Luther Blissett

Luther Blissett ist keine reale Person, sondern mehr der Titel eines Projekts. Allerdings geht der Name auf eine reale Person zurück, nämlich den karibisch-englischen Fußballspieler gleichen Namens, der in den 1980er Jahren u.a. für den FC Watford und den AC Mailand spielte.

Luther Blissett ist in diesem Fall ein frei verwendbares Pseudonym und Medienphantom, mit dessen Freigabe des Namens die Trennung von Kollektiv und Individuum aufgehoben werden soll.

„Geboren“ wurde die Idee Luther Blissett im Jahr 1994 in Bologna, indem eine Gruppe von subkulturellen Aktivisten gezielt Falschmeldungen in den Medien etablierten. Seinen ersten „Auftritt“ hatte Blissett als britischer Perfomance-Künstler, der mit einem Fahrrad die Konturen des Wortes „Art“ („Kunst“) auf der italienischen Landkarte abfahren wollte und seitdem verschollen sei.

Vor alle, Italien lag im Mittelpunkt der Streiche Blissetts, der Name wurde aber auch von Aktivisten, Künstlern und Musikern in England, Spanien, Deutschland und den USA übernommen. 1999 hatten die Medien das Spiel mit Luther Blissett durschaut und liessen sich nicht mehr irritieren. Daraufhin verkündeten die italienischen Blissett-Aktivisten seinen „;Seppuku“ (Selbstmord) und veröffentlichten , nachdem sie sich namentlich zu erkennen gegeben hatten, den gemeinschaftlichen Roman Q, der die Geschichte der linken italienischen Gegenkultur im Gewand eines Historienromans über die Reformationszeit erzählt.

Im deutschsprachigen Raum sind unter dem Namen Luther Blissett neben dem Roman Q auch das Handbuch der Kommunikationsguerilla (1997), die Pluinderphonics-CD Vivacide (1996) und die Textcollage The Invisible College erschienen.

Mehr über Luther Blissett:

Romane von Luther Blissett:

  • (1999) Q