Die Villa am Meer von Micaela Jary

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2017unter dem Titel „Die Villa am Meer“,, 512 Seiten.ISBN 3-442-48595-9.

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Kurzgefasst:

Rostock-Warnemünde 1897: Katharinas Hochzeit mit dem verwitweten, wesentlich älteren Manufakturbesitzer und Korbmacher Olaf Borchers steht unter einem schlechten Stern: Nicht nur, dass ihr Herz einem anderen gehört, Borchers halbwüchsiger Sohn ist nicht einverstanden mit der neuen Frau seines Vaters und torpediert die Ehe von Anfang an. Dennoch tut Katharina ihr Bestes, um mit ihrem Mann glücklich zu werden. Doch das ändert sich an dem Tag, an dem sie Pläne für ein eigenes Geschäft macht einen Strandkorbverleih an der Ostsee ...

Das meint Histo-Couch.de: „Vom Verlangen nach Glück“87Treffer

Rezension von Rita Dell'Agnese

Ende des 19. Jahrhunderts: die junge Katharina hat große Ziele. Sie heiratet den wesentlich älteren Witwer Olaf, einen Hersteller von Strandkörben, obwohl ihr Herz dem Seemann Joachim gehört. Doch Joachim ist für mehrere Jahre in See gestochen, um seinen Traum zu verwirklichen, Kapitän zu werden. Katharina ist ehrgeizig, sie verspricht sich an der Seite von Olaf ein glückliches Leben. Dass die Ehe von Olafs Sohn Eric abgelehnt wird, hindert Katharina nicht daran, ihr Ja-Wort zu geben. Die Ehe entwickelt sich allerdings nicht so, wie die junge Frau es sich gewünscht hätte. Zwar schenkt sie Olaf die beiden Söhne Christian und Ulrich, doch der Fabrikant engagiert zu deren Erziehung eine strenge Gouvernante, die eine völlig andere Einstellung hat als Katharina. Gelangweilt versucht Katharina, eine Aufgabe für sich zu finden. Sie möchte die Strandkörbe ihres Mannes nicht nur verkaufen, sie plant, selber eine Vermietung aufzuziehen. Mit dieser Idee allerdings stößt sie auf erbitterten Widerstand ihres Mannes. Denn er hält nichts davon, dass sich Frauen geschäftlich engagieren. Katharina kann ihre Pläne erst umsetzen, als sie einer unschönen Sache auf die Schliche kommt und sich mit Olaf arrangieren kann. Sie zieht in eine Villa ans Meer. Ihre frühere Liebe Joachim hat inzwischen die aus wohlhabendem Haus stammende Greta geheiratet. Auch diese Ehe  scheint unter keinem guten Stern zu stehen – in dem Moment, in dem Greta ihrem Mann eine Tochter zur Welt bringt, verunglückt Joachim und seine beruflichen Träume zerschellen. Katharina engagiert Joachim als Geschäftsleiter und weckt damit alte Gefühle.

Kantige Charaktere

Dass die Autorin Micaela Jary ihr Publikum in vergangene Zeiten entführen kann, hat sie bereits mit ihren bisherigen historischen Romanen bewiesen. Auch dass sie es wunderbar versteht, Familien zu portraitieren und den Lesern einen breiten Fächer von Emotionen und Schicksalen zu präsentieren. Hier knüpft sie mit Die Villa am Meer nahtlos an: Auch in diesem Roman sind es Familienschicksale, die bewegen. Und auch in diesem Roman geht es um eine starke Frau. Dass Katharina nicht die makellose Heldin ist, sondern über eine gehörige Portion Egoismus verfügt, macht sie zu einer kantigen Figur, die zwar nicht so schnell ans Herz wachsen mag, doch sehr realistisch wird. Greta taugt ebenfalls nicht ganz zur Identifikations-Figur. Sie wirkt unzufrieden und teilweise weinerlich, auch wenn man hier ebenfalls zum Schluss kommt, dass sie eine aus dem Leben gegriffene Persönlichkeit ist und damit genau das bewirkt, was dem Roman so gut tut: Es wimmelt nicht von Guten und Schönen oder Bösen und Hässlichen – alle Charaktere sind überzeugend, handeln nachvollziehbar, selbst wenn man sich ihnen dadurch nicht ganz verbunden fühlen mag. Die Distanz, die man zu den Protagonisten hält, ermöglicht eine ganz andere Sicht auf die Geschehnisse.

Schönes Zeitportrait

Sehr schön gelungen ist Micaela Jary einmal mehr die Darstellung einer Zeit und Gesellschaft, die schon etwas zurück liegt und von der oft verklärte Bilder bestehen. Die Autorin nimmt ihre Leser mit in jene Epoche und konfrontiert sie mit den gesellschaftlichen Zwängen und Erwartungen ebenso, wie mit den verschiedenen wirtschaftlichen Voraussetzungen. Dank ihrer Erzählkunst wirkt die Szenerie nicht belehrend, sondern bereichernd. Man fühlt sich bald zuhause an den verschiedenen Schauplätzen und bei den einzelnen Familien, ist hingerissen von den Entwicklungen und bestaunt die Stärke der Frauen, die nicht nur ihre eigenen Ängste überwinden müssen, sondern sehr stark auch gegen die Vorurteile der Gesellschaft anzukämpfen haben.

Dass Die Villa am Meer voraussichtlich eine Fortsetzung erfahren wird, ist ein schönes, wenngleich indirektes, Versprechen, das die Autorin ihren Lesern gibt. Wer sich diesem Roman gegenüber offen gezeigt hat und die kleinen sprachlichen wie erzählerischen Juwelen in sich aufnehmen konnte, wird sich freuen zu erfahren, wie es mit den Protagonisten weiter geht.

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