Das Erbe der weißen Rose von Philippa Gregory

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2013unter dem Titel „The White Princess“,deutsche Ausgabe erstmals 2014, 624 Seiten.ISBN nicht vorhanden.Übersetzung ins Deutsche von Elvira Willems.

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Kurzgefasst:

Henry Tudor hat sich nach der siegreichen Schlacht von Bosworth 1485 zum König krönen lassen. Doch der neugewonnene Frieden ist fragil: Um die verfeindeten Häuser York und Lancaster miteinander zu vereinen, heiratet er Elizabeth von York. Die Loyalität der Königin wird auf eine harte Probe gestellt, als ein junger Mann auftaucht und Anspruch auf den Thron erhebt. Elizabeth muss sich entscheiden, wem ihre Treue gilt: ihrem Gemahl, den sie langsam zu lieben lernt, oder dem Mann, der behauptet, ihr Bruder zu sein.

Das meint Histo-Couch.de: „Fünftes, bisher schwächstes Buch aus der Reihe um die Frauen der Rosenkriege“70

Rezension von Daniela Loisl

England 1485. Henry Tudor ist nach der Schlacht von Bosworth endlich König! Richard III. ist tot und Henry VII. heiratet Elisabeth von York, die Richards Geliebte war. Seiner Krone kann Henry sich aber nicht sicher sein, so lange es noch Nachkommen der Yorks gibt, die ihm die Krone streitig machen könnten. Und dann gibt es Gerüchte, dass einer der Prinzen im Tower womöglich noch lebt und eigentlich der rechtmäßige König wäre&

Tochter der Protagonistin des ersten Bandes

Im ersten Band der Reihe Die Königin der weißen Rose erzählt Elisabeth Woodville, die Mutter der Protagonistin dieses Buches, ihre Geschichte und man begleitet diese in ihrer Ehe mit König Edward IV. In diesem, nun bereits fünften Band der Rosenkrieg-Reihe, kommt wieder einiges an Erinnerung zum ersten Band auf, was die Verbindung der Königshäuser York und Lancaster nochmals unterstreicht.

Gregory ist neben einer begnadeten Erzählerin auch eine Autorin, die fundierte Geschichte hervorragend mit Fiktivem zu verbinden versteht. Basiert der Großteil ihrer Romane auf geschichtlich Belegtem, so nimmt sie dieses auch mit auf in Ihre Erzählung, lässt sich aber viel Spielraum, um den Rest mit viel Feingefühl so geschickt zu füllen, dass ein spannendes Buch entsteht.

Bis heute ist nicht nachgewiesen, wie die Prinzen im Tower (die jüngeren Brüder der Protagonistin Elisabeth) wirklich ums Leben kamen und wer letztendlich dafür verantwortlich war. So gesehen sei es der Autorin auch zugestanden, dass sie sich ihre eigenen Gedanken dazu macht und in ihrem Roman die These aufstellt, dass einer von ihnen überlebt haben könnte. Diesen Part stellt Philippa Gregory auch sehr glaubwürdig und nachvollziehbar dar. So ist es nicht verwunderlich, dass König Henry VII. Angst um seinen Thron hat, sollte einer von Elisabeths Brüdern wirklich noch am Leben sein und eines Tages sein Recht auf den Thron einfordern.

Lebt einer der Prinzen noch?

Elisabeth von York war Richards Geliebte, bevor sie Henry heiratete, und sie macht auch kein Hehl daraus, dass sie nur widerwillig in die Ehe eingewilligt hat. Glaubhaft schildert die Autorin, wie sich Elisabeths Abneigung Henry gegenüber schrittweise auflöst und sie ihm langsam immer näher kommt. Die Beziehung des Königspaares und die langsame Entwicklung von Vertrauen und Zuneigung, die stets auch durch die Königsmutter gestört wird, schildert Gregory realistisch und nachvollziehbar. Dass Elisabeth langsam zu durchschauen beginnt, dass ihre Mutter im Hintergrund großen Anteil am politischen Geschehen hatte und für einige wohl nicht so positive Entwicklungen verantwortlich ist, nimmt ebenso viel Platz ein wie der zart beginnende Kampf Henrys gegen seine ziemlich dominante Mutter. Nimmt man hier noch die ständigen politischen Probleme hinzu und das vermeintliche Damoklesschwert das durch einen etwaigen noch lebenden Thronerben über Henrys Kopf schwebt, hinzu, hat man eine spannende und beinah unerschöpfliche Grundlage für einen Roman.

Und immer wieder der Junge

In diesem Band jedoch begeht die Autorin den Fehler, sich allzu sehr auf Spekulationen einzulassen. So stürzt sie ihren Protagonisten in ständige Ängste und Zweifel, die auch beim geneigtesten Leser etwas Unmut hervorrufen. Im Grunde verliert sich die ganze Geschichte darin, dass König Henry stets aufgelöst, mit Wutanfällen und Gehässigkeit reagiert oder sich in Selbstmitleid, Ängsten und völliger Nervosität wiederfindet, wenn wieder einmal von dem Jungen  dem einen vermeintlich noch lebenden Prinzen aus dem Tower  die Rede ist. Und von diesem Jungen ist beinahe ständig die Rede, denn dies ist der eigentlich tragende Teil dieses Romans. Ob der Junge nun wirklich einer der Prinzen aus dem Tower ist oder ein Junge, der von Henrys Gegner als solcher ausgegeben wird, spielt im Grunde keine Rolle, denn es dreht sich eigentlich alles im Kreis.

Für Leser, die die ersten vier Bände gelesen haben, ist natürlich auch dieses Buch ein muss und Gregory bleibt sich im Grunde genommen auch treu. Da man aber um das Eheleben der Protagonisten dieses Romans anscheinend relativ wenig weiß, verheddert sich die Autorin hier in ihren eigenen Schlingen. Zu sehr lässt sie sich ein auf die Spekulation, was aus den Prinzen geworden sein könnte, als sich auf die eigentliche Geschichte zu konzentrieren. Man kann nur hoffen, dass dies ein einmaliger Fallstrick war, den sich Gregory hier gespannt hat, und der Weg demnächst wieder geradeaus führt.

Ihre Meinung zu »Philippa Gregory: Das Erbe der weißen Rose«

lorelei zu »Philippa Gregory: Das Erbe der weißen Rose«25.05.2015
die arme Elizabeth starb mit 32 Jahren im Kindbett und hat gottlob nicht mehr erlebt welches Ungeheuer sie der Welt aufgebürdet hat. Abgesehen davon wage ich zu bezweifeln, dass es jemals zarte Gefühle zwischen ihr und Henry Tudor gab, den sie - zu Recht - als Usurpator ansehen musste, der sie lediglich geheiratet hatte, um seinem kümmerlichen, bzw. überhaupt nicht vorhandenen Thronanspruch einen Hauch Rechtmäßigkeit zu verleihen. Dass er geistig wirklich klar im Kopf war bezweifle ich ebenfalls - seine Großmutter starb in geistiger Umnachtung und seine Mutter war eine bösartige, religiöse Fanatikerin - und er hatte ein weitaus größeres Interesse am Tod der Prinzen als Richard, den zu verunglimpfen die gesamte Tudorsippe nicht müde wurde. Elizabeth war ein armes Opferlamm und wahrscheinlich froh, als sie sterben durfte!
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