Der Tod wird euch verschlingen von Peter Tremayne

Buchvorstellungund Rezension

Der Tod wird euch verschlingen von Peter Tremayne

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Penance of the Damned“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 4323 Seiten.ISBN 3-7466-3255-2.Übersetzung ins Deutsche von Otto Brandstädter, Irmhild Brandstädter.

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Kurzgefasst:

Britannien, 671 n. Chr. Als König Colgú von Cashel erfährt, dass sein erster Bischof und Ratgeber Abt Segdaé in Feindesland ermordet wurde, schickt er sofort Fidelma und Eadulf dorthin. Doch man hat den Mörder bereits gefunden und will ihn hinrichten: Gormán, den Chef der königlichen Leibgarde, ein alter Freund der beiden. Es wird nicht leicht, den wahren Mörder und seine Hintermänner zu entlarven und Gormán vor der Hinrichtung zu retten.

Das meint Histo-Couch.de: „Bedrohter Friede“88Treffer

Rezension von Annette Gloser

Man schreibt das Jahr 671 unserer Zeit. König Colgú ringt um Frieden in seinem Königreich Muman im Südwesten Irlands. Vor allem die Uí Fidgente machen ihm den Anspruch auf den Thron streitig. Zwar hat er vor kurzer Zeit erst einen Friedensvertrag mit Fürst Donennach von den Uí Fidgente ausgehandelt, aber nun scheint die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben erneut bedroht. Colgús langjähriger Freund und Berater Abt Ségdae wurde ermordet. Ausgerechnet in Dún Eochair Mháigh, dem Fürstensitz Donennachs, bei einem Treffen mit den höchsten Kirchenvertretern der Uí Fidgente. Colgú entsendet seine Schwester Fidelma nach Dún Eochair Mháigh um den Mord untersuchen zu lassen. Was Colgú und Fidelma jedoch noch nicht wissen: Der Mörder wurde bereits gefasst und verurteilt. Es ist Gormán, der oberste Leibwächter Colgús. Und ein fanatischer Abt fordert seine Bestrafung nach einem in Irland bisher völlig unbekanntem und nie praktizierten Recht, den Pönitenzregeln. Geht es nach Abt Nannid, so wird Gormán sterben. Es sei denn, Fidelma kann seine Unschuld beweisen.

Ein altes Rechtssystem wird bedroht

Wieder einmal schickt Peter Tremayne seine Fidelma in die Spur um für irisches Recht und Gesetz zu kämpfen. Und die Dame macht ihre Sache ganz hervorragend, das muss man ihr lassen. Sie unterwandert die Argumente ihrer Gegner mit Logik und Fakten, verweist auf historische Begebenheiten ebenso wie auf Legenden und hat immer ein passendes lateinisches Zitat in petto. So profitieren alle von Fidelmas enormem Wissen, der unschuldig Angeklagte ebenso wie der Leser, der so ganz nebenbei eine Menge Wissenswertes erfährt. Und Bildung schadet schließlich nie.

Diesmal allerdings hat die taffe Prinzessin es mit einem besonders hartgesottenen und auch ziemlich hinterhältigen Gegner zu tun, der kein geringeres Ziel hat als das alte irische Rechtssystem völlig abzuschaffen und grausame neue Regelungen einzuführen, alles im Namen Gottes und der römischen Kirche. Das fordert Fidelmas rhetorische Fähigkeiten natürlich auf ganzer Linie. Dazu mixt der Autor noch ein paar aufständische Banditen und einen geheimnisvollen Gegner aus der näheren Umgebung des Uí Fidgente-Fürsten. Das sorgt für viel Bewegung im Roman und jede Menge Spannung. Außerdem kennen altgediente Fidelma-Leser natürlich den sympathischen Gormán aus früheren Romanen und bangen um sein Leben. Was wären Fidelmas Abenteuer schließlich ohne ihn? Für Spannung ist also gesorgt und man mag das Buch gar nicht aus der Hand legen, weil man unbedingt wissen möchte, wie es weiter geht.

Kein ganz einfacher Krimi

Auch der Kriminalfall in diesem Buch ist nicht so ganz einfach zu lösen, obwohl gewiefte Krimileser vermutlich ganz schnell wissen werden, wie der Mord im geschlossenen Raum verübt wurde. Die Frage ist aber vor allem, wer hier getötet hat und mit welchem Ziel. Und da hat Tremayne ein höchst interessantes Verwirrspiel konstruiert, mit weitreichenden Folgen für Frieden und gute Beziehungen im Königreich Muman. Dabei stützt er sich auf viele historische Fakten, auch wenn natürlich Fidelma eine Phantasiegestalt ist. Dennoch entwickelt der Autor auch in diesem Roman erneut ein so plastisches Bild vom Leben und den politischen Ereignissen im Muman des 7. Jahrhunderts, dass man als Leser das Gefühl bekommt, es hätte sich alles genau so abgespielt. Das enorme Wissen Tremaynes über irische Geschichte und die vielen kleinen Details, mit denen er seine Fidelma-Romane in einen Hort altirischer Kultur und Lebensphilosophie verwandelt, sind sicher nur die eine Seite der Medaille. Dazu kommt eben auch ein grandioses Schreibtalent, dem lebendige, spannende Geschichten aus der Feder fließen. Und (Vorsicht! Ein Scherz!) vielleicht auch ein ganz klein wenig kriminelle Energie, denn irgendwoher müssen die Ideen für die Kriminalfälle ja kommen.

In Der Tod wird euch verschlingen treten zahlreiche Protagonisten auf, die auch aus früheren Romanen bekannt sind. So werden in diesem Roman Charaktere eher vertieft als neu aufgebaut. Für die „Serientäter“ unter den Lesern ganz sicher erfreulich, aber auch für Neueinsteiger ist das ganz sicher kein Problem.

Für Fidelma ist es nie zu spät!

Der Tod wird euch verschlingen ist Roman Nummer 25 aus der Fidelma-Reihe. Wer bisher Fidelma noch nicht kennt und vielleicht denkt, es lohne sich nicht, so spät erst mit dem Lesen anzufangen, dem sein gesagt: Für Fidelma ist es nie zu spät! Mit diesem Roman kann man ebenso gut in die Serie einsteigen wie mit jedem anderen, aber natürlich macht es noch viel mehr Spaß, wenn man die Romanreihe in chronologischer Reihenfolge liest. Peter Tremayne bietet seinen Lesern eine spannende Geschichte und ebenso spannendes Wissen zur irischen Geschichte. Erfreulich, dass der Aufbau Verlag sein Gestaltungskonzept für die Reihe beibehält. Das hat nicht nur Signalwirkung auf dem überladenen Tisch im Buchladen sondern passt auch wunderbar zum Inhalt der Romane. Gut wäre es, die obligatorische Karte am Anfang des Romans einmal zu ergänzen. Dort fehlen genau jene Orte, die für den aktuellen Roman wichtig wären. Und natürlich soll hier auf das interessante Vorwort des Autors verwiesen werden, der dort noch einmal auf die historischen Fakten eingeht.

Wer noch auf der Suche nach guter Urlaubslektüre ist, der darf getrost zu diesem Histo-Krimi greifen!

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