Der Kinderpapst von Peter Prange

Buchvorstellungund Rezension

Der Kinderpapst von Peter Prange

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „Der Kinderpapst“,, 608 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

»Der Kinderpapst« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

Kurzgefasst:

Rom, 1032: Gerade zwölf Jahre alt, kommt Benedikt IX. auf den Thron, der jüngste Papst aller Zeiten. Doch die Macht hat einen hohen Preis: Um sie auszuüben, muss er die Liebe seines Lebens opfern. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf. Während er in Blut watet, sehnt sich sein gebrochenes Herz nach Erlösung …Dies ist die Geschichte des wohl rätselhaftesten Papstes in zweitausend Jahren Kirchengeschichte. Sein Name: Benedikt IX. Sein Drama: Als Kind auf den Stuhl Petri erhoben, blieb ihm die Liebe versagt, der sein ganzes Leben galt. Unter der Bürde, Stellvertreter Christi zu sein, wurde er zum Teufel in Menschengestalt. Dreimal vom Papstthron verjagt, ging er über Leichen, um die Herrschaft wieder an sich zu reißen. Doch so entsetzlich seine Taten scheinen, war sein Leben in Wahrheit ein einziger Schrei nach Gott, Ausdruck seiner verzweifelten Hoffnung, dass der Schöpfer aus dem Dunkel seines Schweigens trete. Dabei stand Gott dem Verzweifelten zeit seines Lebens vor Augen, in Gestalt der Liebe – in Gestalt jener Frau, nach der sein Herz sich von allem Anfang an verzehrte …

Das meint Histo-Couch.de: „Eine spannende und vor allem wahre Geschichtsstunde“95Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

Teofilo di Tuscolo, Sproß der mächtigen Familie der Tuskulaner, wird zum Papst gewählt! Man schreibt das Jahr 1032, und Teofilo ist erst zwölf Jahre alt! Nachdem sein Vorgänger und Onkel, Papst Johannes XIX., das Zeitliche gesegnet hat, hieven ihn seine machtgierige Mutter Ermilina und Pater Giovanni Graziano mit Hilfe weiterer mächtiger Familien auf den Papstthron. Doch Teofilo, der sich nun Benedikt IX. nennt, musste dafür die Liebe seines Lebens opfern – Chiara di Sasso, die er in zwei Jahren hätte heiraten wollen und sollen.

Doch nicht nur in Roms Familien hat Benedikt Feinde, auch in der eigenen Familie ist man ihm nicht nur wohlgesonnen. Sein ältester Bruder Gregorio ist neidisch auf seinen jüngsten Bruder, und auch, als er für Benedikt arbeitet, ist seine Loyalität ungewiss. Währenddessen machen die Bischöfe und Kardinäle mit dem jungen Papst, was sie wollen und nutzen ihn schamlos aus. So wird Benedikt schließlich mit der Zeit zu einem brutalen Monster, der sein Volk ausnutzt und nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Und stets wartet er auf ein Zeichen Gottes, der ihm seinen Weg weisen soll, doch nichts geschieht. Und immer wieder begegnet er Chiara, die inzwischen verheiratet ist.

Als er bereit ist, vom Papstthron zurückzutreten, finden sich auf einmal zwei weitere Päpste, und so ist es ein Schisma. Erst Kaiser Konrad kann das Schisma lösen und Benedikt wird wieder Papst. Doch er ist des Papsttums müde und wird wieder einen Nachfolger bekommen. Doch lohnt sich der Papstkrone, wenn man sich nicht sicher ist, ob die Geliebte immer noch die Geliebte ist? Benedikt riskiert alles – mit ungewissem Ausgang …

Mit zwölf Jahren zum Papst gewählt

Peter Prange hat mit Der Kinderpapst einen Roman geschrieben, dessen Grundgerüst tatsächlich so passiert ist. Benedikt IX. wurde tatsächlich im Alter von zwölf Jahren inthronisiert, und sein Pontifikat gilt mit als das grausamste in der Geschichte der Päpste. Dabei hat er tatsächlich fünf seiner Nachfolger im Amt erlebt, was in heutigen Dimensionen unvorstellbar ist. Diese Geschichte schreit förmlich nach einem Roman, und Prange hat den Schrei gehört und in einen spannenden, mitreißenden und ergreifenden Roman verpackt.

