Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf von Oliver Pötzsch

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf“,, 688 Seiten.ISBN 3-548-28837-5.

»Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf« kaufen oder zum Merkzettel hinzufügen

bestellen bei amazon

in mein Bücherregal

Kurzgefasst:

Der Schongauer Henker Jakob Kuisl reist im Februar 1672 mit seiner Familie zum Scharfrichtertreffen nach München. Erstmals hat ihn der Rat der Zwölf dazu eingeladen eine große Ehre. Kuisl hofft, unter den Ratsmitgliedern außerdem einen Ehemann für seine Tochter Barbara zu finden. Barbara ist verzweifelt: Sie ist ungewollt schwanger und traut sich nicht, ihre Notlage ihrem Vater zu offenbaren. Dann kommt in München eine Reihe von Morden an jungen Frauen ans Licht, und Kuisl wird um Hilfe bei den Ermittlungen gebeten. Alle Morde tragen die Handschrift eines Scharfrichters. Der Verdacht fällt auf den Rat der Zwölf ...

Das meint Histo-Couch.de: „Wenn Familie Kuisl eine Reise macht“92Treffer

Rezension von Karin Speck

1672. In München soll ein Treffen der Scharfrichter stattfinden und Jakob Kuisl macht sich auf den Weg, selbstverständlich wird er von seiner Familie begleitet. Allen voran seine Töchter Magdalena und Barbara. Für Jakob ist es eine Ehre, in den Rat der Zwölf gerufen worden zu sein, aber er will auch das angenehme mit dem nützlichen verbinden. Für seine Tochter Barbara wird es längst Zeit die Ehe einzugehen. So hofft der Henker auf eine gute Partie für seine Tochter. Kaum in München angekommen, erfahren sie auch schon von einem Mord, der gerade geschehen ist. Nicht nur einen Mord gilt es aufzuklären, nein, gleich eine ganz Reihe von Frauenleichen kommen ans Licht. Für den Henker keine Frage, er beginnt sofort zu ermitteln. Zudem, da die Toten auch noch offenbar von jemandem vom Fach getötet worden sind, einige Spuren deuten in diese Richtung. Spannende Ermittlungen nehmen ihren Lauf.

Spannung bis zur letzten Seite

In diesem Fall befindet die Familie Kuisl sich in München. Die Stadt ist ihnen fremd, die Menschen sind ihnen fremd, es bleibt natürlich nicht aus, dass sie Fehler machen. Gerade Simon, der Mann von Magdalena, ist da ganz groß drin, von einem Fettnäpfchen ins nächste zu treten. Schnell hat er wieder allerlei Schwierigkeiten zu überwinden. Probleme, die er selbst lösen muss, da sein Schwiegervater ja mal wieder mitten in einer Mordermittlung steckt. Auch von seiner Frau ist kaum Hilfe zu erwarten, denn auch sie hat mal wieder ihre eigenen Probleme. Oliver Pötzsch versteht es, seine Handlung zu erzählen, auch wenn die Handlungen denen in den vorangegangenen sechs Bänden ähneln. Der Leser weiß mittlerweile, was auf ihn zukommt und so ist mancher Verlauf wohl im Vorfeld zu erraten.

Nichtsdestotrotz baut Pötzsch seine Spannung auf und kann sie auch bis zur letzten Seite halten. Die Spuren sind gut gelegt, dabei auch nicht zu offensichtlich. Es dauert schon einige Zeit, bis auch der Leser dem Täter auf die Schliche kommt. Hier ist aber auch ein wenig der Weg das Ziel. Es ist unterhaltsam zu lesen, wie Simon mit seinen Situationen zurechtkommt oder wie Magdalena versucht, ihrer Schwester beizustehen.

Gelungener siebter Band

Ganz nebenbei erfährt der auch, wie es so zuging im Jahre 1672. Die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges stecken den Menschen noch in den Knochen, das Leben ist noch nicht wieder so wie vor diesem Krieg. All diese Empfindungen hat der Autor gut eingefangen und gleichzeitig gibt er aber auch Einblicke in das neue Leben dieser Zeit. Bücher finden den Weg zu den Menschen. So ist es gerade Simon, dem dies fast zum Verhängnis wird. Auch das ausschweifende Leben des Adels hat den Weg in die Geschichte gefunden. Wie gewohnt zieht der Autor alle Register und kann mit seiner Geschichte die Leser unterhalten.

Ein Nachwort klärt auch hier Fiktion und Wahrheit. Ein Personenregister sorgt für den nötigen Überblick der Protagonisten, sogar ein kleiner Stadtplan von München aus dem 17. Jahrhundert ist vorhanden. Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf hat alles, was ein spannender historischer Roman braucht.

