Die Brunnenmeisterin von Peter Dempf

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Die Brunnenmeisterin“,, 464 Seiten.ISBN 3-404-17388-0.

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Kurzgefasst:

Augsburg, 1515: Nach dem Tod ihres Mannes führt Julia dessen Arbeit als Brunnenmeister fort. Doch der Zunftobere will die Wasserversorgung der Stadt nicht in den Händen einer Frau belassen. Ohne Mitleid stellt er sie vor ein Ultimatum: Entweder heiratet sie wieder, oder sie verliert Stand und Haus. Fieberhaft sucht Julia nach einem Ausweg – und findet Hinweise auf eine Verschwörung, die bis in die obersten Kreise der Stadt reicht. Kann sie dieses Wissen nutzen, um ihre Freiheit zu erkaufen? Oder bringt sie sich damit erst recht in Gefahr?

Das meint Histo-Couch.de: „Augsburger Handwerksroman ohne großartige Höhen“78

Rezension von aho

1515 stirbt der Brunnenmeister von Augsburg bei einem tragischen Unfall. Von nun an leitet dessen Witwe Julia Löscher mit ihren Gesellen und Lehrbuben die Geschicke der Brunnenmeisterei. Doch nach einer angemessenen Trauerzeit weist der Rat und die Zunft die junge Löscherin darauf hin, da sie als Frau dieses Amt nicht ausüben darf. Sie soll sich schnellstens wieder verheiraten und Augsburg so zu einem geeigneten Brunnenmeister verhelfen. Sollte sie das nicht tun, wird sie zwangsverheiratet. Und zwar mit dem Zimmerersohn des Zunftoberen, Hannes Neumiller. Dieser ist eher ein zwielichtiger Taugenichts und Julia gänzlich unsympathisch. Doch sollte sie sich widersetzen, müsste sie mit ihrem Vater, dem früheren mittlerweile blinden Brunnenmeister, ihr Zuhause verlassen.

Mutig stellt Julia sich gegen die Zunft und kämpft gegen deren Erlass an. Doch ständig passieren Unglücke, die Julia das Leben schwer machen und ihre Arbeit als weibliche Brunnenmeisterin in Frage stellen. Vergeblich versucht sie ihren schüchternen Altgesellen zu animieren, ihr einen Heiratsantrag zu machen und so die Ehe mit dem geckenhaften Hannes Neumiller zu verhindern.

Und als ob die Probleme noch nicht genug wären, findet sie im Brunnenmeisterhaus das Versteck wertvoller Kostbarkeiten. Außerdem findet sie heraus, dass einige reiche Patrizier über illegale Wasserleitungen verfügen. Kann es sein, dass sich ihr ehrbarer verstorbener Mann Purkhardt Löscher bestechen ließ? Während sie fest entschlossen ist, das ungeheuerliche Unrecht aufzuklären begibt sie sich in größte Gefahr. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt. So kämpft sie einerseits gegen den mächtigen Rat Augsburgs an und gegen diejenigen, die illegale Geschäfte mit dem Augsburger Wasserleitungen betreiben. Alles ist höchst mysteriös und Julia ahnt nicht wer ihre Feinde sind …

Detaillierte Einblicke in das Handwerk der Brunnenmeisterei

Mit Die Brunnenmeisterin liefert Peter Dempf wieder einen historischen Roman aus der mächtigen Stadt Augsburg. Diesmal geht es allerdings nicht wie meist um Handel oder die Fugger.

Dieser Roman dreht sich um das Geschick der Brunnenmeisterei. Sehr detailliert erhält der Leser einen Einblick, wie kompliziert und andererseits durchdacht der Bau von Wasserturm und zugehörigen Leitungen der damaligen Zeit war. Dem Leser wird deutlich vermittelt, dass es nicht wie heute selbstverständlich war, frei über Wasser zu verfügen.

Zu Beginn der Geschichte ist es durchaus interessant mehr über dieses Phänomen der früheren Zeit zu erfahren. Allerdings geht der Autor im Laufe des Buches immer wieder sehr detailliert auf die baulichen Begebenheiten und Funktionen ein. Das führt leider zu unnötigen Längen, die der Handlung die Spannung nehmen. Man bekommt als Leser viele Details, die eher langweilen und das Buch in die Länge ziehen.

Auch die Stadt Augsburg wird überaus deutlich beschrieben. Es ist für den Leser zwar schön, wenn man die Szenerie ausführlich aufgezeigt bekommt, aber da jeder Gang der Protagonisten durch Augsburg ausführlichst beschrieben wird, neigt der Leser auch hier dazu die Ausführungen mehr gelangweilt als spannungsgeladen zu überlesen.

