Teufelsmühle von Mani Beckmann
Buchvorstellung und Rezension
Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel „Teufelsmühle“, , 508 Seiten. ISBN 3-404-15538-6.
Kurzgefasst:
Im Jahre 1876 kehrt der Altertumsforscher Hermann Vortkamp in das Dorf Ahlbeck zurück, um steinzeitliche Hügelgräber auszugraben. Als er der hübschen Schulzentochter Lisbeth begegnet, verliebt er sich Hals über Kopf und schlägt die Warnungen seines eigenwilligen Großonkels, des Geistersehers Johann, in den Wind. Doch Lisbeth ist mit einem reichen holländischen Fabrikantensohn verlobt, und ihr Vater hegt einen alten Groll gegen die Vortkamps. Auch die Gräber am Kolk und eine Krypta unter der Kirche warten mit Überraschungen und unerwarteten Leichen auf, und manche Spur führt zurück ins Jahr 1535. Damals war Ambros Vortkamp, ein Vorfahr Hermanns, nach Ahlbeck gekommen, wo sein Vater die Mühle am Kolk betrieben hatte. Doch es heißt, ein Fluch liege über der Mühle, der den Vortkamps zum Verhängnis wird…
Das meint Histo-Couch.de: „;Gelungener Abschluss der Moortrilogie“;
von Bettina Weiß
Ein Roman auf zwei Zeitebenen
Die Handlung des Romans spielt auf zwei zeitlichen Ebenen und ist in eine aktuelle, ganz knappe Rahmenhandlung eingebettet. Der erste Handlungsstrang beginnt im Jahre 1535 und schildert das Leben und Erwachsenwerden von Ambros Vortkamp, sowie die tragischen Verwicklungen zwischen den Familien Vortkamp und der Schulzenfamilie Gerwing. Der zweite Handlungsstrang erzählt von Hermann Vortkamp und seinen Ausgrabungen im Dorf seiner Familie.
Die beiden zeitlichen Ebenen nehmen abwechselnd einen Teil des Romans ein. Die Handlung im Jahre 1876 wird in Tagebuchform erzählt und ist allein durch die völlig andere Erzählperspektive und den anderen Stil deutlich von dem anderen Handlungsstrang abgegrenzt. Mani Beckmann gelingt es trotz dieses scheinbaren Bruchs durch eine sehr lebendige Erzählweise auch die Tagebuchhandlung erstaunlich lebhaft und spannend zu erzählen. In den unterschiedlichen Teilen des Romans entwickelt sich nach und nach die Geschichte der beiden Familien und der Leser wird in die Geheimnisse eingeweiht.
Lebendige Geschichte des Münsterlandes
Den einzelnen Teilen sind jeweils eine kleine, sehr ansprechende Zeichnung sowie ein Literaturzitat vorangestellt. Dies ist sehr liebevoll gemacht und nimmt den Leser für die Handlung ein. Die einzelnen Kapitel wiederum sind mit kurzen zusammenfassenden Sätzen überschrieben und enden häufig mit offenen Handlungen, so dass ein Spannungsbogen auch über die unterschiedlichen Handlungsstränge hinaus entsteht.
Die Sprache des Romans ist den beiden Zeitebenen passend angenähert, damit ist der abwechselnde Erzählstil sehr stimmig bis ins Detail durchgehalten. Der Leser erfährt im Zuge der Geschehnisse nebenbei etwas über die Geschichte des Münsterlandes und der Wiedertäufer. Diese geschichtlichen Hinweise sind angenehm in die Handlung eingebunden und stören den Lesefluss in keiner Weise. Dem Roman ist ein Anhang beigefügt, der Anmerkungen und Übersetzungen enthält.
Trilogie ums Ahlbecker Moor
Bei diesem Roman handelt es sich um den letzten Teil der losen Trilogie um das Ahlbecker Moor. Die Vorgänger, „;Moorteufel“; und „;Die Kapelle im Moor“;, muss man nicht gelesen haben, um Freude an diesem Roman zu haben. Die Sprache ist flüssig und wunderbar zu lesen. Das Buch ist durch das sehr schöne Cover, welches direkt der Handlunge entnommen sein könnte und die Zeichnungen und Literaturzitate zu Beginn der einzelnen Teile ansprechend gestaltet, es macht Freude, dies Buch zur Hand zu nehmen.
Der Leser wird von der ersten Seite an in den Bann der Handlung gezogen. Der Spannungsbogen, der sich durch die Rahmenhandlung und die beiden Handlungsstränge bildet wird bis zum Schluss gehalten. Das Buch ist an keiner Stelle langweilig oder langatmig, sondern sehr gute Unterhaltung. „;Teufelsmühle“; weckt in jedem Falle das Interesse, auch die weiteren Teile der Trilogie zu lesen.
Ihre Meinung zu »Mani Beckmann: Teufelsmühle«
- win_fried zu »Mani Beckmann: Teufelsmühle« 22.09.2009
-
Wie schon in den beiden vorherigen Teilen der Moor-Trilogie bedient sich Mani Beckmann auch bei der Teufelsmühle wahrer historischer Begebenheiten: Einen geschichtlichen Hintergrund bildet das Ende der Wiedertäufer-Herrschaft in Münster. Beckmann erzählt weite Teile des Romans aus der Sicht des zwölfjährigen Ambros Vortkamp. Der Spannungsbogen wird aufrecht erhalten durch viele Fragen, Geheimnisse und ungelöste Schicksale. Wo zum Beispiel ist Ambros Mutter geblieben? Und wer ist der Mann, der im nahen Altheim ermordet wurde? Was ist dem Müller, dem Schwager des Schulzen, zugestoßen? Und welche Schuld hat Ambros Vater auf sich geladen?
Spannung herrscht auch durch den Zwist zwischen der Ahlbecker Familie Vortkamp und der des mächtigen Schulzen Gerwing. Eine Fehde, die sich durch Jahrhunderte fortsetzt, wie sich auf der zweiten Zeitebene zeigt: Der Altertumsforscher Hermann Vortkamp, dessen Vater Ahlbeck vor langer Zeit verlassen hat, kehrt in das Dorf seiner Vorfahren zurück. Wie bei Romeo und Julia verliebt er sich in die Tochter der Gerwings, mit denen die Vortkamps seit Generationen zerstritten sind ... Geschickt versteht es Beckmann, die Zeitebenen zu verknüpfen und Ereignisse des 19. Jahrhunderts durch Geschehnisse zu erklären, die fast 350 Jahre zurückliegen. Neben guter Unterhaltung bietet das Buch ganz nebenbei auch viel Wissenswertes: Das historische Ambiente stimmt, das Lokalkolorit ebenfalls. Beckmann lässt viel Informationen über Zeitgeschehen, Handwerk und Gesellschaft in sein Buch einfließen.
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Roman mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern dabei nicht die Spannung. Danke!

