Der Königsfluch von Philippa Gregory

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2014unter dem Titel „The King's Curse“,deutsche Ausgabe erstmals 2015, 784 Seiten.ISBN 3-499-27042-0.Übersetzung ins Deutsche von Anja Schünemann.

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Kurzgefasst:

Einst trug sie ihren Namen mit Stolz. Doch nun meidet Margaret Plantagenet aus dem Hause York jeden Hinweis auf ihre Herkunft ihr Leben wäre sonst nicht sicher. Denn durch Verrat auf dem Schlachtfeld haben die Tudors die englische Krone an sich gerissen und fürchten alles, das an die rechtmäßige Thronfolge unter den Yorks erinnert. Im Haus ihres Gemahls wird Margaret zur Vertrauten der spanischen Prinzessin Katharina von Aragón. Als diese Tudor-König Henry VIII. heiratet, wird Margaret von ihr zur ersten Hofdame ernannt. Ungeduldig wartet Henry auf einen Erben. Aber ein Sohn nach dem anderen stirbt. Sind all seine Nachkommen verflucht? Henrys Großmütigkeit schlägt in Misstrauen um. Auch Margaret muss plötzlich seinen Zorn fürchten. Der geliebte Herrscher wird zum Tyrann, ganz England leidet unter seiner Willkür ...

Das meint Histo-Couch.de: „Die Grande Dame der Plantagenets“95Treffer

Rezension von Annette Gloser

Margaret Pole ist die letzte Prinzessin aus dem Hause Plantagenet. Tochter des verräterischen Duke of Clarence, Überlebende der Rosenkriege, Nichte von Königen, Cousine einer Königin, verheiratet mit einem unbedeutenden Mann. Heinrich VII. hat dafür gesorgt, dass das Haus Plantagenet nie wieder zu seiner alten Bedeutung aufsteigen kann, nie zur Konkurrenz für das Haus Tudor wird. Der Roman über Margaret Pole beginnt im Jahr 1499, kurz nach der Hinrichtung ihres jüngeren Bruders. Zu diesem Zeitpunkt ist Margaret sechsundzwanzig, ihre Cousine Anne ist als Ehefrau Heinrichs VII. Königin von England und Margarets Ehemann ein braver Gefolgsmann der Tudors. Als Erzieherin des Prinzen Arthur hat die junge Frau noch immer eine enge Beziehung zum Königshaus. Aber sie versucht, möglichst unsichtbar und unscheinbar zu sein. Ihren früheren Namen, Margaret Plantagenet, hat sie durch die Heirat abgelegt. Der neue Name, Pole, bietet ihr ebenso Schutz wie ihr Ehemann, der sie liebt und achtet. So hofft Margaret auf ein Überleben, nicht nur für sich selbst sondern für ihre gesamte Familie. Denn es gibt noch viele Plantagenets im England der Tudors, mögliche Thronanwärter, die den Anspruch der Tudors gefährden können.

Und England stöhnt unter der Steuerlast, die Heinrich Tudor dem Volk auferlegt, stöhnt auch unter den Ungerechtigkeiten, die dieser König befiehlt. Man hofft auf Arthur, den zukünftigen König, und man hofft auf die künftige Königin Katharina, jene spanische Prinzessin, die Arthur geheiratet hat. Doch Arthur stirbt bevor er König werden kann. Sein jüngerer Bruder Henry wird Thronfolger und auch er heiratet die spanische Prinzessin Katharina. Margaret liebt Katharina, ist ihr treu ergeben. Immer mehr verbindet sich ihr Leben mit dem der Königsfamilie. Vielleicht hat sich alles zum Guten gewendet? Doch es scheint, als ob ein Fluch über dem Hause Tudor liegt!

Die weibliche Perspektive

Der Königsfluch ist mittlerweile der elfte Roman, den Philippa Gregory über die Frauen der Tudors und Plantagenets schrieb. Jeder einzelne dieser Romane zeichnet sich durch intensive Recherchen und eine sensible Umsetzung der historischen Fakten in die Romanform aus. Und letztendlich ist jeder dieser Romane ein literarisches Denkmal für die Frauen, die zwar von der Geschichtsschreibung gerne übersehen werden, die jedoch in der Geschichte der Rosenkriege und der Tudors eine bedeutsame Rolle gespielt haben. Jeder einzelne Roman widmet sich einer oder zweien dieser Frauen. Dabei ist es unvermeidbar, dass die Protagonistinnen früherer Romane in den neuen Romanen wieder auftauchen.

