Unsere wunderbaren Jahre von Peter Prange

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Unsere wunderbaren Jahre“,, 984 Seiten.ISBN 3651025039.

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Kurzgefasst:

Es ist der 20. Juni 1948. Das neue Geld ist da die D-Mark. 40 DM Kopfgeld gibt es für jeden. Für die drei so verschiedenen Schwestern Ruth, Ulla und Gundel, Töchter des geachteten Fabrikanten Wolf in Altena. Für Tommy, den charmanten Improvisateur, für den ehrgeizigen Jung-Kaufmann Benno, für Bernd, dem Sicherheit das Wichtigste ist. Was werden die sechs Freunde mit ihrem Geld beginnen? Welche Träume und Hoffnungen wollen sie damit verwirklichen? Schicksalhaft sind sie alle verbunden – vom Wirtschaftswunder über die Geschäfte zwischen den beiden deutschen Staaten bis zum Begrüßungsgeld nach dem Mauerfall. Sechs Freunde und ihre Familien machen ihren Weg, erleben über drei Generationen die Bundesrepublik der D-Mark – und den Beginn der neuen, europäischen Währung.

Das meint Histo-Couch.de: „Das Fuder ist schwer beladen“80

Rezension von Rita Dell'Agnese

Die alteingesessene Familie Wolf mit ihrer Drahtzieherei gehört kurz nach dem Zweiten Weltkrieg zu den betuchten Leuten in Altena. Die Firma wurde vom umsichtigen Fabrikanten Eduard Wolf neu aufgestellt und hat eine solide Zukunft vor sich. Eine Zukunft, die der Fabrikant gerne in die Hand seiner Töchter geben würde. Doch Ruth, Ulla und Gundel haben andere Träume. Ruth hat sich mit einem Wehrmachts-Soldaten eingelassen, ihn gegen den Willen ihres Vaters geheiratet, hat einen kleinen Sohn und ist erneut schwanger. Sie gilt deshalb als schwarzes Schaf der Familie und ist in der elterlichen Villa nicht mehr willkommen. Ulla möchte studieren, hat sich bereits an der Universität in Tübingen eingeschrieben. Nur Gundel scheint den passenden Schwiegersohn nach Hause zu bringen, um das Unternehmen zu übernehmen. Doch die turbulenten Zeiten nach dem Weltkrieg lassen die Pläne der Wolf-Töchter wie Seifenblasen platzen. Eduard Wolf wird in Untersuchungshaft genommen, weil er mit den Nazi Geschäfte gemacht hatte. Seine Rehabilitierung kommt zu spät – er zieht es vor, sich aus der schmachvollen Situation auf seine Weise zu befreien. Für Ulla heißt das, dass sie ihr Studium aufgeben muss, um in die Firma einzutreten. Denn Gundels Verlobter Benno hat nach einem Fehltritt von ihr das Weite gesucht und will als Schuhverkäufer im Imperium seines Onkels nun Karriere machen. Ullas Verehrer Tommy, dem sie nach einer kurzen, intensiven Beziehung den Laufpass gegeben hatte, zieht sich in den Osten von Deutschland zurück, während Ulla selber eine Zweckehe mit dem missgünstigen Jürgen eingeht. Ruth, inzwischen Witwe, lässt sich mit dem zwielichtigen, aber erfolgreichen Unternehmer Walter Böcker ein. Sie ignoriert dabei erneut die Warnung ihrer Mutter Christel, die Böcker als üblen Menschen brandmarkt und ihre Tochter davor bewahren möchte, von ihm enttäuscht zu werden. Die drei Schwestern erleben in der Nachkriegszeit ein Auf und Ab, müssen viel einstecken und finden doch jede auf ihre Weise einen Platz im Leben.

Eine nicht ganz leicht verdauliche Kost

Peter Prange scheint von den großen Familien-Soaps inspiriert worden zu sein, die in den vergangenen Jahrzehnten ein Millionenpublikum vor den Bildschirm gelockt hatten. Ganz im Stile dieser Soaps baut er das Schicksal der drei Wolf-Töchter auf. Sie erleben schlimme Zeiten, werden immer wieder durch den Allzeit-Bösewicht und Schmuddelfink Walter Böcker ausgebremst und übers Ohr gehauen. Dieses sich wiederholende Muster leiert jedoch recht schnell aus und bremst dadurch den Lesefluss empfindlich. Die Naivität, mit der die Wolf-Schwestern auf die Machenschaften des Alt-Nazis Böcker und seiner Spezies reagieren, trägt viel dazu bei, dass keine der drei Frauen zu einer echten Sympathieträgerin werden kann, mit der man durch die Wirren der Deutschen Nachkriegszeit reisen möchte. Die größte Sympathie mag man hier wohl dem liebenswerten Schlitzohr Tommy entgegen bringen, der ohne Arglist aber mit einer großen Portion Energie seinen Weg durchs Leben sucht. Hier macht Peter Prange wieder etwas gut, was er bei Ruth, Ulla und Gundel verpasst. Um die in geraffter Form präsentierten Ereignisse zu verdauen, wäre es jedoch gut gewesen, sich mit einer der tragenden Figuren identifizieren zu können. So bleibt die servierte Kost etwas schwer verdaulich und manchmal scheint das Fuder etwas gar stark beladen. Peter Prange kommt einem etwas drögen Geschichtsunterricht gefährlich nahe.