Ihre Meinung zu »Oliver Pötzsch: Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf«

engi zu »Oliver Pötzsch: Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf«25.10.2017
Der Vorgängerband war in meinen Augen ja leider etwas schwächer ausgefallen, bei diesem Band hingegen hat Oliver Pötzsch mal wieder alles gegeben. Endlich wurde Jakob Kuisl auf seine alten Tage noch in den Rat der Zwölf berufen, eine Ehre, auf die er schon lange gewartet hat. Der ganzen Familie steht nun eine aufregende Reise bevor, die einen fahren voller Vorfreude, die anderen – besonders Tochter Barbara – mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Schließlich würde ihr Vater sie gerne bei einem der Henker im wahrsten Sinne des Wortes „an den Mann bringen“. Schlussendlich werden die Kuisls und auch der junge Doktor Frohnwieser mit Frau Magdalena und ihren drei Kindern in mehr als ein Verbrechen verwickelt, das es zu lösen gilt. Und mehr als einmal geraten sie dadurch in Lebensgefahr …
Ich hatte bei diesem Band ein wenig das Gefühl, dass der Autor uns vielleicht darauf vorbereiten möchte, dass der alte Henkersmeister Jakob, der ja immerhin schon über sechzig ist, den nächsten Teil der Reihe nicht überleben wird? Da die Reihe ja „Die Henkerstochter“ heißt, könnte es ja auch ohne ihn weitergehen, wenn es auch einfach nicht mehr dasselbe wäre. Der unvergleichliche Hörbuchsprecher Johannes Steck verkörpert ihn auf den Lesungen mit einer Hingabe als stünde er selbst mit dem Henkerbeil in der Hand auf dem Marktplatz Schongaus. Ich habe mich jedenfalls mal wieder prächtig unterhalten und hoffe, lieber Oliver, du arbeitest schon fleißig an Band Acht!
tassieteufel zu »Oliver Pötzsch: Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf«18.09.2017
Jakob Kuisl reist im Februar 1672 mit der ganzen Familie von Schongau nach München um dort beim Scharfrichtertreffen in den Rat der Zwölf aufgenommen zu werden. Außerdem hofft Jakob für seine Tochter Barbara einen passenden Ehemann zu finden. Doch Barbara hat ganz andere Sorgen, sie ist ungewollt schwanger und weiß nicht, wie sie mit dieser Notlage umgehen soll. Auch Magdalena plagen Sorgen, obwohl Simon inzwischen eine Stelle als Medicus in Schongau hat, wird sie als Henkerstochter immer noch nicht wirklich anerkannt, ebenso ihre Kinder und darunter leidet sie besonders. In München hofft sie immerhin für ihren Sohn Peter eine bessere Schule zu finden.
Doch als die Familie in München eintrifft, werden sie gleich mit der Leiche einer jungen Frau konfrontiert, die brutal ermordet wurde. Und es bleibt nicht der einzige Todesfall an einer jungen Frau, alle Opfer wurden scheinbar nach Henkersart hingerichtet und schon bald richtet sich der Zorn auf den Rat der Zwölf, denn das ohnehin schon mit Argwohn beobachtete Henkerstreffen kann nichts Gutes bedeuten. Jakob Kuisl hat bald alle Hände voll zu tun um diesen kniffligen Fall aufzuklären und die Anschuldigungen an die Henker abzuwenden, doch zum Glück hat er die Unterstützung der ganzen Familie, die Stück für Stück zusammenträgt um den heiklen Fall zu lösen.

