Die letzte Nonne von Nancy Bilyeau

Buchvorstellungund Rezension

Die letzte Nonne von Nancy Bilyeau

Originalausgabe erschienen 2012unter dem Titel „The Crown“,deutsche Ausgabe erstmals 2012, 448 Seiten.ISBN 3423249307.Übersetzung ins Deutsche von Mechtild Sandberg-Ciletti.

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Kurzgefasst:

England 1537. Die gewaltsame Auflösung der Klöster und die Verfolgung der Katholiken unter Heinrich VIII. hat begonnen. Joanna Stafford, eine junge Novizin, stammt aus einer der einflussreichsten Familien Englands, die jedoch beim König in Ungnade gefallen ist. Joanna gerät in die Gewalt des Bischofs von Winchester, der sie dazu erpresst, einen geheimen Auftrag für ihn auszuführen: Sie soll in ihrem Kloster nach einer alten Königskrone suchen, die dort angeblich seit Jahrhunderten im Geheimen verwahrt wird. Gewalt und Tod dringen in die strenge Klosteratmosphäre ein, als der reiche Patron des Klosters mit einer Reliquie brutal erschlagen wird …

Das meint Histo-Couch.de: „Auf der Jagd nach einer magischen Krone“92Treffer

Rezension von Carsten Jaehner

England, 1537. Während König Heinrich VIII. in England die Katholiken verfolgen und Klöster auflösen lässt, ist die Familie Stafford beim König in Ungnade gefallen. Die junge Novizin Joanna Stafford ist unerlaubt nach London gekommen, um ihrer Cousine Margaret beizustehen, die auf dem Scheiterhaufen verbrannt werden soll. Zufällig trifft sie dort ihren Vater wieder, den sie seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Als er versucht, Margarets Leiden zu verkürzen, werden er und Joanna verhaftet.

Während ihr Vater in den Tower gesteckt wird, wird Joanna vom Bischof von Winchester erpresst. Sie soll in ihrem Kloster Dartford nach einer alten Krone suchen, die als mythisch gilt und die magische Kräfte haben soll. Ihr Vater wird solange gefangen gehalten. Widerwillig stimmt sie zu.

Als sie in Begleitung von zwei Mönchen nach Dartford zurückkehrt, ist gerade die alte Priorin verstorben und Schwester Joan hat ihre Ämter übernommnen. Joanna nimmt ihren alten Novizinnen-Platz wieder ein und begibt sich auf die Suche nach Hinweisen über die Krone König Athelstans. Doch je näher sie dem Geheimnis zu kommen scheint, desto mehr Schwestern in ihrer Umgebung sterben. Die Zeit drängt, denn nicht nur ist ihr Vater immer noch gefangen, zugleich könnte die drohende Schließung des Klosters ihre Aufgabe zunichte zu machen.

Mehrere Spannungskomponenten

Nancy Bilyeau ist mit Die letzte Nonne ein spannender Roman aus einer blutigen Zeit gelungen. Dabei führt sie den Leser nicht nur in die Renaissance, in der die Klösterschließung wie ein Damoklesschwert über den Nonnen hingt, sondern auch in eine vorhergehende Zeit um König Athelstan, über die man sonst nur wenig erfährt.

Mit der Protagonistin und Ich-Erzählerin Joanna Stafford begleitet der Leser eine junge Novizin auf ihren Abenteuern, die mit Charisma und Mut ihre Mission angeht. Obwohl Joanna die Angst um ihren Vater im Nacken sitzt und sie nicht weiß, wie sie möglichst unauffällig etwas über die Krone herausfinden soll, macht sie sich auf die Suche. Dabei dringt sie immer mehr in die Vergangenheit des Klosters vor und kommt so manchem Geheimnis auf die Spur.

Sympathische Nebenfiguren

Unterstützt wird sie dabei durch die zwei Mönche Bruder Richard und Bruder Edmund, wobei sie sich nie ganz sicher sein, inwieweit die beiden in ihre Forschungen eingeweiht sind. Edmund hat in Schwester Winifred seine leibliche Schwester im Kloster, die ebenfalls Novizin ist und eine Freundin von Joanna ist. Diese Konstellation bietet eine Vielfalt an Möglichkeiten, eine spannende Geschichte zu konstruieren, zumal Joanna nie genau weiß, wem sie trauen kann und daher auch fast niemandem über die Krone erzählt.

Eine weitere mysteriöse Nebenfigur ist der junge und gutaussehende Constable Geoffrey Scovill, der ebenfalls zu Beginn bei Margaret Staffords Hinrichtung zugegen ist und verhaftet wird. Er ist Joanna sympathisch, aber auch recht undurchsichtig, da er immer im passenden Moment auftaucht und seine Rolle nicht klar ist. Auch diese Variable macht den Roman spannend und sorgt für die eine oder andere Überraschung.