Von der ersten Seite an, einer Rahmengeschichte um die Frage einer möglichen Seligsprechung Benedikts IX., zieht Prange den Leser in seinen Bann und entwickelt eine Geschichte um Macht, Gier und Positionen innerhalb der Kirche. Teofilo wird von seiner Mutter auf den Papstthron gehievt, nachdem sie scheinbar ein Zeichen Gottes gesehen hat, dass er mit Teofilo viel vor hat, und auf dieses Zeichen wird Teofilo selbst sehr lange warten und daran verzweifeln. Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, dass Geld und Macht das Sagen im Vatikan haben, und dass es nicht so sehr um den Glauben geht, sondern um Geld und Korruption. Kein Wunder, dass, wenn sich Theophilos Grausamkeit zu legen scheint, manche das nicht glauben können:

 

„Teofilo?“ Gregorio verdrehte die Augen. „Er ist in der Kapelle – beten!“

„Hat Euer Bruder den Verstand verloren?“, fragte Bonifacio. Dann brach er in polterndes Gelächter aus. „Ein Papst, der betet! Das glaubt uns kein Mensch!“

 

Prange schafft es, den Leser in die Zeit kurz nach der Jahrtausendwende zu entführen und ihm die Machenschaften in Rom zu verdeutlichen. Welche Familie mit welcher paktiert und wer mit oder gegen wen warum agiert, das wird klar und verständlich dargestellt, und glücklicherweise werden ist der Roman auch nicht mit Unwichtigkeiten überfrachtet. Die Erzählung geht geradeaus, und trotzdem wird eine passende mittelalterliche Stimmung erzeugt, die den Leser seine Romanhelden aus Fleisch und Blut erleben lässt, mit Ecken und Kanten und nicht immer sympathisch. Hier gibt es kein schwarz-weiß, jeder hat seine Macken, und das macht den Roman zu einer realistischen und bunten Geschichtsstunde.

Hervorragendes Personal

Im Mittelpunkt steht natürlich Teofilo, der zu Beginn mit seiner Papstbürde naturgemäß überfordert ist, und als er selbst Ideen einbringen will, wird er vom Kardinalskollegium ausgelacht. So beginnt er schon früh an seiner Mission zu zweifeln, immer im Hinterkopf, dass er seine Geliebte Chiara nie heiraten darf. Chiara hingegen, weiß ebenfalls nicht, was sie von Benedikt halten soll. Zwar hat sie einen anderen geheiratet, doch spukt Teofilo immer noch in ihrem Kopf herum. Zwar meistert sie ihr Leben unabhängig von ihm besser, als er es tut, doch als sie erkennt, wie grausam sich Teofilo als Papst entwickelt, schliesst sie mit ihm ab – doch kann man das so einfach? Es ist ein spannende Konstellation, die sich hier bietet, und der Leser hat daran immer Teil und leidet mit beiden mit und fragt sich, ob sie sich am Ende vielleicht doch kriegen – oder nicht?

Weitere Konstellationen bilden den ordentlichen Geschmack in Pranges Roman. Da ist Teofilos älterer Bruder Gregorio, der zwar übergangen wurde, als es um den Nachfolger seines Onkels ging, nun aber für seinen Bruder arbeitet und so zumindest an der Macht teilhat. Doch kann sich bei ihm nie sicher sein. Da ist weiterhin Petrus da Silva, Kanzler des Papstes, nur auf den Ruf und den Ruhm der Kirche bedacht und somit prädestiniert als der „Böse“, der im Hintergrund die Fäden zieht – natürlich nur zum Wohl der Kirche. Teofilos Mutter Ermilina zieht ebenfalls Fäden im Hintergrund, wenn auch andere als da Silva, und dann gibt es da noch Kaiser Konrad, Gegenpäpste, Patrizierfamilien und weitere Feinde, die man hat, und wenn man sie nicht hat, ist es ein leichtes, sie sich zu machen. Als Papst mit Schulden beim Volk und weiteren Erpressungen und Steuererhebungen ist man nicht beliebt, aber Macht bleibt Macht.

