Das Tal der goldenen Flüsse von Patricia Mennen

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2015unter dem Titel „Im Tal der goldenen Flüsse“,, 672 Seiten.ISBN 3734100178.

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Kurzgefasst:

England 1860. In dem Archäologen Rhys Franklin hat die abenteuerlustige Amber den Mann ihres Lebens gefunden. Doch ihr Eheglück wird von der Nachricht getrübt, dass Amber keine Kinder bekommen kann. Als es Rhys trotz großer Widerstände gelingt, eine Expedition an den Amazonas zu organisieren, erwacht auch in Amber Fernweh und neuer Lebensmut. Schon auf der Schiffsreise nach Brasilien begegnen sie Tiago de Andrade, dem reichen Besitzer einer Kautschukplantage, der die schöne Indianerin Jandeira als seine Sklavin hält. Amber ist fest entschlossen, Jandeira zu helfen, und gerät bald schon gefährlich zwischen die Fronten ...

Das meint Histo-Couch.de: „Abenteuer am Amazonas“72

Rezension von Eva Schuster

England, 1860: Nach den turbulenten letzten Jahren genießt die abenteuerlustige Amber ihr Eheglück mit dem amerikanischen Archäologen Rhys. Doch zwei Nachrichten trüben die erste Euphorie schon bald: Amber kann voraussichtlich niemals Kinder bekommen, und Rhys’ Hoffnung auf eine langersehnte Expedition an den Amazonas droht zu scheitern.

Umso glücklicher sind sie, als die Expedition doch noch stattfinden kann. Rhys will den spärlichen Hinweisen auf eine bislang unbekannte Hochkultur nachgehen, und Amber beschließt, ihn zu begleiten. Auf der Schiffsreise von Lissabon nach Brasilien lernen sie den undurchsichtigen Kautschukplantagenbesitzer Tiago de Andrade und seine junge Tochter Miou kennen. Miou soll in Brasilien an Tiagos besten Freund verheiratet werden und leidet offensichtlich unter der Strenge ihres Vaters.

In Brasilien entdecken Amber und Rhys schließlich, dass Tiago die schöne Indianerin Jandeira als Sklavin hält. Amber ist fest entschlossen, Jandeira und deren Geliebten Cauré zu helfen …

Dramatische Fortsetzung in Brasilien

In Im Land der sieben Schwestern begegnete die kluge und mutige Amber, Tochter eines wohlhabenden Spinnereibesitzers, dem Abenteurer und Archäologen Rhys Franklin und fand mit ihm nach einigem Hin und Her ihr Glück. Das Tal der goldenen Flüsse knüpft eng an die Geschehnisse im ersten Band an und führt Amber und Rhys erneut in exotische Gefilde diesmal nicht nach Indien, sondern nach Südamerika.

Wie schon im ersten Band sind Amber und Rhys sympathische Hauptfiguren, an deren Schicksal man Anteil nimmt. Ihr Eheglück erfährt rasch Belastungen durch die ungewollte Kinderlosigkeit und Rhys’ berufliche Schwierigkeiten: Seine Leidenschaft gehört der Archäologie, zum Missfallen von Ambers Vater, der ihn gerne in der Spinnerei sähe. Stattdessen will sich Rhys der Erforschung einer südamerikanischen Hochkultur widmen, deren Existenz noch nicht einmal bewiesen ist. Sowohl Amber als auch Rhys scheren sich wenig um Konventionen und begeben sich lieber auf eine gefahrenvolle Reise, als ihre Träume und Sehnsüchte zu begraben. Wie schon im Vorgängerband erhält auch Ambers Bruder Camden eine kleine, aber interessante Nebenhandlung: Camden ist mittlerweile verheiratet und erwartet mit seiner Frau sein erstes Kind; insgeheim aber liebt er Männer, was in jenen Zeiten natürlich niemals öffentlich werden darf. Eine Affäre mit einem Angestellten, aber auch ein Wiedersehen mit seiner ersten Liebe Malcolm stellen ihn auf eine harte Probe, und man darf gespannt sein, welchen Weg er einschlägt.

Die Handlung fokussiert sich zwar auf Amber und Rhys, doch es gibt auch immer wieder Kapitel, die zu Cauré und Jandeira schalten, lange bevor Amber und Rhys ihnen in Brasilien begegnen. In diesem Zusammenhang gibt es malerische Schilderungen der exotischen Kulisse, die nicht bloß als reizvolle Folie dient: Es gibt darüber hinaus auch interessante Einblicke in Stammesrituale und Glaubensvorstellungen der indianischen Kultur. Auch die Kautschukproduktion im Brasilien des 19. Jahrhunderts, die Ausbeutung der einheimischen Indianerstämme, die Theorien über El Dorado, die Darwin’schen Schriften über die Evolution und die zunehmende Technisierung Englands werden geschickt und informativ in die Handlung eingeflochten.

In der zweiten Hälfte sorgen zudem auch  Tiago de Andrade und seine Tochter für Spannung. Tiago ist ein finsterer Charakter mit einer fatalen Leidenschaft, Miou seine unglückliche Tochter, die gegen ihren Willen verheiratet werden soll, was Stoff für einige dramatische Verwicklungen bietet. Trotz des Romanumfangs von rund 650 Seiten gibt es kaum Längen, sondern durchweg unterhaltsame Handlungsfäden.

Kleine Schwächen

Gleichwohl dauert es ein bisschen sehr lange, bis sich die Wege von Amber und Rhys mit Cauré und Jandeira kreuzen. Überhaupt treffen die beiden erst recht spät in Brasilien ein, und Rhys’ Expedition, die im Vorfeld so ausführlich thematisiert wurde, wird dann tatsächlich nur knapp am Rande abgehandelt. Das ist schade, weil ihr zuvor so viel Raum gegeben wird: Rhys erhält in England unter anderem von keinem Geringeren als Charles Darwin Unterstützung, er muss sich gegen einen intriganten Kollegen durchsetzen und gegen Zweifler wehren, die nicht an die Existenz dieser Hochkultur glauben. Nicht ganz glücklich ist außerdem der Prolog, da er sich um die mythischen Aspekte der Eingeborenen dreht, die dem Leser zu dem Zeitpunkt höchstwahrscheinlich noch fremd sind, was einen etwas mühsamen Einstieg macht. Und letztlich ist die geistige Verbindung zwischen Amber und Cauré die voneinander träumen, ehe sie sich zum ersten Mal begegnen übertrieben und sorgt für eine unnötige übernatürliche Komponente.

Unterm Strich ist Das Tal der goldenen Flüsse ein sehr solider Schmöker, der für einige Stunden gute Unterhaltung sorgt.

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