Überhaupt verläuft die Handlung nicht gerade, man darf auf die eine oder andere plötzliche Wendung gespannt sein. Zwar lässt sich erahnen, dass der Roman gut ausgehen wird, aber man kann sich nie sicher sein, und es wird auch das eine oder andere Opfer zu beklagen sein.

Interessanter geschichtlicher Hintergrund

Neben seiner bunten Personalie besticht der Roman vor allem durch seinen geschichtlichen Hintergrund. Dabei wird nie mit dem erhobenen Zeigefinger unterrichtet, sondern die geschichtlichen Informationen werden an den richtigen Stellen in passendem Maße untergebracht und sind somit sehr lehrreich. Gerade was die Schließung der Klöster angeht und die Frage, was aus den Klosterinsassen danach passieren wird, und wie man zur damaligen Zeit in Klöstern überhaupt Umgang pflegte, das wird von der Autorin gut herausgearbeitet und dem Leser nahe gebracht. Dass gerade Frauen zu dieser Zeit kein einfaches Leben hatten, wird auch beeindruckend dargestellt.

Der Spionagefall an sich ist spannend und mit reichlich Cliffhangern zwischen den Kapiteln erzählt, die vielen Wendungen sind interessant und lassen nie Langeweile aufkommen. Einziger Anhang der 450 Seiten aus dem Hause dtv Premium ist eine Danksagung der Autorin, dabei wären ein Personenregister, ein paar historische Nachbemerkungen und auch eine Karte wünschenswert gewesen. Immerhin gab es das Kloster Dartford tatsächlich, und auch die Hinrichtung Margaret Staffords ist verbürgt, was aber aus dem Roman leider nicht hervorgeht. Hier darf künftig noch nachgebessert werden.

Wer einen spannenden Roman aus der Zeit Heinrichs VIII. lesen will, der nicht langweilt und den Leser durchgehend zu fesseln weiß, der wird mit Die letzte Nonne einen guten Griff machen. Ein weiterer Roman um Joanna Stafford ist bereits angekündigt, so dass man sich auf eine weitere Begegnung mit ihr freuen kann. Vielleicht findet der Verlag dann neben einem schönen Cover auch eine treffendere Übersetzung des Titels. The Crown, also Die Krone heisst der Roman im Original, und der deutsche Titel Die letzte Nonne ist eigentlich falsch und daher auch verwirrend. Aber das schmälert den Lesegenuss nicht. Hier darf man bedenkenlos zugreifen.

Ihre Meinung zu »Nancy Bilyeau: Die letzte Nonne«

isabelle zu »Nancy Bilyeau: Die letzte Nonne«07.02.2014
Das Buch war recht angenehm zu lesen. Angesichts der unübersichtlichen Flut von Büchern zu dieser Zeit, die irgendwie um die diversen Königinnen kreisen, ist die Klosterperspektive interessant. Man merkt dem Buch aber an, daß es ein Erstlingswerk ist (Schreibstil, "einfache Lösungen", zum Teil relativ naive Vorstellungen zB vom klösterlichen Leben). Wenn man aber einfach nur einen unterhaltsamen, gut lesbaren Roman mit sympathischen Figuren sucht, ist man sicher gut bedient.
Margitta zu »Nancy Bilyeau: Die letzte Nonne«01.09.2013
Da ich ein sehr großer Fan der Tudorzeit ( nur darüber lesen ) bin ,hat mir dieser Roman gut gefallen .Er ist sehr gut zu lesen und man wird auch gut über diese Zeit informiert .
Manches war ein bischen irritierent ,wie z.B. die Wunsch der kleinen Kinder ( wegen Spoiler mag ich nicht mehr darauf eingehen).
Gesamt gesehen hat es mir sehr viel Spaß gemacht diesen Roman zu lesen .Punkte gebe 85 und werde das Anschlußbuch sicher lesen
Sagota zu »Nancy Bilyeau: Die letzte Nonne«27.08.2012
Für LeserInnen, die sich für die Tudor-Zeit, die englische Geschichte, die Auflösung der Klöster und Details aus dem klösterlichen Leben der damaligen Zeit (16. Jhd.) interessieren, ist das Buch bedingt empfehlenswert: Trotz recht flüssigem Schreibstil der Autorin fand ich das Buch bis zum letzten Drittel sehr durchschnittlich, die Handlung hat Längen, die ich als etwas langweilig empfand, einzig das letzte Drittel konnte die Spannung erhöhen. Ich finde 92 Punkte (HC Wertung) etwas überhöht und vergebe 84 Punkte für gute Recherchen zu diesem Werk (die Autorin hat jahrelang an diesem Werk gearbeitet).
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