Kohle, Karnickel und ein Koffer voller Geld von Peter Kersken

Buchvorstellungund Rezension

Kohle, Karnickel und ein Koffer voller Geld von Peter Kersken

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Kohle, Karnickel und ein Koffer voller Geld“,, 272 Seiten.ISBN nicht vorhanden.

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Kurzgefasst:

Juli 1952. Die Förderräder drehen sich wieder, die Schlote rauchen. Der junge Journalist Hermann Leschinski ist in diesem heißen Sommer jeden Tag mit seinem Moped im Kohlenpott unterwegs. Als er von den sechzigtausend Mark erfährt, die angeblich in einem Pappkoffer am Ruhrufer gefunden wurden, vermutet er ein Verbrechen hinter der Geschichte. Doch erst ein Mord im Essener Gruga-Park und sein Besuch in einer Duisburger Zechensiedlung bringen ihn auf die richtige Fährte ...

Das meint Histo-Couch.de: „Lebendige Zeitreise ins aufstrebende Ruhrgebiet“75

Rezension von Jörg Kijanski

Juli 1952: Hermann Leschinski, 21 Jahre jung, erhält einen Job als Journalist bei der Ruhr-Post. Dort wechselt Horst Brömmel zur Zentrale nach Essen, wo er mit einem neuen Format, den „bunten Seiten“, auf Leserfang gehen soll. Früh entdeckt Brömmel die Qualitäten Hermanns und wird dessen Mentor. Auf der Suche nach einem geeigneten Bericht stoßen die beiden Reporter auf eine Polizeimeldung. Am Ufer der Ruhr wurde vor rund einem Jahr ein Pappkoffer mit wertvollem Inhalt gefunden, der in Kürze an den Finder übergeben wird, sofern sich nicht der rechtmäßige Besitzer meldet. Kein Wort zum Fundort, kein Wort zum Inhalt, Hermanns Neugier ist geweckt. Von einem ihm bekannten Polizisten erfährt er, dass in dem Koffer rund sechzigtausend Mark steckten. Aber warum hat sich der Besitzer bis heute nicht gemeldet, wer würde so viel Geld einfach aufgeben? So erscheint der Finder des Geldes verdächtig, selber mit dem dubiosen Fund in Verbindung zu stehen. Womöglich Geldwäsche? Doch die Ermittlungen der Polizei ergaben kein Delikt, dem ein derart hoher Betrag zuzuordnen wäre …

Noch trinken viele Menschen Muckefuck statt Bohnenkaffee

Der Romantitel Kohle, Karnickel und ein Koffer voller Geld mag grenzwertig sein, der Inhalt jedoch überzeugt, sofern man sich für die Geschichte des Ruhrgebietes interessiert oder zurückblicken möchte, wie es in Deutschland, wenige Jahre nach Kriegsende, aussah. Hermanns Eltern starben während der letzten Kriegsjahre, geblieben sind nur die Großeltern, bei denen er wohnt. Die Gespräche mit Oma und Opa Leschinski finden im klassischen Platt statt, sind somit nicht nur besonders authentisch, sondern auch amüsant zu lesen. Inhaltlich geht es jedoch hauptsächlich um banale, alltägliche Dinge. Nach jahrelanger Maloche unter Tage, ist der leicht zum Nörgeln neigende Opa nun mit seinem Garten und seinen Tieren beschäftigt. Er versinnbildlicht die Einstellungen des „kleinen Mannes“ jener Tage, in denen es nach und nach endlich wieder aufwärts geht.

„Aber das ist unmöglich.“

„Was ist unmöglich?“

„So viel Geld kann man nicht finden, weil kein Mensch so viel Geld verliert. Das gibt es einfach nicht.“

„Und wenn so etwas höchst Unwahrscheinliches doch mal passieren würde, dann würde der Besitzer des Koffers mit Sicherheit alles dransetzen, sein Vermögen so schnell wie möglich zurückzubekommen.“

Noch ist längst nicht alles wieder gut. Die Erinnerungen an die schrecklichen Kriegserlebnisse, das zunehmende Erkennen, was damals alles schief gegangen ist und wie man selber irrte, setzt den Menschen immer noch zu. Etliche Häuser sind mehr Ruinen als bewohnbar, stattdessen kommen zusätzlich noch Vertriebene und verschärfen die Situation. Trotzdem geht es den meisten Menschen wieder besser. Ab und an kann man sich Bohnenkaffee leisten, wenngleich ein Pfund sechzehn Mark kostet und damit dem Tageslohn eines Bergmanns entspricht. Der gefühlte Wohlstand steigt dennoch, da man neuerdings mit Rabattzahlungen einkaufen kann. Damit einhergehend steigt allerdings auch die Verschuldung viele Menschen.

„Die drei toten Kühe in Holten waren ein alarmierender Hinweis darauf, dass die unmittelbare Nachbarschaft von Landwirtschaft und Industrie im Ruhrgebiet höchst problematisch war. Bauernhöfe mit großen Getreidefeldern und weitläufigen Weideflächen gab es noch in allen Revierstädten. Die Landwirte, die im Schatten von Fördertürmen und Hochöfen ihre Äcker bestellten, und die Kuhherden, die vor qualmenden Schloten und Kühltürmen weideten, gehörten damals zum alltäglichen Leben an der Ruhr.

Die Frage, welche Gefahren dieses Nebeneinander barg, stellte zu Beginn der fünfziger Jahre noch niemand. Endlich wurden wieder alle satt. Das war etwas, wovon die Menschen jahrelang geträumt hatten. Niemand war damals bereit, ein Haar in der Suppe zu suchen, auf der endlich wieder Fettaugen schwammen.“

Kohle, Karnickel und ein Koffer voller Geld ist eine kurzweilige Reise in die 1950er Jahre, in der ein Krimiplot eingebaut ist. Drei Freunde kamen einst zu viel Geld, doch zwei starben. Einer wird sogar erst nach Hermanns Artikel über den Kofferfund im Gruga-Park ermordet. Die Einblicke in die Arbeit der Journalisten, die im Juni 1952 ernsthafte Konkurrenz durch ein neues Blatt mit bis dahin ungewohnt sensationslüsterner Aufmachung erhalten, wird eingehend beschrieben. Diese und die Einblicke in die damalige Zeit machen den besonderen Reiz dieses kurzweiligen Romans aus. 

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