Spannend und fesselnd

Prange gelingt es, die wenigen historischen Fakten mit seiner fiktiven Handlung sinnvoll miteinander zu verweben und somit kann sein Versuch, Licht ins mittelalterliche Dunkel zu bringen, als mehr als gelungen bezeichnet werden. Ob es so war, wird man nie erfahren, denn die Figur der Chiara ist erfunden, die meisten anderen allerdings nicht. Pranges Version macht Sinn und ist spannend und dürfte beim Leser für spannende und fesselnde Lesestunden sorgen – zu Recht.

Der Roman von fast 600 Seiten wird ergänzt durch ein interessantes Nachwort und einer Zusammenfassung der Fakten, die man von Benedikt IX. kennt. Erst hier erkennt man, dass die besten Geschichten doch das Leben selbst schreibt, denn auf so manche Idee würde man vielleicht selbst nicht kommen. Peter Pranges Romans „Der Kinderpapst“ ist eine dringende Leseempfehlung an alle, die einen vielschichtigen, spannenden und zugleich lehrreichen Roman mögen, gespickt mit Intrigen in der Kirche, einer tragischen Liebesgeschichte, Familienverwicklungen und die somit eine formidable Geschichtsstunde erleben können. Unbedingt weiter zu empfehlen.

Ihre Meinung zu »Peter Prange: Der Kinderpapst«

€nigma zu »Peter Prange: Der Kinderpapst«05.06.2013
Zum Inhalt

Dieser Roman beschäftigt sich mit dem Leben des Theophylakt III von Tusculum, besser bekannt als Papst Benedikt IX , der im 11. Jahrhundert der wohl jüngste Papst der Geschichte war und dieses Amt mehrfach innehatte. Benedikt stammte aus dem römischen Patriziergeschlecht der Tuskulaner. Diese Familie hatte seit dem 10.Jahrhundert bereits mehrere Päpste gestellt, die beiden letzten Vorgänger waren seine Onkel. Als sein Vorgänger starb, wurde der (vermutlich) erst zwölfjährige Theophylakt, im Buch "Teofilo di Tusculo" genannt, gegen seinen Willen auf den Papstthron erhoben, denn seine Familie wollte ihre Macht und ihren Einfluss nicht an eine der anderen führenden und rivalisierenden Familien Roms verlieren. Nicht nur sein Vater Alberico III, Graf von Tuskulum, und seine älteren Brüder, die selbst von ihren intellektuellen Gaben und ihrer Bildung nicht für das Amt geeignet waren, wollten Teofilo zum Papst machen, auch - und vor allem - seine Mutter Ermilina war davon überzeugt, dass ihr Jüngster von Gott zu etwas Besonderem auserwählt sei und setzte sich rücksichtslos über die Wünsche ihres Sohnes, der mit seiner Jugendliebe und schon lange designierten Braut Chiara di Sasso ein "normales" Leben führen wollte, hinweg. Das Papsttum hatte im 11. Jahrhundert wenig mit Glauben und viel mit politischer Macht und persönlicher Bereicherung zu tun. Dementsprechend wurde das Kind auf dem Papstthron zum Spielball seiner Familie und der Politik des einflussreichen vatikanischen Kanzlers Petrus da Silva. Benedikts zaghafte Versuche einer Kurienreform wurden von den Kardinälen abgeschmettert. Als es in Rom zu Seuchen und Hungersnöten kam, wurde Benedikt für das Elend der Bevölkerung verantwortlich gemacht. Attentate auf ihn schlugen fehl, aber er wurde zwei Mal von Aufständischen aus Rom vertrieben, zeitweilig gab es sogar zwei Gegenpäpste (Schisma).
Im Roman wird Benedikts Leben zeitweilig als ein einziger Aufschrei nach dem ihm verborgenen Gott gedeutet. Von seiner großen Liebe getrennt und als Papst für Missstände geschmäht, die er ursächlich nicht zu verantworten hat, gibt er sich dem Trunk und der Hurerei hin, um Gott zu einer Reaktion zu provozieren...

