ihren Ehen - auch ihr dritter Ehemann Thomas Stanley wird nur aus politischem Kalkül gewählt - ein asketisches Leben. Als nach dem Tode Edwards IV dessen Bruder Richard III die Macht übernimmt, lässt sie keine Gelegenheit aus, gegen den neuen König zu intrigieren. Ihr und ihrem klugen Ehemann, der ein geborener Verschwörer ist und immer zur richtigen Zeit auf der richtigen Seite steht, gelingt es schließlich nach vielen Rückschlägen, ihren Sohn mit auf dem Festland angeworbenen Soldaten zur entscheidenden Schlacht nach England zu bringen.
Margaret Beaufort, hier als Ich-Erzählerin auftretend, die ich aus anderen Quellen als äußerst fromme und gebildete Dame kenne, wird hier nicht sehr sympathisch porträtiert. Die Religion spielt zwar eine große Rolle in ihrem Leben, aber Margaret geht selbstverständlich und unbeirrbar davon aus, dass Gottes Wille mit ihrem eigenen identisch ist und sie ist sehr geltungssüchtig. Um ihre Ziele zu erreichen, geht sie skrupellos vor und schreckt auch an Mordaufträgen zur Beseitigung von (minderjährigen) Thronrivalen nicht zurück. Es ist schwer zu beurteilen, wo sich hier genau Fakten und Fiktion vermengen, die Autorin gibt selbst in ihrem Nachwort an, dass sie Lücken in der Geschichte durch eigene Interpretation ausfüllt.
Wie schon der erste Band "The white queen" liefert auch "The red queen" für den an englischer Geschichte interessierten Leser faszinierende Lesestunden. Ein Stammbaum des englischen Königshauses vorn im Buch erleichtert den Durchblick bei den Verwandtschaftsverhältnissen, dennoch wäre auch hier ein weiteres Personenverzeichnis über die Angehörigen der wichtigsten Adelsfamilien vorteilhaft gewesen. Auch dieses Buch enthält wieder eine umfangreiche Bibliographie zu der von Philippa Gregory konsultierten Literatur.
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