Spannung kommt leider zu kurz

Die Anzahl der Hauptfiguren ist überschaubar und deren Darstellung gelungen. Da ist die junge Witwe Julia Löscher. Dargestellt als junge hübsche Frau, wird doch schnell klar, dass sie, obwohl sie eine Frau ist, doch ein zäher und den Männern ebenbürtiger Gegner ist. Sie hat einzig ihren Vater hinter sich. Doch der alte blinde Mann kann ihr nicht viel Unterstützung geben. Trotzdem ist der kauzige Alte ein rechtes Schlitzohr, dem der Leser recht gewogen ist. Dennoch kämpft sie verbissen für ihr Recht. Sie gibt nie auf. Diese Tatsache fordert dem Leser großen Respekt für die junge Frau ab und man steht als Beobachter des Ganzen absolut hinter ihr.

Die Patrizier und Zunftmitglieder stellen perfekt die Einstellung damaliger Zeit vor. Frauen zählen nichts und haben sich dem Willen der Männer zu fügen. Allen voran das Vater-Sohn-Gespann Neumiller. Während man mit dem Zunftoberen Mathias im Laufe des Romans fast schon Mitleid bekommt, entwickelt der Leser gegen dessen Sohn immer größere Abneigung. Auch das anfängliche Mitleid, das man mit der jungen Magd Marie empfindet, schlägt im Laufe des Romans eher ins Gegenteil um.

Das Personenregister am Romanende ist nett, aber wäre bei der überschaubaren Anzahl der Figuren nicht zwingend nötig gewesen. Hilfreich dagegen aber ist das Glossar mit den Worterklärungen am Ende. Die Covergestaltung ist Bastei Lübbe sehr gelungen.

Das Thema des Romans ist durchaus interessant. Leider gehen die zu ausführlichen Erklärungen zulasten der Spannung. Eine einmalige Konstruktionserklärung hätte durchaus gereicht, zumal der Leser auf der Inneseite des Buches eine sehr hilfreiche Skizze über den Aufbau des Augsburger Wasserwerkes von 1515 findet. Dafür wäre es schöner, wenn der Roman vom Spannungsbogen etwas eher Fahrt aufgenommen hätte, das gelingt Peter Dempf erst gegen Ende des Buches.

Ihre Meinung zu »Peter Dempf: Die Brunnenmeisterin«

anazimmi zu »Peter Dempf: Die Brunnenmeisterin«02.01.2017
Nachdem ich die Bewertung von Oli gelesen hatte, musste ich das Buch unbedingt erwerben, denn mich schreckt so leicht keine Tür, die ins Haus zu fallen droht. Auch brauche ich keine "Kurzwelle", wie er schreibt, um Lesespaß zu empfinden. Man schenke ihm vor allem zur Beglückung der Leser seiner Kommentare ein paar Kommas, nach Belieben einzustreuen.
Oli Fred zu »Peter Dempf: Die Brunnenmeisterin«18.09.2016
Nachdem ich die Bewertung gesehen hatte war ich sehr gespannt auf dieses Werk. Um mit der Tür ins Haus zu fallen war ich zutiefst enttäuscht. Von Beginn an wird versucht eine künstliche Spannung zu erzeugen welche sich dem normal intellektuellen Leser nicht eröffnet. In einem sehr zähen Handlungsstrang gelingt es nie zu fesseln oder Zumindest Kurzwelle zu generieren. Kurzum einer der schlechtesten Historischen Romane die ich lesen durfte.
Johannes Landsrath zu »Peter Dempf: Die Brunnenmeisterin«17.08.2016
Als großer Liebhaber von historischen Romanen bin ich von Peter Dempfs Roman "Die Brunnenmeisterin" total enttäuscht. Zwar wird sehr interessant das Wasser- und Brunnenwesen der mittelalterlichen Stadt Augsburg ausführlichst dargestellt, aber die Handlung hat unerträgliche Längen. Nicht nur sprachlich, sondern auch inhaltlich kommt zu oft zu Wiederholungen, was zwar Zeilengeld für den Autor einbringt, den Leser/die Leserin aber ermüdet. Die Geschichte hätte man straffer erzählen können und vielleicht dadurch Spannung halten können, so ist es eine quälend, manchmal allzu vorhersehbare Story ohne Höhepunkte. Zudem entscheidet sich der Autor nicht für einen durchgängigenStil, die für einen historischen Roman durchaus angemessenen konservativen Ausdrucksweisen wechseltn sich mit allzu modernen Formulierungen ab. Inhaltlich gibt es den ein oder andern unhistorischen Schnitzer: Mönche nächtigten niemals in einer Sakristei, denn diese ist Teil der Kirche und man hätte eher im Freien übernachtet. Die liturgischen Texte für eine Trauung findet man keinesfalls in einem Brevier: hier findet man nur Texte für das Stundengebet. Ich könnte hier noch so einige andern nicht stimmigen Dinge aufzählen: und dies ist wirklich ein K.O-Kriterium für einen historischen Roman. Kurz: Dürftige Story, schlecht recherchiert in flacher Sprache verfasst. Autor und vor allem das Lektorat müssten es besser können.
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