Beurteilung

Der Prolog spielt im Jahr 1981 auf einer Synode zur Beantragung von Selig- und Heiligsprechungen Verstorbener durch die Kardinäle. Ein Mitglied schlägt den verrufenen "Kinderpapst" Benedikt IX zur Seligsprechung vor, da Benedikt durch seine Untaten wie Judas Ischarioth dennoch am Heilsplan Gottes mitgewirkt habe: erst durch Übel und Verrat habe es einen Ausweg aus Dunkelheit und Chaos geben können... Die anderen Kardinäle sind entsetzt und Monsignore Silvretta, der Ich-Erzähler der (kurzen) Rahmenhandlung, wird beauftragt, uralte Dokumente aus dem Leben Benedikts zu prüfen.
Im Hauptteil wird dem Leser das Leben Teofilos/Benedikts als Erzählung in der dritten Person präsentiert, wobei abwechselnd über Teofilo und die Geschichte seiner Ex-Verlobten Chiara berichtet wird. Dabei werden die aus Benedikts Leben historisch verbürgten Tatsachen in den gut recherchierten Roman eingewoben. Im Nachwort äußert sich der Autor zu "Wahrheit und Dichtung", daraus wird ersichtlich, dass er sich sehr intensiv mit der Geschichte des Papsttums und seiner Verflechtung mit dem Kaisertum im 11. Jahrhundert beschäftigt hat.
Der Sprachstil ist anschaulich, manchmal auch etwas derb (der ungehobelte Umgangston von Teofilos "bildungsfernem" Bruder Gregorio) und etwas zu detailliert (unappetitliche Einzelheiten über die verfaulten Zähne des Kanzlers und die Akne eines weiteren Tuskulanerbruders).

Im Zentrum des Romans - und diesem auch als Zitat vorangestellt - steht die Aussage des gerade zurückgetretenen Papstes Benedikt XVI "Deus caritas est." ("Gott ist die Liebe.") Unterscheidet die katholische Kirche zwischen "begehrender Liebe" und "schenkender Liebe", so vermittelt der Roman anhand von Teofilos/Benedikts Leben die Botschaft, dass diese beiden Bestandteile der Liebe zusammengehören und quasi göttliche Wunder zu bewirken vermögen.