Der inzwischen 7. Fall für Jakob Kuisl, den brummigen Henker und seine eigenwillige Familie steht den anderen Bänden in nichts nach und bietet sowohl spannende Unterhaltung als auch wieder viel Hintergrundwissen über das 17. Jahrhundert. Von Anfang an ist das Buch spannend und bietet zunächst verschiedene Einzelfälle, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Neben den Mädchenmorden geht es auch um Geldfälscherei und die Entführung von Schoßhunden adliger Damen. Geschickt versteht es der Autor hier falsche Spuren zu legen und so bleibt der Leser lange im Unklaren darüber, wie das alles miteinander zusammenhängt. Durch dieses breite Spektrum an Ermittlungen gibt es häufige Szenenwechsel, die die Spannung hochhalten und die Neugier auf das weitere Geschehen noch erhöhen, so fällt es schwer das Buch aus der Hand zu legen!
Sehr gut hat mir auch gefallen, dass eigentlich alle Familienmitglieder auf die eine oder andere Weise bei der Aufklärung der Morde und der anderen Ereignisse mithelfen und so jeder Charakter weiter entwickelt wird und auch neue Facetten zeigt. Während Barbara eine Lösung für ihre Notlage sucht und sich dabei den Verkupplungsversuchen ihres Vaters entziehen will, stößt sie auch auf die ein oder andere Spur, ebenso Magdalena, die gegen Simons Einwände in der Spinnerei anheuert, in der einige der toten Mädchen gearbeitet haben und dort in große Gefahr gerät. Simon selbst möchte eigentlich sein berufliches Fortkommen vorantreiben und dabei gerät er in einige absurde Situationen und wird für einen Fälscher gehalten. Peter und Paul haben diesmal auch ein paar mehr Auftritte und erweisen sich dem Ermittler Gespür der Kuisls für würdig, denn auch sie haben entscheidenden Anteil an der Lösung. Schön war, dass auch Georg wieder mitdabei war und ebenfalls Lösungsdetails beisteuern konnte.
Neben dem Krimifall und den Entwicklungen in der Familie Kuisl nimmt natürlich auch das Henkertreffen des Rats der Zwölf einen gewissen Raum ein und hier merkt man wieder, wie gut Oliver Pötzsch recherchiert hat, denn es wird wie nebenbei viel Hintergrundwissen vermittelt, ob aus dem Alltagsleben der einfachen Leute oder der Adligen, dem Stand der Medizin oder den gesellschaftlichen Strukturen bis hin zur Außenseiterstellung der Henker. Hier wird ein buntes und detailliertes Bild des 17. Jahrhunderts gezeichnet in das man beim Lesen wunderbar eintauchen kann. Dazu tragen auch eine Karte von München und interessante Ausführungen des Autors am Ende des Buches bei.

FaziT: insgesamt eine wunderbar unterhaltsame, spannende und informative Lektüre, die neben einem Widersehen mit der eigenwilligen Kuisl-Sippe einen spannenden und komplexen Krimifall bietet, der sehr stimmig in den atmosphärisch geschilderten historischen Hintergrund eingebettet wurde. Genauso sollte ein historischer Krimi sein!
Orange zu »Oliver Pötzsch: Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf«08.08.2017
Der Schongauer Henker Jakob Kuisl wird erstmals zum Scharfrichtertreffen nach München eingeladen. Dies ist eine große Ehre für ihn und da es die Tradition verlangt, dass er seine Familie vorstellt, reist diese mit ihn.
Zudem will er für seine Tochter Barbara einen Ehemann finden. Was er dabei nicht weiß: Barbara ist ungewollt schwanger.
Gerade in München angekommen, wird die Familie Kuisl sogleich in eine Reihe von Mädchenmorde verwickelt und Jakob Kuisl wäre nicht er selbst, wenn er seine große Nase nicht in die Ermittlungen stecken würde. Da die Morde die Handschrift eines Scharfrichters tragen, geraten auch die Mitglieder des Rats der Zwölf in Verdacht.
Nachdem ich alle Vorgängerromane um die Henkerstochter Magdalena und ihren starrköpfigen Vater Jakob Kuisl gelesen habe, stand natürlich Oliver Pötzschs neustes Werk schon längst auf meiner Wunschliste. Und auch wenn es sich mittlerweile um den siebten Teil dieser Reihe handelt, steht er seinen Vorgängern in nichts nach. Oliver Pötzsch versteht es ausgezeichnet Spannung zu erzeugen. Geschickt legt er falsche Spuren oder wechselt den Handlungsstrang und hält den Leser so bei der Stange und lässt ihn mitten im Geschehen sein.
Aus meiner Sicht ist es für das Verständnis des Falles nicht erforderlich die Vorgängerbände zu kennen. Da sich die einzelnen Figuren aber stets weiterentwickeln und auch die anderen Bände lesenswert sind, empfehle ich die Einhaltung der Reihenfolge.
Sehr gut gefallen mir zudem die Karte Münchens und die Übersicht der handelnden Personen zu Beginn des Buches So kann man, wenn erforderlich, sofort nachschauen. Ein sehr ausführliches und interessantes Nachwort sowie ein kleiner Münchner Stadtführer „Auf den Spuren der Henkerstochter“ runden den Roman ab.
Ihr Kommentar zu Die Henkerstochter und der Rat der Zwölf

Hinweis: Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen zu löschen. Beachten und respektieren Sie jederzeit Urheberrecht und Privatsphäre. Werbung ist nicht gestattet.