Sehnsucht nach Sansibar von Micaela Jary

Buchvorstellung und Rezension

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Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel „Sehnsucht nach Sansibar“, , 448 Seiten. ISBN 3-442-47666-6.

Kurzgefasst:

1888 an Bord eines Dampfers auf dem Weg nach Ostafrika: Die unkonventionelle Reederstochter Viktoria Wesermann, die junge Forschungsreisende Antonia Geisenfelder und die verwöhnte Juliane von Braun schließen Freundschaft. Jede sucht ihr Glück auf der duftenden, exotischen Gewürzinsel Sansibar, doch schon bald geraten die drei in ein Wechselbad aus leidenschaftlichen, verstörenden und berauschenden Gefühlen, in einen schmerzhaften Zwiespalt zwischen orientalischem Traum und den Schatten von Sklavenhandel, blutigen Aufständen und Cholera …

Das meint Histo-Couch.de: „Ein sinnliches Lese-Erlebnis“

von Rita Dell'Agnese

Sansibar! Die Stadt in Ostafrika verheißt der Hamburger Reeders-Tochter Viktoria Wesermann Freiheit und Abenteuer. Nach einem Eklat musste sie Hamburg verlassen und soll in der fernen Stadt abwarten, bis sich der Skandal gelegt hat. Ganz anders Juliane von Braun. Die verwöhnte junge Frau begleitet ihren Vater auf die Reise nach Sansibar und hofft darauf, vom vielbeschäftigten Weinhändler mehr Beachtung geschenkt zu bekommen. Und schließlich ist da auch noch die zurückhaltende Antonia Geisenfelder, die als Sekretärin den Forscher Dr. Seibold begleitet. Sie alle reisen 1888 mit der „Sachsen“ nach Ostafrika. Als sie in Sansibar von Bord gehen, versprechen sich die drei jungen Frauen, die sich inzwischen angefreundet haben, sich regelmäßig zu treffen. Das Schicksal führt jede von ihnen mit faszinierenden Menschen zusammen. Juliane etwa begegnet dem jungen Prinzen Omar, dessen Absichten so gar nicht einschätzbar sind. Und Viktoria, die insgeheim darauf hofft, ihrem Traum, Lehrerin an einer Mädchenschule zu werden, näher zu kommen, stößt immer wieder auf den Kaufmann Roger Lessing, wobei die Begegnungen nicht immer angenehm sind. Sansibar fordert die drei jungen Frauen auf ganz verschiedene Weise und letztlich muss sich jede die Frage stellen, welches Ziel sie tatsächlich verfolgen möchte und wo ihr Platz im Leben ist.

Erstaunlich viel Tiefe

Thema, Cover und Klappentext lassen einen üppigen Unterhaltungsroman erwarten, der im 19. Jahrhundert vor einer exotischen Kulisse spielt, aber nicht unbedingt als historischer Roman gewertet werden will. Doch weit gefehlt. Sehnsucht nach Sansibar vermag mit erstaunlicher Tiefe zu überzeugen. So präsentiert Autorin Micaela Jary nicht einfach einen üppigen Liebesroman, sondern wendet sich einigen Themenbereichen zu, die eine vertiefte Auseinandersetzung damit durchaus lohnen. Wie ein roter Faden zieht sich die Frage nach einem selbstbestimmten Leben für Frauen durch den Roman. Die drei Freundinnen kommen aus einem jeweils unterschiedlichen Umfeld, doch haben alle drei das Problem, sich gesellschaftlichen Zwängen beugen zu müssen. Weder kann Viktoria sich ohne weiteres zur Lehrerin ausbilden lassen, noch ist es Antonia möglich, ein Medizinstudium zu absolvieren. Und auch Juliane wird in Sansibar kurzerhand in einem Harem untergebracht, weil es sich nicht schickt, dass sie mit ihrem Vater die im Sultanspalast zur Verfügung gestellte Raumflucht bewohnt. Die jungen Frauen erleben immer wieder Zwänge und Grenzen, sind aber dabei, ihre Ketten zu sprengen. Weitere Themen, die angesprochen werden, sind die Sklaverei, Epidemien sowie die politischen Verhältnisse in Ostafrika.

Interessantes Konzept

Anders als bei den meisten Romanen steht bei Micaela Jary nicht eine einzige Protagonistin im Zentrum – die Autorin gibt allen drei jungen Frauen Raum und lässt sie ihre jeweils eigene Entwicklung erleben. Dieses Konzept gibt der Geschichte Breite und lässt einige Wendungen zu, die nicht absehbar waren. Dazu kommt, dass sich Micaela Jary jeder der drei jungen Frauen auf eine ganz andere Weise nähert: Bei Viktoria schwingt trockener Humor mit, bei Antonia sehr viel Ernsthaftigkeit und Juliane ist die ideale Protagonistin, um den sinnlichen Zauber von Sansibar zum Ausdruck zu bringen. Diese variantenreiche Erzählweise lässt schmunzeln, leer schlucken oder träumen.

Üppige Beschreibungen

Es ist aber nicht nur das Leben der drei Freundinnen, das die Autorin schildert. Sie versteht es, ein üppiges Bild von Sansibar zu zeichnen und die Leser gedanklich in eine Welt der Düfte und Farben reisen zu lassen. Micaela Jary kann erzählen, das wird spätestens mit diesem Roman klar. Und klar wird auch, dass sinnliche Lese-Erlebnisse nicht zwingend oberflächliche Lektüre bedeuten müssen. Die Autorin hat mit ihrem schön geschriebenen, gut konzipierten Roman einen eindrücklichen Gegenbeweis angetreten.

 

Ihre Meinung zu »Micaela Jary: Sehnsucht nach Sansibar«

babilui zu »Micaela Jary: Sehnsucht nach Sansibar« 04.08.2012
Ein wirklich gut gelungenes Buch! Die ersten 100 Seiten ziehen sich etwas, ich finde es "plätschert" am Anfang ein wenig dahin und es fehlt an Spannung.
Aber das Durchhalten lohnt sich auf jeden Fall. Es ist schön mitzuverfolgen, wie die drei jungen Mädchen eine Freundschaft entwickeln und jede ihre eigenen Ziele verfolgt.
Außerdem finde ich die Einblicke über das Leben auf Sansibar im 20. Jahrhundert sehr interessant. Die Autorin schildert Ereignisse mit wahrem historischen Hintergrund. Auch von der Kultur und der damaligen Bevölkerungsstruktur erfährt man mehr.
Die Geschichte wird bis zum Schluss noch richtig schön aufgebaut und nimmt doch ein versöhnliches Ende.

Von mir gibt es auf jeden Fall eine Empfehlung und 85 Punkte.

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