Die Abtei der hundert Sünden von Marcello Simoni

Buchvorstellungund Rezension

Die Abtei der hundert Sünden von Marcello Simoni

Originalausgabe erschienen 2014unter dem Titel „L'abbazia dei cento peccati“,deutsche Ausgabe erstmals 2016, 360 Seiten.ISBN 3954519429.

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Kurzgefasst:

Frankreich im Jahr 1346. Maynard de Rocheblanche hat gerade die blutige Schlacht bei Crécy überlebt, als er in den Besitz eines rätselhaften Pergaments gerät, das Hinweise auf eine kostbare Reliquie enthält. Doch das mysteriöse Schriftstück bringt ihn in höchste Gefahr: Mächtige Gegenspieler wollen es um jeden Preis an sich bringen. Maynard beginnt zu verstehen, dass er auf der Suche nach dem wertvollsten und gefährlichsten Objekt der Welt ist – dem Heiligen Gral. Und er weiß: Sollte das Pergament jemals in die falschen Hände gelangen, würde das Universum nie wieder dasselbe sein ...

Das meint Histo-Couch.de: „Auftaktroman einer neuen Trilogie des italienischen Autors“81

Rezension von Alexandra Hopf

Im August des Jahres 1346 kämpft der edle Ritter Maynard de Rocheblanche in der Schlacht bei Crécy. Als er sich verwundet vom Schlachtfeld schleppt, trifft er auf den sterbenden Jang de Blannen, auch bekannt als König Johann von Böhmen. Er übergibt ihm eine Pergamentrolle mit einem Siegelring und beschwört Maynard, sie gut zu verstecken und niemanden auszuhändigen, auch seinem Sohn, Karel von Böhmen nicht.

Wie der Mühlstein, den der Engel ins Meer warf

Befindet sich der Stein der Verbannung auf dem Blumenberg.

Für unser Heil ruht er in einer alten Krypta

Unter einem wunderbar gemalten Himmel voller Geschichten

Südlich von Saint-Savin in Villa Cerisii

Weder der Text des Pergaments noch das Wappen des Siegelrings geben Maynard Aufschluss über das Geheimnis, welches er so plötzlich hüten soll. Im Feldlager trifft er auf den Ritter Robert de Vermandois und als er weitestgehend genesen war, brachen sie gemeinsam Richtung Reims auf. Maynard möchte zum dortigen Kloster, in dem seine Schwester Eudeline Äbtissin ist. Doch auf dem Weg dorthin werden sie beim nächtlichen Lagern überfallen. Dabei wird Robert schwer am Kopf verletzt. Maynard gelingt es, den bewusstlosen Ritter zum Kloster Sainte-Balsamie zu bringen und in die Obhut von Eudeline und ihren Mitschwestern zu übergeben. Er weiht Eudeline in das Geheimnis des Pergaments ein. Sie hilft ihm, einen Teil des Rätsels zu entschlüsseln. Es geht dabei um die heilige Reliquie, den Lapis exilii oder Stein der Verbannung. Im Text finden sich auch Hinweise auf eine Krypta im Kloster Mont Fleur. Maynard macht sich auf den Weg um das Rätsel zu lösen. Als er auf dem Weg zum zweiten Mal angegriffen wird, wird ihm endgültig klar wie gefährlich das Geheimnis ist, welches er für Jang de Blannen hüten soll.

Nachdem er auch dem zweiten Hinterhalt entkommen ist, erfährt er im Kloster Mont Fleur, dass dort zwei Reliquien samt der Pergamentrolle von einem Mönch gestohlen wurden. Mit diesen neuen Informationen setzt Rocheblanche seine Suche fort. Er macht sich auf den Weg nach Ferrara ins Kloster Maria di Pomposa. Dort soll der diebische Mönch Facio di Malaspina Zuflucht gesucht haben. Während er seine gefährliche Suche fortsetzt, ahnt Maynard nicht, dass seine geliebte Schwester Eudeline sich durch das Wissen um die Pergamentrolle in großer Gefahr befindet. Er weiß nicht, dass ein mächtiger Kardinal Kenntnis von den Reliquien und dem Pergament hat und dieser skrupellose Mensch und seine Schergen ihn verfolgen. Er schreckt vor nichts zurück um die Macht über die heiligen Dinge zu erlangen. Und so kommt es dazu, dass seine geliebte Schwester Eudeline entführt wird. Kann Maynard die Reliquien finden und den Kampf gegen den Kirchenmann gewinnen?

