Die rubinrote Kammer von Pauline Peters

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Die rubinrote Kammer“,, 528 Seiten.ISBN 3-404-17342-2.

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Kurzgefasst:

London, 1907: Gegen den Willen ihrer adeligen, einflussreichen Familie lebt die junge Victoria allein mit dem alten Butler ihres kürzlich verstorbenen Vaters. Sie ist nicht reich, aber glücklich. Doch ihre Welt gerät ins Wanken, als hässliche Andeutungen über ein dunkles Familiengeheimnis laut werden. Der einzige Mann, der ihre Fragen beantworten könnte, wird ermordet …Victorias guter Ruf ist in Gefahr, doch als Retter in der Not entpuppt sich der attraktive Journalist Jeremy Ryder. Aber kann sie ihm vertrauen?

Das meint Histo-Couch.de: „Fesselnder Pageturner“90Treffer

Rezension von Nicole Goersch

London im Jahre 1907: Die minderjährige Victoria Bredon lebt nach dem Tod ihres Vaters mit ihrem Butler Hopkins allein in der Wohnung am Green Park. Darüber ist ihre adlige Familie weniger begeistert, besonders weil sich Victoria in der Suffragettenbewegung engagiert.

Als sie von Sir Francis Sunderland, einem hochrangigen Mitarbeiter des Innenministeriums, empfangen wird, vermutet sie, dass es mit einer gewaltsam beendeten Demonstration der Suffragetten zu tun hat, an der sie teilgenommen hat.

„Was würden Sie sagen, wenn Sie erführen, dass sich Ihr vergötterter, heldenhafter Vater zu dem Zeitpunkt, als das Feuer ausbrach, gar nicht in der Wohnung aufhielt?“ fragt er Victoria geheimnisvoll und tritt damit eine Gefühlslawine bei der jungen Frau los, die sie an ihrer gesamten Existenz und Vergangenheit zweifeln lässt. Hat ihr Vater sie angelogen? Warum hätte er das tun sollen?

Bevor Victoria tiefer in das Familiengeheimnis vorstoßen kann, wird Sir Francis ermordet. Hat dieses Verbrechen mit seinen Andeutungen aus ihrer Vergangenheit zu tun? Gemeinsam mit ihrem Butler Hopkins macht sie sich auf die Suche nach dem Mörder.

Traditionen im Wandel

Europa ist im Umbruch, vor allem was die Rolle der Frau in der Gesellschaft betrifft. Die Suffragetten fordern mutig und aufrührerisch das Recht zu wählen ein. Sie kämpfen emanzipiert und bereiten so einen großen Schritt zur Gleichberechtigung vor. Kein Wunder, dass eine junge und moderne Frau wie Victoria, die auch mal Lippenstift benutzt oder mit dem Fahrrad durch die Straßen fährt, sich ebenfalls dafür engagiert.

Butler Hopkins dagegen wirkt wie ein Relikt der Vergangenheit mit seinem akkuraten und steifen Gebaren, überrascht aber mit umfassendem Wissen über Tatortanalyse und mit einem unerschöpflichen Vorrat an Rezepten, die er anonym in einer Zeitungskolumne veröffentlicht.

Die Charaktere wirken sehr lebendig, vereinen konventionelle Traditionen und aufstrebende Gegenwart miteinander und überraschen zuweilen in ihren Handlungen.

Die Umgebung wird sehr detailliert beschrieben, was sich in vielen Kleinigkeiten widerspiegelte, zum Beispiel wird eine Brosche erwähnt, die aus menschlichem Haar gefertigt wurde, damals anscheinend eine gängige Sitte. Auch historische Fakten wurden eingeflochten, ebenso wie alltägliche Gepflogenheiten oder Eigenheiten (wie der Gebrauch einer Taschenlampe, die bereits im Jahr 1899 erfunden wurde). Die Sprache und Verhaltensweise der Figuren war sehr gut nachvollziehbar im Hinblick auf die damalige Zeit.

Eine hilfreiche Ergänzung stellte das Nachwort dar, in dem die Autorin auf einige Fakten eingeht, die sie sich für die Geschichte zurechtgebogen hat.

Verwirrender Titel

Der Titel ist ein wenig irreführend, weil erst ziemlich spät klar wird, worum es sich bei der rubinroten Kammer handelt. Dafür ist die Covergestaltung ausgesprochen schön, da sowohl vorne als auch hinten im Umschlag weitere Bilder in die Zeit um 1907 entführen.

Fortsetzung folgt

Dies ist der geschichtlich fundierte 1. Teil einer Reihe mit vielschichtigen Charakteren, die einen wesentlichen Anteil daran haben, dass die Neugier auf eine Fortsetzung geweckt ist. Leser historischer Kriminalromane kommen ebenso auf ihre Kosten wie jene, die persönliche Schicksale während einer Zeit spannender Veränderungen in geschichtlicher, gesellschaftlicher und politischer Hinsicht schätzen. 

