Emmas Reise von Petra Oelker

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Emmas Reise“,, 448 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Dreißig lange Jahre währte der große Krieg. In Hamburg – einer Insel der Sicherheit – war man von den Wirren der Zeit verschont geblieben. 1650, als endlich Friede herrscht, begibt sich Emma van Haaren auf die lange Fahrt nach Amsterdam. Dort muss ein Erbe verteilt werden. Doch in der Wildeshauser Geest wird Emmas Kutsche überfallen, ihr Mitreisender fällt Mordbuben zum Opfer. Mit seinem Sohn Valentin gelingt Emma im letzten Moment die Flucht. Eine abenteuerliche Reise durch ein so bedrohliches wie spätsommerschönes Land beginnt. Und beide wissen genau: Sie brauchen einander, wenn sie überleben wollen. Emma und Valentin treffen Freunde und Feinde, überstehen Hunger und Durst, lassen tückische Moore und lichtlose Wälder hinter sich. Aber die mörderischen Reiter aus der Wildeshauser Geest haben nicht aufgegeben. Welches Geheimnis umgibt Valentin? 

Das meint Histo-Couch.de: „Heldin in Hosen auf großer Wanderschaft“62

Rezension von Yvonne Schulze

Im Jahr 1650 erhält die Hamburger Kaufmannstochter Emma van Haaren eine Einladung nach Amsterdam. Ihre Großmutter möchte endlich die Tochter ihres verstorbenen Sohnes kennenlernen und lädt sie zu sich nach Amsterdam ein. Selbst in friedlichen Zeiten wäre eine solche Reise weder einfach noch ungefährlich gewesen, geschweige denn jetzt so kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges. Doch Emma setzt sich durch und so wird ihre Reise sorgfältig geplant, die dann allerdings ganz anders verläuft und recht bald in ein gefährliches Abenteuer mündet. Nach einem Überfall auf die Reisekutsche steht Emma von einer Minute zur anderen vor dem Nichts. Völlig auf sich allein gestellt muss sie nicht nur die Verantwortung für sich selbst, sondern auch für den halbwüchsigen Jungen Valentin übernehmen, der ihr anvertraut wird. Per pedes begeben sie sich die beiden auf den weiten Weg nach Amsterdam. Dabei werden sie von zwielichtigen Männern verfolgt und Emma wird bald klar, dass der Überfall auf die Kutsche nicht das Werk von Wegelagerern war, sondern mit ihr zu tun hat. Petra Oelker greift in ihrem Roman das mittlerweile ziemlich abgegriffene Sujet der tapferen Heldin in Hosen auf, die allerlei Gefahren zu bestehen hat und folgt in der Umsetzung den einschlägigen Handlungsmustern und üblichen Erzählstrukturen, so dass sich ihr Roman in die breite Masse historischer Romane eingliedern lässt, die die ewig gleichen Geschichten erzählen.

Besonderen Charme entwickelt der Roman aber immer dann, wenn die Handlung aus der Perspektive eines jungen Wolfes erzählt wird, der den beiden Wanderern unbemerkt folgt. Diese Passagen geben dem Roman einen dezenten mystischen Touch, ohne jedoch in einen Fantasy-Roman abzudriften. Eine schöne Idee der Autorin, die von ihr auch mit viel Fingerspitzengefühl umgesetzt wurde

Deutliche Tendenz in Richtung Jugendbuch

Der Roman war von der Autorin ursprünglich als Jugendbuch gedacht und so liest er sich weitestgehend auch. Da ist zum einen das sehr junge Alter der beiden Protagonisten, zum anderen ist es auch die Umsetzung selbst, die für ein eher junges Zielpublikum zugeschnitten ist.  

Es ist die Zeit unmittelbar nach dem Dreißigjährigen Krieg. In Petra Oelkers Romanwelt ist es aber erstaunlich friedlich und Emma und ihr halbwüchsiger Begleiter ziehen nahezu unbehelligt durchs Land. Von den noch immer herrschenden chaotischen Zuständen und den Gefahren durch herrenlos gewordene Söldner, die marodierend durch die Lande ziehen, ist kaum etwas zu spüren, denn diese Zustände werden von der Autorin nur sehr rudimentär beschrieben. Die nach wie vor präsenten sozialen Missstände, Hungersnöte, Krankheiten und der tägliche Kampf ums Überleben kommen in der Geschichte kaum zum Tragen. In einem Jugendbuch wäre das mit Rücksicht auf die jungen Leser noch entschuldbar gewesen, auch wenn es heutzutage Jugendbuchautoren gibt, die ihren Lesern mittlerweile weitaus mehr zutrauen. Wenn nicht der eine oder andere berühmte Zeitgenosse jener Tage eine kurze Gastrolle hätte spielen dürfen, hätte man die Handlung des Romans in jede x-beliebige Epoche einordnen können. Warum die Autorin nicht, wie ursprünglich geplant, Emmas Reise konsequent als Jugendbuch geschrieben hat, statt einen mittelprächtigen historischen Roman für Erwachsene daraus zu machen, ist nicht nachzuvollziehen. Ein Gefühl für die Zeit, in der er spielt, vermittelt der Roman nur sehr begrenzt und politische oder gesellschaftliche Ereignisse jener Zeit bleiben nur Marginalie.

Jugendliche Protagonistin ohne Fehl und Tadel

Emma, die ihrer Zeit entsprechend sehr behütet aufgewachsen ist, wirkt zu Beginn des Romans sehr naiv, entwickelt sich aber schnell zur unerschrockenen Heldin. Es hätte eine gelungene Coming-of-Age-Geschichte werden können, wenn die Autorin ihrer Protagonistin mehr Tiefe und Struktur gegeben und ihr nicht den Charakter der unfehlbaren Heldin in Hosen übergestreift hätte, der alles mühelos gelingt und die aus jeder brenzligen Situation unbeschadet herauskommt, wobei mehr als einmal Mr. Zufall helfend eingreifen muss. Die Handlung ist vorhersehbar, denn als Leser weiß man ja von Vornherein, dass, wenn Emma mal wieder in die Bredouille gerät, die Lösung schon hinter der nächsten Ecke wartet.

Trotz der diversen Abenteuer, die Emma und Valentin zu bestehen haben, verläuft die Handlung relativ unspektakulär. Es gibt Passagen, deren Sinn sich nicht erschließt und es werden Handlungsstränge eröffnet, die nicht weiterverfolgt werden und im Sande verlaufen. Es liegt die Vermutung nahe, dass hier mit einer Fortsetzung zu rechnen ist. 

Emmas Reise ist ein unaufgeregter, jedoch etwas farbloser Roman mit einer sympathischen Heldin, mit der man mitleiden und mitfiebern kann und der einen weichgezeichneten Blick in die Vergangenheit wirft. Er lässt sich innerhalb weniger Stunden entspannt durchlesen und unterhält den Leser auf einfache Art, ohne ihn mit komplexen Inhalten und komplizierten Handlungsabläufen zu überfordern.  

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