Peinliche Selbst-Inszenierung

Die Stärke des Romans ist die Darstellung der rasenden Entwicklung, die die Zeit mit sich bringt und der immer stärker auseinander klaffenden Gesellschaft in der BRD und der DDR. Hier kann Peter Prange eindeutig punkten und einer Generation, die diese Zeit – wenn überhaupt – nur teilweise miterlebt hat, eine wichtige Phase der jüngeren Geschichte näher bringen. Während diese wirklich gelungene und interessante Reflektion dem Roman zu Tiefe verhilft, schwächt ein anderes Detail die Qualität des Romans ab: Die völlig überflüssige und in manchen Bereichen peinliche Selbst-Inszenierung des Autors. Peter Prange baut sich selber in den Roman ein, zunächst als kiffender Revolutionär, später als vom Schriftstellerdasein träumender Unternehmungsberater. Obwohl der vom Autor eingebaute „Peter Prange“ keine ernsthafte Bedeutung für den Romanverlauf hat, taucht er mit einer unangenehmen Penetranz immer wieder als Figur auf – bemüht witzig und augenzwinkernd, was jedoch der Geschichte eher von ihrer Glaubwürdigkeit nimmt, als ihr eine solche gibt. Es mag sein, dass Freunde des Autors herzhaft über dessen Reminiszenzen lachen müssen. Sie hätten dies jedoch auch tun können, hätte der Autor seine Selbstdarstellung namentlich verändert, so dass die Figur einzig für seinen Freundeskreis erkennbar gewesen wäre. Die Peinlichkeit des bemühten Ich war dabei wäre ihm dadurch erspart geblieben.

Kleine Ungenauigkeiten

Dass Peter Prange bei seinem Roman immer mal wieder über Jahreszahlen stolpert, kleine Ungenauigkeiten einbaut und sich auch bei der Figurenzeichnung zu stark von Klischees leiten lässt, mag man ihm angesichts der Komplexität des Romans weitgehend verzeihen. Er leistet mit dem Roman einen gut verständlichen Beitrag an die Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte und macht sichtbar, was für nachfolgende Generationen allzu leicht im Dunkeln bleiben würde. Dafür gebührt ihm durchaus Anerkennung.

Ihre Meinung zu »Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre«

Peter Weißhaupt zu »Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre«11.02.2017
Wer Peter Prange aus den Gymnasiumzeiten Anfang der 70er Jahre kennt, der wird seine Freude an dem Roman haben, der - obwohl fiktiv - sehr viele Bezüge zur eigenen Jugend eines Lesers aus Altena aufweist.
Es zeugt zudem von umfassender Sachkenntnis, das kleine " Kaff" Altena in den Kontext der Deutschen Teilung und Wiedervereinigung in die Dramaturgie der Entwicklung mit einzubeziehen. Dass ihm die namentliche Einarbeitung fast des gesamten Lehrerkollegiums vom damaligen Jungengymnasium gelang, kann sich natürlich nur Insidern erschließen, aber diese werden oft zum Lachen gebracht.
Etwas gedehnt erscheinen auch mir einige überlange Satzkonstruktionen, mit denen denen der historische Kontext vermittelt werden soll. - Trotzdem, sehr empfehlenswert.
Gisela Salice zu »Peter Prange: Unsere wunderbaren Jahre«18.01.2017
Als 76 jährige Leserin, die diese Zeit erlebt hat,
sowohl im Osten als auch im Westen, bin ich
enttäuscht von diesem Roman.
Endlose Sätze, ständige Wiederhohlungen von
Handlungen, ungenaue geschichtliche Daten.
Was die handelden Personen betrifft, kann man nur vermuten,dass der Autor zuviel
Groschenromane gelesen hat.
Nach drei Zentimeter habe ich das Handtuch
geworfen. Schade!
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