Spannender „Mittelalterthriller“

Marcello Simoni liefert mit diesem Werk den ersten Teil einer neuen Trilogie ab. Die Handlung spielt überwiegend in Klöstern und gibt anschaulich das triste und karge Leben der Nonnen und Mönche wieder. Er zeigt aber auch, dass es im Umfeld der Kirche erschreckende Kaltblütigkeit, Habgier und Korruption gab. Der Kardinal wirkt im Prinzip wie das „menschgewordene Böse“. Diese niederträchtige Person hat im gesamten Roman nicht einen Zug Menschlichkeit oder Barmherzigkeit gezeigt. Mit einem krankhaften Drang versucht er an die gesuchten Reliquien zu gelangen und dafür ist ihm jedes Mittel recht.

Der Hauptprotagonist Maynard de Rochblanche wird als wahrer Held dargestellt. Ohne Furcht versucht er das Geheimnis um die Pergamentrolle, die er so unerwartet auf dem Schlachtfeld erhalten hat, zu lösen. Dabei ist ihm selbst gar nicht bewußt, in welcher Gefahr er sich damit begibt.

Selbstlos macht er weiter, obwohl er bereits mehreren Anschlägen entkam. Einzig die Sicherheit seiner Schwester Eudeline ist ihm wichtig. Auch Eudeline ist ein durchaus sympathischer Charakter. Sie verkörpert eine bemerkenswerte Stärke und stemmt für ihr junges Alter die Geschicke der familiären Güter und die des Klosters bravourös 

Gleichbleibend gute Spannung 

Reale Begebenheiten sind hier eher nebensächlich. Die Geschichte beginnt zwar bei der tatsächlich stattgefundenen Schlacht bei Crécy und in Nebenrollen kommen ein paar wenige historische Persönlichkeiten vor, aber die Geschichte um den Lapis exilii ist frei erfunden. Die Konstruktion dieser Geschichte ist spannend, auch wenn nebenher viele Informationen aus anderen Bereichen geliefert werden, wird das Buch an keiner Stelle langweilig. So widmet sich Simoni dabei ausführlich dem Thema Freskenmalerei in den Kirchen des Mittelalters. Damit spinnt er einen anderen Handlungsstrang nebenher und verwebt diese geschickt miteinander. Auch die ausführliche Beschreibung bestimmter Begebenheiten (wie z.B. eben besagte Fresken) und die Sprache tragen dazu bei, eine fesselnde Geschichte an den Leser zu liefern.

Man weiß zwar von Anfang an, dass es sich bei Die Abtei der hundert Sünden um den Beginn einer Trilogie handelt, trotzdem ist das Ende mehr als offen. Es bleiben wirklich alle Fragen unbeantwortet und das Buch endet abrupt an einer sehr spannenden Stelle. Diese Tatsache und die vielen Fragezeichen die sich dem Leser stellen, setzen quasi voraus, direkt im Anschluss mit Teil zwei fortzufahren. Hier hätte man sich doch gewünscht, dass der erste Teil ein etwas runderes Ende hätte um den Abschluss der Lektüre von Band eins etwas zu erleichtern. Dabei erwartet niemand, dass Simoni hier bereits alle Geheimnisse lüftet, aber es wirkt wirklich als hätte er hier mitten im Kapitel abgebrochen. Sollte der Italiener seine Leserschaft damit nicht allzu sehr verärgert haben, empfiehlt es sich durchaus mit Band zwei fortzufahren und zu hoffen, dass dieser ebenso spannend weitergeht.

Die Gestaltung des Covers ist dem Emons Verlag sehr gut gelungen. Die Schlichtheit wirkt zum Thema passend geheimnisvoll und einem „Mittelalterthriller“ angemessen. Es stellt beiges Pergament mit einem erhabenen Siegel dar, als würde es den Leser animieren wollen, das Siegel zu brechen und loszulesen.

Der erste Teil umfasst circa 370 Seiten. Am Ende findet der Leser ein nützliches Glossar und eine kurze Erklärung der beteiligten historischen Persönlichkeiten.

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