Fazit

"Der Kinderpapst" ist ein informativer, anspruchsvoller und dabei doch flüssig lesbarer Roman über das mittelalterliche Papsttum, den ich kirchengeschichtlich interessierten Lesern gern empfehlen möchte.
mabuerele zu »Peter Prange: Der Kinderpapst«30.11.2012
Im Jahre 1021 wird Teofilo als vierter Sohn des Grafen von Tuskulum geboren.
Der aufgeweckte Junge wird von dem Einsiedler Giovanni Graziano in der Religion unterrichtet. Er ist intelligenter als seine älteren Geschwister. Besonders von seiner Mutter wird er den anderen vorgezogen. Dereinst soll er Chiara di Sasso heiraten. Die Kinder verbringen viel Zeit miteinander.
Im Jahre 1033 stirbt Papst Johannes, ein Onkel Teofilos. Das Geschacher um den Posten beginnt. Um die Papstwürde in der Hand des Hauses Tuskulum zu behalten, wird der 12jährige Teofilo auf den Thron gesetzt. Von einem Augenblick zum anderen ändert sich sein Leben völlig. Er wird als Papst Benedikt IX. in die Geschichte eingehen.
Die wenigen Fakten, die über diesen Papst bekannt sind, hat der Autor zu einem spannenden Stück Kirchengeschichte verarbeitet. Dabei ist es ihm gelungen, die handelnden Personen sehr vielschichtig darzustellen. Sie zeigen Stärken und Schwächen, mehr oder weniger - je nach Charakter.
Im Mittelpunkt stehen neben Teofilo und seiner Familie Chiara und Petrus da Silva.
Letztere ist die graue Eminenz im Hintergrund. Er zieht die Fäden. Aufstieg und Fall des Papstes liegen in seiner Hand. Für mich war er eine der interessantesten Personen des Romans. Trotz seiner Fehler und Ränkespiele musste ich ihn für seine Haltung am Ende des Romans Achtung zollen.
Chiara heiratet aus politischen Gründen Dominico. Ihr Gatte liebt sie, kämpft um sie und gibt ihr die Möglichkeit, durch ihre Wohltätigkeit Leid und Armut zu lindern. Chiara und ihre Freundin und Vertraute Anna bilden einen wohltuenden Gegensatz zu den herrschenden Männern.
Das Kind auf den Thron des Papstes wird zum Spielball des Adels. Erstes Aufbegehren wird im Keime erstickt. Ersatzbefriedigungen sind die Folge. Dem Autor ist es sehr gut gelungen, die Entwicklung von Teofilo, seine inneren Kämpfe und Abstürze darzustellen. Im Gezerre um Macht und Besitz geht zuerst die Menschlichkeit verloren. Teofilos innere Zerrissenheit ist eine Folge der Verhältnisse.
Sehr gelungen finde ich die Rahmenhandlung mit der überraschenden, aber logisch nachvollziehbaren Entscheidung am Schluss des Buches.
Der Roman lässt sich zügig lesen. Der Autor befleißigt sich einer sehr offenen, freizügigen Sprache. Diese Sprache muss man nicht mögen, sie passt aber zu den Verhältnissen im Rom in der Zeit der Handlung. Gut gefallen hat mir das Nachwort, das auf die historischen Fakten verweist.
Das Cover in kräftigen Rot weist auf das Problem der Handlung hin. Ein großer Titel, in Gold hervorgehoben, für einen kleinen Papst am unteren Rand.
Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Dazu hat auch beigetragen, dass der Autor nicht nur ein Stück Geschichte erzählt, sondern die Motive und Ursachen menschlicher Verhaltensweisen hinterfragt.
Bratmax zu »Peter Prange: Der Kinderpapst«12.09.2012
Mit seinem neuen Roman entführt der Autor den Leser in das Rom des frühen 11. Jahrhunderts.

Der Roman beginnt im 20.Jahrhundert. In der Päpstlichen Kongregation für Selig-und Heiligsprechung kommt der Vorschlag auf, Benedikt IX selig zu sprechen, zur großen Überraschung aller Anwesenden, ist die Amtszeit Benedikts IX doch durch großes Blutvergießen gekennzeichnet.

Die Haupthandlung erzählt von Benedikts Werdegang, wie er dem Einfluss seiner Familie ausgesetzt war, man erfährt von den Machtkämpfen zwischen den römischen Adelsfamilien und den Intrigen der Kurie. Der Schwerpunkt liegt allerdings auf den Gefühlen des "Kinderpapstes" und seiner verhinderten Liebe zu seiner Kusine.

Peter Prange beschreibt fenomenal die Gefühlswelt des Jungen, der aus machtpolitischen Interessen zum Papst gemacht wird - mit 12 Jahren. Der Autor schildert die Widersprüche des Papstes, dessen Regentschaft heute als blutig und grausam gilt. Wie ist aus dem Jungen ein Gewaltherrscher geworden? Auch die Nebenfiguren sind nicht einfach schwarz-weiß. Allerdings besteht der Großteil des Personals aus Unsympathen.

Vor dem Auge des Lesers entsteht ein eindrucksvolles Bild Roms im Mittelalter, einer Stadt der Extreme. Die einfache Bevölkerung hungert, während die Kirchenfürsten verschwenderisch leben.

Der historische Hintergrund des Romans ist sehr gut erklärt. Die politischen Verhältnisse zwischen Kirche und König sowie der römischen Adelsfamilien untereinander werden dem Leser verständlich erläutert. Trotz der vielen Intrigen und Bündnisse verliert der Leser nie den Überblick, ein Personenverzeichnis ist also nicht zwingend notwendig.

FAZIT: Mit DER KINDERPAPST ist Peter Prange ein hervorragender Roman gelungen, der sich vorallem durch die differenzierte Darstellung der Personen auszeichnet.
100°
Ihr Kommentar zu Der Kinderpapst

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.