Philippa Gregory ist es gelungen, hier ein stimmiges Bild zu vermitteln. Die einzelnen Protagonistinnen widersprechen sich nicht. Jede von ihnen hat ihre ganz persönliche Perspektive. Liest man die Romane in historisch korrekter Reihenfolge, so entwickelt sich ein großes Panorama der englischen Geschichte, gefiltert durch das Erleben der Frauen.

Die Autorin  hat ihre eigene Sicht auf die Geschichte und vermag es, diese Sicht auf spannende und unterhaltsame Weise zu vermitteln. So ist auch Der Königsfluch ein zutiefst berührender Roman über eine jener starken Frauen, die inmitten der vergifteten Atmosphäre rund um die Tudors versuchen, am Leben zu bleiben und ihre Bestimmung zu finden.

Festhalten am Leben

Als Leser kann man Margarets Leid über die vielen Toten ihrer Familie mit empfinden, man lernt ihre Vorsicht zu verstehen, begreift auch ihren Stolz. Ohne in Larmoyanz zu verfallen schreibt die Autorin die Geschichte der letzten großen Plantagenet-Dame, fast ein wenig kühl, und doch zutiefst berührend. Philippa Gregory zeigt Margaret Pole als eine Frau, die mit jeder Faser ihres Herzens am Leben hängt, die um ihr Überleben kämpft. Dafür ist sie auch bereit, nach außen hin ihre Ideale aufzugeben, sich zu beugen oder sich von der Öffentlichkeit zurück zu ziehen. Das Überleben, das Festhalten am Leben, ist dabei ihr oberstes Motto. Philippa Gregory dringt tief in die Seelen ihrer Protagonistinnen ein und mit Margaret Pole hat sie einen komplexen, schillernden Charakter erschaffen. Aber auch die anderen Persönlichkeiten, die im Roman agieren, sind ebenso greifbar, farbig, tief und weit entfernt von Schwarzweißmalerei. Man bekommt eine gute Vorstellung davon, wie das Alltagsleben einer hochadeligen Dame damals abgelaufen sein könnte, welche Aufgaben sie hatte, welchen Problemen sie sich stellen musste. Die Autorin hat auch sehr genau dargestellt, welchen Einfluss Margaret Pole als Erzieherin eines Prinzen und einer Prinzessin bei Hofe hatte.

Die einzelnen Kapitel des Romans sind mit Ortsangeben und Jahreszahlen überschrieben, so dass man als Leser immer eine gute Orientierung hat. Und selbst wenn bekannt ist, wie und wann Margarets Leben endete, so ist der Spannungsbogen doch derart intensiv und anhaltend, dass man bis zur letzten Seite mitfiebert und hofft.

Chronik und Portrait

Der Königsfluch gehört unbedingt mit ins Regal zu den anderen Rosen-Romanen von Philippa Gregory. Ist der Roman einerseits das Portrait einer imponierenden Frau, so ist er auch eine Chronik der Schreckensherrschaft Heinrichs VIII. Zwei Landkarten erleichtern dem Leser die räumliche Orientierung, allerdings sind zwei Stammbäume – einer am Beginn und einer am Ende des Romans – wohl noch viel wichtiger, um nicht die Übersicht im komplizierten Geflecht der verwandtschaftlichen Beziehungen der Plantagenets und Tudors, der vielen Henrys, Edwards und Georges zu verlieren. Allerdings muss man auch bei den Stammbäumen ein wenig suchen, denn das Geflecht ist dicht gewoben und die Bindungen der Familien untereinander vielfältig. Empfohlen sei an dieser Stelle auch das Nachwort der Autorin, die dort noch einmal ihre Sicht auf die Geschichte der Tudors darlegt.

Alles in allem ein rundum empfehlenswerter Roman, spannend, intensiv recherchiert und ein literarischer Leckerbissen! Was für ein Glück für den Rowohlt Verlag, dass er diese Autorin unter Vertrag hat!

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