Ihre Meinung zu »Pauline Peters: Die rubinrote Kammer«

tassieteufel zu »Pauline Peters: Die rubinrote Kammer«03.04.2017
Nach dem Tod ihres Vaters, lebt die junge Adlige Victoria Bredon gegen den Willen ihrer reichen Familie weiter mit dem Butler ihres Vaters in einer Wohnung am Green Park. Sie verfügt nur über begrenzte Mittel, und hat als Vormund den Anwalt Montgomery, einen alten Freund ihres Vaters. Keinesfalls möchte Victoria unter die Fuchtel ihres Großvaters und ihrer Großtante geraten, die von ihrem Lebensstil und vor allem von Victorias Engagement für die Suffragettenbewegung alles andere als begeistert sind und um den Ruf der Familie fürchten.
Als Victoria nach einer etwas aus dem Ruder gelaufenen Demonstration der Suffragetten zu Sir Francis Sunderland, einem hochrangigen Mitarbeiter des Innenministeriums gerufen wird, gerät ihre wohlgeordnete Welt ziemlich aus den Fugen, denn Sunderland sät bei Victoria Zweifel an der Integrität ihres geliebten Vaters und deutet ein dunkles Familiengeheimnis an. Als Sunderland kurze Zeit später auf dem Debütantinnenball ermordet wird, fällt der Verdacht auch auf Victoria, die noch kurz vorher mit ihm gestritten hatte. Gemeinsam mit ihrem Butler Hopkins macht sie sich auf die Suche nach dem Mörder. Tatkräftige Unterstützung erhält sie dabei von dem sympathischen Reporter Jeremy Ryder, doch auch er scheint etwas zu verbergen.

Bei historischen Krimis aus der viktorianischen Zeit kann ich immer nur schwer widerstehen und "Die rubinrote Kammer" hat auch alles, was man sich von einem Krimi aus dieser Zeit erhofft, neben einer sympathischen Heldin gibt es noch ein dunkles Familiengeheimnis, einen spannenden Krimifall und jede Menge Verwicklungen, Intrigen und Geheimnisse. Dazu kommt ein sehr gelungener historischer Hintergrund, der mit viel Flair und Atmosphäre, die Zeit um die Jahrhundertwende mit all ihren Veränderungen und Umbrüchen auferstehen läßt. Auch kleine Details aus dem alltäglichen Leben, sowie historische Fakten und die Erwähnung realer Personen tragen dazu bei, dass man eine sehr plastische und bildhafte Vorstellung der damaligen Zeit bekommt. Zudem spielt die Geschichte sowohl in Herrenhäusern als auch in sehr ärmlichen Vierteln und man erhält auch einen Einblick in das sehr anstrengende Leben von Dienstboten, so dass man beim Lesen eine gute Vorstellung von den Lebensumständen verschiedener Schichten bekommt.
Ihre Charaktere hat die Autorin durchaus vielschichtig und sehr lebendig geschildert, hier gibt es ein breites Spektrum menschlicher Persönlichkeiten, die fast durchweg glaubwürdig erscheinen. Auch wenn mir Victoria sehr sympathisch war und ich ihren Drang nach Freiheit und Selbstverwirklichung durchaus nachvollziehen konnte, so war sie mir für die damalige Zeit doch nicht ganz glaubwürdig. Ein wenig zu leichtfertig ging sie mir mit ihrem guten Ruf um, wagt sich allein in recht dubiose Viertel, verkehrt wie selbstverständlich mit Prostituierten und ist auch hinreichend mit diversen Sexualpraktiken vertraut. Insgesamt war es alles ein wenig zu viel, hier wäre weniger mehr gewesen, vor allem weil Victoria in anderen Dingen dann wieder sehr naiv ist, so wirkt der Charakter insgesamt ein wenig anachronistisch, aber das ist nur ein kleiner Kritikpunkt bei einer ansonsten sehr spannenden und lohnenswerten Lektüre!
Der Krimifall ist sehr gelungen in die damalige Zeit eingebettet und zieht das Motiv auch aus den damaligen Lebensumständen. Motive für den Mord gibt es einige und die Mördersuche gestaltet sich für Victoria und Hopkins nicht einfach. Allerdings gab es mir ein paar Zufälle zuviel! So gerät Victoria immer wieder in sehr erste und brenzlige Situationen aus denen sie aber immer irgendwie errettet wird, was auch nicht ganz realistisch wirkt. Den tatsächlichen Mörder hatte ich dann doch schon eine Weile im "Visier", aber die Autorin hat hier wirklich reichlich Fährten in die falsche Richtung gelegt, um den Leser in die Irre zu führen.
Nebenher läuft natürlich auch noch Victorias Suche nach der Wahrheit über ihren Vater und auch dieser Handlungsstrang wird am Ende schlüssig und zufriedenstellend aufgelöst.

FaziT: eine gelungene Mischung aus historischem Roman, Krimi und Familiengeheimnis. Auf sehr stimmige Weise gelingt es der Autorin das historische Flair in ihre Geschichte zu transportieren und mit einer fiktiven Kriminalgeschichte zu verknüpfen. Auch wenn mir die Hauptfigur ein wenig zu modern war, bin ich ihr gern durch ihre diversen Abenteuer gefolgt und freue mich auf den nächsten Band der Reihe!
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